# berchtesgadener_alpen.txt
# zuletzt gendert 23.11.2003


!node I. Aus den Berchtesgadener Alpen
!alias BerchtesgadenerAlpen
!html_name berchtesgadener.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen

!subnode I. Die Sdliche Watzmannspitze
!html_name berchtesgadener_watzmann.html
(Hierzu (!link [Vertikal] [Vertikalprofil1])- und (!link [Horizontalprofil] [Horizontalprofil1]) No.~1)

!subsubnode Charakter der Ost- und Westhlfte der Nrdlichen Kalkalpen
!html_name berchtesgadener_watzmann_charakter.html
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Scharf ist die Grenze, scharf der Unterschied zwischen Osten und Westen der nrdlichen Kalkalpen. Sobald
der Inn, der von Landeck herab ihren Sdfuss besplt, von dem krystallinischen Urgebirge sie geschieden,
ihre Mauer durchbrochen hat, sich hinaus wendet aus den Alpen in die weite, flache Ebene, ndert sich auch
die Struktur der Gebirge, die er begleitete. Das Kaisergebirge allein erhebt sich noch, ein Rest des
Kettenbaues, wie er im Westen des Inndurchbruches Regel, an seinem stlichen Ufer; in ihm kommt noch die
west-stliche Streichrichtung der Hauptkmme, die vorwiegende Bildung von Lngsthlern, ihre Scheidung durch
tief eingesattelte Joche von immerhin betrchtlicher Hhe, zur Geltung.

Und doch zeigt schon das eine Glied dieser Gruppe, das nrdlich gegen das Flachland hin vorgelagerte, eine
entschiedene Neigung zur Hochplateaustruktur.
Das nchste bedeutende Kalkgebirge, welchem im Osten wir begegnen, die Loferer und Leoganger Steinberge, sind bereits
vllig in diesem Charakter bergegangen. Noch unterscheidet man sie als Kmme, aber so breit und flach
dehnen sich die Hgelkare zwischen den Auslufern, so gleichmssig fllt der Steilabbruch der ersten mit den
Enden der letzteren zusammen, dass das ganze Gebirge mehr den Eindruck eines breitscheiteligen Stockes mit
vereinzelt auf ihm sich erhebenden Gipfeln, als den einer verstelten Kette hervorruft. Und nur ein Schritt
weiter nach Osten, ber die Thalung der Saalach hinber, da stehen wir im Gebiete der gliederlos, prall aus
der Ebene und aus den Thlern aufsteigenden Gebirge, im Gebiete der verworrenen Hgelflchen, vom zhen
Krummholze berfilzt, von sprlichen Alpenrasen berzogen, oder nackt und kahl die blendenden Platten auf
Meilenweite hin erstreckend, das Karrenfeld, das Steinerne Meer. Weit ber die Grenzen der Berchtesgadener
Alpen hinaus erstreckt sich diese Hochplateaubildung; das Tennengebirge, der Dachsteinstock, das Hllengebirge
bieten weitere, zum Theile noch ausgeprgtere Beispiele derselben.
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!subsubnode Allgemeiner Ueberblick der Berchtesgadener Gruppe
!alias berchtesgadener_ueberblick
!html_name berchtesgadener_watzmann_ueberblick.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Untersberg, Lattengebirge, Reiter Alpe, Reiter Alm, Hoher Gll, Hagengebirge, bergossene Alm, Hochknig
# Stichwort: Berchtesgadener Alpen (berblick)
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Bleiben wir indessen bei der Berchtesgadener Gruppe, bleiben wir innerhalb der Grenzen der Salzach,
Saalach, des Urschlauer [Urslauer Ache] und des Mhlbaches. -- Drei vereinzelte Hochplateau-Stcke sehen wir
im Nordwesten der Hauptgruppe vorgelagert: den (!B)Untersberg(!b), das (!B)Lattengebirge(!b) und die 
(!B)Reitalm(!b) [Reiter Alpe].
Die Hauptgruppe aber zieht sich in weitem Bogen von Ost nach Sden, Sdwest und Westen. Sie beginnt mit
einem ausgeprgten Kettengebirge, dem (!B)(!link [Gll] [BerchtesgadenerGoell])(!b); es steht wie fremd in
dieser Alpenwelt, schon in seiner nchsten Nachbarschaft, jenseits des Torrener Jochs, beginnt die Hochflche,
das Karrenfeld. Da dehnt sich das (!B)Haagengebirge(!b) [(!link [Hagengebirge] [BerchtesgadenerHagengebirge])]
bis zu den Randgipfeln hoch ber dem Blhnbachthal.
Dann folgt eine flache Thalung, aber ebenfalls terrassirt, hgelwellig, das Gebiet der (!B)Rth(!b) am
Fusse der Teufelshrner. Gen Sden schwillt es hher an zu den Revieren der (!B)Wildalm(!b), an welche mit
dem schwachen Kettengliede der Urschlauer Scharte noch ein gewaltiger Bergstock stlich sich anhngt,
mit stundenlangem, firnglnzenden Scheitel, den Culminationspunkt der ganzen Gruppe tragend: die
(!B)Uebergossene Alp(!b) [bergossene Alm] mit dem (!B)(!link [Hochknig] [BerchtesgadenerHochkoenig])(!b).

Westwrts aber verlaufen seine Plattenwellen in jenes bekannteste Hochplateau der Ostalpen, das
(!B)Steinerne Meer(!b). Es endet im Sden mit gewaltigen Gipfelhuptern, mit Wnden von mehr als tausend
Fuss Hhe ber dem Urschlauer [Urslauer] Thale und ber dem Mitterpinzgau. Gegen Westen sendet es Auslufer
das Diessbach- und Weissbachthal entlang und seinen Hauptkamm, nunmehr zum Kettengebirge eingeschrnkt,
hinaus zur (!B)(!link [Hocheisspitze] [BerchtesgadenerHocheis])(!b), zum (!B)Kammerlinghorn(!b), auf dem Pass Hirschbichel mit den Vorlufern der Reitalm sich zu verknpfen. Ein Bergwanderer, der von den Knigsbergalpen am Torrener Joch ausginge, knnte in drei starken Tagesmrschen kaum die ganze Lnge dieses riesigen Karrenfeldgebirges bis nach seinem entgegengesetzten Ende, der Hollermaisscharte oder dem Rothen Wasser am Hundstod, durchmessen.

Inmitten dieses weiten Kreises von theils zusammenhngenden, theils getrennten Plateaustcken, strecken zwei
Felsenketten schrfsten Gipfelbaues von Sden sich nach Nord: ans Steinerne Meer, an den Pass Trischbel
knpft der (!B)Watzmann(!b) sich an -- ihm stehen stlich gegenber die Randgipfel des Haagengebirges
und ihre Vorstufen. Die tiefe Thalspalte zwischen beiden birgt den Knigssee, diesen wahren Knig unter den
Seen der Alpen. Der zweite Querkamm stellt als die unmittelbare Fortsetzung der Kette sich dar, welche vom
Nordwestende des Steinernen Meeres ausstrahlt; von der Hocheisspitze nrdlich umbiegend, erhebt sie sich
zum (!B)Hochkalter(!b), dem Watzmann gegenber. Ungewhnlich rasch senken die beiden mchtigen Gebirgskmme
sich gegen Norden ab; ihre Fuss umrandet das Thal der Ramsauer Ache. Zwischen sich schliessen sie den
Schuttstrom des Wimbachthals; im Westen der Hochkalterkette liegt, vom Reitalmgebirge andererseits begleitet,
das Klausbach- und Hinterseeerthal. Der (!B)Watzmann(!b), das hchste, selbstndig erhobene Gebirge,
das seiner ganzen Erstreckung nach(!^)*(!^^)) innerhalb deutscher Reichsmarken liegt, bildet den Ausgangspunkt
meiner Beschreibungen.

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(!^)*(!^^)) Hhere, als der Watzmanngipfel, werden auch von der Reichsgrenze nur im Wettersteingebirge
berhrt; es sind Schneefernerkopf und Zugspitze; der Hochwanner steht dem Watzmann nahe gleich. Sieht man
vom stlichen Zugspitzgipfel ab, welcher als selbstndiger Gipfel indessen kaum in Betracht kommt, so ist
der hchste Punkt (!B)innerhalb(!b) der Reichsgrenze die nrdliche Watzmannspitze.
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!subsubnode Die Spitze des Watzmann
!html_name berchtesgadener_watzmannspitze1.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Watzmann, Hocheck, Schnfeldspitze
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Nur um wenige Jahre liegt die Zeit hinter uns zurck, da der Watzmann mit seinen (!B)drei(!b) Spitzen in
aller Bergsteiger Munde war, freilich nur um (!B)eine(!b) derselben, und eben die imaginre, zu ersteigen
und von ihrer Ersteigung zu erzhlen. Der sogenannten (!B)Mittleren Spitze(!b) wurde so nebenher erwhnt
mit der Bemerkung, dass man auf diese nicht gelangen knne, und endlich wussten manche Leute noch von
einer (!B)Hinteren Spitze(!b) allerlei Abenteuerliches zu berichten. Einen kleinen Fortschritt in
naturwahrer Schilderung der Gebirge und in dem Abstreifen althergebrachter Vorurtheile gerne anerkennend,
kann ich sagen, dass bezglich des Watzmanngebirges ein solcher Fortschritt zu vernnftiger Auffassung
in den alpinen Schriften der letzten Jahre sich fhlbar gemacht hat. Das Hirngespinst einer (!B)Vorderen
Watzmannspitze(!b) wurde durch Einfhrung der sachgemssen Benennung (!B)Nordeck(!b) fr den Standpunkt
des trigonometrischen Signals (8256' 2682~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Hocheck, 2651~m]
verbannt, die beiden brig bleibenden, wahren Watzmanngipfel fangen an in ihre Rechte einzutreten und
durch die Benennung (!B)Nrdliche(!b) -- (!B)Sdliche Spitze(!b) [Mittelspitze, 2713~m, und
Sdspitze, 2712~m] jeden dritten in ihrem Bunde auszuschliessen.

Ein Watzmannbesteiger, der er sein will, sieht sich allmlig auf einen der beiden Gipfel verwiesen; die
sagenhafte Unbesteigbarkeit des Nrdlichen ist durch mehrfache, in den letzten Jahren sogar ziemlich
zahlreiche Besuche, die ihm abgestattet wurden, widerlegt, seine Ersteigung dem Bergfreunde, der fremde
Erfahrung der eigenen vorzieht, in anschaulicher Weise bereits geschildert.
Zwei felsentchtige Bergshne Berchtesgadens, die Holzknechte (!I)Breisen(!i) und (!I)Kederbacher(!i) von
der Ramsau, haben sogar den Gratbergang von der nrdlichen zur sdlichen Spitze bewerkstelligt(!^)*(!^^))
und der zu frhe dahin geschiedene (!I)Karl Hofmann(!i) hat mit seinen Begleitern zwar nicht diesen
Uebergang, der von ihm ursprnglich beabsichtigt war, dafr aber den kaum minder abenteuerlichen direkten
Abstieg vom Watzmannscheitel ins Wimbachthal zur Ausfhrung gebracht(!^)**(!^^)), und damit die gerade
Ersteigbarkeit der Westseite des Grossen Watzmann dokumentirt. Lediglich eine Lcke in den Beschreibungen des
Grossen Watzmann also ist es, welche ein Bericht ber eine Ersteigung seiner sdlichen Spitze (auch
Hintere- oder Schnfeldspitze genannt), auszufllen bestimmt ist.

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(!^)*(!^^)) Derselbe wurde, wie ich im Jahre 1873 in Erfahrung brachte, seither noch mehrmals ausgefhrt,
u.a. auch von dem Jger (!I)Kurz(!i) auf Trischbel. (!nl)
(!^)**(!^^)) Siehe Amthor's Alpenfreund Bd.~I, S.~81.
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!subsubnode Beschreibung einer Tour auf die Sdliche, eine Lcke in der Alpenliteratur
!alias BerchtesgadenerSchoenfeldspitze
!html_name berchtesgadener_watzmannspitze2.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Watzmann, Schnfeldspitze

!subsubsubnode Nachtquartier im Wimbachschloss. Reminiscencen eines Abenteuers in den Felsgrben des Palfenhorns
!alias BerchtesgadenerPalfenhorn
!html_name berchtesgadener_watzmann_palfelhorn.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Wimbachtal, Wimbachschlo, Palfelhorn, Balfenhorn
# Balfenhorn: Bez. laut AV-Karte
# Stichwrter: Wimbachschlo, Wimbachtal, Palfelhorn
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Es war eine unruhige Nacht, die ich vom 11. auf den 12.~Juli 1868 in der Heustube des
(!B)(!www [Jagdhauses] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-32874|270480|0])(!b)
im (!B)Wimbachthal(!b) verbrachte; schwere Trume drckten meinen Schlaf, Trume von wackelnden Mauerzinnen,
vom Fusse wegbrechenden Stufen, berkippenden Schneefeldern, vom Sturze hinaus in die freie Luft, die mich
schwimmend dahin trug, bis dass der weichende Alpdruck mich wieder das Heu an meiner Seite fhlen liess.
Und es war wohl etwas daran an diesen Trumen; gestern in den Grben des Palfenhorns [Palfelhorn] hatte ich
einen Sturz gethan ber ein paar hundert Fuss hartgefrorene Schneelehne, und, was das Schlimmere war, einen
Sturz in Compagnie. Einer meiner Berchtesgadener Collegen wollte mit mir aufs Palfenhorn, wir hatten in einer
Firnschlucht an zwei Stunden lang Fussstapfen getreten, bis mein Begleiter pltzlich hinter mir verschwunden
war, und im Versuche, zurckzusteigen, ich alsbald ihm nachfolgte. Mit dem Gesicht gegen den Schnee gehalten
und die Hnde so fest wie mglich eingekrallt, blieb ich in gerade Lage und nahm keinen Schaden, als die
rasende Fahrt, eben noch bevor sie zwischen die Felszacken hineinging, in der Randkluft ihr Ende erreichte;
aber mit grosser Mhe spedirte ich meinen Gefhrten, der bereits ins Ueberschlagen gekommen war und ziemlich
bel sich zugerichtet hatte, den Rest des Firnfelds hinunter und zum Wimbachthale hinaus. Das Palfenhorn,
vorher mit Nebeln umhllt, schaute mit seiner scharfen Spitze recht hhnisch uns nach und gab uns noch
weitere Gelegenheit, ber unsere Tollheit nachzudenken; denn die Schlucht, die wir angestiegen, erreichte
gar nicht den Grat, sondern lief senkrecht unter dem Gipfel in den Steilwnden aus. --

Auf der Landstrasse trafen wir zum Glck ein Fuhrwerk, welches den Blessirten nach Berchtesgaden zurck
brachte. Dort war heller Aufruhr; die Kunde: "zwei Praktikanten sind am (!www [Palfenhorn] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-35471|265591|0]) abgefallen" war uns, oder vielmehr meinem Unglcksgenossen, wie ein Lauffeuer schon vorausgeeilt. Denn was mich anbelangt, so
fiel mirs nicht entfernt ein, nach Berchtesgaden zurckzukehren. Der Abend versprach einen herrlichen
Morgen, der Berggipfel, von mir noch unbetreten, standen mehr als genug im weiten Kreise um mich herum.
Ich hatten den kommenden Tag besser zu ntzen, als Predigten ber wagehalsiges Bergsteigen anzuhren,
und retirirte, sobald ich meinen Gefhrten versorgt wusste, wieder ins Wimbachthal hinein, um im
Jagdhause zu bernachten. Und als die Sterne vor dem grauenden Morgen erblichen, spazierte ich, einen Fuss
etwas schleppend, wieder dem hinteren Wimbachgries entgegen. Meine erste Absicht, das Palfenhorn sofort von
Neuem anzupacken, war aufgegeben; dass seine knftige Ersteigung nicht in Frage stehe, sobald der Grat
erreicht, lag klar vor Augen, und der Weg nach letzterem war in der breiten, gewundenen Schneestrasse des
Seilergrabens, westlich vom Gipfel, klar genug vorgezeichnet. Der vielversprechende Tag sollte vielmehr
auf eine Spitze von hherem Range verwendet werden, und dazu war die (!B)Sdliche Watzmannspitze(!b)
ausersehen.
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!subsubsubnode Das Wimbachgries und sein Gebirgsrahmen
!alias WimbachgriesGebirgsrahmen
!html_name berchtesgadener_watzmann_wimbachgries.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Wimbachgries, Palfelhorn, Balfenhorn, Rotleiten, Seilerkopf, Sigeretkopf, Sigretkopf, Hundstod, Watzmann, Hochkalter, Schnfeldschneid, Trischbel, Alpelhorn
# Stichworte: Wimbachgries, Seilerkopf, Sigeretkopf, Trischbel, Hochkalter, Hundstod, Rotleiten(schneid), Schnfeldschneid, Alpelhorn
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Ich suche gerne nach dem unbekannten Pfad in der Hhe, auf der Grenze des Grnen, am freien Felsen umher,
das Gipfelziel vor Augen; bin aber keineswegs ein Freund des Wegesprens in Thalboden, auf dem bewachsenen
Gehnge. Und doch musste ich diesmal von der Thalsohle am Fusse meines Berges bis zur hchsten Zinne empor
Schritt fr Schritt mir suchen. Gesehen hatte ich die Sdliche Watzmannspitze von ihrer Sdwestseite noch
niemals; die gestern misslungene Ersteigung des Palfenhorns htte Aufschluss bieten knnen, ebenso eine
frhere Partie, welche auf den Hundstod mich fhrte; aber dort hatte dichter Nebel mich umfangen gehalten
und nur die zerhackte Schnfeldschneid, die zum Pass Trischbel herabzieht, war mich noch in Erinnerung.
Der Jger im Wimbachschloss (so lautet die etwas hochtrabende Benennung des einfachen Jagdhauses) hatte mir
einige Rathschlge mitgegeben; ob sie verlssig sein wrden, musste die Folge erst ausweisen.

So schlenderte ich denn im khlen Morgengrau thalein, der Dinge gewrtig, die da kommen sollten. Die
Strasse verliert sich im breiten, trocken liegenden Gerllstrome des Wimbachs, dessen Gewsser nur bei
aussergewhnlicher Schwellung durch Regenwetter und dergl. zu Tage treten; im Schutte aufgerichtete
Stangen bezeichnen den Verlauf des Weges, bis dass er, noch immer fahrbar, wieder auf buschiges Terrain
am stlichen Thalsaume bertritt. Ernst schauen die blassen Mauern des (!B)Watzmann(!b), des
(!B)Hochkalter(!b), in den den Grund herein; das gelichtete Gebsche, die letzten, vom Wege berstiegenen
Hgelabstze des flachen Thalbodens, das Zurcktreten des vom Watzmann hereingeschobenen Bergriegels
erffnen allmlig den ganzen, weiten Felsencircus, mit welchem das Wimbachthal im Sden sich schliesst.
Der Hauptdolomit der Alpen, im Berchtesgadener Gebirge nur ausnahmsweise am Aufbaue der hohen Gipfel
betheiligt, die fast durchweg dem jngeren Dachsteinkalke angehren, gefllt sich hier in der Bildung
einer Reihe der bizarrsten Felsgestaltungen auf dem Grat, dessen Centrum die (!B)Gruppe der Palfenhrner(!b)
((!B)Grosses Palfenhorn(!b) 7090' 2303~m (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Palfelhorn, 2222~m] einnimmt,
zierlich wie das Schaustck eines Zuckerbckerladens aus feinster Zerspaltung der schroffen, dster gefrbten
Wand geschnitten, seine Rippen und Seitenthrme aus den zartesten Zckchen, aus Reihen nadelscharfer
Mauerspitzen zusammengefgt. --

Das (!B)Kleine Palfenhorn(!b), vom Eingang des Wimbachthales gesehen, tief unter dem Grossen stehend,
drngt letzteres nunmehr ganz in den Hintergrund, da es, dem Seitenkamme desselben angehrend, weit in die
Thalmitte sich vordrngt; und noch ein drittes, (!B)kleines Palfenhorn(!b) legt sich davor, als ussersten
Posten in den Schuttwsten des Wimbachgrieses. Westlich an die Palfenhrner reiht sich der flachrunde
(!B)Seilerkopf(!b) (6500' 2144~m Keil) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Sigeretkopf, 2066~m], das schnrkelartig aufgebogene
(!B)Alpelhorn(!b) (6954' 2259~m Keil) [2254~m]; ein zerhackter Grat verbindet dieses mit den zerklfteten
Nordwnden der (!B)(!link [Hocheisspitz] [BerchtesgadenerHocheis])(!b); eine ebenso scharfe Schneide streckt von den Palfenhrnern gegen Osten sich hinber zu den Gipfeln der (!B)Rothleiten(!b), die einen Theil des Hofstaates des mchtigen Herrschers (!B)Hundstod(!b) ausmachen. Der tiefe, schwrzliche Ton der Dolomitfelsen geht an der Rothleite fast pltzlich in ein flammendes Gelbroth ber; es werfen ihre Wnde dem Alpenwanderer die Glut des nahendes Tages in grellen Spiegeln entgegen. --

Aufgerissen, bis in seine innersten Eingeweide umfngt der Mauerkranz das amphitheatralisch an seinem Fusse
hingebettete Trmmermeer. Hoch oben in den Mauerspalten hngt der Firn, aus den verbreiterten Schluchten
zwischen klippigen Aesten brechen die Zuflsse an Gerll und losgerissenen Felsblcken hervor. Nur wenige
Inseln ragen aus der wsten Flche auf, umrandet von der Schuttflut, die sie bisher noch verschont und
Jahr fr Jahr enger ihre Grenzen zieht; dunkles Grn von der Legfhre sticht auf ihnen scharf ab vom
weissen Gestein, das sie umsumt; und doppelt zauberhaft erglht in diesem Rahmen der Purpur ppig
wuchernder Alpenrosen. Auch das Wimbachthal bietet ein Stckchen Touristenwelt; sie wandern hinein, die
feuchten Stege der (!B)Wimbachklamm(!b) -- grossartig, unvergleichbar romantisch! -- hinaus, wo das
Tageslicht wieder winkt, da schliesst das Wimbachthal sich auf, die Schrofengabel der Palfenhrner blickt
von ihrer Grathhe herunter -- ach wie herrlich! -- Das Gewsser des Wimbachthales verrauscht unter den
Gerllen, dafr knallen am Wimbachschloss die Flaschenbier-Stpsel. Jetzt adieu, Wimbachthal! -- Geht nur
wieder zur Landstrasse zurck, dort warten die Equipagen!
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!subsubsubnode Anstieg zum Alten Schnfeld
!alias AnstiegAltesSchoenfeld
!html_name berchtesgadener_watzmann_schoenfeldanstieg.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Wimbachgrieshtte, Zirbeneck, Griesspitze, Trischbel, Schnfeldschneid, Rotleiten
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Eine Stunde nach dem Aufbruch von meinem Nachtquartiere war ich an der letzten, nahrungsspendenden Station,
der (!B)Griesalpe(!b) (4215' 1340~m) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])(!www [Wimbachgries-Htte] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-33536|266805|0]); 1327~m] angelegt, am sdwestlichen Fusse des
(!B)Zirbeneck(!b); es ist diess einer der drei Bergrcken,in welchem zum Wimbachthale herab die
(!B)Griesspitze(!b) sich theilt, die ihrerseits wieder mit der Sdlichen Watzmannspitze in direktem,
ost-westlichen Gratzusammenhange steht. Die Alpe liegt aus dem grasreichen, aber beschrnkten Boden einer
ber die Sohle der Wimbachschuttfelder etwas erhabenen, hgeligen Flche; aus dem rauchigen Kaser trat eben
die Sennin, die Khe zur Frhmelke rufend; ich liess mir eine Schssel Milch geben und hielt Frhstcksrast,
im Anblicke der zerrissenen (!B)Schnfeldschneid(!b), die vom Watzmanngipfel gen Sden sich senkt; -- der
Wnde, die zum (!B)Pass Trischbel(!b), der nordwestlichen Eingangspforte des (!B)Steinernen Meeres(!b)
sich hinaufbauen; -- der (!B)Rothleiten(!b) und der (!B)Palfenhrner(!b). Die Sonne war herauf, frische
Morgenluft strich von den Hhen herab ins Thal, durchsichtig blau wlbte der Himmel sich ber den
Felsenhhen. Nach wenigen Minuten wanderte ich wieder von dannen, nun in stlicher Richtung, dem Abschlusse
des Wimbachthales zu.

Noch hatte ich bequemen, breiten Weg, sogar noch fahrbar, meist im hohen, vom Alpenrosengestruche
unterwucherten Krummholze sich haltend. Das (!B)Wimbachgries(!b), von dem Gehnge der Griesspitz und der
Schnfeldschneid enge umsumt, blieb mir zur Linken. Ein schner Zickzackpfad zeigt sich an seinen
Gerllhalden, bis unter die Wnde des (!B)Zirbeneck(!b) hinein; er fhrt zu einem kniglichen Jagdstande,
ist daher meinen Zwecken nicht dienlich. Abermals war eine halbe Stunde ebener Thalwanderung verflossen,
ich begann ungeduldig zu werden und sphte um so eifriger an den Watzmannflanken umher, wo etwa der Steig
zum (!B)alten Schnfeld(!b) hinauf sich zeigen mchte. An einer Stelle schien das Krummholz weiter und
zusammenhngender herabzureichen, als anderwrts; ein sandiger Abrutsch mochte den Beginn des Steiges dort
verbergen; zudem war ich der Stelle bereits nahe gekommen, an welcher der Fahrweg des Wimbachthals in
einen Fusspfad bergeht, der alsdann ber den Steilabsturz am Hundstodzaun hinauf den Pass Trischbel
ersteigt; und der Anweisung des Jgers zufolge sollte hier vom gebahnten Wege abgewichen werden.
Ich kreuzte also das Gebsche des Thalgrundes, das trocken liegende Trmmerbett, fand darin in der That
eine kleine, aus der Entfernung kaum merkbare Richtungsstange aufgesteckt und an der abgerissenen
Stelle des Uferrandes schwache Spuren eines Steiges, die im Krummholz bald deutlicher hervortraten;
und somit war fr den Anfang der Bergpartie wenigstens gesorgt.

Im Dickicht der Legfhren ausgehauen, fhrte die Pfadspur in kurzen Windungen der (!B)Schnfeldschneid(!b)
ziemlich parallel aufwrts, querte im Halbkreise mehrere Grben des zerfurchten Gehnges, liess jedoch den
tiefen, trmmerfhrenden (!B)Banngraben(!b), der unmittelbar lngs der Schnfeldschneid sich herunterzieht,
zur Rechten. Bald erffnete sich ein erweiterter Ueberblick der Schuttwste, deren Grund ich verlassen,
ihrer den Buchten im Gemuer der Rothleiten und der Palfenhrner; (!B)in der Kirche(!b) heisst der
Volksmund dieses abgeschiedene Stck Welt, und in der That erinnern die gezackten Strebepfeiler dieser
Mauern ein wenig an die Sulen gothischer Dome, und eine andchtige Stille umfangen sie in ihrem dsteren
Kreise. In mssiger Hhe bereits, und lange bevor das Krummholz verschwunden oder auch nur lichter geworden wre,
verlor ich bereits den Pfad, ich suche im Gebsche weiter, wurde von trgerischen Fhrten hin und her
genarrt und kletterte eine gute Weile im zhen Gestrppe ber die Schrofen weg.
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!subsubsubnode Die Schnfeldschneid und die Sdliche Watzmannspitze
!alias SchoenfeldschneidWatzmannspitze
!html_name berchtesgadener_watzmann_schoenfeldschneid.html
!html_keywords Schnfeldgraben, Schnfeldschneid, Griesspitze, Altes Schnfeld
# Stichwrter: Altes Schnfeld
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Von einem mchtigen Steilabsturze gegen den (!B)Schnfeldgraben(!b) aus der schrgen Anstiegsrichtung
abgedrngt, traf ich in etwas grsserer Hhe pltzlich wieder auf den Pfad und gewahrte nun, dass ich die
Gasse, welche die Graslehne mir erffnet hatte, in gerader Linie aufwrts htte verfolgen sollen; eine
Ausnahme von der Regel, dass auf solche Durchrisse (gewhnlich sind es Lawinenstriche) nicht viel Verlass
ist. Den Steig hatte ich nun wieder gewonnen, doch wurde mir durch denselben nur die Gewissheit zu Theil,
auf rechter Spur mich zu befinden, sonst nicht gerade bedeutende Erleichterung; er befand sich in
ruinsem Zustande; ber das hereinwuchernde Krummholz war augenscheinlich seit Langem keine bahnbrechende
Axt mehr gekommen, und in den Grben, deren nach wie vor eine betrchtliche Anzahl die Bergflanke
durchschnitten, war er meist vllig abgerissen, und musste ein tauglicher Uebergang gesucht werden,
als ob es berhaupt keinen Pfad hier gbe.

Dieser Uebelstand machte sich besonders fhlbar, als zuletzt in
links gehaltener Anstiegsrichtung die Fhrten gegen den tiefen, in starken Steilstufen fallenden
Schnfeldgraben sich hineinzogen; sie liefen gerade auf einen hbschen Wasserfall zu und liessen oberhalb
desselben zwar Spuren einer ehemaligen Weganlage, zugleich aber auch die Unpassirbarkeit dieser Stelle
ohne solche knstliche Vorrichtung erkennen. Ich musste hier vom Weg vllig abgehen, im Geschrfe
aufkletternd den Rand des Schnfeldgrabens verfolgen und erlangte denn auch in einiger Hhe die Mglichkeit,
seine enge Sohle zu kreuzen. Damit war die Steile der unteren Watzmannstufe berwunden, und der
Anschluss an breite, flach aufgewlbte Hgelflchen gewonnen, welche auf der Terrasse des (!B)alten
Schnfelds(!b) ihre obere Grenze finden.

In einer grasreichen Einsenkung, mit kurzem Krummholze bewachsen,
gewann ich rasch den Hhenrand. Eine weite Kesselflche steiniger, schwach begrnter Hgelwellen dehnte
vor meinem Fusse sich hin, nordwrts gehoben und in ein kahles Gerllkar bergehend, von einem niedrigen
Bergwalle abgeschlossen; gegen Westen erhebt sich derselbe zur (!B)Griesspitze(!b), die als wenig bedeutender
Schrofenkegel nun vllig auf meine linke Seite getreten ist; gegen Osten schliesst er mit hochgeschwungenem
Zackengrate an's Hauptmassiv des Watzmann sich an. Dort im Osten stehen in langer Reihe die Zinnen der
Schnfeldschneid, eine Felspyramide unter ihnen tritt besonders augenfllig hervor -- sollte es die
Schnfeldspitze sein? Zwar steht weit im Nordosten ein anderer, gewaltiger Gipfelthurm auf dem Grate, aber
so entfernt liegt derselbe zurck, dass ich mich gerne mit dem Gedanken trste, das msse die Nrdliche
Spitze sein, zudem die Gestalt vllig mit jener bereinstimmt. Wenn das die Sdliche Spitze wre -- welch
unabsehbar langer Weg stnde mir dann noch bevor! aber Geduld, (!B)er steht(!b) mir bevor!
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!subsubsubnode Kamin in der Wandstufe
!alias KaminWandstufe
!html_name berchtesgadener_watzmann_wandstufe.html
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# S. 12 oben
Zunchst also nahm ich meine Richtung auf die hervortretende Pyramide in der Schnfeldschneid, hoffend,
in ihr mein Tagesziel zu finden; vom (!B)alten Schnfeld(!b), das noch die Ruinen der ehemals hier
vorhandenen Alphtte zeigt, ostwrts gewendet, wanderte ich die sanftgehobenen Hgelwellen hinan, dem
Fusse einer kahlen, die Bergflanke iher ganzen Breite nach einsumenden Mauerstufe zu; oberhalb derselben
befinden sich, wie leicht ersichtlich, wieder gangbare Pltze von weit betrchtlicherer Ausdehnung, als
man in der Tiefe des Kars es ahnt; der Aufgang nach denselben ber die sperrenden Wnde von 400-600' Hhe
[130-190~m] muss jedoch erst gesucht werden; Schutt umlagert in breiten Halden ihren Fuss und zeigt
gelegentlich eine Ausspitzung in's Massiv des geschlossenen Felsenwalles.
Den anscheinend breitesten und tiefsten dieser Einschnitte, der berdies fast genau in der Richtungslinie
nach meinem vermeintlichen Gipfel gelegen war, beschloss ich nher zu untersuchen; dort mochte wohl der
lange Kamin sich ffnen, von welchem ich in Berchtesgaden hatte erzhlen hren(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) Zufllig traf hier der Befund mit einer, im brigen vllig aus der Luft gegriffenen
Erzhlung zusammen; denn wie mir spter gesagt wurde, fhrt ein weit besserer Anstieg, als ich ihn
whlte, aus dem innersten Kar des (!B)alten Schnfelds(!b) nach dem Grat und der Spitze.
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Die breiten Gerllehnen hinansteigend, sah ich mich linkerseits durch vortretende, steil abgestufte
Schrofenmassen von der Hauptweite des Kars bald abgesperrt, hatte dagegen ihrem Fusse entlang noch bequeme
Bahn auf den Gerllen, und endlich auf Schneebedeckung, deren Spitze im Gewnde sich verlor; bei
unmittelbarer Annherung jedoch schoben sich einzelnen Felspartieen sich auseinander und liessen eine enge,
dunkle Kluft wahrnehmen, deren scharge Ausprgung ein pltzliches Auskeilen in die Wand zunchst nicht
besorgen liess. Ohne Bedenken trat ich daher durchs Zackenthor ein in den klaffenden Schlund und begann
seine stark gehobene Sohle aufwrts zu verfolgen.

Anfangs hatte ich noch ein paar Schritte breiten Schneeboden, ber welche ich stufentretend leicht mich
emporarbeitete; bald aber drngten die Mauern sich enger zusammen, und die Schneeausfllung, in einzelne
Trmmer zerrissen, durch tiefe Spalten vom Felsen getrennt, wurde nun mehr zum Hindernisse als zum Behelf.
Eine kurze Strecke weit hielt ich mich zur linken Seite der Kluft
# S. 13 oben
in der Rinne zwischen Fels und Schnee; dort vertrieben mich die immer steileren und zuletzt beinahe
berhngigen Mauern, ich kletterte ber den Schneewulst wieder hinber, erzwang den Aufstieg ber einen
plattigen Absturz und fand oberhalb desselben die Verhltnisse im Grunde der Spalte noch ungnstiger als
vorher; seine Schneeausfllung hing zum Theile in losen Fetzen zwischen den Wnden, diese zu betreten,
wre mehr als bedenklich gewesen. Ich verliess deshalb die Kluft nach der rechten Seite, erklomm nicht
ohne Mhe die schwachgestuften Seitenmauern und lenkte, nachdem ich wieder etwas an Hhe gewonnen hatte,
an passender Stelle in die Kluft zurck. Auf kurze Strecke ging es nun wieder in ihrem Innern, dann
wiederholten sich die gleichen Hindernisse und das gleiche ausweichende Manver. Als ich dann zum zweiten
Male von der Seitenwandung weg in die Kaminspalte mich zurckwandte, fand ich ihre Enge sowohl als ihre Steile
sehr gemindert, und sah ihre Fortsetzung als gut gangbaren Graben zur Hhe sich strecken; ohne den
ungnstigen Zustand ihre Schneebodens wre diese schwierigstelle meiner Tour auf die Sdliche Watzmannspitze
wohl leichter und schneller zu bewltigen gewesen; am gnstigsten wre derselben wohl die sptere
Jahreszeit, zu welcher die Kluft wahrscheinlich ganz und gar schneefrei ist.

In der Hhe ber mir wurde es nun bald freier und heller; die Zackenrnder zu beiden Seiten verloren an
schroffer Erhebung, die Sohle verflachte sich zu einer seichten Gerllsinke und verlor sich auf hgelige,
gestufte grne Pltze. Rechtzeitig besann ich mich noch, dass der Ausgang zwar sehr leicht, der Eingang zur
Kluft aber im Rckwege um so schwerer zu finden sein mchte, und legte bei Verlassen der Sinke ein paar
weithin sichbare "Dauben" (kleine Steinpyramiden) als Wegzeiger auf.
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!subsubsubnode Endlose Gras-, Gerll und Schneepltze
!html_name berchtesgadener_watzmann_gras-geroell-schnee.html
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Der Ausblick hatte sich frei geffnet; Gerllfelder deckten zur Hhe hinauf die Bergflanke, je weiter
nrdlich, um so ausgedehnter; ziemlich nahe stand ich nun dem Fusse der Mauerzacken der Schnfeldschneid;
auch dem pyramidalen Felsgipfel, in welchem ich die (!B)Sdliche Watzmannspitze(!b) zu erkennen
geglaubt, war nicht mehr weit entfernt von meinem Standpunkte, dagegen hatte das erhabene Haupt im Nordosten
seine Gestalt, wie seine scheinbare Entfernung fast um Nichts verndert. Ich erkannte nun wohl, dass ich dort
meinen Gipfel zu suchen habe, und noch manche Stunde verfliessen werden, bevor ich auf seinem Scheitel
zur Ruhe gelange. Ueber 3~Stunden war ich bereits in Marsch, 1~Stunde hatte
# S. 14 oben
die Thalwanderung vom Wimbachschloss zur Griesalpe in Anspruch genommen, gegen 1~1/2~Stunden die
Ersteigung des alten Schnfelds und eine weitere Stunde der Anstieg zu den oberen Graspltzen und
Schuttfeldern. Etwas herabgestimmt, das Gefhl der (!link [gestrigen Katastrophe] [BerchtesgadenerPalfenhorn])
noch in den Beinen und schon einigermassen ermattet, lenkte ich seufzend gegen Nordosten ab in die leidigen
Gerllflchen; wie es oben im Geschrf gehen wrde, war mir noch ziemlich unklar  und wurde vorerst auch noch
nicht ernstlich in die Berechnung gezogen; ich verwnschte den rollenden Boden, welche der Anstrengung des
Steigens verdoppelnd den Gewinn an Terrain auf kaum die Hlfte reducirte, zhlte jeweils hundert Schritte ab
und hielt dann keuchend inne, den Blick auf die Felsmassen in der Hhe gerichtet, die in gleichem Grade mit
meinem Vordringen vor mir zurckzuweichen schienen.

In meinem Rcken sank die Schnfeldschneid zum Pass Trischbel; bald war ich ber das Niveau der Zinne
hinaus, die so gross und erhaben ins alte Schnfeld herabgesehen, die ber die wahre Lage des Gipfels
mich getuscht, aber den Weg nach demselben mir gewiesen hatte. In der Hhe sprang ein alter Gemsbock
einsam umher und verschwand im Geklippe des Watzmann, aus welchem er auf einzelnen Zacken wieder auftauchte.
Er sah sich offenbar die ungewohnte Erscheinung an in seinem Gebiete, welches ihn vor solchen Begegnungen
in der Regel verschont hielt. Htte ich doch nur seine leichten Fsse und spitzen Hufe besessen, wie lustig
wollte ich bald auf der Sdlichen Watzmannspitze angekommen sein!
Aber das Schlimme wurde noch schlimmer, der Schuttboden deckte in wachsender Hhe sich mit Schnee, in
dessen harte Kruste bei ziemlich betrchtlicher Neigung eine Unzahl von Stufen getreten werden mussten;
eine unliebe Reminiscenz an die gestrige Bergtour und ihren Ausgang, um so unlieber, als die schrge
Anstiegslinie mich wieder in einen Lngengrtel der Bergflanke gefhrt hatte, in welchem die Schneelehnen
fast unmittelbar an den Wnden ausliefen. Von der rechten Seite drngten die Krper der Schnfeldschneidzinnen
in die Flche herein, lngs ihres Fusses stieg ich in unausgesetztem Stapfenschlagen, unverndert schrge
zum Grate hinan und stiess endlich, nach beinahe einstndiger Schneewanderung, an die Mauern des Grates.
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!subsubsubnode Geschrf, Grat und Gipfel
!alias SchoenfeldGeschroef
!html_name berchtesgadener_watzmann_zumgipfel.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Watzmann, Knigssee, Obersee, Rth, Hocheis, Hachelwand, Saugasse, Hirschwiese, Hirschwieskopf
# Stichworte: Knigssee, Obersee, Rth, Hocheis, Hachelwand, Saugasse, Hirschwiese, Hirschwieskopf
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# S. 14 unten
Nun dachte ich erst den bedeutendsten Schwierigkeiten zu begegnen, auf jene Hindernisse zu treffen, welche
die Ersteigung der Sdlichen Watzmannspitze zu einer so belberufenen und selten ausgefhrten machen; und
auch der leichte Aufgang, der vom Schneesaume weg in die ersten Schrofenetagen sich bot, benahm mir noch
keineswegs diesen Glauben; setzt doch oft ein starres Felsmassiv mit solchen zertheilten Fussstaffeln auf
die Bergflanke nieder, um sich in der Hhe dann um so wilder zu trotziger zu gestalten. Aber ein Mauerwall
um den anderen, Riffe ber Riffe lsten in vereinzelte, durch Spalten und Gerllrisse getrennte Stcke
und Klippen sich auf, zwischen denen hindurch, theils kreuzend, theils lavirend ein gebter Bergwanderer
ganz ungehemmt die ins Auge gefasste Pfadlinie verfolgen mochte.
# S. 15 oben
Ich machte mit jedem Schritte vorwrts mehr die Wahrnehmung, dass ich es hier mit einem geradezu harmlosen
Felsgehnge zu thun hatte; und die gegebene Gewissheit, mein Ziel doch noch, wenngleich viel spter, als
ich gerechnet hatte, zu erreichen, schrte frisches Feuer in den halb erlahmten Gliedern.
Schrg laufen die Felsbnke, die Klippenreihen und die Runsen zwischen ihnen zur Schnfeldschneid hinan;
ich hielt mich zumeist in diesen trmmerfhrenden Rissen, in jedem derselben aber nur so lange, bis er den
Zacken der Schneide selbst sich nherte, und damit ein baldiges Ende des gangbaren Terrains verrieth;
denn der gezahnte Grat starrte immer noch wild genug auf mich herunter. Ich bog dann auf dem nchst sich
darbietenden Felsgesimse um die Ecke der vorgerckten Schrofen, und konnte mit Gewissheit darauf rechnen,
jenseits derselben eine gleiche und in gleicher Weise sich ausspinnende Runse zu treffen.

Durch die Steilmauern fortwhrend vom Grate abgedrngt, aber immer nahe der Schneide gehalten, gewann ich
zuletzt einen breiteren und tieferen Felsgraben, der den Krper des sdlichen Watzmanngipfels und den zackigen
Kamm, welchen dieser zur Griesspitze hinunter entsendet, von leicht der gerippten Westflanke der
Schnfeldschneid abtrennt. In leicht gangbaren, gerllbedeckten Stufen mndet dieser Graben aus zum
Hauptgrate und senkt sich andererseits tief hinunter in den Hintergrund des Kars des alten Schnfelds.
Auf weitere Strecke hinab ist seine Gangbarkeit durch blossen Anblick zur beurtheilen; wenn nicht ein
letzter Steilabsturz seine Sohle von den Schuttfeldern jenes Kars trennt, so wrde sich hier zweifellos
ein weit leichterer und krzerer Weg auf die sdliche Watzmannspitze bieten, als der von mir eingeschlagene.
Wie oben bereits bemerkt, erfuhrt ich in der Folge, dass in der That jener erstere Weg der bessere sei und
der Augenschein mich nicht getuscht hatte; freilich hrte ich dies erst vom Jger auf Trischbel,
whrend die ungenauen Erzhlungen frherer Ersteiger der Sdlichen Watzmannspitze eher
# S. 16 oben
auf das umgekehrte Verhltniss konnten schliessen lassen. --

Lngs der Grabensohle, im rauhen Geschrf ihrer rechten Seite gehalten, stieg ich nun empor zum Grat; der
letzte Zackenthurm der Schnfeldschneid drngte mit seinem Mauerfusse mich vllig in den Graben hinein;
nur noch wenige Abstze waren zu bewltigen, und ich trat auf die breite Gerllwanne am Gratscheitel aus.

Tiefes Blau trnkt die Tiefe, in welche jenseits der Blick hinunter fllt; (!B)Knigssee(!b) und
(!B)Obersee(!b) liegen dem Auge gleichzeitig offen, vom ersteren der obere Theil zwischen St.~Bartholom,
der Kaunerwand und der Sagereckalpe, und durch grne Alpwiesen von ihm getrennt, im Dunkel seines
Felsenrahmens der Obersee, in seinem Hintergrunde die (!B)Rthswand(!b), mit den Silberbndern des
(!B)Landthal(!b)- und (!B)Rthsbachfalles(!b). Und von der Gratkante weg strzen die Wnde mehrere
tausend Fuss tief in ein des, schneeerfllttes Thal; dort sammelt der kleine Gletscher des Watzmannes seine
Firne aus zwei getrennten Felsmulden, den (!B)Eisstellen(!b), unmittelbar am Fusse seiner Sdspitze, und dem
(!B)(!link [Hocheis] [BerchtesgadenerHocheis])(!b), das zwischen die Schnfeldschneid und die (!B)Hachelwand(!b) sich einschiebt.
Dieser niedrige, aber usserst schroffe Bergzug, welcher eine der schnsten Gebirgslinien in der Umrandung
des Knigssees bildet, lst von der Watzmannkette und von der ussersten nordwestlichen Ecke des
Steinernen Meeres am Pass Trischbel gleichzeitig sich ab und scheidet das Bartholomer Eisthal von
dem einsamen Alpenthale der "(!B)Hachel(!b)", aus welchem man von der Unterlahneralpe durch die oft
genannte (!B)Saugasse(!b) zum Steinernen Meere emporsteigt(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) In diesem Zweigkamme liegt, nahe am Pass Trischbel und von diesem aus leicht in kurzer Zeit
zu ersteigen, die (!B)Hirschwiese(!b) [auch: Hirschwieskopf], wegen ihrer schnen Aussicht auf Hundstod,
Hochkalter und Watzmann viel genannt und hufig besucht.
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Eine kurze Gratstrecke noch trennte mich vom Gipfel [Schnfeldspitze = (!www [Watzmann-Sdspitze] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-31378|267788|0])]; die Zerrissenheit, welche die Schnfeldschneid bis hierher mir gewiesen hatte, erschien nun bedeutend gemssigt, der mssig breite Scheitel konnte von einem Felshcker zum anderen ohne sonderliche Schwierigkeit berklommen werden.
Ein einziges Mal noch stellte ein steiler Schrofen sich mir in den Weg, er war auf seiner Westseite
leicht zu umgehen, noch einige Gratstufen, durchfurcht und zerbrckelnd, folgten auf ihn, dann lste Alles
in wirres Getrmmer sich auf, und ein flachgewlbter Gipfelscheitel nahe vor mir, einen starken
Signalpfahl tragend, verkndete die Erreichung des Zieles. Im Augenblicke, da ich dasselbe betrat, tauchte
jenseits einer wild zerrissenen Gratstrecke, eine gewaltige, eckig unregelmssige Pyramidengestalt empor,
die Nrdliche Watzmannspitze; ihr war frher bereits ein Besuch abgestattet worden, und grsste ich sie als
alte Bekannte.
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!subsubsubnode Getrbte Aussicht
!alias SchoenfeldspitzeAussicht
!html_name berchtesgadener_watzmann_aussicht.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Watzmann-Sdspitze, Schnfeldspitze, Hochkalter, Hocheis, Reiter Alm, Reiter Alpe, Alm, Wimbachtal, Alpelhorn, Palfelhorn, Balfenhorn, Rotleiten, Loferer Steinberge, Leoganger Steinberge, Hundstod, Steinernes Meer, Teufelshrner, Teufelshorn, bergossene Alm, Hochknig, Hagengebirge, Kahlersberg, Schneibstein, Hoher Gll
# Stichworte: dito (auer ersteres)
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# S. 17 oben
Jetzt endlich, nach mehr als sechsstndigem Marsche, legte ich Gepck und Bergstock zu Boden und streckte
mich behaglich auf's Getrmmer hin. Tief, tief unten im Westen sah ich nun vom waldgrnen Ufersaume des
Wimbachschuttes das weisse Jgerhuschen heraufblinken, das ich noch im Dunkel der Nacht verlassen hatte.
Ein weiter Weg frwahr, betrachtet man auch in Luftlinie seinen Ausgangspunkt von dem gewonnenen Ziele aus.
Drben (!B)Hochkalter(!b), (!B)(!link [Hocheisspitze] [BerchtesgadenerHocheis])(!b) mit ihren unvergleichlich dsteren, scharfgezeichneten Wnden; und noch einen Schritt weiter rckwrts im Aussichtsbilde die Wellenflche der (!B)Reitalm(!b) [Reiter Alpe] mit den khnen Hrnergruppen an ihrem sdlichen Rande.

Rasch wurde noch das sdliche, stliche und nrdliche Panorama gemustert, denn glcklich hatte bis jetzt,
in den hohen Vormittag hinein, der Himmel klar sich erhalten, aber allseits flogen schon die Nebelballen
aus den Thlern herauf. Die Grenzmauern des Wimbachthals, (!B)Alpelhorn(!b), (!B)Palfenhorn(!b) und
(!B)Rothleiten(!b), zeigten sich nun als die schroffe Kehrseite eines fast durchweg begrnten Gebirges,
das von ihren Zackenscheiteln gegen Sden sich abdacht. Ueber ihm steigen, schon halb mit Nebeln verhllt,
die kalkweissen Gipfel der (!B)Loferer Steinberge(!b) auf. Mir gerade gegenber der hochgeschwungene
Gipfel des (!B)Hundstod(!b) in Kreise seiner felsenkahlen Trabanten, welche Teppiche von Schutt und Schnee
um seinen Fuss herumbreiten; weiter sdlich die endlosen Hgelebenen des (!B)Steinernen Meers(!b), vom
buschigen Grn in todtes Steingrau und winterliches Weiss verschwimmend; ber dem Obersee die
(!B)Teufelshrner(!b), und hher noch die (!B)(!link [Uebergossene Alp] [BerchtesgadenerHochkoenig])(!b); im
eintnigen Knigsseer Gebirge die
breiten Rcken des (!B)Kahlersbergs(!b) und (!B)Schneibsteins(!b); als Schlussstein des Felsenrundes der
(!B)(!link [Hohe Gll] [BerchtesgadenerGoell])(!b); gerne kehrt das Auge wieder zurck zum blauen Spiegel
des Knigssee's, von welchem ein
Theil durch den (!B)Kleinen Watzmann(!b) und die Zacken der (!B)Watzmannscharte(!b) abgeschnitten wird.
Dagegen liegt das grne, reichbelebte Thal der Berchtesgadener Ache dem Auge wieder offen, Berchtesgaden
selbst ist durch die nrdliche Spitze verdeckt; ich sollte wohl den Ort gar nicht sehen, wo jetzt
jedenfalls schlimm ber mich losgezogen wurde. Bald hllte sich das herrliche Bild in Wolken. Von der
weiteren Aussicht auf die Tauern sowie in's Flachland hatte ich ohnehin nichts zu
# S. 18 oben
sehen bekommen. Erstere muss bedeutend sein, jedoch vom Hundstod bertroffen werden, da diesem im geraden
Sden berhaupt kein Gipfel mehr, und im Sdosten das Steinerne Meer mit seiner Randkette weniger
hinderlich ist, als der Sdlichen Watzmannspitze; letztere wird hinter der Flachlandsaussicht der
Nrdlichen Spitze zurckstehen, jedoch ebenfalls nach vielen Richtungen hin die bedeutendsten Weiten
erreichen. Mnchen muss hart rechts neben dem Hochkaltergipfel sichzeigen.

Bald sass ich im dichten Grau, und wenn diese Art von Aussicht unerfreulich genug -- im Sommer 1868
allerdings nicht ungewohnt -- war, so gewhrte es andererseits eine unterhaltende Abwechselung, das
stellenweise Lichten des Wolkenschleiers zu beobachten, wie hier und dort ein dunklerer Fleck sich
zeigte und an dunkler Intensitt immer zunahm, als zge von dorther ein besonders schweres Gewlke heran,
dann pltzlich aus dem zerrissenen Vorhang das Blau des See's oder ein Stck Steinernes Meer hervorschwankte.
Im Uebrigen war ich auf die Betrachtung meiner nheren Umgebung angewiesen, und in dieser erregte vor Allem
der Anblick der Watzmannscharte und des Kleinen Watzmann von der Kehrseite mein Interesse. Man sieht zu
Berchtesgaden  die Watzmanngruppe -- Grosser und Kleiner Watzmann -- als ein Aelternpaar an, und nennt die
Zacken, die den oberen Rand der Firnmulde zwischen beiden (der sogenannten Watzmannscharte) umkrnzen,
die "Watzmannkinder"; ein Vergleich, der fr die Aussicht, welche der Watzmann nach Berchtesgaden hin
bietet, als ganz zutreffend erscheint, einige Enttuschung aber hervorruft, wenn man die ganze Gesellschaft
in der entgegengesetzten Richtung sich betrachtet. Dann, und noch mehr bei einer Ersteigung des Kleinen
Watzmann selbst, wird man zu seinem Erstaunen gewahr, wie hbsch gross diese Kinderchen schon geworden
sind, und wie der mittlere Zacken seiner Mutter "Klein-Watzmann" an Hhe nicht sehr viel nachgibt;
er mag etwa 150' [50~m] unter dem Scheitel des letzteren liegen. Es ist ein schroffer, thurmartig steil
fundamentirter Zahn. Ob er bereits erstiegen worden, ist mir nicht bekannt, man sagt es in Berchtesgaden,
doch halte ich nicht viel auf derlei unbestimmte Erzhlungen. Vielleicht findet sich einmal ein Liebhaber
fr ihn; Interesse bietet er fr denjenigen, der auf den beiden Spitzen des Grossen und auf dem Kleinen
Watzmann gewesen, wohl nicht. -- Die brigen Zacken, welche aus dem Firnrande der Watzmannscharte nur als
unbedeutende Felshcker hervortreten, stellen von ihrer Sdseite sich als stattliche, bis tief in die Wnde
des Eisthals hinab ihre Krper getrennt haltende Obelisken dar; der Kleine Watzmann tritt als primus inter
pares in hnlicher Gestaltung an's stliche Ende dieser Kette, die aus dem Steilmassive des Gross-Watzmann
ziemlich genau unter der Nrdlichen Spitze desselben sich ablst. --

Der (!B)Watzmann(!b) zhlt mit zu den gruppenbeherrschenden Bergen unserer Nrdlichen Kalkalpen, derer
hchster Scheitel in zwei rivalisirende Spitzen sich theilt: so die Zugspitze, so die Mdelegabel im Algu.
Die Vermessungsangaben entscheiden sich fr einen Vorrang der (!B)Nrdlichen Spitze(!b) um ca. 30'
[ca. 10~m; (!www [Hocheck] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-30865|268912|0]), 2651~m] und weisen der (!B)Sdlichen Spitze(!b) die Hhe von 8398' 2728~m.
((!link [Keil] [KeilscheKarte])) zu. (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Sdspitze = Schnfeldspitze: 2712~m; Mittelspitze 2713~m.]
Leider hatte ich zur Zeit meiner Berchtesgadener Bergwanderungen den
(!link [Klinometer] [Glossar_Klinometer]) noch nicht unter die
Zahl meiner Ausrstungsgegenstnde aufgenommen. Das verlssige, durch die zahlreichsten Controllbeobachtungen
erprobte Instrument, welches ich gegenwrtig besitze und welches u.A. auch die lange schwebende Streitfrage
bezglich der Zugspitzgipfel zu Gunsten des Zugspitzkreuzes entschieden hat, wrde auch den Vorrang der
einen oder andern Watzmannspitze leicht herausstellen. Fr das blosse Augenmass ist das Ergebnis das
gewohnte, dass nmlich jeweils der jenseitige, durch eine lufterfllte Tiefe von dem eigenen Standpunkte
getrennte Gipfel als der unzweifelhaft hhere erscheint. --
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!subsubsubnode Schneefahrt und Rckkehr zum Wimbachthal
!html_name berchtesgadener_watzmann_abstieg.html
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# S. 19 Mitte
Gegen 2~Uhr nachmittags begann ich die Hoffnung aufzugeben, dass lichterer Himmel mich noch begnstigen
wrde; ich wandte mich zum Rckzuge, einigermassen unbefriedigt ber das Ergebniss meiner Partie, und doch
wieder zufrieden, dachte ich an die misslungene Geschichte von gestern zurck. Keinen Fhrer brauche --
und keiner sein wollen, das ist und bleibt das Beste, und auch die Misslichkeit des Letzeren habe ich
nachmals noch wiederholt erfahren. Mit der gewohnten unbesorgten Leichtigkeit, die das Gefhl, den Weg
zu kennen, und schliesslich nur fr seine eigenen Knochen verantwortlich zu sein, hervorruft, sprang ich
den schartigen Gipfelgrat, die schtteren Felsstufen der Watzmannflanke hinunter. Von den letzteren,
hohen Terrassenabstzen herabklimmend, berhrte ich wieder den Saum des Schneefeldes, ber welches in den
Morgenstunden so langsam und ermdend mein Weg mich heraufgefhrt hatte. Sein harter Panzer war jetzt von
den Sonnenstrahlen erweicht und trotz der starken, etwa 40 betragenden Neigung schien ein Abfahren
immerhin zu wagen. Etwas problematisch mochte das Unternehmen immerhin erscheinen,
# S. 20 oben
wusste ich doch, dass ich mich nicht in gerader Linie ber den gangbaren Gehngen befand, dass die
Schneelehne vielmehr ziemlich nahe an jhe Abstrze auslaufe; indess ich dachte -- oder vielmehr ich
dachte nicht viel, lehnte mich in den Bergstock, drckte die Abstze in den Schnee und liess das Vehikel
laufen. Der Firnstaub zischte mir unter den Fssen weg; die Nebelschleier flogen mir am Gesichte vorber
wie Eisenbahndampf am Waggonfenster. Aber die weiche Decke, in der ich dahinfuhr, liess mich die aufrechte
Stellung bewahren, und nachdem die erste Steile sich verlaufen, fhlte ich mich auch bald im Stande, die
Schnelligkeit der Fahrt nach Belieben zu temperiren und eventuell anzuhalten, sobald es nthig wre.

Nun war es in der That eine genussreiche Schlittage; dnner und durchscheinender zog es um mich herum,
und aus den Nebelregionen schoss ich heraus in's Freie; zu meinen Fssen das grne Schnfeld, tiefer in
der Tiefe noch das Wimbachgries mit seinen dsteren Gebschinseln; und drber der Dolomitkranz seiner
Umrandung, dessen Zacken fhlbar ber mich emporwachsen. -- Felsklippen im Schneefeld -- gebremst -- halt!
Zu Ende ist die Fahrt, die mich in ein paar Minuten um etwa 600' [190~m] der Thalsohle nher gebracht hat.
Quer durch die Gerlle, auf denen kmmerliches Gras nun wieder spriesst, suche ich nach der Mndung des
(!link [Kamins] [KaminWandstufe]), der mich ber die Wnde des Kars zur Schnfeldalpe wieder hinuntergeleiten 
soll. Wie verndert zeigt sich seine ganze Umgebung! Die zackigen Riffe, die sein Ausgangsthor bezeichneten,
sie sind  verschwunden, ber ihre schwach ausgeprgten Scheitel hinweg gleitet das Auge und wird der Spalte
nicht gewahr. Aber ich habe sicherere Wegzeiger, ber die einfrmige Flche hin schweift der gebte Blick --
und dort erspht er das Steinhufchen, das frh am Tage aufgerichtet worden -- und zehn Schritte weiter ein
zweites -- drittes -- und jetzt nehmen die Felsen ihre bekannten Gestaltungen wieder an, und gefunden ist
der Pfad.

Im Kamine zwngte ich mich und klomm an seinen Seitenwandungen hinab, noch etwas schwieriger, als ich
heraufgekommen, aber mit unvergleichlich grsserem Sicherheitsgefhle; welche Zweifel hatten mich bewegt,
als ich diese Kluft emporkletterte, deren feuchtes Dunkel eine verzagte Stimmung nur zu sehr begnstigte!
Jetzt aber liegt Gewissheit vor mir, und einen Stein vom Haupte der zweiten Watzmannspitze trage ich in
der Tasche. --

Ohne irgendwelche Unregelmssigkeit erreichte ich denn auch das Schneefeld wieder, welches den unteren Theil
der Schlucht ausfllt, verlegte mich, durch den ersten gelungenen Versuch keck gemacht, sogleich wieder aufs
Abfahren und sauste zwischen den Felscoulissen hinunter, durch's enge Thor der nahe zusammenrckenden
Mauerpfeiler und hinauf auf die Sandreissen des Schnfelds. --
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!subsubsubnode Ein "Fremdenfhrer"
!html_name berchtesgadener_watzmann_fremdenfuehrer.html
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An den Ruinen des Alpkasers vorber, die begrnte Sinke hinab, den geschlngelten Pfad im zackigen Gewnde
verfolgend, betrat ich am spten Nachmittag des Gerllboden des Wimbachthales wieder; bei sinkender Sonne
war ich am Wimbachschloss zurck, wo ich noch einen wohlverdienten Imbiss zu mir nahm. Auch der Watzmann
blickte von seiner schimmenden Hhe wieder klar ins Thal herunter, -- eine versptete Gunst, fr welche ich
ihm wenig Dank wusste.

Im Schatten hereinbrechender Dmmerung berschritt ich die Stege der Wimbachklamm, und zog nchtlicher
Weile die Ramsauer Landstrasse dahin, Berchtesgaden entgegen. Ein "Fremdenfhrer", wie er mit Nachdruck
sich nannte, gesellte sich zu mir und (!link [perorirte] [Glossar_perorieren]) ber den Watzmann, zumal ber
den Kleinen Watzmann, wie dieser so ganz und gar unersteiglich sei und schon mehrere Fhrer, bei dem Versuch
einen Steig hinauf zu finden, herabgestrzt wren. (Ein solch heroischer Barrikadensturm she dem Fhrervolke
wirklich gleich!) Ich liess ihn eine Zeitlang schwtzen und versetzte ihn sodann mit der khlen Bemerkung,
ich sei bereits dreimal oben gewesen, in einige Verlegenheit(!^)*(!^^)).
Um die zehnte Nachtstunde langte ich zu Hause wieder an; den theils angstbesorgten, theils neidischen
Bedenken gegen meine fhrerlosen Bergwanderungen, die vom ersten Nachmittagsspaziergange auf den Gllstein
angefangen sich immer breiter gemacht und infolge der Palfenhornkatastrophe zum allgemeinen
Verdammungsurtheil sich gesteigert hatten, vermochte ich bereits wieder ein gelungenes Resultat
entgegen zu setzen. Und die vordem die Hintere Watzmannspitze erstiegen und Jahre lang von ihr erzhlt
hatten, sie waren dessen (!B)nicht(!b) froh, was (!B)ich(!b) von ihr erzhlte. --

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(!^)*(!^^)) Es befindet sich brigens auch ein trigonometrisches Signal auf dem Kleinen Watzmann. --
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!subnode II. Die Schnfeldspitze auf dem Steinernen Meere
!alias SteinernesMeerSchoenfeldspitze
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Schnfeldspitze, Steinernes Meer
# Stichwort: Schnfeldspitze
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze.html
# S. 22
(Hierzu (!link [Vertikal] [Vertikalprofil2])- und (!link [Horizontalprofil] [Horizontalprofil2]) No.~2)

!subsubnode Die Schnfeldspitze, ein rthselhaftes Ding zu Berchtesgaden und auswrts
!alias SchoenfeldspitzeRaetselhaft
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_raetselhaft.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Schnfeldspitze, Sagereckwand
# Stichworte: Sagereckwand
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Ist's wohl ein unbekannter, selten besuchter Gipfel, der diesen Namen trgt? ist seine Ersteigung
verwehrt durch Hindernisse aussergewhnlicher Art und den Besten unter den Alpenklimmern allein
gestattet? --- Unbekannt ist er gewiss nicht; die schlanke Spitzpyramide aus dem Rahmen des Knigsseegebirges
entfernt --- und einen Hauptcharakterzug htten die Berge Berchtesgadens in ihr verloren, fremd, mangelhaft,
wrde ihre Gruppe dem knftigen Besucher entgegenblicken. Die Mauerschranke des Knigssees wre ihres Hauptes,
das Steinerne Meer seines Gipfels beraubt. Und sind deren so wenige, die dieses schlanke Felsengerste
bis zur letzten Zinne hinauf erklettert, von seiner Hhe in den blauen Knigssee zurckgeschaut haben,
der an die Hgelwellen des Steinernen Meeres hinreicht, dort seine Ufergrenze zu finden scheint?

Keineswegs selten wird man in Berchtesgaden von der Schnfeldspitze erzhlen hren, gar manchen ihrer
Besucher genannt erhalten. Aber eine gewisse Scheu ist es, die um ihren Gipfel sich webt, dunkle Sage geht
von schweren Gefahren, die an ihr der Bergwanderer zu bestehen habe. In ngstlicher Spannung mag der
Neuling, der selbst zu sehen sich entschlossen hat, vom schwerflligen Kahne dem Sdufer des Knigssees,
der (!B)Sagerecker Wand(!b) [Sagereckwand] sich zutragen lassen; dort verschwindet die scharfgezeichnete
Spitze hinter den breiten Vorstufen des Steinernen Meeres. Viele Stunden werden vergehen, bis er sie
wieder erblickt; und in welcher Gestalt mag sie dann ihm entgegen treten? -- Wer aber zurckgekehrt ist
nach glcklich bestandener Prfung, er besitzt in dem Namen "Schnfeldspitze" das Attest seiner
hervorragenden Qualifikation als Bergsteiger, seine Stimme hat Geltung, wenn im Gesellschaftskreise
Erzhlungen aus den Bergen in der Runde gehen; und die Berchtesgadener sprechen gerne von ihren Bergen.
Ob Diana, den Bergen verschwistert, eine gewisse bliche Gewhnung ihrer Verehrer auf jene Bergfreunde
auf ihre Erzhlungen bertrage, darber soll
# S. 23
eine eingehendere Untersuchung hier nicht angestellt werden. Fr die Schnfeldspitze, diesen Brennpunkt der
Berchtesgadener Bergsage, thut vieldeutiges Schweigen mehr, als das unglaublich klingende Wort.
Und desswegen will ich dem Leser sie beschreiben -- eine Spitze hervorragend an Hhe wie an beherrschender
Stellung -- im Uebrigen wenig ausgezeichnet vor ihren Genossinnen.
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!subsubnode Das Steinerne Meer
!alias SteinernesMeer
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_steinernes-meer.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Funtenseetauern, Hundstod, Rth, Wildalm
# Stichworte: Steinernes Meer, Funtenseetauern, Hundstod
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Ins (!B)Mittelpinzgau(!b), ins (!B)Urschlauerthal(!b) [Urslauer Tal] und auf die Weidegrnde von 
(!B)Hinterthal(!b) und (!B)Berg-Dienten(!b) fllt der Gebirgsstock, dessen meilenbreiter der Scheitel den Namen
des (!B)Steinernen Meeres(!b) trgt, mit geschlossenen Mauern nieder. Wenige Zweiggrate lsen sich aus ihrem
Massive heraus und meist nur in tieferer Zone; hier treten sie als langgstreckte Rcken in die
Thalebene hinaus, Alpenthler bergen sie zwischen ihren Gehngen, einzelne von diesen berhren die
Gratkante, Uebergangspsse nach dem Berchtesgadener Lande erffnend. Aus den Mauern heraus heben sich die
Gipfel des Steinernen Meeres, gen Sden ber seinem Steilabsturze thronend, freien Ausblick gewhrend
ber die breite Zone grnen Mittelgebirges, welche die Kalkalpen von der begletscherten Taurenkette
scheidet; gegen Norden stellen sie ihren Fuss auf die plattenhgelige Hochflche, brechen entweder pltzlich
auf dieselbe herab oder setzen als unbetrchtliche Bergrcken, als niedrige Terrainwellen auf ihr sich fort.

Zwei grssere Gebirgsmassen, ohne Zusammenhang mit den Randgipfeln der Felsenwste aus ihrer Mitte sich
emporschwingend, stren das Einerlei ihrer Oede: der (!B)Funtenseetauren(!b) [Funtenseetauern] im Osten,
dessen Zweiggrate gegen Osten und Sdosten in's Gebiet der Rth und der Wildalm hinbergreifen, im Westen aber
der (!B)Hundstod(!b), aus einer durchbrochenen Kreisumwallung spitzer Hrner als isolirter Kegel aufsteigend,
in seinem Baue beinahe an ein vulkanisches Gebilde erinnernd, -- im Gebiete unserer nrdlichen Kalkalpen
freilich eine mehr als phantastische Vorstellung. Er vermittelt den Anschluss des Steinernen Meeres an die
zerrissenen Dolomitkmme, welche den Hintergrund des Wimbachthales in unvergleichlicher Grossartigkeit
umsumen. --
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!subsubnode Wechselnde Gestalt seines hchsten Gipfels
!alias SchoenfeldspitzeWechselgestalt
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_wechselgestalt.html
!html_keywords Schnfeldspitze, Breithorn, Selbhorn, Brandhorn, Marterlkopf, Buchauer Scharte, Weibachscharte
# Stichworte: dito, auer ersteres
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Dagegen reiht Gipfel sich an Gipfel auf dem West- und Sdrande des Steinernen Meeres. Ein zerhackter Grat
sumt im Sdwesten das weite Hgelplateau, begleitet seinen Rand bis hinaus zum sdwestlichsten
Eckpunkte, wo das (!B)Breithorn(!b) als Eckpfeiler des gewaltigen Felsenbaues frei vortritt, herrschend
ber die Thler des (!B)Zellersees(!b), von (!B)Saalfelden(!b) und (!B)Leogang(!b); seltsam nimmt sie
sich aus, diese lange Reihe unbekannter
# S. 24
Hrner, sieht der Wanderer sie in weiter Ferne aus dem Meere von Stein sich erheben; schwrzliche Wandstufen
an ihrem Fusse, an den Zacken ihrer Scheitel silbergraues Gepltt und Geschiebe, mit weissen
Schneedchern untermischt, ber ihre Flanken hingebreitet; unansehnlich mit Rcksicht auf ihre relative
Hhe im Gipfelplateau, locken sie doch mchtig hinan zu ihren Gipfelzinnen, wohl lsst der blosse
Augenschein beurtheilen, wie hoch sie stehen mgen ber den grnenden Tiefen -- und jenseite ihrer Kette
liegt kein Steinernes Meer. --

Anders im Osten: da ziehen nach dem Hhenrande des Gebirgsstockes erhabene Felsenrcken hinan, tiefe und
weite Thalungen, flachgerundete Plattenkare zwischen sich einschliessend, mit vorgestossenen Kegelhuptern
die Steilwnde des Sdens berschauend: (!B)Selbhorn(!b), (!B)Brandhorn(!b), (!B)Althaus(!b) [Marterlkopf]
stellen da einer Ueberwanderung der Hgelflchen in Richtung auf die
(!link [Uebergossene Alp] [BerchtesgadenerHochkoenig]) als hohe Querriegel sich
entgegen. Inmitten des Sdrandes steht unsere (!B)(!www [Schnfeldspitze] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-29881|257806|0])(!b); ein khner und dabei ungemein
zierlich schlanker Gipfelbau, von welcher Seite immer sie betrachtet werden mag, aber wechselnd in ihren
Gestaltungen mit dem Wechsel des Standpunktes ihres Beobachters; als fast regelmssige Pyramide erscheint
sie ihm von Norden, so wie sie hinunter schaut auf den Knigssee, hinaus nach Berchtesgaden und weithin ins
Salzachland; ihre Grundmauern, steil, klftig, schwarz und rothgelb gestreift, fussen in einem weiten, tief
ausgehhlten Kare des Steinernen Meeres; selten mag ein Sommer die Schneemassen dieses Felsenkellers
aufzuzehren im Stande sein, bevor die weisse Decke von Neuem ber ihn gebreitet wird. --

Ein aufgekrmmter, nordwestlich vorgeneigter Kegel entwickelt sich aus dieser Pyramide, zieht der
Bergwanderer stlich an ihr vorber, der Buchauer Scharte zu, welche den Uebertritt ber den Gebirgsrand
gegen Sden ihm ermglicht, auf gebahnten Steige ihn hinunter leitet zum Wallfahrtsorte (!B)Alm(!b) [Maria Alm]
am Urschlauer Bache [Urslauache]; unschwer wird ein berggebtes Auge die Schwchen der sonst unnahbar
erscheinenden Zinne von dieser Seite her ersphen, wird die Linie ihrer Ersteigung vorzuzeichnen im Stande sein.
Und im Thale angelangt, welches die Bergstrasse von Hinterthal nach Saalfelden durchzieht, sieht er die
Schnfeldspitze wieder als geradlinig gezeichnete Pyramide, nun aber entschieden vorgeneigt nach Westen,
sanft von der Ostseite sich erhebend; kein Wunder, dass dem Pinzgauer ihre Ersteigbarkeit besser
einleuchtet, als dem Berchtesgadener Alpenvolke. In den westlichen Strichen des
# S. 25
Steinernen Meeres, auf den Gipfeln der sdwestlichen Randkette, auf dem Pfade zur (!B)Weissscharte(!b)
# Zuordnung siehe weiter unten! dort erwhnt: Scharte zu Fen des Breithorns, somit kann demnach *nicht*
# die Weibachscharte gemeint sein
[Ramseider Scharte], dem zweiten Uebergangspunkte der Gebirgskante, zeigt die Schnfeldspitze sich als
gebogenes, dnnes Horn, thurmsteil, unvermittelt durch seitliche Ausstrahlung hervorspringend; ein Riff
im Meere, dessen Wellen in sanftem Schlage seinen Fuss umsplen; aber Tuschung ist das Schaukeln dieser Wogen;
sie sind starr, unbeweglich, es sind Wellen von Stein.

Die Terrassenstufen des Steinernen Meeres, die Alphtten, welche ihre kmmerlichen Weidepltze bevlkern,
dienen dem Bergwanderer zum Nachtquartiere, wenn er von Berchtesgaden, vom Knigssee heraufgestiegen kam,
und sein Trachten auf den Culminationspunkt des Steinernen Meeres gerichtet ist. Geradenwegs vom bewohnten
Thalgrunde aus knnte man auch wohl von der Sdseite, von Alm oder Saalfelden aus steigen, doch sind Flle
derart usserst selten; der Tourist, der einmal den Pinzgau gewonnen hat, kehrt nicht gerne mehr zurck nach
einer Zinne der Kalkalpen, die er im Rcken gelassen; ihn zieht es beflgelten Schrittes hinein nach Fusch
oder Kaprun, in die Firnzone, zu Hhen empor, gegen welche ein Steinernes Meer in bescheidenen Hintergrund
tritt.
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!subsubnode Von der Salletalpe ber den Schwarzensee, Grnseekaser und das "Feld" zum Funtensee
!alias AnstiegFuntensee
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_funtensee.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Knigsee, Sallet-Alm, Sagereck-Alm, Hals-Alm, Grnsee, Sagereckwand, Saugasse, Oberlahner, Glunkerer, Feldkogel, Funtenseetauern, Feld-Alm, Schwarzensee
# Stichworte: wie vor, auer die ersten beiden
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Wer dagegen an den Gipfeln des Felsengebirges seine Hhengrenze vor sich sieht, an ihren luftigen
Spitzen das Ziel seiner Wanderung erblickt, das eine ferne, fremde Welt seinem Auge erschliessen soll, der
steigt vom Ufer des (!B)Knigssees(!b) empor, sei's vom (!B)Grnseebrunn(!b) lngs des (!B)Schrainbachs(!b),
durch's enge Waldthal der (!B)Hachel(!b) und durch die Mauerspalte der (!B)Saugasse(!b) hinauf nach
(!B)Oberlahner(!b), oder geradenwegs den Zickzackpfad der (!B)Sagereckwand(!b) zur (!B)Halsalpe(!b) empor.
Noch einen Blick vom Hhenrande zurckgewendet auf die Tiefe des verlassenen engen Thales, erfllt vom
tiefen Blau des Seespiegels, das keinen Raum lsst zwischen sich und den Wnden des Gebirges fr einen
grnen Ufersaum. Dann gegen Sden zwischen buschigen Hgeln, ber gerundete Wellenrcken, verzweigte
Thlchen, flach eingesenkte Mulden, hher, und hher; verlorene Pfadspuren schlpfen hier und dort zwischen
den Legfhren hindurch; eine weite Einfrmigkeit bietet dem Auge sich dar, wenn eine gewonnene Hgelhhe
die Umgebung in der Runde zu mustern gestattet; der Wanderer hlt seinen Einzug in's Steinerne Meer,
und rasch hinter ihm schliesst die Felsenwste ihre Pforten.

Am (!B)Schwarzensee(!b) vorber, der seinen schilfumkrnzten Wasserspiegel im Dunkel der Bergtannen und
Krummholzkiefern birgt, zum Scheitel des Bergrckens hinauf, welcher
# S. 26
das Thal der Grnseeau gegen Norden begrenzt, leitet der Pfad dem Abschlusse der ersten, tiefst gelegenen
Terrassenstufe des Steinernen Meeres zu(!^)*(!^^)). Ein grosser Alpenkaser steht vereinsamt im Grunde eines
schmalen Wiesenthals, das westwrts sich senkt, mit dster-grnem Hgelrahmen den (!B)Grnsee(!b) umfngt.
Ein hoher, massiver Bergwall legt gegen Sden dem Ausblicke sich vor, ein Theil seines Fusses taucht
in den Wasserspiegel des Grnsees, von ihm entlehnt er seinen Namen (!B)Grnseetauren(!b)
# das Sammelwerk verwendet hierzu keine neuere Bezeichnung
(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])heute offenbar Glunkerer (1932~m) bzw. Feldkogel (1886~m)]; im Osten schliesst er ans mchtige
Bergmassiv des Funtenseetauren [Funtenseetauern], das mit der (!B)Stuhlwand(!b) schroff und kahl zu seiner
Scheitelhhe sich aufschwingt. In Felsen ausgehauen erklimmt ein einger Zickzackpfad den Kamm des
Grnseetauren, eine breite, steinhgelige Wiesenflche, von Schutthalden umgrnzt, die an die Strebepfeiler
der Stuhlwand sich lehnen; zwei niedrige, aus einiger Entfernung kaum bemerkbare Alphtten haben auf dieser
Hhe ((!B)das Feld(!b), 5674' 1843~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])(!www [Feld-Alm] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-28500|261422|0]), 1771~m] sich angesiedelt, um
fr wenige Wochen im Jahre die krgliche Weide zu benutzen.

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(!^)*(!^^)) Von der Salletalpe am Knigssee (1872' 608~m. Keil) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])613~m] zur Sagereckalpe (4094' 1330~m. Keil) [1363~m]
1~starke St., von da zur Halsalpe (4839' 1572~m. Keil) 3/4~St. -- 1/2~St. nach dem Schwarzensee, weitere
3/4~St. nach dem Grnseekaser; der Grnsee selbst liegt ziemlich weit gegen NW. ab und auch bedeutend
tiefer (4227' 1373~m. Keil) [1474~m] als die Alpe.
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!subsubnode Alpenwirthschaftliche Zustnde
!alias FuntenseeAlmwirtschaft
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_almwirtschaft.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Funtensee, Krlinger-Haus, Almwirtschaft
# Stichworte: Funtensee, Krlinger-Haus
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In dmmernder Tiefe liegt vor dem Wanderer der (!B)Funtensee(!b)(!^)*(!^^)); ein breiter,
Kranz von Alpenmatten umsumt sein seichtes Gewsser, nur der Grnseetauren steckt einige Felsschrofen
bis an sein Ufer vor, aus ihrem Innern schallt dumpfes Rauschen, zweifellos ein unterirdischer Abfluss
des Sees, vielleicht zum Grnsee, vielleicht wohl auch geradenwegs zum Knigssee hinunter. Der Volksglaube
aber hlt's fr eine Werksttte des Hllenfrsten, der sich dort Gold ausprge zum Seelenkauf. Zahllos wie
der Sand am Meere mchte man die Alphtten nennen, die den Funtensee umlagern; wohl sind ihrer nicht mehr
als acht, aber im Verhltniss zur nahrungbietenden Flche muss eben diese Zahl als eine bertrieben grosse,
fr Denjenigen, der Alpenwirthschaft anderwrts kennen gelernt hat, geradezu unglaubliche bezeichnet
werden; niedlich sieht das Gewimmel sich an, blickt man von der Hhe des "(!B)Felds(!b)", oder vom
Haupte des (!B)Viehkogl(!b) herunter auf den Funtensee, ein trauriges Bild aber ist es dem Kenner
wirthschaftlicher Zustnde eines Alpenvolkes. Faktische Unzulnglichkeit des von der Natur und von den
socialen Besitzverhltnissen gebotenen
# S. 27 oben
Nhrkapitales -- trges Unbentztlassen des wenigen Gebotenen reichen sich hier brderlich die Hand.
Blicke man herab von irgend welchem Berggipfel in's Lndchen Berchtesgaden, vom Felserahmen des Hochgebirges
ohnedies enge genug umgrenzt, ein wolliges Kleid tiefgrner Farbe deckt alles pflanzennhrende Gebiet,
schmaleckige Stckchen lichten Wiesengrns sind daraus geschnitten, und wo ein solches Stckchen nur sich
blicken lsst, drngen sich der Huschen ein viertel oder halbes Dutzen aufeinander; fast vor dem
Hofthore wieder zieht der Staat seine Forstgrenze. --

Andererseits der Funtensee: Auf diesem Alpengrunde knnte das Vieh einer ganzen Gemeinde gesmmert werden
und dieser Gemeinde ein jhrliches Einkommen abwerfen, das schwer wiegen wrde in der Bilanz ihres Haushaltes.
Statt dessen nisten acht Einzelwirthschaften um den Funtensee herum; die Produkte der Alpwirthschaft, soweit
sie berhaupt als solche in Betracht kommen -- denn die Kserei ist dort kaum als wirkliche Produktion
anzusehen -- werden auf der Alpe selbst verzehrt, von ihren Inwohnern oder ihrer Freundschaft, die an
gelegentlichen Besuchen es nicht mangeln lsst. Fr Verwendung des schweren Geldes, das fr eine Schssel
Milch oder ein Pfnnchen Schmarrn dem Touristen abgenommen wird, ist ebenfalls bestens gesorgt durch eine
Branntweinhtte, deren Enzianausrottungsgeschft wohl die grsste Rentabilitt der landwirthschaftlichen
Thtigkeit am Funtensee aufweisen mag. Hier wre ein Feld fr die Thtigkeit landwirthschaftlicher Vereine --
so mag gesagt werden; ich denke aber, aus dem Pinzgauer einen Alguer herauszumodeln, und dass
Pinzgauerische Stupiditt und pinzgauerisches Elend auch auf ferne Jahrhunderte hinaus das Wahrzeichen
des Berchtesgadener Lndchens bleiben wird.

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(!^)*(!^^)) 4922' 1599~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte]) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1601~m]; vom Grnseekaser aus wird das Feld in
3/4~St. erstiegen, von dort erreicht man in 20~Minuten den Funtensee.
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!subsubnode Weg ber das Steinerne Meer nach der Buchauerscharte
!alias SteinernesMeerBuchauerScharte
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_buchauerscharte.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Diebachtal, Wildalm, Schottmalhorn, Viehkogel, Maria Alm, Breithorn, Schnfeldspitze, Selbhorn, Buchauer Scharte, Ramseider Scharte
# Stichworte: Diebachtal, Wildalm, Schottmalhorn, Viehkogel, Breithorn, Selbhorn, Buchauer Scharte, Ramseider Scharte
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Einer breiten Steinkatarakte gleich fallen die gerundeten Terrassenstufen vom Rande des hchstgelegenen
Steinernen Meer-Plateaus herab zur Thaltiefe des Funtensee's, die gegen Westen ber die (!B)Schnbichelalpen(!b)
# neue Schreibweise: Schnbichl-Alm; Rothwasser -> auf meinen div. neueren Karten nirgends zu finden
und das (!B)Rothwasser(!b) am Sdfusse des Hundstod sich fortsetzt und mit der Hochflche selbst,
in welche sie eingeschnitten ist, am Rande des oberen (!B)Diessbachthales(!b) ihr Ende erreicht.
Die Umwallung des Funtensees erscheint gewissermaassen als der Knotenpunkt der Gebirgserhebungen, die
inmitten des Steinernen Meeres auftreten; von hier aus steigt der mchtige Rcken des Funtenseetauren auf,
seine ziegelroth gefleckten Kmme verzweigend gegen Osten in's Gebiet der (!B)Wildalm(!b), gegen Sden
# S. 28
# Ledererkpfe = zwischen Funtenseetauern und Grieskogel
im scharfem Grate zum (!B)Ledererkopf(!b), und als ausgeprgte Terrainwelle im Hgelplateau bis an den Fuss
der Schnfeldspitze, auf dem Sdrande des Steinernen Meeres, getrennt von seinem Massive krmmt das
(!B)Schottmalhorn(!b) seinen Felsenrcken von Sdosten gegen Nordwesten herab und weist dem Funtensee
seine Scharfseite in Gestalt eines schlanken Obelisken; im Sden tritt aus der Hgelflche der breite
Hcker des (!B)Viehkogl(!b) heraus, seine schroffpyramidale Nordostflanke gesellt sich dem Schottmalhorn
und Funtenseetauren bei, den letzten Wohnplatz des Steinernen Meeres mit einem Kranze grossartiger
Berggestalten zu umgeben; im Westen reiht wrdig der (!B)Hundstod(!b) sich an, welcher als spitzes Dreieck
durch die Thalffnung hereinblickt. Schottmalhorn und Viehkogl drngen ihre Massive nahe aneinander,
bezeichnen das Eingangsthor zur Hochgebirgszone.

Steil windet vom Funtensee der Steig sich aufwrts gegen Sden, anfnglich noch lngs des (!B)Stuhlgrabens(!b),
der vom Schottmalhorn herunterkommt, dann von ihm abgewendet Stufe um Stufe empor zum Hgelwalle,
welcher Schottmalhorn und Viehkogl mit einander verbindert. Bald lsst der Wanderer den letzten Baumwuchs
hinter sich zurck; noch decken starke Krppelfhren die Steinwellen, aber bleichen zeigen diese sich in
naher Hhe, welche auch den ussersten Vorposten des Bergwaldes die Bedingungen der Existenz versagt.
Das Rauschen der Bche verstummt, ein letzter Blick fllt auf den Funtensee zurck, den bald der Felskrper
des Viehkogl verdeckt. Stark gehobene Terrassenabstze folgen rasch aufeinander; der kahlgewaschene Boden
zeigt seine klftigen, blanken Steinplatten, ihr hohler Klang begleitet den Tritt. Der Viehkogl bleibt
allmhlig zurck, sein flachgerundeter Rcken hebt sich schwachbegrnt aus der wogenden Flche heraus als
weithin sichtbarer Meilenzeiger. Wechselnd und doch einfrmig verschieben zur Seite sich die Hgel,
tauchen neue Wellenkmme im hohen Sden auf. Eine Stunde Marsches vom Funtensee herauf ist verflossen;
da steigt ber den getheilten Hgeldmmen, am Ufersaume des Meeres von Stein, in wohlbekannter Gestalt
die (!B)Schnfeldspitze(!b) wieder empor.

Sie hat auf's Genaueste sich die Form bewahrt, in welcher sie auf dem Knigssee hinter dem Hhenrande der
Sagerecker Wand versank: ein Pyramidenbau von schner Regelmssigkeit, gegen seine Spitze hin etwas
schlanker aufgeschwungen, als an seiner Basis. Betrchtlich ist ihr Grssenzuwachs, erinnert der Bergwanderer
sich an ihre Erscheinung im Berchtesgadener Thale und auf dem Knigssee; aber den Eindruck
# S. 29
wirklicher Grsse vermag sie nicht zu erwecken; dazu ist ihre relative Erhebung zu gering, die Entfernung,
in welcher sie sich zeigt, auch in der bereits gewonnenen Hhe noch zu bedeutend; und, was am schwersten
in's Gewicht fllt, ihre Umgebung trgt einen nicht minder hochalpinen Charakter, als ihre Zinne; in
weitem Umkreise um ihren Fuss schon ist die Vegetation, sprliche Grasbschelchen ausgenommen, erstorben, und
eben der Kontrast zwischen lebendigem Grn und starrem Gestein ist es, welcher das khne Emporragen eines
Felsengipfels erst in ein wirksames Licht zu setzen vermag. Das Wiedererscheinen der Schnfeldspitze
ist dem Wanderer auf dem Steinernen Meere zugleich ein wichtiger Wegzeiger. Sie selbst winkt ihn zu sich
heran, sei es, dass ihr Haupt das Ziel seiner Reise bilde, oder, dass er auf krzester Linie Thalboden
und Menschenwohnung zu erreichen strebe.

Manch' kleine Karawane zieht des Sommers von Berchtesgaden oder
Salzburg hinber, wallfahrend ber die Bergwste; die Sennen und Senninnen auf den Alpen des Steinernen Meeres
lassen nicht gerne den Alpensommer vorbergehen, ohne das wunderthtige Bild in (!B)Alm(!b) [Maria Alm] zu
besuchen; gibt sich dabei ja doch auch allerlei Gelegenheit zur gesellschaftlicher Unterhaltung und
Kurzweil in den Dorfschenken des Pinzgau. Wer aber (!B)Saalfelden(!b) und den (!B)Zellersee(!b) zum
Reiseziele sich gewhlt hat, dem bedeutet das Auftauchen der Schnfeldspitze, dass er fortan in
sdwestlicher Richtung, nach der (!B)Weissscharte(!b) [Ramseider Scharte] am Fusse des (!B)Breithorns(!b),
seinen Pfad zu suchen habe. Von gebahntem Steige ist weder auf der einen noch auf der anderen Weglinie irgend
die Rede, kleine Steinhufchen, aus Plattenscherben knstlich zusammengelegt, weisen von Strecke zu Strecke den
Pfad; manch' neues Wahrzeichen legt jeder, der diese Wege geht, an Punkten auf, wo ihm ein solches
erforderlich erscheint, und so hat sich mit der Zeit auf den Hauptwegen, welche des Steinerne Meer
durchkreuzen, eine frmlich vorgezeichnete Marschroute ausgebildet; bei gehriger Aufmerksamkeit auf
diese sogenannten (!B)Dauben(!b) wre das Durchkreuzen der stundenweiten, einfrmigen Wellenflche sogar
bei Nebel und Unwetter mglich; doch lge alsdann die Gefahr nicht allzuferne, dass man auf ebenfalls mit
Dauben bezeichnete Seitenwege geriethe, und der einmal verlassene Pfad unwiederbringlich verloren wre.
Auch die Einheimischen gehen nicht gerne bei drohendem Witterungswechsel in's Steinerne Meer.

Langsam nur rckt der Wanderer, der zahllose Hgelwellen zu bersteigen, ebenso viele Mulden zu kreuzen oder
# S. 30
im Bogen zum Umgehen hat, dem Sdrande des grossen Hochplateaus nher; hufig begegnet er auf seinem Wege
Heerden halbverwilderter Schafe, die im Frhsommer von den Pinzgauern aufgetrieben, die ganze, warme
Jahreszeit hindurch ohne weitere Pflege und Aufsicht gelassen werden, hchstens, dass ein oder das andere
Mal der Hirte auf dem Steinernen Meere umherwandelt, die verschiedenen Schafheerden an sich heranlockt, und,
erkennt er an dem (!link [Rthel] [Glossar_Roetel])zeichen die seinigen, mit Salz sie "letzt". Dafr ist der Sinn dieser Thiere fr
eine ihnen seltene menschliche Erscheinung auch ausserordentlich geschrft, aus weiter Ferne schon
begrsst ihr widriges Blken den Ankmmling auf den einsamen Felsenhhen, und truppweise kommen sie an ihn
herangaloppirt; er mag dann zusehen, wie er der zudringlichen Gesellschaft sich wieder entledigt. Ohne die
Anwendung von Gewaltmassregeln wird dies ihm schwerlich gelingen. --

Tief ausgehhlte Mluden und Kesselthler, Schneemassen in den Karen und in den geschtzten Furchen
bezeichnen die Nhe des kulminirenden Plateaurandes; im Osten sperrt ein hoher, breitgerundeter Felsscheitel
den Ausblick, es ist die der letzten Auslufer der Funtensee-Tauren-Gruppe, welcher seinem Charakter nach
der Hgelflche, die er durchstreicht, vllig hnlich geworden, durch eine bedeutendere Erhebung gleichwol
in derselben sich ausspricht; gegen den Sdrand hin gestaltet er sich wieder zur kurzen Felskette, die einen
wenig betrchtlichen Eckgipfel auf der Kante bildet; der weit hhere, stlich zurckliegende (!B)Selbhornkamm(!b),
wird durch diese Zwischenerhebung verdeckt und zeigt sich ber derselben erst bei Beginn des Aufsteigens
zur Schnfeldspitze.
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!subsubnode Geologische Streiflichter
!alias GeologischeStreiflichter
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_geologie.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Buchauer Scharte, Urslau, Saalachtal, Saalfelden, Fuschertal, Groglockner
# Stichworte: dito, auer die beiden ersteren
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Stark zwei Stunden nach Verlassen des Funtensees wird ber die letzten Hgel, ber breit hingelagerte
Schuttfelder weg das schmale Thor der (!B)(!www [Buchauer Scharte] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-29036|257553|0])(!b) erreicht (7028' 2283~m.
(!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2268~m]; ber
dem zackigen Felsenrande blinken silberhell die Taurengipfel auf, und unmittelbar nachfolgend erquickt
weithin eine saftiggrne Welt das Auge, ermdet vom Schauen auf Stein und Schnee. Zu Fssen liegt die
bevlkerte Thalebene der (!B)Urschlau(!b) [Urslau], hier ihrer Ausmndung ins (!B)Saalachthal(!b) nahe und den
Ausblick auf die Gegend von (!B)Saalfelden(!b) gestattend; jenseits wieder Berge, aber weichgeformt, mit
Waldungen und ppigen Alpenmatten berkleidet; sie umkrnzen den freundlichen Zellersee, sie scheiden die
Umgebung Saalfeldens von der traurigen Sumpfde des Salzachthales.

So anmuthig frisch sehen diese Hhen sich an, im Vergleiche mit den starren Felszinnen des Steinernen
# S. 31
Meeres, man mchte in ihnen den lebensfrohen Jngling erblicken gegenber dem altersgrauen Greise mit
sorgengefurchter Stirn. Ihr wahrer Taufschein aber belehrt uns eines ganz Anderen: ungezhlte Jahresmillionen
liegen zwischen dem Entstehen jenes Hgellandes aus den Thonschieferniederschlgen seines 
(!link [silurischen] [Glossar_Silur])
Meeres und der Zeit, da unser Steinernes Meer noch wahres Meer gewesen, auf seinem Grunde die Plattschichten
bereinanderhufte, die jetzt der Fuss des Bergsteigers berschreitet. Und blicken wird jetzt zurck auf's
Taurengebirge des Steinernen Meers: da steht es gross vor unsern Augen, aus dem silbergrauen Plattenfels
des Hochplateaus emporgetrieben und von ziegelrothen Gesteinsschichten wie mit einem zerfetzten Kleide
behangen; der Mantel, den ein jngeres Zeitalter ((!link [Lias] [Glossar_Lias])) hier ber den Dachsteinkalk
gebreitet, vermochte nur in Trmmern der Nachwelt sich zu erhalten. --

Drben aber, ber den Bergen des Zellersees, lagern sich
breit hin die Auslufer der Centralalpen, dort baut im tiefinnersten Grunde des (!B)Fuscherthals(!b) das
Chloritschiefermassiv des (!B)Grossglockner(!b) sich zusammen und erinnert und an eine Zeit, die weit
noch hinter jener zurckliegt, aus welcher die Spuren des ersten Lebens auf der Erde in seltsam geformten
Gesteinsabdrcken unserer Kenntnis berliefert sind; eine Zeit, in welcher das Meer, aus welchem unsere
Berge nachmals emporstiegen, noch an den Saum des centralen Alpenlandes grenzte, und seine jenseitige Schranke
erst am Schwarzwald, an den Gebirgen Mitteldeutschlands und Westbhmens fand.
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!subsubnode Ersteigung der Schnfeldspitze -- viel Lrm um Nichts
!alias BuchauerScharteSchoenfeldspitze
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_ersteigung.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Schnfeldspitze, Krallerbach
# Stichworte: Schnfeldspitze, Krallerbach
# !html_description Besteigung der Schnfeldspitze im Steinernen Meer, von der Buchauer Scharte aus.
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Doch zurck zu unserer Schnfeldspitze; sie hat, allmhlig auf unsere rechte Seite getreten, zugleich ihre
Gestalt wesentlich verndert; steil, doch nicht bermssig schroff, krmmt von Sdosten her ihr Rcken sich
auf, die Mglichkeit, ja beinahe Leichtigkeit einer Ersteigung von dieser Seite her steht ausser Frage. Doch
stsst das Massiv der Spitze nicht unmittelbar an die (!B)Buchauer Scharte(!b); es schiebt zwischen beide
noch ein Mittelglied sich ein in Gestalt eines niedrigen, flachgewlbten, ziemlich schartigen Felsrckens;
die Mauern seines Fundamentes stellen sich schroff in die ussersten Kare des Steinernen Meeres, weit
steiler, zerklfteter und noch tiefer strzt seine Sdflanke ab auf das schuttbedeckte, theilweise wieder mit
Vegetation berzogene Gehnge, welches allmhlig zur Thalschlucht des (!B)Krallerwinkelbaches(!b)
[Krallerbach] sich zusammenschnrt. In betrchtlicher Tiefe erst wre eine vllig Ueberquerung dieser
starkgeneigten Abdachung bis an den Fuss der Schnfeldspitze
# S. 32
mglich, welche ihrerseits wieder in dieser tieferen Zone mit Steilwnden auf der Gebirgsflanke aufsetzt.
Es erscheint daher in jeder Beziehung als gerathen, die mglichst grsste Hhe inne zu halten und so lange, 
als dies berhaupt ausfhrbar ist, die Gratschneide selbst zu verfolgen. Der plattige Hgelabfall westlich
der Buchauer Scharte ist rasch erstiegen, der Grat selbst, obwol schmal, und stellenweise durchrissen, ohne
bedeutendes Hinderniss zu verfolgen; nher und nher rckt die Schnfeldspitze an den Bergwanderer heran,
gewaltig schwingen ihre Strebepfeiler aus den Gratmauern sich empor, nahe an die kahlen, schroffen Felsen
aber grenzen die gangbaren Pltze, die geneigte Stufenleiter der sdstlichen Kante.

Schon glaubt er mit wenigen Schritten auf jenes einladende Terrain bertreten zu knnen, da pltzlich reisst
vor ihm der verbindende Grat, eine scharfe Schneide schiesst jh hinab zu enger, ummauerter Scharte; das
wilde Gezacke, mit welchem aus ihr die Schnfeldspitze sich erhebt, verspricht wenig Erfolg auch fr den Fall,
dass der Abstieg in die Scharte erzwungen wrde. Es ist nicht zu lugnen, dass diese pltzliche Unterbrechung
des Weges, der scheinbar so sicher vor Augen gelegen, einigermassen berraschend wirkt, die Aussicht, welche
fr die Fortsetzung der Schnfeldspitzersteigung sich erffnen, einige Entmuthigung hervorzurufen vermgen.
Doch fehlen solche Momente kaum bei irgend welcher grsseren Bergfahrt und nicht zu den geringsten Reizen
einer solchen zhlt es eben, diese Momente zu berwinden; die anscheinend unmgliche Aufgabe sich 
vorurtheilsfrei zu besehen und auf eine, oft unvermuthet leichte Art, zu lsen. Es liegt brigens an der
Schnfeldspitze die Lsung klar genug vor Augen; eine abgestufte, mit etwas Gerlle ausgefllte Kluft
zieht sich vom Grate gegen Sden hinunter, und im jhen Plattenhange, der an die Mauern des Grates einige
Klafter tief unter der Scharte sich anfgt, laufen mehrere ununterbrochene Bnder quer hinber nach der
Sdostflanke des gipfels. Schmal allerdings sind diese Bnder, nahe genug dem Tritt, der auf ihnen eben vollen
Raum findet, der Absturz nach der Tiefe. Aber bei vllig sicherem Boden, bei einem Neigungswinkel des
Felsgehnges, welcher, ohne das Gleichgewicht des Krpers im Mindesten zu stren, der Hand in bequemster
Weise ihre Anhaltspunkte bietet, wird ein einigermassen gebter Bergsteiger, der nur der unerlsslichen
Anforderung vlliger Schwindelfreiheit gengt, kopfschttelnd sich an die Schauerdinge erinnern, die er zu
Berchtesgaden von der
# S. 33
Schnfeldspitze vernommen, die Scheu, mit welcher er selbst noch, bevor er mit eigenen Augen gesehen,
diese schlanke Pyramide betrachtet haben mochte. -- Und mit acht bis zehn vorsichtigen Schritten ist
Alles geschehen; dann geht's geradlinig hinan das stufige Geschrf, mit halbverdorrten Grasschpfchen
bewachsen, verwittertes Gerll und zuletzt ein gerundeter, ziemlich gerumiger Trmmerscheitel, auf ihm
ein trigonometrisches Signal. Das ist die (!B)Schnfeldspitze(!b), der hchste Gipfel des Steinernen Meeres
(8160' 2651~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2653~m].

Vergleichen wir mit dieser Hhe jene der Buchauer Scharte, so ergibt sich fr den Gipfelkrper, wie er sich
auf der Gebirgskante erhebt, eine Hhe von 1140' 370~m [385~m]. Sein Scheitel senkt sich mssig gegen Sdosten
und Osten, bricht dagegeben vom Rande weg in senkrechter Wand gegen Sden und Westen hinunter; nordwrts
setzt er als Grat sich fort und bildet zwei scharfzackige Nebengipfel; Steinpyramiden, auf ihnen
errichtet, locken auch auf jene vorgeschobenen Zinnen hinber. Ein kurzer Abstieg an der Ostseite des Gipfels
gestattet die Durchkreuzung der Runse, die von der Einschartung unter dem Hauptgipfel sich hinabzieht;
unterhaltlich ist das Umherklettern auf den berstrzten Felskltzen, den zerborstenen Schrofen des
Gipfelgrates, doch wird die Erwartung, von seinen ussersten Posten einen noch freieren berblick des
Steinernen Meeres zu gewinnen, getuscht. Der Krper der Schnfeldspitze senkt vielmehr auch nach dieser Seite
hin ganz allmhlig sich ab, erst tief unten an seinem Fusse folgen Steilabstrze auf die gangbaren
Schrofenhnge. Unnahbar aber wre die Schnfeldspitze von jener Seite eben nicht; und aus spteren Jahren
als die meiner Berchtesgadener Bergwanderungen sind mir auch in der That einzelne auf diese Weise ausgefhrte
Ersteigungen der Schnfeldspitze bekannt.
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!subsubnode Die Schnfeldspitze, gnstig gelegen zum Besuche auf der Reise in die Tauernkette
!alias SchoenfeldspitzeTauernbesuch
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_lage.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Steinernes Meer, Ramseider Scharte, Sommerstein, Breithorn
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In wenig mehr als drei Stunden wird von den Alpen am (!B)Funtensee(!b) aus die Schnfeldspitze erstiegen;
eine einzige Stunde gengt, von der (!B)Buchauer Scharte(!b) aus ihren Gipfel zu gewinnen; ihre
hervorragende Stellung im Steinernen Meere, die reiche Aussicht, welche sie ihrem Besucher erffnet und
die verhltnismssig in der That geringe Schwierigkeit, welche mit ihrer Ersteigung verbunden ist, -- das
wren Momente, wohl geeignet, dieser Spitze die Alpenwanderer, namentlich solche ferner Gegenden, in
grsserer Zahl zuzufhren, als dies bis in die jngste Zeit geschehen; wird von ihnen doch die Reise in die
(!B)Tauren(!b) [Tauern] gern mit einer kurzen Tour durch das Berchtesgadener Lndchen eingeleitet, und
nicht selten
# S. 34
nehmen sie sogar ihre Austrittsroute aus demselben gerade ber das Steinerne Meer. Ein etwas frherer
Aufbruch vom Funtensee, ein Abstecher von der (!B)Buchauer Scharte(!b) weg, einschlssig der Rast auf dem
Gipfel eine Verlngerung des Tagesmarsches von etwa drei Stunden verursachend, wrde sie von der
Kalkgebirgsgruppe Berchtesgadens auf deren dritthchstem Gipfel Abschied nehmen lassen und zugleich die Ziele
ihrer Weiterreise in dem umfassendsten Panorama vor ihren Augen entrollen.

Hufiger jedoch, als der Weg ber die Buchauer Scharte, wird von den Bergwanderern jener ber die
(!B)Weissscharte(!b) ((!B)Ramseiten Scharte(!b), 6745' 2191~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte]))
(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])(!www [Ramseider Scharte] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-31647|257754|0]), 2177~m] eingeschlagen,
welcher in geradester Linie sie nach (!B)Saalfelden(!b) und an den (!B)Zellersee(!b) hinunter fhrt.
Er lsst die Schnfeldspitze weit im Osten liegen; unter den gelben senkrechten Wnden des (!B)Sommerstein(!b)
(eines kleinen, schiefen Kegels auf dem Sdrande des Steinernen Meeres) sich hinabwindend, beginnt er den
Abstieg nach den Fluren des (!B)Pinzgau(!b). Ihm zur rechten steht ein breit viereckiger Felsgipfel,
niedriger zwar als die Schnfeldspitze, und an khner Gestaltung mit ihr in keiner Weise vergleichbar, aber
aussichtsreich wie kein zweiter auf dem Grenzwalle der Berchtesgadener Alpen; auf breitem, flachen
Schuttgehnge so leicht ersteigbar, so bald erreicht, wie irgend welcher aussichtsreiche Hgelberg im
flachen Lande: aber unbesucht und unbekannt, weil sein Name eines Klanges in der alpinen Welt entbehrt.
Es ist das (!B)Breithorn(!b) (7760' 2521~m. Keil) [2504~m], der Eckthurm des Steinernen Meeres(!^)*(!^^)).
Die ganze Thalebene des Mittelpinzgau, vom Zellersee ber Saalfelden bis gegen Weissbach liegt hier dem Blicke
offen, tief dringt das Auge durch's (!B)Leogangthal(!b) in die (!B)Kitzbichler(!b) Alpengruppe [Kitzbheler]
und hinein in's Innerste der Loferer Steinberge.

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(!^)*(!^^)) Nheres ber das Breithorn und die sdwestliche Randkette des Steinernen Meeres siehe Zeitschrift
des D.A.V., I.~Bd., 3.~H., S.~335~ff.
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!subsubnode Parallele zwischen ihr und dem Breithorn
!alias SchoenfeldspitzeBreithorn
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_breithorn.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Schnfeldspitze, Breithorn, Selbhorn, Marterlkopf, bergossene Alm, Hochknig, Watzmann, Kahlersberg, Fagstein, Untersberg
# Stichworte: wie vor, auer ersteres
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Gegen Osten aber dehnt die wogende Felswste des Steinernen Meeres sich hin, so ausgebreitet, wie sie
vielleicht von keinem anderen Culminationspunkte aus gesehen im Rundbilde ihren Platz einnimmt. Ueber den
Parallelrcken des (!B)Selbhorn(!b), (!B)Brandhorn(!b) und (!B)Marterl(!b) erhebt die
(!B)(!link [Uebergossene Alp] [BerchtesgadenerHochkoenig])(!b)
ihren silberglnzenden Scheitel. In beiden Beziehungen vermag die Aussicht der Schnfeldspitze mit jenem
Panorama nicht in Concurrenz zu treten; ihre Zinne berblickt zwar die Berge in der Umrandung des
Zellersees, doch bleibt selbst dieser ihr verborgen und von dem Stdtchen Saalfelden ist eines in die Thalsohle
vorgeschobenen Hhenzuges
# S. 35
wegen nur das abseits gelegene Schloss (!B)Farnach(!b) sichtbar. Nicht minder ist durch die hohen Bergkmme
im stlichen Theile des Steinernen Meers, wenngleich diese von der Schnfeldspitze an Hhe berboten werden,
ihrer nahegerckten Stellung wegen der Ausblick in erheblicherem Grade beschrnkt, als auf dem Breithorn
dies der Fall ist.

Ersatz hierfr und einen theilweisen Vorzug der Aussicht auf der Schnfeldspitze bietet
das nordwrts sich ffnende Thal des Knigssees, von Berchtesgaden, und sein Aufschluss gegen das flache
Land: da liegt, vom (!B)Watzmann(!b) und von den Vor-Terrassen des (!B)Kahlersbergs(!b) und (!B)Fagsteins(!b)
eingerahmt, der blaue Knigssee in dmmernder Tiefe, die Schsse, welche zum Vergngen der bunten, auf
seinem Spiegel sich tummelnden Welt von den Schiffern abgefeuert werden, rollen ihr Echo ber das Steinerne
Meer herauf, und brechen ihren letzten, schwachen Schall an den starren Zacken seiner Umwallung. Weit hinauf
durch's grne Thal schlingt die (!B)Ache(!b) ihr Silberband, an sonniger Bergstufe ihres Ufers liegt
die gedrngte Husermasse Berchtesgadens, drber erhebt das (!B)Untersberg(!b) sein breiteckiges,
sagenumkrnztes Haupt: weiter noch, wo die letzten Hhenzge sich verlaufen, kommt die weisse Wasserstrasse
der (!B)Salzach(!b), deren Ursprungsgletscher im fernen Sden glnzen, aus ihrem Bergthale herausgezogen
und verschwimmt im Nebeldufte mit den Landstrichen, die sie durcheilt; eine klare Atmosphre aber mag wohl
noch den Donaustrand und die dunkeln Wellenlinien des Bhmerwaldes erkennen lassen.
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!subsubnode Bedarf es zu ihrer Ersteigung eines Fhrers?
!html_name berchtesgadener_schoenfeldspitze_fuehrer.html
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Ein schner, khner, hoher Felsengipfel ist sie, diese Schnfeldspitze, werth von vielen, werth von jedem
Alpenfreunde besucht zu werden, der auf den Hhen des Berchtesgadener Lndchens umherwandert; ihr Ruf als
Prfstein eines Bergsteigers aber ist ungerechtfertigt. Ich kann in dieser Beziehung an die Schnfeldspitze
nur die Erinnerung einer lebhaften Enttuschung knpfen. Noch immer etwas Neuling, noch immer nicht
unglubig genug in den Bergen, -- obgleich ich bereits einige Erfolge zu verzeichnen gehabt hatte -- stieg
ich eines schnen Juli Nachmittags(!^)*(!^^)) zum Funtensee hinauf und schtzte mich glcklich, auf der
Passhhe "Am Feld" einen Pinzgauer Schafhirten zu treffen, der nach meinem Ziele mich fhren zu wollen sich
bereit erklrte; denn ohne Fhrer an der Schnfeldspitze meine Sporen verdienen zu wollen, das kam mir damals
doch noch nicht in den Sinn. Und wir wanderten
# S. 36
anderen Morgens ber das Steinerne Meer und stiegen hinauf zur Zinne, nach welcher ich verlangt, und mein
Fhrer war des Lobes voll, ber den "Herrn", mit welchem er sich so leicht gethan, wie nie zuvor auf der
Schnfeldspitze; ich aber war unzufrieden im dem Gedanken: das htte ich allein auch gekonnt! --

Und die Schnfeldspitze trug das Ihrige, und in gewichtigem Masse das Ihrige dazu bei, die Selbststndigkeit
des Bergsteigers in mir zur Reife zu bringen. Lass doch die Welt reden von ihren Bergspitzen, und am
Biertische sie ausmalen, aus knne die Mauerschwalbe kaum auf ihre Scheitel sich hinaufschwingen!
Lass sie doch faseln von der unerfindlichen Verborgenheit der Pfade, als wren sie in Hieroglyphen auf
den Stein geschrieben, die nur der Fhrer zu lesen verstnde. Geh doch erst hin, (!B)selbst(!b) zu
sehen und urtheile nach dem, was der (!B)eigene(!b) Augenschein dir sagt! Wage doch zu suchen
und siehe zu, ob du dann nicht finden werdest! -- Und ich habe viel gesucht in spteren Tagen; und ich
habe viel gefunden.

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(!^)*(!^^)) Am 17.~Juli 1868.
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!subnode III. Die Gllkette
!alias BerchtesgadenerGoell
!html_name berchtesgadener_goell.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll
# Stichworte: Gll(kette)
# S. 37

(Hierzu (!link [Vertikal] [Vertikalprofil3])- und (!link [Horizontalprofil] [Horizontalprofil3]) No.~3)

!subsubnode Der Gll, ein Kettengebirge
!alias Goellkettengebirge
!html_name berchtesgadener_goell_kettengebirge.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Ramsauer Tal, Hintersee, Gll
# Stichworte: Ramsauer Tal, Hintersee
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Ungewohnt mag es dem Ohre klingen, wenn der vielgenannte Name des (!B)Hohen Gll(!b), dessen Trger als
Musterbild eines in sich abgeschlossenen Gebirgsstockes den zu Berchtesgaden anlangenden Reisenden begrsst,
-- als breitschulteriger Grenzwall des (!B)Ramsauerthales(!b) sein kahles, dem Wiederscheine der Abendgluth
so gnstig gelegenes Haupt im blauen (!B)Hintersee(!b) spiegelt, mit der Benennung "Kette" in Verbindung
gebracht wird.

Betrachtet man aber vom Salzachufer aus das Gllgebirge in seiner wahren Ausdehnung und
Erstreckung: ist es nicht eine lange Kette, welche dann vor dem Blicke sich entrollt, gipfelschroff und
zackenreich, wie der zerrissensten eine im Gebiete unserer Nrdlichen Kalkalpen, eine Kette, welche den
Hohen Gll Berchtesgadens lediglich als den Abschluss eines weitreichenden Hochgebirgskammes erscheinen
lsst, der unbekannt und unbenannt nichts desto weniger in selbstbewusster Hoheit weithin die Lande
berschaut? Fremdartig klingt dem Leser wol der Ausdruck (!B)Gllkette(!b); ein fremdes Bergland auch ist
es, in welches meine Gllfahrt seine Gedanken fhrt.
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!subsubnode Nchtliche Wanderung in's Alpelthal
!alias Alpeltal
!html_name berchtesgadener_goell_alpeltal.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Alpeltal, Hohes Brett, Drreckberg, Scharitzkehltal, Endstal
# Stichworte: Alpeltal, Hohes Brett, Drreckberg, Scharitzkehltal, Endstal
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Tiefdunkle, sternenhelle Nacht sah mich am 26.~Juli 1868 Morgens um 1/2~3 Uhr die Hauptstrasse
Berchtesgadens dahinziehen und die steinernen Stufen zur Saline hinabsteigen; bis zu spter Nachtstunde
hatte ein frhlicher Kreis mich festgehalten, der sternenklare Himmel hatte den Gedanken in mir geweckt,
den morgigen Tag auf dem Gll zu verbringen; und dem Entschlusse folgte die Ausfhrung nach wenigen
Stunden der Ruhe. Zu hufig schon hatten meine Schritte, auf neue Abenteuer ausgehend, mich die Pfade am
Westgehnge des (!B)Knigsseegebirges(!b) hinangetragen, als dass ich nicht in nchtlichem Dunkel auch
meine Bahn dort hinauf unbeirrt htte verfolgen knnen; ber die thaunassen Wiesen, durch die Gehlze und
tiefen Grben, an den zerstreuten, kleinen Berglehen vorber wanderte ich der Hhe zu, die frische
Morgenluft begnstigte einen raschen Vormarsch; grau liegt zu meinen Fssen das Thal, verschwommen seine
dsteren
# S. 38
Umrisse; mchtigen Inseln gleich steigen aus der dmmernden Tiefe die stolzen Bauten des (!B)Watzmann(!b),
(!B)Hochkalter(!b), der (!B)Reitalm(!b) [Reiter Alpe] empor; ihre felsenkahlen Hupter beginnen bereits im
Halblichte des nahenden Morgens zu erbleichen, whrend am dunklen Himmelsblau des Westens noch hell die
Sterne funkeln. Eine starke Stunde bereits bin ich unterwegs, das erste Tausend Fuss liegt hinter mir;
tiefes Walddunkel umfngt mich, ich lenke in den Graben des (!B)Alpelbaches(!b) ein und verlasse hier den
breiten, zum (!B)Vorderbrandlehen(!b) hinauffhrenden Weg; ich bin an den Eingang des (!www [Alpelthales] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-22973|272985|0]) getreten,
dessen Senkung mich hinauf zum Gll geleiten soll.

Einen schmalen, holperigen, in der Finsterniss kaum ausfindbaren Steig verfolgte ich lngs des rauschenden
Baches hinauf, allmhlig begann es zu dmmern, und etwas Tageslicht wurde nun auch hchst nothwendig, da die
enge Schlucht allmhlig sich weitete und der Pfad in ihr zuweilen gnzlich verschwand; eine kleine,
waldumschlossene Alpwiese birgt sie in ihrem Hintergrunde, abgesperrt von schroffer, krummholzberhangener
Mauerstufe; in die Hhe ragen zur Rechten die Felsenabstrze des (!B)Hochbrett(!b) [Hohes Brett], zur Linken
die Zacken des (!B)Thiereckberges(!b) [Drreckberg], welcher die Sdseite des (!B)Scharitzkehlthales(!b)
begleitet. Ein schmaler Zickzackpfad leitet den steilen Absatz hinan zu den hhergelegenen Terrassen, auf
deren breiten, allerwrts gangbaren Boden ich die Spuren des gebahnten Pfades bald wieder verloren hatte;
durch Hochwald, mit Legfhren untermischt, stieg ich in mglichst gerader Richtung von einem Hgeldamme zum
anderen empor, jetzt erst brach vllig der Morgen heran, seine Gluthstrahlen ber den zackigen Watzmann
ergiessend, whrend tiefe Schatten noch im Inneren des (!B)Endsthales(!b), an der Nordflanke des Gll
lagerten.
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!subsubnode Ein Steinernes Meer im Kleinen
!alias GoellKleinesSteinernesMeer
!html_name berchtesgadener_goell_steinernes_meer.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Hoher Gll, Hohes Brett, Brettriedel, Umgang, Endstal, Kehlstein, Salzwand, Rauchfang, Salzachtal, Salzkammergut, Archenkopf, Pflughrndl
# Stichworte: Hohes Brett, Brettriedel, Umgang, Endstal, Schwarzort, Kehlstein, Salzwand, Rauchfang, Archenkopf, Pflughrndl
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In den krummholzreichen, flachen Mulden der oberen Thalterrassen fand mein rasches Vorwrtsdringen
unwillkommene Hindernisse an dem zhen Gestrppe, welches Thalung wie Bergrcken gleichmssig mit seinen
lstigen Ranken berzieht; ich suchte den dichtesten Partieen des Krummholzes durch einen nrdlich, bis nahe
an den Randgrat des Thierecker Berges gezogenen Bogen auszuweichen, doch nur mit theiweisem Erfolge.
Mehrere, zum Theil ziemlich schroffe Querdmme stellten sich mir in den Weg; verflachte sich der Boden,
so deckte er sich wieder mit undurchdringlichem Gefilze. Auch das reine Kettengebirge des Gll hat sein
Stckchen beschrnktes, aber ausgeprgtes "Steinernes Meer"; und es schloss diese unerfreuliche Periode
meiner
# S. 39
Bergwanderung auch nicht eher, als bis ich die Hhengrenze der Legfhre berhaupt berschritten hatte.
Es folgen allmhlig die krglich berasten Steinhgel, welche die usserste Vegetationszone auf dem
Hochplateau des Karrenfeldes bezeichnen; ein breitgerundeter Lngenrcken leitete zwischen ihnen hindurch
meinen Weg einem nahen, anscheinend scharf abgegrenzten Bergscheitel entgegen.

Obwol von einer eigentlich
kulminirenden Hhe hier nicht die Rede sein konnte, fand ich mich nach Ersteigung dieser letzten Strecke
dennoch an eine merkwrdige Grenzlinie gestellt: vor mir eine mssige Senkung des Terrains, dann weithin
neuerliche, sehr mssige Hebung desselben seiner ganzen Breite nach; jeglicher Busch- und Graswuchs wie
abgeschnitten; Plattenhgel ber Plattenhgel geschoben, tausendfach zerspalten und zerklftet; ich war in's
oberste (!B)Alpelthal(!b), in's Steinerne Meer des Gllgebirges getreten. Die Zacken des Thiereckberggrates
[Drreckberg], welche bisher meine Weglinie, zuletzt nur als niedrige Wellenhebungen linkerseits begleitet
hatten, sind verschwunden; allmhlig senkt das Platau der Steinwellen seinen nrdlichen Saum dem
(!B)Endsthale(!b) zu, Steilwnde von mehr als 1000' [ca. 300~m] Hhe strzten von seinem Rande hinunter;
in seinem Hintergrunde, den Rahmen des engbegrenzten Bildes gegen Osten schliessend, thront das breite Haupt
des Gll.
Zu meiner Rechten steigen vom Rande der Plattenwellen die Mauern des (!B)Hochbrett(!b) (7216' 2344~m. Keil)
(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Hohes Brett, 2340~m], und des (!B)Brettriedel(!b) (7225' 2347~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte]))
[2344~m] auf; zwei gewaltige,
abgerundete Felsthrme treten aus ihrer Masse ins Hgelplateau vor, mit dem Namen des (!B)Grossen(!b) und
(!B)Kleinen Umgangs(!b) belegt; im stlichen Hintergrunde schliesst der Brettkamm an den Krper des Gll
sich an, heben sich die letzten Plattenmulden und Schutthgel zum breiten Verbindungssattel beider empor;
dies die vorgezeichnete Bahn.

Den ussersten Zielpunkt in's Auge fassend, steuerte ich mglichst geradlinie in die todte Felswste
hinein, hatte dabei anfnglich auf ziemlich lange Strecke von der letztgewonnenen Kammhhe herabzusteigen,
dann lngere Zeit hindurch fast ebene Bahn, welche jedoch, aus einer endlosen Reihe von Hgelchen und
zwischen ihnen eingedrckten Gruben bestehend, zur Erholung beizutragen keineswegs geeignet war.
Kein Schritt konnte ohne sorgfltige Auswahl seines Platzes gethan werden, wollte ich eine unangenehme
Berhrung mit den messerscharfen Felsenkanten, oder eine Klemmung in einer der zahllosen Runsen vermeiden.
In trgem Zuge sah ich die breiten Kegel des (!B)Grossen(!b) und (!B)Kleinen Umgangs(!b)
# S. 40
hinter mir verschwinden, mein Gegenber jenseits des Endsthales wechseln, vom (!B)Schwarzort(!b) zum
(!B)Gllstein(!b) [Kehlstein], von diesem zu den Zacken der (!B)Salzwand(!b) mit dem
(!B)Rauchfang(!b)(!^)*(!^^)), und
endlich den massigen Mauerkrper des (!B)Hohen Gll(!b) an ihre Stelle treten. Auch zu meiner Rechten
hatte die Scenerie sich allmhlig etwas gendert; die etwas zurcktretende Kette des (!B)Brettriedel(!b)
lsst hinter dem (!B)Kleinen Umgang(!b) eine weite und tiefe Einbuchtung frei, in welcher Schutt- und
Schneekare zum Gratscheitel sich emporziehen; ihre tiefste Sohle verschmilzt zu einer zusammenhngenden,
hgeligen Terrasse, ein paar hundert Fuss ber der breiten Flche der Plattenwellen gelegen. Abgerundete,
von gerumigen Zinken durchbrochene Felsdmme grenzen diese hhere Etage gegen das Steinmeer an ihrem
Fusse ab.

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(!^)*(!^^)) Durch diesen Kamin wurde vordem der Gll nicht selten von Nordwesten her, ber den Gllstein
[Kehlstein] erstiegen. Vor 6-8~Jahren jedoch wurden an der engsten Stelle desselben Sprengungen
vorgenommen, welchen diesen, auch von Wildschtzen hufig benutzten Zugang abschneiden sollten. Derselbe ist
jetzt bedeutend erschwert, doch einem guten Bergsteiger keineswegs unpassirbar. Gleicherweise verhlt es
sich mit dem Aufstieg durch den sogenannten (!B)Pflug(!b), aus dem Hintergrunde des Endsthales in
Sdostrichtung zu den "(!B)Gllsanden(!b)" empor; auch hier wurde durch Sprengungen der Anstieg etwas
erschwert, aber keineswegs unmglich gemacht.
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Ich vermuthete nicht ohne Grund dort oben etwas bequemeren Weg als bisher, schwenkte daher
rechts ab und stieg lngs einer ausgenagten Wasserrunse zum oberen Terrassenboden auf; sein in der That
besser gangbarer Boden liess mich die gerade Marschrichtung gegen Osten wieder aufnehmen und ohne Hindernisse
weiter verfolgen. Ich nherte mich endlich fhlbar dem Abschlusse des Hochthales, noch einige
Schutt- und Schneefelder am Fusse des (!B)Gamsarchen(!b) [Groer Archenkopf] hin waren zu bersteigen, und
auf dem Verbindungssattel des letzteren mit der (!B)Gllkuppe(!b) austretend, sah ich zu meinen Fssen
das sonnige (!B)Salzachthal(!b) sich ausbreiten -- die grnen Berge des (!B)Salzkammergutes(!b) mit dem
keck aus ihnen hervorspringenden (!B)Schafberg(!b), -- im fernen Osten die bleichen Zacken der
Dachsteingruppe. Ich erwartete mit einiger Bestimmtheit Gesellschaft auf dem Gipfel des Gll; Freund~V., der
einen Tag frher als ich, von Berchtesgaden ausgezogen war, das (!B)Knigsseegebirge(!b) zu berwandern,
gedachte den zweiten Tag seiner Tour zur Ersteigung des Gll von der (!B)Knigsbergalpe(!b) aus zu
benutzen. Verschlft er nicht, seiner guten Gewohnheit zufolge, so mssen wir ziemlich zu
# S. 41
gleicher Zeit dort anlangen. Voraus ist er mir nicht; ich htte sonst lngst ihn hren und sehen mssen.
So mag er einigermassen erstaunen, bei Ankunft die Spitze schon besetzt zu finden. --
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!subsubnode Aussicht vom Hohen Gll
!alias GoellAussicht
!html_name berchtesgadener_goell_aussicht.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Hoher Gll, Bluntau, Hagengebirge, Pass Lueg, Tennengebirge, Eckerfirst
# Stichworte: Gll, Hoher Gll, Bluntau, Hagengebirge, Pass Lueg, Tennengebirge, Eckerfirst
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!begin_quote
Nun nordwrts gewendet ber Gerll, Trmmerwerk, verwitterte Schrofen, hinauf zu neuer Abstufung, von
welcher erst der zahnige Grat sich ablst, der stlich zum (!B)Kuchlergll(!b) [Freieck] hinberzieht; eine
prchtige Pyramide frwahr, dieser zweite Gll! Ein Besuch meinerseits ist ihm seit lange sicher,
(!B)wann(!b) aber, von (!B)welcher Seite(!b), das liegt noch im weiten Feld; dass aber von einem Uebersteigen
des Gllgrates in keinem Falle die Rede sein knne, hatte ich in Berchtesgaden von Fhrern und Bergfreunden
oft genug gehrt, und wenn auch manch' eigene Erfahrung schon gegen die Unfehlbarkeit solcher Behauptungen
sprach, so war ich doch dazumal noch nicht hartgesotten genug um jede derartige Angabe einfach zur
unglubigen Kenntniss zu nehmen. --

Eine Viertelstunde spter sah mich auf dem breiten, doppelkuppigen Scheitel des (!B)(!www [Gll] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-20092|272890|0])(!b) (7755' 2519~m.
(!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2522~m]; ich hatte 4~1/2~Stunden von Berchtesgaden herauf benthigt;
es war 7~Uhr morgens, und ein
Morgen, so sonnenhell und klar, wie er auf diesem Aussichtsberge par excellence nur immer gewnscht
werden konnte. Von den dunklen Wellenlinie des Bayerischen Waldes bis zur glitzernden Silberkette der
Tauren [Tauern] -- von den Kalkzinnen der Kaiser bis zu den Gebirgen des Oberenns jeder Gipfel scharf
gezeichnet am wolkenlosen Gesichtskreise; ein zarter blauer Duft von etwas tieferer Frbung, welcher die
unteren Luftschichten bis etwa 5000' [ca. 1500~m] Hhe erfllte, vermehrte die Plastizitt des herrlichen
Aussichtsbildes, liess namentlich in den Bergen des Salzkammergutes die Lage eines jeden seiner Seen auf
das Genaueste bestimmen. Im Sden jenseits des (!B)Blntauthales(!b) [Bluntautal], die Steinwste, die Wellen
des (!B)Haagengebirges(!b) [(!link [Hagengebirge] [BerchtesgadenerHagengebirge])], mit seinen einsamen
Hochalpenthlern, seinen den, schneegefleckten
Karen; sdwestlich scheinen sie unmerklich in's Steinerne Meer zu verlaufen, gen Osten trennt die enge
Thalspalte des Pass (!B)Lueg(!b) sie von der Scheitelflche des (!B)Tnnengebirges(!b) [Tennengebirge],
ein noch weit ausgedehnteres Felsenhgelland. --

Nicht neu mehr war mit dies Panorama, viele der stolzen Felsenhupter, die in weitem Umkreis mich
umstanden, hatten mir ein hnliches oder doch Theile davon bereits gezeigt, manche aus ihnen auch, in
Nebel sich hllend, solchen Genuss mir neidisch versagt. Auch den Gll betrat ich heute nicht zum ersten
Male; noch keine volle Woche war verflossen, seit dem ich von Osten her, ber den (!B)Eckerfrst(!b)
[Eckerfirst] herauf seinen aussichtsreichen Scheitel gewonnen hatte; und doch
# S. 42
hielt er mich nahe an drei Stunden wieder auf seiner Hhe fest.
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!subsubnode Erwartete und nicht eingetroffene Gesellschaft. Ein neuer Plan.
!alias Goellweiterweg
!html_name berchtesgadener_goell_gesellschaft.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Hoher Gll, Kuchler Gll, Freieck
# Stichworte: Kuchler Gll, Freieck
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Bald sass ich auf der hchsten Kuppe mit dem
verfallenden Signale, bald spazierte ich ber das kleine Firnbecken seines Scheitels abwrts zum eisernen
Kreuze, wo der Ausblick in's (!B)Berchtesgadener(!b) und (!B)Ramsauerthal(!b) sich ffnet; bald wieder hockte
ich auf dem ussersten, stlichen Schrofen und fuhr mit dem Fernglase die Zackenreihe entlang, an deren
Schluss der (!B)Kuchlergll(!b) [Freieck] seine schngeformte Pyramide stellt, und fing allmhlig an, mir einzubilden,
es mchte dies Geschrf doch nicht so gar schwer zu berklettern sein; wahrscheinlich, so lautete der
beschwichtigende Folgesatz, ist durch die tiefe Einschartung, welche den Anfangspunkt dieses Grates vom
Massive des Gll trennt, die Verbindung zu allererst unterbrochen. Aber immer mchtiger drngt es sich auf:
(!B)wenn(!b) keine solch' (!B)anfngliche(!b) Unterbrechung besteht, -- eine Unmglichkeit, auf dem Kamme
selbst vorzudringen, sehe ich (!B)nicht(!b). Und Zeit genug ist ja brig, einmal nachzusehen dort unten,
-- das knnte noch ein gelungener Tag werden! -- Der flchtige Gedanke war rasch zum selbstbewussten
Vorsatze gereift; ich packte meine Siebensachen in den Bergsack zusammen und sprang den Nordabhang des Gll
hinunter. --

Nach wenigen Minuten war ich an der Stelle angelangt, wo die stliche Kette vom Krper des Hohen Gll sich
abschneidet; als mchtiger, kegelfrmiger Felshcker stand ihre erste Aufgipfelung mir gegenber, durch eine
tiefe Scharte von meinem Standpunkte getrennt; aber hinunter zu gelangen in ihren Boden war wol mglich,
und jenseits wieder hinauf augenscheinlich auch. Als ich eben mich anschickte, in solch' ungewhnlicher
Richtung vom Hohen Gll mich zu verabschieden, vernahm ich Jauchzer in der Ferne. Siehe da, Freund~V. war
auf dem Brettriedel aufgetaucht und marschirte wohlgemuth dem Hohen Gll zu. Der muss wieder frhe
aufgestanden sein! Auf Wiedersehen, aber von Weitem, wir kommen heute wohl nicht mehr zusammen!
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!subsubnode Abstieg vom Gamsarchen
!alias GamsarchenAbstieg
# <> Groer Archenkopf
!html_name berchtesgadener_goell_gamsarchen.html
!html_keywords Berchtesgader Alpen, Gll, Hoher Gll, Wilder Freithof
# Stichworte: Wilder Freithof
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Ueber rauhes, stufiges Geschrf stieg ich zur Scharte hinab, jenseits empor, wieder etwas hinunter und
einen zweiten, steileren Zacken hinan; der leichte Anfang hatte mich ziemlich vertrauensselig gemacht, ich
sah mich bereits drben auf dem (!B)Kuchler~Gll(!b) [Freieck]. Aber solche Grate, in gerader Gesichtslinie
ganz harmlos zu berblicken, entfalten ihre Lngenausdehnung, enthllen ihre Hindernisse erst dem Eindringling
gegenber und hufig erst dann, wenn dieser weit genug sich eingelassen hat, um nicht gerne mehr umzukehren;
# S. 43
auch ich sollte bald genug diese spterhin noch oft erprobte Wahrheit erfahren. Kaum, dass ich an den
zweiten, hheren Felsthurm herangetreten, schnrt schon der Gratscheitel auf Schrittbreite sich zusammen,
Steilwand gegen Sden schneidet die bisher so bequem gebotenen Umgehungen nach jener Seite hin ab, ein
finsterer Brunnenschacht, nordwrts, zum wsten Trmmerkessel des (!B)Wilden Freidhof(!b) [Wilder
Freithof] abschiessend, durchreisst das Gewnde und seinen Grat, und sperrt in bedenklicher Weise den
Weg; -- ich wollte ja eigentlich nur nachsehen, wo das Hinderniss liege?! -- Das war lange vergessen, zwei
Schritte noch knnen gethan werden, also zwei Schritte noch vorwrts, am engen Mauerbande hin in's Innere
der Kluft hinein, -- drben sehe ich wieder eine Stufe, -- ein langer Tritt frei durch die Luft, den
ghnenden Schacht zwischen den Fssen, suche ich an der jenseitigen Felsenrippe einen verlssigen
Haltepunkt fr die linke Hand; diese gefunden, trgt ein leichter Schwung ber die Kluft mich weg, ein
rasches Aufklimmen bringt sicheren Boden unter den Fuss, der Wilde Freidhof ist nun um seine Beute geprellt.
Aber zurck? -- -- Jetzt hatte ich mich mit meinem Gegner verbissen.

Den gekrmmten Rcken des Zackens hinan bewegte ich mich auf schrittbreitem, kahlen Plattenboden; ein tiefer,
finsterer Lngsspalt begleitete meinen Weg; ein arges Zerstrungswerk nimmt hier seinen Anfang, das vllige
Zerreissen dieses Felsenkrpers, das Hinabstrzen seiner nach Millionen von Centnern zhlenden Last zur
einen Hlfte in die Blntau [Bluntau], zur anderen in den Wilden Freidhof, ist nur noch eine Frage der Zeit;
wer vom Hohen Gll aus Zeuge sein knnte dieses Hllenspektakels. --
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!subsubnode Die Aichenkpfe
!alias Aichenkoepfe
!html_name berchtesgadener_goell_aichenkoepfe.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Hoher Gll, Aichenkpfe, Hochscharte
# Stichworte: Aichenkpfe, Hochscharte
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Fr jetzt noch steht hoch sein zahniger Scheitel und verbirgt dem kecken Strenfried in seiner vielleicht
noch nie beunruhigten Einsamkeit die Dinge, die hinter diesem ersten Mauerwerke seiner noch warten. Und als
ich die Hhe betrat, und in unvernderter Weise die Pyramide des Kuchler Gll [Freieck] wieder vor mir
auftauchte, kein erfreulicher Anblick war es, welchen die Zwischenstrecke zwischen jenem erhabenen Ziele und
mir dem sphenden Auge darbot; Zacken an Zacken geschoben, zerschartet der Grat, durchklftet seine Flanken,
nicht auf 10~Schritte weit im Voraus zu bestimmen, wohin der Fuss zu lenken, wo endlich er auf eine letzte
unberwindliche Schranke treffen werden.

Ich stand auf der hohen, von Salzburg aus so auffllig hervortretenden Zackengruppe, aus zwei gegen einander
geneigten hheren und und einem mittleren etwas niedrigeren Zahne bestehend, eine
# S. 44
Configuration, die mir allerdings hier oben, wo die kleinen Details so vllig die Aufmerksamkeit fr sich
allein in Anspruch nahmen, nur schwach zum Bewusstsein gelangte; am stlichen Abschlusse dieser Gruppe hatte
ich dann die tiefe Einsenkung der (!B)Hochscharte(!b) und weiterhin die neuerliche Gebirgserhebung und noch
eine Strecke weit Zackengrat nach meinem Gipfel zu gewrtigen.
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!subsubnode Kartographische Bedenken
# !alias KartographischeBedenken
!html_name berchtesgadener_goell_bedenken.html
# !html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Hoher Gll, Hochscharte, Aichenkpfe
# keine Stichworte
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Die Keil'sche Karte(!^)*(!^^)) lsst die Kette des Kuchler Gll am (!B)Gamsarchen(!b) [Groer Archenkopf]
vom Hohen Gll sich ablsen, zunchst zur
(!B)Grnwand(!b) sich erheben und im sdlich ausgebogenen Halbkreise zum (!B)Freieck(!b) (dem Kuchler Gll)
herberziehen. Doch scheint mir diese Struktur nicht in voller Richtigkeit zu bestehen; die Kuchler
Gllkette verluft fast geradlinig gegen Osten, die Grnwand dagegen ist ein kurzer, in die (!B)Blntau(!b)
[Bluntau] vortretender Seitenzweig, der seinen Ursprung an den (!B)Aichenkpfen(!b) nimmt und den Kessel
"(!B)Im Aichen(!b)" vom grossen Kar an der Hochscharte trennt. Zwischen dem (!B)Gamsarchen(!b) und der
(!B)Hochscharte(!b) gehren die (!B)Aichenkpfe(!b) aufgefhrt, eben jene dreifache Zackengruppe, welche so
augenfllig aus dem Profile der Gllkette sich heraushebt und auch eine nicht unbetrchtliche Hhe,
mindestens 7200' 2339~m. besitzen mag. -- Hinbei kommt noch zu bemerken, da Bayerischer Seits unter den
Aichenkpfen nicht selten die Erhebungen im Brettriedel verstanden werden; jedoch unrichtiger Weise; die
wahren Aichenkpfe liegen eben in der Kette stlich des Hohen Gll. --

!label KeilscheKarte
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(!^)*(!^^)) Begleitkarten zur Reliefkarte der Deutschen Alpen von F.X.~Keil
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Ueber diese Zhne also fhrte mein Weg gegen Osten, bald auf ihren ausgenagten Scheiteln, ber dem Wilden
Freidhof, welcher in unabsehbarer Tiefe fast senkrecht zu meinen Fssen lag, bald von dem allzu schroff
durchrissenen Grate abweichend quer ber die Mauerrippen, durch die Runsen und kleinen Trmmereinlagerungen
der sdlichen Gebirgsflanke, welche, wenn auch schlecht genug, doch zur Noth gangbar sich zeigte. --
Langsam gewann ich an Boden, fast eine Stunde whrte es, bis ich ber alle drei Zacken hinweg war und auf
dem ussersten derselben stehend in das breite, gerundete Trmmerkar der Hochscharte hinunter sah. --
Treppenfrmig abgestuftes Geschrf gestattete trotz des betrchtlichen Neigungswinkels einen ziemlich
unschwierigen Abstieg; ber gehufte Plattenhgel wanderte ich die letzte Strecke zum Kesselboden hinunter,
welcher sodann in gerade Linie, nahe dem aussichtsreichen, gegen Norden schroff abbrechenden Rande
berquert wurde. Die Hhe dieses starken
# S. 45
Gebirgseinschnittes schtze ich zu etwa 500' [ca. 160~m] unter dem Niveau des stlichsten der Aichenkpfe
gelegen, sohin auf etwa 6700' 2167~m.(!^)*(!^^))

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(!^)*(!^^)) Als ich fnf Jahre spter das Haagengebirge besuchte, theilte der
(!link [Blhnbacher Jger] [BluehnbacherJaeger]), welcher
dort mein Begleiter war (vgl. (!link [Cap.~7 dieses Abschnittes] [BerchtesgadenerHagengebirge])), mir mit,
dass die Hochscharte nicht allein aus der Blntau [Bluntau], sondern auch aus dem Wilden Freidhof zugnglich
sei, trotz ihres anscheinend schroffen Absturzes nach jener Seite; sie bildet daher einen Pass aus der Blntau
in's Salzachthal. Freilich wird die Bentzung desselben weder mit Bequemlichkeit, noch mit Zeitersparniss
verbunden sein, da in nicht gar weiter Entfernung die Gllkette berhaupt ihr stliches Ende erreicht. --
Von dem gleichen Jger erfuhr ich auch, dass aus dem Wilden Freidhof noch ein anderer, wiewohl sehr
schlechter Steig zum Gllgrat hinauf, sowie ein anderer direct auf den Hohen Gll fhre.
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!subsubnode Hochscharte und Kuchler Gll; wahrscheinlich erster direkter Uebergang
!alias HochscharteKuchlerGoell
!html_name berchtesgadener_goell_hochscharte.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Hoher Gll, Kuchler Gll, Freieck, Hochscharte, Bluntau
# Stichworte: Kuchler Gll, Freieck, Hochscharte, Bluntau, Blhnbachtal
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Das Schwierigste lag nun wohl hinter mir und mit besonderem Wohlgefallen nahm ich die Vernderung wahr,
welche von der Hochscharte ab an der sdlichen Gebirgsflanke sich geltend machte; statt des zerrissenen und
doch als breites Ganzes vortretenden Felsmassives, das ich verlassen, welches jeder Entfernung aus der
Grat-Zone unbersteigliche Mauerschranken entgegenstellte, zeigten sich hier einzelne, vom Hauptkamme
abgelste Zweigrcken, schmale, langgestreckte Thalmulden zwischen sich lassend, deren schwach begraster
Boden die Mglichkeit eines Abstieges zum Blntauthale [Bluntau] in ziemlich sichere Aussicht stellte; ein
Rckweg ber den Grat und in specie ber den schlimmen Kamin am Beginne desselben blieb mir nun jedenfalls
erspart.
Dass in der Thalung, welche von der Hochscharte weg sich hinabsenkt(!^)*(!^^)), ein Abweg zur Blntau [Bluntau]
bestehe, davon erhielt ich alsbald ein greifbares Wahrzeichen bei Ersteigung des nchststlich sich
erhebenden Gratgipfels, welche auf steilem, aber mir Graspckchen reichlich besetzten Boden rasch und
angenehm von Statten ging. Sein Scheitel wies mir eine aufgerichtete Signalstange, und nahe stand mir nun der
gleichfalls mit einem trigonometrischen Signale versehene Kuchler Gll [Freieck]; aber immer noch hiel er
kleine Schreckmittelchen fr mich in Bereitschaft, der ich von so ungewohnter Seite her ihm nahe zu treten
unternommen.

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(!^)*(!^^)) Der (!link [Blhnbacher Jger] [BluehnbacherJaeger]) benannte dieselbe als die
(!B)Hochschartrinne(!b).
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Kaum hatte ich die Signalkuppe verlassen und wanderte die folgende Gratstrecke entlang, als diese pltzlich
wieder bis auf Fussbreite sich verengte, jhe Wand zu beiden Seiten ein Ausweichen verwehrte und ein
senkrechter Abriss von etwa 5' [1,6~m] Tiefe mich zwang, auf den einzelnen Felsbrocken, welcher
# S. 46
in dieser Scharte die Gratlinie bezeichnete, behutsam mich hinunter zu lassen; jenseits folgte wieder ein
kurzes Aufklettern ber eine nicht minder schroffe Abstufung und eine weitere Strecke sehr luftigen
Grates; endlich eine letzte Kluft, welche der ersten, die meiner abenteuerlichen Wanderung sich
entgegengestellt, ziemlich hnlich, doch nicht ganz so schwierig zu passiren war, da einzelne Rasenschpfe
einen kurzen Abstieg gegen den Wilden Freidhof und das Gewinnen eines praktikabeln Ueberganges gestatten.
Jetzt erst durfte ich das Ziel als gewonnen betrachten, konnte mir jetzt auch wohl erklren, dass das
Problem eines directen Ueberganges von einem Gipfel der Gllkette zum anderen so lange ungelst
geblieben sei; wer immer daran sich gewagt, mochte er seine Wanderung von Hohen oder von Kuchler Gll aus
angetreten haben, -- in jedem Falle traf er schon nach den ersten Schritten auf eine hchst unangenehme
Passage -- vor sich den langen Zackengrat, welcher auch nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeit einen
endlichen Erfolg als fraglich erscheinen lassen musste -- da mochte er wohl lieber umgekehrt sein. --
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!subsubnode Der Erwartete auf dem Hohen Gll
!alias HinteresFreieckAussicht
!html_name berchtesgadener_goell_erwarteter.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Kuchler Gll, Freieck, Bluntau, Salzachtal, Tennengebirge, Kuchel, Golling
# Stichworte: Kuchler Gll, Freieck, Bluntau, Salzachtal, Tennengebirge, Kuchel, Golling
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# Zuordnung Hinteres Freieck lt. AV-Fhrer Berchtesgadener Alpen, 16. Auflage 1990, RdNr. 1142A
Auf schtterem, schwach begrnten Gehnge hatte ich nun nach wenig Minuten meinen wohlverdienten Zielpunkt
erreicht; dem Hohen Gll auffallend hnlich, besteht auch der Scheitel des (!B)Kuchler Gll(!b)
(7300' 2371~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])(!www [Hinteres Freieck] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-17567|272060|0]); 2308~m] aus zwei flachen, durch ein schneeerflltes Becken
getrennten Kuppen; die nrdliche, etwas niedrigere, vom Salzachthale aus allein sichtbare, trgt das Signal. --
Ueber 3~Stunden hatte mein Uebergang vom Hohen Gll her gewhrt; auf seinem im Osten mchtig emporragenden
Rundgipfel gewahrte mein Fernglas jetzt Freund~V., der fast zu gleicher Zeit, wie ich auf dem Kuchler Gll, dort
angelangt war; im Einschreibbuche am Kreuze mochte er nun meine Aufzeichnung des heutigen Morgens lesen, mit
der beigefgten Bemerkung, dass ich den Rckweg ber den Brettriedel zu nehmen gedenke; das war seither
anders gekommen, als ich gedacht.

Nach der Anstrengung des Gratberganges vergnnte mir nun ein paar Stunden Ruhe in stiller Beschaulichkeit;
der Rckweg kmmerte mich vorerst nicht viel, ich sah zwar gelegentlich zur Blntau [Bluntau] hinab, auf die
grnen Matten und ihre Alphtten, die in gewaltiger Tiefe zu meinen Fssen lagen, der grssere Theil meiner
Aufmerksamkeit aber lenkte sich den Gebirgen des Sdens und Ostens zu, den meilenweiten Hgelflchen des
(!link [Haagengebirges] [BerchtesgadenerHagengebirge]) mit den Schlummthlern, deren innerste Kare dem
Einblicke nun geffnet lagen, dem massigen Platau des Tnnengebirges [Tennengebirge], den wunderlich
# S. 47
geformten Zackenthrmen seiner Umrandung, welchen ich hier nher stand, als jemals frher auf meinen
Wanderungen durch die Berchtesgadener Alpen. Leicht entschdigten diese Detailbilder fr die Abschwchung,
welche die Gesammtaussicht zufolge der geringeren Hhe des Kuchler Gll erfahren hatte; und doch wies auch
diese weitere Rundschau ein Moment von hervorragender Schnheit auf, welches der Hohe Gll nicht in dem
gleichen Maasse zu bieten vermag: den Ausblick gegen Norden ber das Salzachthal, die breite, reichbelebte
Thalebene, von den grnen Salzkammerguthsbergen in anmuthigen Wellenlinien begleitet -- weit gegen das
Flachland vorgeschoben der hochgeschwungene Rundkegel des (!B)Geisbergs(!b) [Gaisberg], an seinem Fusse das
lebensfrohe (!B)Salzburg(!b) mit seiner uralten Veste; nher heran die gedrngten Husermassen, die
rauchenden Schornsteine von (!B)Hall(!b), die bevlkerten Orte (!B)Kuchel(!b) und (!B)Golling(!b). Dann
schliesst das Thal mit dunkeln Waldhgeln; das breite Schuttband des Salzachbettes verengt sich zusehends
und verschwindet in den Eingeweiden der Gebirge, die der wilde Strom durchwhlt, aus der Enge des
Pass~(!B)Lueg(!b) den Austritt in's Freie durch die Klamm der (!B)Salzachfen(!b) sich erzwungen hat.
Dumpf dringt das Rauschen und Brausen von dort herauf zur Hhe; und unter diesem Brausen fhlt das
gespannte Ohr noch einen andern in intermittirenden Schlgen sich kundgebenden Wasserton, dessen Quelle
nher liegt, als jenes Ausbruchsthor der Salzach; am Fusse des Gebirges, auf dessen Huptern ich heute
umhergeklettert bin, bricht die rthselhafte Wassermasse hervor, der hypothetische Abfluss des Knigssees,
strzt der (!B)Gollinger Wasserfall(!b) seine Schaumfluth ber zertrmmerte Mauern hinab, der Salzach zu.
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!subsubnode Abstieg durch die Hachel nach Alpwinkel
!alias AbstiegHachelAlpwinkl
!html_name berchtesgadener_goell_alpwinkel.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Hachel, Hochschartrinne, Alpwinkl
# Stichworte: Hachel, Hochschartrinne, Alpwinkl
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Ich htte auf meinem luftigen Sitze, am Rande der Steilwnde des Wilden Freidhofs mich sehr behaglich
befunden und wahrscheinlich noch lngere Zeit hindurch nicht an den Aufbruch gedacht, wenn nicht ein
schlimmes Uebel, Durst genannt, zu immer unangenehmerer Geltung gelangt wre; das Schneeessen wollte
allgemach nicht mehr gengen, die Flasche, welche schon auf manchem hohen Gange getreulich mich begleitet
hatte, war heute Morgen am Aufstiege durch das Alpelthal ganz unmotivirt im Rucksacke zerbrochen,
dessen Inhalt zwar seitdem wieder trocken geworden war, mein Innerstes aber in nicht geringerem Masse.
Eine Citrone besass ich noch, die ich von Berchtesgaden mit auf den Weg genommen hatte, um Limonade zu
bereiten; in diesen Hhen aber "ist die Cultur verschwommen"; -- ich verschlang sie inclusive ihrer Schale
# S. 48

Und won nun hinunter? Auf den Hohen Gll zurck gewiss nicht; der Weg ist mir, von seinen gelegentlichen
Hindernissen auch abgesehen, zu lang und zu trocken; auf dem Grate ber das Grubenhorn [Gruberhorn], den
Vlmbachkogel und den Schnbachkopf gegen Osten weiter? -- Ebenfalls sehr weit, problematisch und nichts
Flssiges in Aussicht(!^)*(!^^)). Direct zu Thal? unter den gegebenen Umstnden jedenfalls allem Anderen
vorzuziehen; bleibt nur noch die Wahl der Thalung, durch welche der Abstieg zu bewerkstelligen. Eine
ziemlich viel versprechende Einsenkung der Gebirgsflanke habe ich bereits an der Hochscharte wahrgenommen,
eine zweite vom ersten Signalgipfel des Grates, und eine dritte endlich zieht sich von meinem Gipfel
selbst in gerader Linie zur Blntau [Bluntau] hinunter(!^)**(!^^)). Ihre Ausmndung zeigt eine rauschende
Alphtte [Alpwinkl-Alm], das
lockende Phantasiebild einer gefllten Milchschssel zieht als krftiger Magnet mich dort hinunter. Ein letzter
Jauchzer hinber zum Hohen Gll; der hochgeschwungene Arm zeigt dem drben weilenden Freunde meine knftige
Wegesrichtung an und gibt ihm zu verstehen, dass wir im Thale erst uns wieder begegnen werden.

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(!^)*(!^^)) Wie der Anblick der Gllkette vom (!link [Haagengebirge] [BerchtesgadenerHagengebirge]) aus mich
lehrte, wre der Weg auch mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden gewesen.

(!^)**(!^^)) Auch dieser Hochthler Namen erfuhr ist erst fnf Jahre spter vom
(!link [Blhnbacher Jger] [BluehnbacherJaeger]), mit dem
ich das Haagengebirge durchwanderte. Die Thalung, welche ich zum Abstiege whlte, heisst
"(!B)In der Hachel(!b)"; meine Wahl war, wie mir der Jger sagte, schlecht getroffen, ich htte weit besseren
Weg durch die (!B)Hochschartrinne(!b) gehabt. -- Oestlich der Hachel folgt eine begrnte, breite Scheitelflche
eines Zweigkammes, die (!B)Grubenleiten(!b), dann ein ziemlich ausgedehnter Gerllkessel, die (!B)Gruben(!b);
noch weiter stlich der (!B)Vlmbachsand(!b), ebenfalls ein Gerllkar. Den Kuchler Gll benannte jener
Jger als (!B)Freieck(!b), wie er auch auf der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) sich befindet.
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Das Gehnge, in der Nhe der Gipfelkuppe noch mssig geneigt, nahm an Steile rasch zu, doch zeigte es sich
auf weite Strecken hinunter gangbar, kleine Rasenschpfe haften allerwrts am Felsen, sie bieten festen,
sicheren Tritt, der freilich jedesmal genau eingesetzt werden muss. Die Seitenrippen des Gebirges, welche
das schmale Kar begrenzen, nehmen an Hhe und an Schroffheit rasch zu und schneiden bald jede Hoffnung ab
auf die Mglichkeit des Uebergangs in ein Nebenthal, falls das zum Abstiege gewhlte sich als ungangbar
ausweisen wrde. Letzteres hatte vorerst noch gute Wege, endlos dehnte das schwach begrnte Gehnge vor
meinen
# S. 49
Fssen sich hinab; manch' weisser Stern der edelsten Alpenblume wurde hier erbeutet und zierte den
Hut. Aber die scheinbar endlose Flche gangbaren Bodens nahm schliesslich doch ein Ende und leider ein
gutes Stck frher, als das Hochthal selbst, welchem sie angehrte.; 1~1/2~Stunden Abstiegs vom Gipfel des
Kuchler Gll entfernt, sah ich plattenkahlen Felsen in jhen Abstzen vor mir, durchspalten von tiefen,
schneeerfllten Klften. Eine Strecke weit klomm ich auch da noch hinunter und befand mich endlich vor
einer senkrechten Stufe von etwa 12~Fuss [3,8~m] Hhe, unter mir ein Firngraben, der in's Dunkel der
zusammendrngenden Wnde sich verlor; ich hatte nicht bel Lust, hinunterzuspringen und mein Heil dort weiter
zu versuchen, besann mich aber noch zu rechter Zeit, dass dies eigentlich ein tolles Wagestck sei und ich
immerhin vorerst noch anderwrts mich umsehen knne. Mein Abstieg hatte mich zuletzt vllig an die linke
(stliche) Thalseite gedrngt, ich kletterte ber die Plattschrofen zurck, bis ich wieder die begrnten
Lagen erreicht hatte und querte nun die Sohle nach der entgegengesetzten Seite hinber; als ersten
Vortheil dieses klgeren Verfahrens erntete ich das Auffinden eines kleinen Wsserchens, welches, einem
Schneeflecke entquellend, in einer Plattenrunse zu Thale floss. Diesen dringendsten Punkt einmal erledigt,
war es mir einigermassen gleichgiltig geworden, ob ich berhaupt einen Ausweg aus dem Hochthale finden
wrde; lsst der eigensinnige Berggeist mich zu diesem Loche nicht hinaus, so muss er mich eben ber
Nacht behalten, morgen steige ich ihm dann ber den Gllgrat wieder davon. --

Doch sagt das Sprichwort: "ein Unglck kommt nie allein" und es gilt in nicht geringerem Masse sein
Gegentheil; nachdem ich den Durst gestillt und etwas gerastet hatte, fand ich die westliche Thalseite gar
nicht so bel zum weiteren Abstiege, allerwrts steil, doch nirgends besonders bedenklich, bot sie dem
Fusse auf aufgestuften, theilweise bewachsenen Schrofen, sichere Bahn zu Thal. Die Bergrippe, welche die
Westseite meiner Sinke eingrenzt, streckte sich mit einer letzten Ausspitzung gegen das Blntauthal [Bluntau]
vor; schwache Spuren eines schmalen, sogenannten Gamssteigl's leiteten auf ihre begraste, aber ausserordentlich
steile Flanke hinaus; ich stand nun bereits ber den vom Hauptthale heraufreichenden Schuttbden des
(!B)Alpwinkels(!b), nur etwa 100~Fuss [320~m] hoch ber ihnen, doch waren sie in gerade Linie noch nicht
erreichbar; jetzt berblickte ich auch die zerrissenen Felsabstrze der Mitte des Kars und mochte mich
glcklich schtzen, in dieses Labyrinth von
# S. 50
Hindernissen mich nicht eingelassen zu haben. Eine sorgfltig ausgewhlte Zickzacklinie brachte in
vorsichtigem Gange dem breiten Gerllboden mich langsam nher; enge Grasbnder vermittelten die nothwendigen
Kreuz- und Querzge, schrge Furchen des Felshanges liessen Stufe und Stufe mich gewinnen, und endlich
sprang ich vom letzten Schrofen weg auf's Gerll, -- ich hatte mein Spiel wieder einmal gewonnen. --
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!subsubnode Alpenglhen am Torrener Joch
!alias TorrenerJoch
!html_name berchtesgadener_goell_torrener_joch.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Gll, Bluntautal, Joch-Alm, Torrener Joch
# Stichworte: Bluntautal, Joch-Alm, Torrener Joch
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Eine Viertelstunde spter langte ich an der Alphtte an und vertiefte mich in deren materielle Gensse;
zeitweilig das Auge zurckwendend nach dem verlassenen Gipfel, die langgestreckte Sinke bleichen Felsbodens
betrachtend, die mich zu Thal gefhrt. Die Alpe, bis zu welcher mein Abstieg etwas ber zwei Stunden
gewhrt hatte, nennt sich (!B)(!www [Alpwinkel] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-18376|270431|0])(!b) und liegt am linken Ufer des (!B)Torrenerbaches(!b)(!^)*(!^^)), mit welchem die Wasserlufe am der Sdflanke der Gllkette durch tiefe Schluchten sich vereinigen.
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(!^)*(!^^)) In diesem seinem oberen Laufe wohl auch (!B)Fischbach(!b) genannt.
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Ein paar Abendstunden hatte ich noch brig und war trotz des grossen Tagesmarsches nicht sehr bedeutend
ermdet, beschloss daher die Hhe des Torrenerjoches zu gewinnen und auf den Knigsbergalpen zu
bernachten; um so zeitiger konnte ich des nchsten Tages in Berchtesgaden zurck sein. Bequeme
Alpenpfade fhrten mich thalaufwrts, jenseits der Tiefe des Torrenerbaches sah ich auf breiter Wiesenterrasse
die Unteren (!B)Jochbergalpen(!b) [Joch-Alm] liegen, eine Viertelstunde spter fhrte mein Weg mich
durch die Obere Alpe gleichen Namens; dann ging's ber hgeligen, theilweise bewaldeten und
buschbewachsenen Boden zur Passhhe empor. Schon hatte Dmmerung sich in's Thal gesenkt, die Rothe Wand
des Schneibsteins, die zerrissenen Mauern des Gllgrates, die Steilwnde des Brettriedels sahen bleich in
seine Tiefe nieder; ein seltsamer Schimmer spielte um die Wipfel der Wettertannen.

Rasch das Freie gewinnend wandte ich den Blick thalaus: da stand das Tennengebirge im Feuer. Glut des Eisens
in der Esse, brennendes Rosenroth ergisst in raschem Wechsel sich ber seine zackige Mauerkrone,
dunstige Schleier von zartesten Carmin und Violet umhllen leuchtend seine starren Wnde und streichen durch
ihre Klfte hinauf zu den Zinnen, als schrten sie dort den Brand; sie ziehen nach sich die Nebel des Thals,
in rthliche, blaue, graue Farbentne getrnkt: ihnen folgt auf dem Fusse das Dunkel das Nacht.
Wenige Minuten spter ist es dster geworden.
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!subsubnode Was aus dem verspteten Freunde geworden
!alias TorrenerJochSchluss
!html_name berchtesgadener_goell_verspaetet.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Knigsberg-Alm
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Ueber der Scheitelhhe des (!B)Torrenerjochs(!b) steigt mchtig gross der (!B)Watzmann(!b) auf, eine
schwarze Zackenlinie am Abendhimmel; in den nahen Htten(!^)*(!^^)) knistern die Abendfeuer; ich bin am Ziele.
Ob ich nun etwa doch noch mit Freund~V. zusammentreffe? Mglich, dass er ber den Brettriedel zurckgestiegen
ist und hier verweilt. Doch nein, er ist nicht da; so wird er wohl doch durch's Alpelthal abgestiegen sein
und schon in Berchtesgaden sich befinden. Abermals nein; auf dem (!B)Hohen Gll(!b) liegt er oben, den
Weg ber den (!B)Eckerfrst(!b) [Eckerfirst] hinab wollte er sich suchen und hat in den Wnden des
Wilden Freidhof sich verstiegen; und froh, vor Dunkel wieder den Gllgipfel zu erreichen, hat er dort
ein wenig comfortables Nachtquartier bezogen!

Heisst Alles Wege suchen, aber (!B)wie(!b)! Wre er nur rechtzeitig angelangt und mit mir gegangen, aber
das kommt vom Verschlafen!

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(!^)*(!^^)) (!B)Knigsbergalpe(!b), 4922' 1599~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte]).
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!subnode IV. Der Hochknig auf dem Ewigen Schnee
!alias BerchtesgadenerHochkoenig
!html_name berchtesgadener_hochkoenig.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochknig, bergossene Alm, Ewiger Schnee
# Stichworte: Hochknig, bergossene Alm, Ewiger Schnee

(Hierzu (!link [Vertikal] [Vertikalprofil4])- und (!link [Horizontalprofil] [Horizontalprofil4]) No.~4)

!subsubnode Auf der Urschlauer Scharte; misslungener Angriff von der Westseite
!alias UrschlauerScharte
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_torscharte.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochknig, bergossene Alm, Torscharte, Hochseiler, Totes Weib, Wildalm, Blasser Hund, Marterlkopf, Tennboden
# Stichworte: Urschlauer Scharte, Torscharte, Hochseiler, Totes Weib, Wildalm, Blasser Hund, Marterlkopf, Tennboden
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Am schwlen Mittage des 10.~August 1868 stand ich auf dem Sattelboden der (!B)Vorderen Urschlauer Scharte(!b)
(6465' 2100~m. Keil) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])(!www [Niedere Torscharte] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-23065|255970|0]), 2247~m], nordlich zur Linken die Tiefe des (!B)Blhnbachthals(!b),
vor mir die 2000~Fuss [600~m] hohen Steilwnde des (!B)Sailerkopfes(!b) (8395' 2727~m. Keil) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Hochseiler,
2793~m], des westlichsten Eckgipfels der (!B)Uebergossenen Alp(!b); 6~Stunden Marsches vom Funtensee
herber lagen hinter mir, durch den wsten Thaleinschnitt, (!B)Todtes Weib(!b) genannt, am Sdfusse des
Funtenseetauren [Funtenseetauern] in die den Thler der (!B)Wildalm(!b), ber den (!B)Blassen Hund(!b)
(7438' 2416~m. Keil)
# Hochseiler nach Karte Landesvermessungsamt; Hochsailer nach AV-Karte
# Blasser Hund: westlich vom Alpriedelhorn
quer durch die Ursprungskare des Blhnbachthals, hinauf zum (!B)Marterl(!b) (6616' 2149~m.
(!link [Keil] [KeilscheKarte]))
(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Marterlkopf, 2444~m] auf schartigem Felsrcken und wieder hinunter in den Bergsattel, welcher den schmalen
Zusammenhang zwischen dem Hochplateau des Steinernen Meeres und dem erhabenen, wenn auch minder ausgedehnten
Stocke der Uebergossenen Alp vermittelt.(!^)*(!^^))
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(!^)*(!^^)) Nher beschrieben findet sich diese Tour in 1.~Bd., 3.~H. der Zeitschr. des D.A.-V., S.~355~ff.
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Zwei weitere Stunden war ich in den Plattwnden herumgeklettert, die nordwrts zum Schuttkessel des
(!B)Dennbodens(!b) [Tennbodens], einer Abzweigung des Blhnbachthals, niederstrzen, an denen die Sickerwasser
des weiten Firnfeldes herabrieseln; den Durchgang wollte ich finden nach der blendenden Schneedecke und
das ferne wirkende Kapellchen auf dem Hochknig gewinnen. Ich hatte wieder einmal vertrauensselig den Worten
eines biederen Alpensohnes, seines Zeichens Khbube am Funtensee, Glauben geschenkt, der da behauptete, den
geraden Uebergang vom Steinernen Meere auf den Ewigen Schnee [bergossene Alm],
von welchem die Jger des Blhnbachthales zu erzhlen wissen(!^)*(!^^)), genau
# S. 53
zu kennen und schon oft diesen Weg gemacht zu haben.
Da war er planlos hineingestiegen in die wirklich schlimmen Felsenabstrze und schliesslich stecken
geblieben vor unberwindlichen Schranken und ich mit ihm. Htte ich nur erst die Nordseite des Gebirgestockes
von gnstigem Punkte, etwa von den Teufelshrnern aus, zu sehen bekommen, ich wollte wohl einen besseren
Plan entworfen haben; aber unbekannt mit allen lokalen Verhltnissen und bereits in eine Sackgasse des
Gewndes verrannt, die wahrscheinlich weit ablag von der richtigen Linie(!^)**(!^^)), blieb auch mir keine
weitere Wahl, als umzukehren und von der Urschlauer Scharte [Torscharte] meinen vorzglichen Fhrer nicht allein
in Ungnaden, sondern auch unter erheblicher Reduction des verheissenen Lohnes zu entlassen. Scheltend trat er
den Rckzug an nach seiner Alpe; und in gleichen Aerger wandte ich mich zum Abstiege gegen Sden, wo tief
im grnen Thale das Kirchlein von (!B)Hinterthal(!b) [Hintertal] am Urschlauerbach [Urslauache] winkte.

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(!^)*(!^^)) Ich zweifelte lange daran, ob hier nicht etwas Latein obwalte, habe mich jedoch im Jahre 1873
positiv des Gegentheiles berzeugt. Der (!link [Blhnbacher Jger] [BluehnbacherJaeger]), welcher auf das
Haagengebirge [Hagengebirge] mich
begleitete, besttigte mir nicht allein diese Mglichkeit, sondern wies mir auch am Ewigen Schneegebirge,
das jenseits des Blhnbachthals unmittelbar uns gegenber stand, genau die Stelle, welche den Durchgang erlaube
(vgl. das im (!link [7.~Cap] [BerchtesgadenerHagengebirge]). (!link [hierber] [Hagengebirge_Uebergangsbemerkungen])
Bemerkte); ihre genaue Betrachtung mit dem Fernglase liess steigbaren Fels dort auch sehr wohl erkennen. --
Es wurde, soviel mir bekannt, dieser Uebergang in neuerer Zeit auch touristisch ausgefhrt.

(!^)**(!^^)) Es war, wie im Jahre 1873 vom Haagengebirge aus sah, in der That so.
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!subsubnode Abstieg nach Hinterthal
!alias AbstiegHinterthal
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_hintertal.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochknig, bergossene Alm, Urslauer Tal, Hintertal, Lauskpfe, Filzensattel, Marterlkopf, Brandhorn, Wildalmkirchl, Ponegg, Bonegg, Hochstreif, Selbhorn, Schnfeldspitze, Hochzinken, Freidhofzinken
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Schwach nur zeichnet eine Pfadspur im kmmerlich begrasten Gehnge sich ab; von der Gebirgsschneide mich
entfernend, sah ich deren starre Hupter bald in weitem Halbkreise mich berragen, dstere, zerklftete
Gestalten, gelb, roth und braungefleckt und geflammt, lichte Scharten zwischen ihren Zacken und dunkle
Schlnde, von zahnigen Riffen eingerahmt; aus steilen, engen Trmmerkaren sammelt in diesem Kessel der
Urschlauerbach [Urslauache] die Wasseradern seines Ursprungs. Zur Linken hatte ich die Westfront der
Uebergossenen Alp,
ein zackiges und doch compakt-steiles Gemuer; in bedeutender Tiefe erst lst aus seinem kahlen Felsmassive
der rasch sinkende Zweigkamm der (!B)Lauskpfe(!b) sich ab, der mit den weichgeformten Hhen des jenseitigen
Thonschiefergebirges den ussersten und zugleich mchtigsten Vertreter der Kalkalpenwelt verbindet; seine
tiefste Depression, der (!B)Filzsattel(!b), stlich von Hinterthal, schneidet die Bche der (!B)Urschlau(!b)
[Urslau] und des (!B)Dientenerthales(!b) und mit ihnen die Wassergebiete der Saalach und der Salzach.

Breite Terrassenscheitel, welche aus der Bergflanke sich herausflachen und mit Wandstufen zu grsserer Tiefe
abbrechen, sperren an der oberen Grenze des Krummholzes fast die ganze Quere des Thalkessels an
# S. 54
der Urschlauer Scharte [Torscharte]; ich hatte diese Unterbrechung des Terrains seit lngerer Zeit bereits
wahrgenommen, und wurde es mir daher auch nicht schwer, die richtige Weglinie im Voraus zu bestimmen, auf welcher ich dann auch sehr bald auf wohlgebahnten Pfad traf; er wendet sich in ziemlich weitem Bogen nach der rechten Seite, wo die tiefsten Wasserrunsen des Urschlauer Baches herabkommen, breite Schuttlehnen die Krummholzbetten durchziehen; in kleinen Zickzacks leitet er ber starkgeneigtes, vielfach geripptes Gehnge hinunter zum Thalboden; rckwrtsblickend sehe ich ber mir in stolzer Reihe die Randgipfel der stlichen Hlfte des Steinernen Meeres, ber dessen Hochflche ich in den Vormittagsstunden dahingewandert bin; die Zinnen nchst der Urschlauer Scharte [Niedere Torscharte], westlich davon das enge Felsenthor der
(!B)Hinteren Urschlauer Scharte(!b) (wahrscheinlich ungangbar) -- (!B)Althaus(!b) (6846' 2224~m.) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Marterlkopf, 2444~m], (!B)Brandhorn(!b) (7539' 2249~m.) [2610~m], (!B)Wildalmer Kirche(!b) [Wildalmkirchl] (vermuthlich identisch mit "(!B)Scheere(!b)" der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte])), (!B)Poneck(!b) 7890' 2563~m [Ponegg, 2560~m; auch: Bonegg], (!B)Hochstreif(!b) 7921' 2573~m. [2542~,], (!B)Selbhorn(!b) 7942' 2580~m. Keil [2643~m] (!^)*(!^^)) und im ussersten Westen ber den Auslufer des Selbhorns herberblickend, ein schlankes Horn, die Schnfeldspitze (8163' 2652~m.) [2653~m] oder vielmehr, da wir jetzt im Pinzgau uns befinden, pinzgauerischer Benennung nach, der (!B)Hochzinken(!b) oder (!B)Freidhofzinken(!b).
# Hochstreif nur auf der AV-Karte erwhnt

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(!^)*(!^^)) Die Scharte zwischen beiden, von der Keil'schen Karte zu 7108' 2309~m. angegeben, scheint einen
gangbaren Pass nach dem Steinernen Meere (zunchst der Hinteren Wildalm) zu erffnen. (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Wasserfallscharte,
2423~m]
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Schwere Wetterwolken ballten um diese Felsenpyramiden sich zusammen und hingen sich fest in ihren Scharten;
es war fr mich hoch an der Zeit, ein schtzendes Obdach zu erreichen, bevor das regelmssige
Nachmittagsgewitter jener Tage zum Ausbruche kam. Auch der gewonnene Thalgrund zeigte noch ziemlich
betrchtliche Senkung und weitere Erstreckung, als ich von der Bergeshhe aus ihm zugemuthet hatte; an den
leerstehenden Htten der (!B)Khalpe(!b) (3857' 1253~m. Keil) vorber erreichte ich die freien Thalwiesen,
eine Brcke leitete den Weg auf das linke Ufer des Urschlauer Baches [Urslauache] ber, der seine bereits
vereinigten Gewsser in ziemlich tief eingerissenen Graben dahinfhrt; bald darauf begrssten mich die ersten Huser von Hinterthal [(!www [Hintertal] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=10|-26834|252496|0])] und zwei Stunden nach dem Verlassen des Gebirgskammes war ich am Wirthshause, im oberen Theile des ziemlich zerstreut liegenden Ortes angelangt (3155' 1025~m. Keil). Wenige Minuten spter war der Platzregen auch zur Stelle.
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!subsubnode Ueber den Filzsattel in's Dientener Alpenland
!alias UeberDenFilzsattel
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_filzsattel.html
!html_keywords Hochknig, Filzsattel, Filzensattel, Dientener Berge, Filzenkopf, Hohe Kpfe, Kranalkogl, Taghaube
# Stichworte: dito, auer ersteres
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Den einzigen Vortheil, welchen den unerwnschte Verlauf meines Wanderungstages mir bot, nach mehrtgiger
Alpenkost wieder etwas konsistentere Nahrung zu mir zu nehmen, ntzte ich, so gut es eben gehen wollte; auch
ein paar Glas sauren Bieres wurden mit grossem Wohlbehagen vertilgt. Ueber das Ewige Schneegebirge
[bergossene Alm] und die Ersteigung seines Gipfels aber wusste Niemand Bescheid. Dass von dieser Seite
keine Aussicht auf Erfolg sich biete, sagte mir brigens der eigene Blick; der Aufgang von Sden her, von
welchem ich gelegentlich hatte erzhlen hren, und welcher nun, nach dem ersten Misserfolge, meinen festen
Plan bildete, mochte wohl mehr in der Mitte des Gebirgsstockes, also weiter gegen Osten gelegen sein.

Ich nahm daher gegen 4~Uhr Nachmittags, als das Gewitter sich verzogen hatte, den Marsch wieder auf und verfolgte die schlecht fahrbare Strasse zur Wasserscheide des (!B)Filzsattels(!b) [(!www [Filzensattel] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-25137|250997|0])] hinan. Fast eine Stunde lang zieht dieselbe in
fhlbarer Steigung sich bergan(!^)*(!^^)), fast unausgesetzt durch Hochwald, selten erffnet sich ein Rckblick
gegen das (!B)Urschlauer(!b) [Urslauer] und (!B)Saalachthal(!b), auf die Gipfelreihe des Steinernen Meeres, die
nun als scharfe Felskette keine Ahnung gibt von den meilenweiten Hgelflchen, die hinter diesen Huptern in
wenig geringerer Hhe sich hindehnen. Waldberge zur Rechten, welche breit und flachgerundet zum
(!B)Scheideck(!b) und weiterhin zur (!B)Klingspitz(!b), dem Grenzwalle gegen das Saalachthal hinaufziehen;
Wald zur Linken, an den Flanken des (!B)Filzkogel(!b) [Filzenkopf] hinauf, durch seine Lichtungen blicken in
wechselnden Gestalten die Kalkzinnen des Ewigen Schnee herunter.

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(!^)*(!^^)) Die Thonglimmerschiefer von hufig auffallender blutrother Frbung, welche dieselbe begleiten,
gehren den tiefsten Lagen der alpinen Trias, den sogenannten (!B)Werfener Schichten(!b) (Buntsandsteinformation)
an. Das etwas sdlicher gelegene Schiefergebirge von Dienten, welches der Urschlauerbach [Urslauache] in
kurzem Bogen durchbricht, ist das einzige Gebiet der Alpen, in welchem die
(!B)(!link [silurische] [Glossar_Silur])(!b) Formation aus (!link [Petrefakten] [Glossar_Petrefakten])funden
nachgewiesen werden konnten.
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Die Wasserscheide des Filzsattels (3710' 1205~m. Keil) erffnet einen weiten Ausblick gegen Osten, ber die
Hochtler der (!B)Dientener(!b) (oder Mhlbach-) (!B)Alpen(!b) zeigen in der Ferne sich die
(!B)Radstdter Tauern(!b). In krzerer Strecke, aber steiler, geht es jenseits der Wasserscheide hinunter
in's Quellengebiet des Dientener Baches; zur Rechten ffnet sich das (!B)Dientener Thal(!b), weithin
breiten sich grne, hgelige Weidenmatten, mit zahllosen Alphtten berset. Dem Hauptwasserlaufe abwrts
# S. 56
folgend, wendet die Strasse sich sdwrts, nach (!B)Dienten(!b); Alpwege verzweigen sich von ihr nach allen
Richtungen, zunchst gegen Osten, eine breite, langgestreckte Thalterrasse entlang. Dort steigen neue,
anmuthig gerundete, ppig begrnte Bergrcken empor; unter ihnen dominieren (!B)Kollmannseck(!b)
(5353' 1739~m.) und (!B)Schneeberg(!b) (5904' 1918~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])). Im Norden aber ist ein
Theil des Ewigen Schneegebirges [bergossene Alm] wieder sichtbar geworden. -- Eine Reihe scharfgezeichneter
Felsengipfel schliesst mit einer grossentheils bewachsenen, breit in's Thal hineintretenden Bergpyramide: es ist
der sdliche Auslufer des Hauptmassivs, der Kamm der (!B)Hohen Kpfe(!b), des (!B)Kranalkogls(!b) und der
(!B)Taghaube(!b), die westliche Abgrenzung des (!B)Birgkars(!b).
# Kranalkogl: auf der AV-Karte heit der "Granlspitz", auf den Karte des Bayer. Landesvermessungsamtes
# ist dazu nichts aufgefhrt.
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!subsubnode Irrgang an den Abhngen und in den Grben des Ewigen Schneegebirges
!alias HochkoenigIrrgang
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_irrgang.html
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Eine drftige Schenke steht an der Wegtheilung; ich hielt hier eine kleine Rast und erfuhr auf Nachfragen
wenigstens soviel, dass von den Mhlbachalpen aus zuweilen Leute auf den Hochknig gingen; ich sollte nur
die Alpwege thalein gehen und dann etwas bergan, so werde ich in anderhalb Stunden die Mhlbachalpen
erreichen. Ich wanderte also die holperige Karrenstrasse weiter gegen Osten, sie kreuzte erst den
(!B)Pichlgraben(!b) und verzweigte sich dann auf die Alpwiesen; bergan sollte ich die Mhlbachalpen suchen,
die Flanken des Ewigen Schneegebirges [bergossene Alm] zeigten sich hier bereits weniger mauerschroff,
ich dachte mein
Ziel an den Grasmatten zu finden, welche an ihrem Fuss sich hinlehnen, begann also auf dem nchstbesten
Pfad emporzusteigen, lngs des (!B)Filzengrabens(!b), durch gelichteten Wald und ber Graspltze und
gelangte nach einer starken halben Stunde an zwei kleine, niedrige Pinzgauer Htten.

Eine Pinzgauer Hexe,
deren Taufschein aus dem vergangenen Jahrhundert lauten mochte, that mir auf. Ob hier die Mhlbachalpen
seien? -- Nein! -- Wo diese zu finden seien? -- Weiss nicht. -- Danke. -- Weiter aufwrts liegt wieder
eine solche Barake; gleiche Frage nach den Mhlbachalpen; gleichen Bescheid "Weiss nicht." -- Drben auf
grnem Bergvorsprunge zeigte sich abermals Htten. Ich kreuze den ziemlich verflachten Filzengraben und bin
in einer halben Stunde zur Stelle. Die Schweine strecken durch die halboffene Thr ihre Rssel grunzend
mir entgegen, und der ihnen in jeder Beziehung hnliche Besitzer grunzt sein verzweifeltes "Weiss nicht." --
Wie die Alpe heisse, die jenseits des tiefen Schnberggraben liege? "Weiss nicht."
-- Wenn der Gletscher der Uebergossenen Alp nicht in der folgenden Nacht schon seine eisigen Arme ber
das ganze Weideland an seinem
# S. 57
Fusse breitet, -- an meinen Verwnschungen liegt die Schuld sicher nicht! --
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!subsubnode Pinzgauer Lokalkenntniss
!alias PinzgauerLokalkenntnis
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_pinzgau.html
!html_keywords Hochknig, Schnbergalm, Taghaube, Kranalkogl, Mhlbachalmen, Dientener Almen
# Stichworte: dito, auer ersteres
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Ich suche mir den Abstieg in den Graben, so gut es eben gehen will, schlage mich eine halbe Stunde lang
im Krummholz herum, finde die Bachsohle als Klamm und, nach einer Stelle sphend, die den Uebergang
ermgliche, den schnsten Pfad, der direct nach der verlassenen Alpe hinaufzeigt. Jetzt kann er mir nichts
mehr ntzen, denn er luft lngs des Grabens abwrts, und ich will quer hinber; steige also das struppige
Felsgehnge jenseits wieder empor, sehe mich auf einem dicht mit Gebsch berwucherten Bergwulste und zu
meinen Fssen einen zweiten Graben, den eigentlichen (!B)Schnbergbach(!b), whrend ich vorher eine
Abzweigung desselben berschritten hatte (von der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) (!B)Moosbach(!b)
benannt).
Wieder tief hinunter zur Sohle, im engen Bette des rauschenden Baches ein Stck abwrts und dann im Walde
steil, langwierig hinauf. Endlich lichtet sich die Dickung, vor mir liegen weithingestreckte, sanft
abdachende Wiesen, sie ziehen sich hoch hinauf zum Bergsattel zwischen der ussersten Gipfelpyramide und
dem nchstfolgenden Felszacken des Bergkammes, den ich vor mir sehe -- der (!B)Taghaube(!b) und des
(!B)Kranalkogls(!b).

Ein Wink vielleicht,  auf dieser Bahn den Aufstieg zum grossen Firnplateau zu suchen. Dass ich es aber hier
mit einem blossen Auslufer des Hauptgebirgsstockes zu thun habe, sagen mir leichtverstndlich die
Vegetationsverhltnisse jener Hhen. Nach ein paar hundert Schritten war ich an der Alphtte angelangt
und fand hier, -- ein Wunderding in den Bergen und in den Bergen Pinzgaus vor Allem -- einen Menschen, der
ein vernnftiges Wort zu verstehen und ein solches zu reden vermochte. Ich erfuhr nun, dass die
Mhlbachalpen auf dem Thalboden selbst liegen und ich vom Bergabhange nur wieder zu Thal zu steigen habe,
um an dieselben zu gelangen; ich erfuhr, dass ich auf der (!B)Rohrmoos(!b)- und (!B)Pichelalp(!b) gewesen
-- der Name der dritten Alp, von welcher ich in den Schnberggraben hineingesprengt worden war, ist mir
entfallen, und ich finde auf der Keil'schen Karte an der entsprechenden Stelle keine solche angegeben;
dass ich mich nunmehr an der (!B)(!www [Schnbergalpe] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-22174|251244|0])(!b) befinde und 3/4~Stunde Weges ber freien Wiesengrund nach den Mhlbachalpen hinunter habe. Ich erfuhr weiter, dass von diesen Alpen ein nicht gar schwieriger Aufstieg zum Ewigen Schneegebirge [bergossene Alm] fhre, dass ich einen solchen jedoch von der Seite der Schnbergalpe (!B)nicht(!b) suchen drfe; ich wrde mich auf den Hhen des Grates, den ich vor mir
erblicke, vor die Steilabstrze des
# S. 58
Birgkars gestellt sehen und den Hochknig noch weit zurckliegend erblicken; ja es wurde mir sogar dieser
ersehnte Gipfel selbst gezeigt, welcher als unscheinbarer Felshcker durch eine Scharte des nahen
Kammes hindurchlugt. --

Mit diesen unschtzbaren Kenntnissen ausgerstet begann ich den Abstieg nach den Mhlbachalpen; bald
erblickte ich sie, am Fusse des grnen Gehnges, am Hhenrande einer breiten, hgeligen Thalebene, welche
die Wasserscheide zwischen dem Dientener und dem Mhlbache und zugleich die politische Grenze zwischen dem
Pinzgau und dem Pongau bezeichnet(!^)*(!^^)). Es bilden die (!B)Mhlbachalpen(!b) eine kleine Gruppe, drei
nahe zusammengebaute Htten, unter einer grossen Anzahl anderer Alpen, mit welchen diess Thalplateau berset
ist, und welche die Keil'sche Karte ganz allgemein mit dem Namen (!B)Dientener Alpen(!b) (4233' 1377~m.)
bezeichnet.

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(!^)*(!^^)) Ich habe den gleichen Weg von Hinterthal nach den Mhlbachalpen im Jahre 1873 wieder gemacht
und mich dabei berzeugt, dass die richtige Spur nicht leicht zu finden sei. Natrlich liess ich mich ein
zweitesmal nicht in die Hhen des Ewigen Schneegebirges ein, sondern blieb in der Thaltiefe; so flach und
eben diese jedoch von Weitem sich ansieht, so zerschnitten ist sie in Wirklichkeit, da in dem weichen
Schiefergestein jeder Wasserlauf eine tiefe, enge Schlucht bildet. Doch sind der Huschen und Alpen viele
auf diesen Wiesengrnden, es fehlt daher auch nicht an Verbindungspfaden. Der sicherste -- allerdings
nicht nchste Weg -- nach den Alpen und der Passhhe verfolgt die Dietener Strasse selbst bis nahe an Dienten,
woselbst sie erst den Hauptgraben berschreitet, und steigt von da ber Dachegg aufwrts zu den Mhlbachalpen.
-- Hinterthal -- Filzensattel 1~St., zur Schenke hinab 10~Min., von hier nach den Mhlbachalpen 1~1/2~St.
nach Dienten 1/2~St.
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!subsubnode Die Mhlbachalpen
!alias Muehlbachalpen
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_muehlbachalpen.html
!html_keywords Hochknig, Mhlbachalmen, Widdersberg-Almen, Wiedersberg-Almen
# Stichworte: Mhlbachalmen, Widdersberg-Almen, Wiedersberg-Almen (letzteres = Schreibweise lt. AV-Karte)
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Eben bei Sonnenuntergang erreichte ich nach weiter Irrfahrt mein Ziel; das zertheilte Wettergewlke des
Himmels begann in durchsichtige Dnste sich aufzulsen, das Abendlicht vergoldete die Wiesenmatten auf dem
sanftgerundeten Scheitel des Schneebergs. Im Osten war die Taghaube zurckgewichen, und der Hauptstock
des Ewigen Schneegebirges [bergossene Alm] begann hinter seinem Zweigkamme wieder hervorzutreten;
starre, silbergraue Mauern
bauen sich stufenlos hinauf zu zackengekrnter, unermesslicher Hhe, glnzende kleine Schneelager hngen
aus den Scharten herunter und lassen hinter jenem Rande die stundenweite Firnebene vermuthen. Aber wie
jenen Rand erreichen, der mit Steilwnden umschanzt ist, welchen die Gemse selbst ausweichen wrde? --

Ich verlegte mich wieder auf's Fragen und erhielt wenig trstlichen Bescheid. Das Gebirge sehe hier
nirgends anders aus, so hiess es, -- man sage wohl, es seien da gelegentlich Leute hinaufgestiegen, es thue
# S. 59
das aber nicht leicht Einer nach -- und im Uebrigen das verzweifelte "weiss nicht, weiss nicht" -- (!B)wenn(!b)
es wahr ist, dass im gesetzmssigen Entwicklungsgange der Organismen einzelne Organe durch Nichtgebrauch
(!B)verkmmern(!b), muss eine knftige Generation den Pinzgauer mit rudimentren (!B)Augen(!b) zu sehen
bekommen -- das rudimentre (!B)Hirn(!b) ist schon da, oder vielleicht nicht einmal mehr Rudimente davon.

Ich verzehrte meinen Abendschmarrn und lege mich sehr rgerlich auf's Heu; schlief auch bis in den lichten
Morgen und kam mit Noth gegen 6~Uhr von der Alpe weg. Was war auch von diesem Tage wieder zu erwarten?
Mhseliges Herumklettern und Rckzug, (!B)wenn(!b) berhaupt noch, mit Misserfolg. Der Alpenpfad fhrte
mich am untersten Gehnge der (!B)Taghaube(!b) in nordstlicher Richtung um ihren Kegel herum, meist ber
stark geneigte Grashnge, einem kleinen Gehlze zu, das er durchkreuzte. --
Eine neue Alpenterrasse begann sich vor mir zu ffnen, hoch ber der Schlucht des Mhlbaches, dessen
Ursprungsgrben vom Plateau der Dientener Alpen herab rasch in die Tiefe sich einschneiden. Da drben
sollte ein Schafhirt hausen, der sollte Alles wissen, so war mir auf den Mhlbachalpen gesagt worden;
ich hatte aber alle Lust zum Fragen und alles Vertrauen verloren; spekulirte im Vormarsche nach der
(!B)Wiedersbergalpen(!b) [Widdersberg-Alm] hinauf, die hoch auf grnem Bergrcken gelegen von den Mauern des
Ewigen Schneegebirges umgrenzt werden. Dort konnte ich noch am meisten Hhe gegen den Scheitel des
Gebirgsmassives hin gewinnen, dessen Abstrze aber dann um so schroffer und unersteiglicher mir
entgegentreten mussten.
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!subsubnode Das Birgkar
!alias Birgkar
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_birgkar.html
!html_keywords Hochknig, Birgkar
# Stichwort: Birgkar
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Mittlerweile aber kam ich allgemach auf die Ostseite der Taghaube herum und pltzlich begann es wie Leben
in den starren Felsenhhen sich zu regen; da rckt erst der Kranalkogl zurck und lsst die Hohen Kpfe
sehen, abenteuerliche Kegel und Zinken, aber um ihren Fuss herum lagern sich Schuttpltze, von welchen
gangbare Bnder schrg in's Gewnde sich hinaufziehen, -- ob es wohl mglich wre, von der Hhe der
Wiedersbergalpe [Widdersberg-Alm] aus im Quergange eine solche Lage zu gewinnen? -- Aber weiter zurck noch
tritt zu meiner Linken die Taghaube, und tiefer hinein dringt das Auge in den Mauerwinkel, den der Zweigkamm
mit seinem Hauptmassive bildet -- und da reiht sich Schuttstreif an Schuttstreif, Schrofen an Schrofen, 
gezackt, gestuft, in offenkundig gangbarer Neigung; inmitten des ganzen Gehnges ein strkerer Felsensturz,
aber Steilwand ist das auch nicht,
# S. 60
dafr brgt mir der blosse Anblick und weiter herunter wieder endlose Gerll- und Trmmerfelder, in den
innersten Grund der Thalbucht sich ausgiessend -- das liegt das (!B)(!www [Birgkar] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=0|-20434|252266|0])(!b) ja leibhaftig vor mir! und
vom zahnigen Hhenrande hngen einige Lappen schimmernden Firns herunter, -- wohl ist mir bekannt, wessen
Anwesenheit sie dort oben verrathen! Links ab und auf die ersten Schuttkegel los; einen Schafhirten
brauche ich weiter nicht mehr! Und die Insassen der Mhlbachalpen, von denen ich noch keine halbe Stunde
entfernt bin, denen sieht das ganze Gebirge hier herum "gleich" aus! -- ja freilich, wer gar Nichts
sieht, der sieht auch Alles gleichartig.

Unterbrochene Spuren eines Pfades leiteten noch quer durch die Krummholzfelder, welche den verflachten
Saum der Schuttkegel berkleiden; noch eine Strecke weit fand ich den Boden mit kmmerlichem Rasen bewachsen,
dann behielt das wste Getrmmer die unbestrittene Oberhand, unter diesen Gerlllasten, die jeden Frhsommer,
ja nach jeder Regenperiode neu sich herabwlzen, muss jedes pflanzliche Leben ersticken. Tiefe Wasserrunsen
durchschneiden den lose aufgeschtteten Boden, ein starker Graben zieht an seinem Saume sich herunter lngs
der hohen, dstern Mauern des Kranalkogls, der nun vllig auf meine linke Seite getreten ist; in seinem
Schatten geborgen, haben schmutzig graue Schneefelder bis in den hohen Sommer sich erhalten und werden wohl
hier liegen bleiben, bis der erste Schnee des kommenden Winters sie wieder bedeckt. 

Vor mir die vielfach
durchklftete Mauerschranke, der Steilabsturz des Karbodens, und hher wieder Grieslehnen der Hochzone,
schneegefleckt, in verzweigten Buchten an die seltsam gestalteten Felsthrme sich schmiegend, die massigrund
ihren Fuss in die abschssige Flche hereinsetzen. Ein aufflliger, grell gelbroth gefrbter, plumper Kegel
bezeichnete mein nchstes Ziel dort oben und zugleich den Wendepunkt der knftigen Anstiegsrichtung; sie
ist bis dorthin dem Hochknig geradezu abgekehrt und muss in schrger Querlinie zurcklaufen zu den
ersteigbaren Stteln im Rande des Firnplateaus, auf welchem ich mich dann in unmittelbarer Nhe des
Gipfels befinden werde.

So der Plan in seinen grossen Grundzgen; die nchste Aufgabe der Detailausfhrung
bildet das Erklettern der zwischengeschobenen Steilstufe, welche von jenen hohen Regionen mich noch
trennt. Und auch bis dorthin hat es noch gute Weile; die Schuttfelder dehnen sich endlos lange, immer
steiler und haltloser gegen ihren Fuss hinan; jede Schtzung der Zeit und der Lnge
# S. 61
des Weges wird an diesen einfrmigen Flchen zu Schanden; und hatte ich auch stellenweise Gelegenheit,
vom rollenden Schotterboden weg auf die hartgefrorenen Wellenstufen der Schneelehnen berzutreten, so
gewann ich gleichwohl nur langsam an Terrain. Drei Tage anstrengender Bergmrsche lagen bereits hinter mir,
Alpenlager und Alpenkost tragen nicht sonderlich zur Hebung der Krfte bei. So begann ich schon nach
der ersten Stunde des Marsches Ermdung zu fhlen, und das Ansteigen ber die eintnigen Gerllfelder, jeder
Tritt im losen Geschiebe zurckgleitend, war wenig geeignet zur Weckung der Lebensgeister.
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!subsubnode Anstieg mit Unterbrechungen
!alias BirgkarAnstieg
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_anstieg.html
!html_keywords Hochknig, Birgkar, Hohe Kpfe, Kranalkogl
# Stichworte: Hohe Kpfe, Kranalkogl
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Endlich kam ich am Fusse des Schrofengehnges an, einige vorgeschobene Abstufungen waren bereits hinter mir
zurckgeblieben, von ihren ebenen Scheiteln weg spitzten die letzten Schuttstreifen in's Geklfte sich aus.
Ohne eigentlich genau zu wissen warum, war ich ziemlich genau auf die Mitte der sperrenden Mauer
losgegangen, sah sie zwar recht kahl und schroff vor mir aufsteigen, aber ihre Hhe schien nicht mehr
bedeutend, ich hoffte bald auf besseren Boden zu gelangen; packte in der nchsten Kaminspalte an und begann
mich hinaufzuarbeiten. Das ging ein Stckchen weit ganz leidlich, dann enger und schlechter und zuletzt
gar nicht mehr; ich stand vor einem fast senkrechten, glattwandig geschlossenen Felsriss, stufenlos, nur
etwa nach Kaminfegerart zu erklimmen; whrend ich mich noch besinne, ob diess zu wagen und mit welcher
Aussicht auf weiteren Erfolg, gleitet der rechte Fuss von der Gesteinsstufe ab, auf die er halb gesetzt
worden war, und im Nu bin ich wieder unten im minder abschssigen Theile des Kamins, wo ich mit
Ellenbogen und Knieen mich sperre. Recke die Glieder und finde, dass die Maschine noch in Ordnung,
allerdings etwas zerkratzt; weiss aber nun genau, was ich zu thun habe, nmlich einen besseren Aufgang
mir zu suchen.

Wieder hinunter auf die Schuttfelder und quer hinber nach der anderen Seite, wo ich mich
erinnerte, einige grne Pltze und Streifen am Fels gesehen zu haben -- freilich auch keine vollstndige
Verbindung vermittelnd. Ein paar tiefe, trocken liegende Furchen der Sturzwsser hatte ich dabei zu
kreuzen; ihre Scheidercken, mit schwachem grnen Kleide berzogen, zeigten sich gegen die Hhe bald
versperrt durch vortretende Strebepfeiler des Gewndes. Durch solche Hindernisse immer wieder seitlich
abgedrngt, aber gleichwohl von Rippe zu Rippe an Hhe gewinnend und daher nicht ohne Hoffnung, gelangte
ich allmhlig bis an den Saum des tiefen Grabens, welcher aus den oberen Karen lngs des Fusses der
Hohen Kpfe und des
# S. 62
Kranalkogls herunterzieht.

Und lngs dieses Saumes endlich zeigte das Geschrf sich gangbar; steil genug
immerhin, aber mit Grasschpfen bewachsen, von einzelnen engen Gesimsen durchstrichen, ermglichte es
den Aufstieg in umsichtig ausgewhlter Linie, bald leitergerade empor, bald wieder eine Strecke in die
Quere, um neuersphte Treppen zu gewinnen. Dabei zeigte die Steilabstufung sich als viel betrchtlicher,
als ich ursprnglich sie veranschlagt hatte, und hufig boten vorspringende Ecken mir Gelegenheit, die
wilden Felsstrze ihrer Mitte mir zu betrachten, in welche ich beinahe mich verwickelt htte. Gut, dass ich
rechtzeitig herunter gefallen; von dieser Hhe herab hat es noch nichts geschadet; im Gegentheile, ich
fhlte eine fast wohlthtige Nachwirkung davon auf meine krperliche Elastizitt; es war ein kleines
Correktiv gegen die Trgheit dieses Morgens gewesen.
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!subsubnode In hchster Bergzone
!alias BirgkarZuoberst
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_bergzone.html
!html_keywords Hochknig, Radstdter Tauern, Lungau, Rauris, Ankogel
# Stichworte: Radstdter Tauern, Lungau, Rauris, Ankogel
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Stufe und Stufe wurde genommen, in der Hhe wurde es freier und lichter, die Zackenthrme der Hohen Kpfe
tauchten vor mir wieder auf und mchtig in's Kar herein drngend der schroffe Felskegel, den ich zum
ersten Zielpunkte mit ausersehen. Gerundete, hgelige Abstze weisen nochmals hochalpine Vegetation in
ihren ussersten Ueberresten; dann erstirbt auch diese letzte Spur des Lebens. Felder fein zerriebenen
Schuttes dehnen sich zu neuen Hhen; ab und zu tritt auf ihnen ein verwittertes Riff, eine Lage welliger
Platten hervor.

Der eigentliche Kessel des Birgkars schliesst sich auf; Gipfel ohne Zahl und Namen umstehen ihn in weitem
Halbkreise, senden ihre Zweige in sein Innerstes hinein, deren Enden in schroffen Kegelpyramiden auf
seine Sohle herabbrechen. Schwer hlt es, in ihrem Gewirre sich zurecht zu finden; wohl mag die Mehrzahl
von ihnen noch den Hohen Kpfen, also dem Seitengrate des Ewigen Schneegebirges [bergossene Alm] angehren,
und eine der zwischen ihren Krpern eingeschnittenen Klfte mag es sein, durch welche, wie gestern der Senne
der Schnbergalpe mir erzhlte, auch von der Westseite der Taghaube herauf das Birgkar und mittelbar der
Hochknig gewonnen werden knne.
Die innersten dieser Zhne und Felskltze stehen aber wohl bereits im Randgrate des grossen Firnfeldes,
eine Vermuthung, ber welche freilich nur ein Besuch dieser Kante an geeignetem Punkte vllige Gewissheit
verschaffen knnte. Vielleicht drfte auch diese selbst aus dem innersten Birgkar erstiegen werden;
einladend zu einem solchen Unternehmen, das vom Hochknig zudem weit abfhren wrde, ist seine
Mauerumwallung nicht eben zu nennen, doch liegt die Mglichkeit nahe genug, dass zwischen diesen
verschobenen
# S. 63
Kegeln Einsenkungen und Schuttgrben sich aufthun knnten, nicht weniger unerwartet als das ganze
Birgkar selbst. Meiner Wegerichtung lag dieser innere Kessel des Birgkars berhaupt ferne; sie hielt sich
jetzt geradlinig auf den prallen Felskegel zu, um am Fusse seiner gelben Mauern sich zurck zu wenden
nach dem eingesunkenen Gratscheitel, wo der Firn herunterwallt und die breite Kuppe thront, der Knig der
Hhen in den Kalkalpen Berchtesgadens.

Allerdings nicht vllig frei von Zweifeln blickte ich zu ihr empor; schon stand sie mir ziemlich nahe, und
noch zeigte sich von der Kapelle, welche die Knappen von Mitterberg dort erbauten, nicht eine Spur; und
eben so wenig wollter durch die vielfachen Scharten des Felsenrandes sich irgend ein Einblick bieten auf
das Firnplateau; sollte ich doch in meiner Voraussetzung mich getuscht haben? sollten die Schneeflecke,
die ich dort wahrnahm, isolirt in den Wnden hngen, der ewige Schnee noch hher gelegen und vielleicht durch
unersteigliche Abstrze von ihnen getrennt sein? Es wollte mich wohl auch bednken, dass meine bisher
gewonnene Hhe fr einen Gipfel des Ranges, wie er mein Ziel bildete, noch keineswegs gengen knne;
glaubte ich ja doch in nahezu gleicher Hhe schon mit jener Kante mich zu befinden, der ich in schrgem
Quergange nunmehr zusteuerte. In Letzterem eben lag die Tuschung; ich unterschtzte gewaltig die Hhe,
welche ich bis dorthin noch zu bewltigen haben wrde.

Immer umfassender und grossartiger gestaltete sich mir im Rcken das Aussichtsbild; ber die Zackenscheitel
der Taghaube und des Kranalkogls blickte ich bereits hinweg, die grnen Schieferberge des linken
Salzachufers waren lngst in die Tiefe zurckgesunken. Darber stiegen die (!B)Radstdter Tauren(!b)
[Radstdter Tauern], die Berge des (!B)Lungau(!b) herauf, die dunklen Gebirgskmme der Thler von
(!B)Rauris(!b) und (!B)Hofgastein(!b), und hoch ber ihnen die Eispyramiden des (!B)Ankogl(!b) und
(!B)Hohen Aar(!b), so nahe, so gewaltig, wie ich noch niemals sie gesehen. Noch umsumen sie klar, wolkenfrei
den Horizont; aber schon steigen die weissen Rauchsulen aus den Thalgrnden auf und drohen das herrliche
Bild in Blde zu verwischen; Eile thut noth, will ich auf meinem Gipfel anlangen, bevor sie Alles in
ihren neidischen Schleier hllen. Und emsig geht's aufwrts lngs eines zernagten Felsriffs, welches vom 
Fusse des Kegels ausstrahlt, der bis dahin mein Leitstern gewesen; jenseits liegt ein langes, steiles
Schuttfeld von mssiger Breite, welches berquert werden muss, um die Schuttflchen, die hher noch sich
hinaufziehen, zu gewinnen. Ich hielt mich auf Felsboden,
# S. 64
so lange als thunlich, schwenkte von der Stelle, an welcher ich das Schneefeld am schmalsten fand, rechts auf
dasselbe ab und begann die mhsame Arbeit des Stufentretens. Sie musste um so sorgfliger ausgefhrt werden,
als das Schneefeld ziemlich nahe am Rande der Steilwnde auslief und die Besorgniss nahe lag, eine Abfahrt
ber die jhe Flche (von etwa 45~Neigungswinkel) mchte auf dem Schrofensaum, der vom Absturze mich dann
trennte, kaum mehr zum Halten kommen. So verbrachte ich reichlich eine Viertelstunde mit dem Passiren einer
Strecke von kaum zweihundert Schritten, und war herzlich froh, als ich das jenseitige Ufer gewonnen hatte
und der Fuss wieder festes Gestein unter sich fhlte.
Sonderlich angenehm war auch hier der Weg nicht; das Gerll und Getrmmer ging mit zunehmender Hhe
allmhlig in vllig flssigen Schutt ber, und zeitweise schien es geradezu unmglich, noch vorwrts zu
kommen in diesen aufgelockerten Massen, die wie Dnensand unter jedem Tritte zurckwichen.
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!subsubnode Vom Fels auf Firn
!alias FelsFirn
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_fels_firn.html
!html_keywords Hochknig, bergossene Alm, Hagengebirge, Rth, Steinernes Meer
# Stichworte: dito, auer ersteres
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Die Nebel zogen immer bedenklicher sich um die Gipfel zusammen, aber nur usserst langsam nherte ich mich den
unterbrochenen, vielfach durchklfteten Mauern, hinter welchen ich das Schneefeld vermuthete. Die Mattigkeit
der Morgenstunden begann wiederholt sich fhlbar zu machen und Zweifel ber Zweifel kamen in ihrem
Gefolge. Was ich bisher fr den Hochknig gehalten, der breite Felsenkopf mit seiner senkrecht niederstrzenden
Nordwand, stand nun ganz nahe zu meiner Rechten; seine Gestalt hatte sich nur wenig verndert, der
Scheitel, den ich erblickte, konnte nichts anderes sein, als sein wirklicher Gipfel. Aber das Huschen
wollte sich nicht zeigen; und es htte doch jetzt gross genug vor meinen Augen stehen mssen!
Zur Linken hatte ich eine breite Einsenkung des Randes, ein Schneemantel wallt ber die Kante herab, aber ohne
die geringste Andeutung einer jenseitigen Fortsetzung. Wenn ich geirrt htte, wenn ich einen Seitengrat
erstiegen, das Firnfeld und seinen Gipfel durch Abgrnde getrennt mir gegenber erblicken sollte! Dann
wieder ein verlorener Tag! --

Sorgenvoll langte ich am Fusse der letzten Schranke an; die Wahl des
Anstieges war rasch getroffen, den breiten Schneesattel links lassend, kletterte ich die nchst gelegenen
Plattstufen hinauf in eine Trmmerrunse, welche zwei massive Zacken von einander spaltet. Das Dunkel der
Felsgruft nimmt mich auf, hohl klappern die losbrckelnden Steine hinter mir hinunter. Staffel um Staffel
fasst der Fuss, die Hnde, an die Seitenwandungen gestemmt, helfen dem raschen Aufschwunge nach;
# S. 65
und nicht von der Anstrengung des Steigens allein erregt, schlagen fieberhaft alle Pulse.

Heller wird die
Hhe; es naht der Augenblick, der, hundertmale erlebt, in seinem grossartigen Eindrucke der nivellirenden
Macht der Gewohnheit wiedersteht: das ruckweise Heben des ganzen Himmelsgewlbes, das erste Auftauchen eines
fernen Horizontes, das blitzschnelle Erscheinen all' der Einzelheiten einer geffneten Welt in berwltigneder
Masse. Aber wie oft auch wird die gespannte Erwartung getuscht, wie oft naht man sich im Hochgefhle der
Erreichung seines Zieles der Bergwanderer der Hhengrenze, die er vor sich erblickt, und wenn er sie zu
fassen vermeint, da taucht statt der vermeinten Welt eine neue Schranke vor ihm auf, -- oder gar sein eigenes
Ziel ist es, welches als Grenzlinie des Gesichtskreises aufsteigt vor ihm, der im Augenblicke selbst es
zu betreten dachte, -- Schluchttiefen zwischen ihm und der erkorenen Spitze -- ein andermal, mein Freund! --
Hinauf, wo die Zacken sich auseinanderbiegen, wo Licht und Himmelsblau in breiten Strmen sich herein
giesst in's Dster der Mauern; dort bleibt es frei, kein finstergrauer, in harten Linien gezeichneter Fels
will eine beherrschende Nhe fr sich geltend machen. Die Helle nur weitet sich und fllt den unermesslichen
Raum -- und jetzt -- jetzt blinkt es auf! die bleichen Zinnen des
(!link [Haagengebirges] [BerchtesgadenerHagengebirge]) -- die Berge der Rth,
des Knigssees, das Steinerne Meer wlzt seine Felsenwogen in den Gesichtskreis herein und noch ein
Sprung -- da verwandelt im Zauberschlage das Dunkel der Graft sich in blendenden Schimmer, auf Meilenweite
ein Teppich spiegelnden Glanzes, Lichtflle strahlt von ihm aus, als wre er selbst die Leuchte fr die
Bergwelt, die er beherrscht; an's matte Mauergrau reiht sich der funkelnde Krystall, an's Meer von Stein
das Meer von Eis, -- die (!B)Uebergossene Alp(!b) der Sage, -- der (!B)Ewige Schnee(!b).
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!subsubnode Gletschersee
!alias UebergosseneAlmGletscher
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_gletschersee.html
!html_keywords Hochknig, bergossene Alm, Gletscher
# Stichwort: bergossene Alm
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Und wo steht nunmehr der Hochknig? Gleichviel, wo immer, jetzt ist er in meiner Gewalt! -- Doch siehe, da
zeigt er sich ja ganz nahe zur Rechten! ich hatte ganz richtig ihn in der breiten Felsenkuppe vermuthet,
die so massig aus dem Scheitel der Wnde sich heraushob, ihre Doppelgestalt aber hatte das Huschen auf
dem Gipfel hinter einem etwas niedrigeren Vorbau desselben verdeckt gehalten. Jetzt stand es gross genug
vor mir, und der Hochknig selbst als kaum noch 150' [ca. 50~m] hoher, flachgewlbter Tafelrcken im
Schneefelde. Gemchlich schlenderte ich die ebene Bahn entlang, seinem Fusse zu. Ich traf wenig blankes Eis,
auch auch diese wenigen Stellen zeigten sich rauh und rissig, ein Gegenstand der Verwunderung
# S. 66
fr mich, der ich noch niemals einen Gletscher gesehen und vermeint hatte, man msse auf seinem Eise
Schlittschuhe laufen knnen und bei 5~Neigungswinkel bereits der Steigeisen bedrfen.

Der Gletscher legt sich
auf seinem Sdrande sehr flach auf, an den Stteln und Scharten der Randkante luft seine Firndecke
unmittelbar auf dem Schutte aus; von der tiefen Bergkluft, welche den Ersteigern des Hochknigs auf dem
gewhnlichen Wege, von Osten her, zuweilen hinderlich sein soll, war hier nichts zu erblicken. Eine grosse
Ausbuchtung der Randkante, wird von einem ziemlich tiefen Firnbecken ausgefllt, dessen enge Mndung einen
der Schneelappen in die Sdwnde hinunter hngen lsst, welche im Thale der Dientener Alpen sichtbar werden.
Jenseits dieses Kessels schliesst die Firndecke sehr bald an den Felskrper des Hochknigs sich an. Die
gerundeten Schrofenstufen hinan gewann ich nach wenigen Minuten den Scheitel seines breiten Rckens und
mit ihm den vollen Ueberblick der stlichen Hlfte des Gletschers; ein neuer Gegenstand der Bewunderung,
tiefgrn im blendenden Schneefelde ein kleiner See, hielt noch einen Augenblick mich fest.

Dann ging's
raschen Schrittes hinan zum Gipfel; eine starke Viertelstunde, nachdem ich den Gletscher betreten, war ich am
letzten Ziele. Ueber 5~Stunden hatte der Aufstieg von den Mhlbachalpen gewhrt; doch kommt ein guter
Theil dieser Zeit auf Rechnung meines ziemlich matten Ganges und einiger unproduktiver Recognoscirungsabstecher.
Ich denke, dass bei frischen Krften ein gebter Alpenwanderer in 4-4~1/2~Stunden durch das (!B)Birgkar(!b)
herauf den (!www [Hochknig] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-20502|253542|0]) wird erreichen knnen ((!B)Hochknig(!b) 9048' 2939~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2941~m].
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!subsubnode Die Kapelle auf dem Hochknig
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_kapelle.html
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Auf dem breiten Scheitelplateau, welches einer Gesellschaft von 30-40~Personen bequemen Raum gewhrten
knnte, legte ich mein Gepck neben dem Huschen nieder und trat in dieses ein. Eine Capelle sollte nach
Absicht der Bergleute von (!B)Mitterberg(!b) auf dem erhabensten Gipfel der Salzburger Kalkalpen errichtet
werden, doch zeigte das Gebude, wie es im Sptsommer 1868 fertig dastand, weder in seiner usseren
Erscheinung, noch in seiner inneren Einrichtung irgend Etwas, das dieser seiner ursprnglichen Bestimmung
entsprche. Das Bauwerk selbst bildet ein solid gemauertes Rechteck, etwa doppelt so lang als breit, von
einem stark geneigten Schindeldache berdeckt; das Innere stellt ein eben solches Rechteck dar, eben breit
und kaum lang genug, dass ein einzelner Mann ausgestreckt auf dem Boden liegen knnte. Es wrde daher die
sogenannte Capelle zwar fr einen einzelnen Bergwanderer, nicht aber fr eine, wenn auch noch so kleine
# S. 67
Gesellschaft die Rolle einer Schutzhtte bernehmen knnen. Sie besitzt kein Fenster, ihre Thre ffnet sich
auf deren Schmalseite gegen Sden; eine Nische im Mauerwerk, worin vielleicht seither ein Heiligenbild
Platz gefunden hat, bildete zur Zeit meines Besuches die gesammte Meublirung. Als Fremdenbuch figurierte die
Thre, doch musste ich Mangels eigenen, vor zwei Tagen auf dem Achselhorn [Mittelhorn] verloren gegangenen
Schreibmaterials auf die Verewigung meines Namens verzichten.

Mein Aufenthalt im unwirthlichen Raume war daher nur von krzester Dauer, ich trat wieder hinaus in's Freie,
wo dichter und trber die Nebel heraufrauchten und binnen Kurzem das ganze Aussichtsbild umzogen. Einem
uferlosen Meere gleich dehnte gegen Norden die Schneeflche in ihre Schleier sich hinaus. Wie bereute ich
nun, zwei kostbare Morgenstunden verschlafen zu haben, wie bereute ich jede Rast, die ich unterwegs, der
Ermdung nachgebend, gehalten hatte; dann htte ich noch ein Viertelstndchen freien Ausblickes erhaschen
knnen, whrend jetzt, wo die Wolkenbildung der Mittagsstunden begonnen hatte, und die Nebel bereits fest
an den Wnden zu kleben anfingen, wenig Hoffnung vorhanden war, ihren Vorhang noch einmal gelftet zu sehen.
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!subsubnode Rckblick auf die jngsten Wanderungstage
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_rueckblick.html
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Und dennoch konnte ich mich schwerer Schuld kaum zeihen, blickte ich auf die vergangenen Tage zurck,
zurck auf den fernen Westen, wo mit dem Betreten des Firnrandes die Zacken der (!B)Hocheisspitze-Gruppe(!b)
mir gewinkt hatten, nun versunken in feuchtes Grau. Dort hatte meine Wanderung begonnen, hoffnungslos wie
der heutige Tag, mit einem schwarz umwlkten Morgen. Am nebelbekappten (!B)Kammerlingshorn(!b) vorber,
dessen beabsichtigte Ersteigung unter solchen Umstnden keinen Zweck mehr haben knnte, war ich auf
unbekannten Pfaden vorgedrungen gegen Ost, von Kar zu Kar, die ich noch nie gesehen; der gelichtete Himmel
hatte mich auf dem bretterdnnen Gipfel des Alpenhorns, auf dem Dolomitzahn des (!B)Palfenhorns(!b)
[(!link [Palfelhorn] [BerchtesgadenerPalfenhorn])] geschaut, hoch ber seinen Firngrften mich gemahnend an
einen frheren, tollen Versuch, an jhen Sturz und wunderbare Rettung.
Vom aussichtsreichen (!B)Seehorn(!b) hatte ich mein Nachtquartier im
oberen (!B)Diessbachthale(!b) mir erspht, nchtliche Gewitterschauer hatten auf (!B)Mitterkaser(!b) mich
in Schlummer gewiegt und mir klare Luft bereitet fr den kommenden Tag. Und dann war die westliche
Randkette des Steinernen Meeres berklommen(!^)*(!^^)), waren am dritten Tag
# S. 68
die den Thler seiner Osthlfte durchwandert, dreimal trennende Bergschranken berstiegen worden, folgte der
(!link [misslungene Angriff] [UrschlauerScharte]) von der Urschlauer Scharte aus auf den Ewigen Schnee
[bergossene Alm], (!link [Abstieg nach Hinterthal] [AbstiegHinterthal]),
(!link [ber den Filzsattel] [UeberDenFilzsattel]) in's Dientener Alpengebiet und noch
(!link [mehrstndiger Irrgang] [HochkoenigIrrgang]) in den Grben des Schnbergs
-- was Wunder, wenn endlich bei (!link [schlechtem Nachtlager] [Muehlbachalpen]) und wenig nahrhafter Kost die
Krperkrfte den Dienst versagten? --

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(!^)*(!^^)) Die Beschreibung dieser Tour siehe Zeitschr. des D.~A.-V., Bd.~I., H.~3, S.~38 ff.: "Das
Steinerne Meer."
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!subsubnode Seltene Gunst der Nebelgeister
!alias HochkoenigAussicht
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_nebelgeister.html
!html_keywords Hochknig, Hagengebirge, Gll, Blhnbachtal, Teufelshrner, Teufelshorn, Watzmann, Hochkalter, Hocheisspitze, Hochseiler, Tennengebirge, Dachstein, Radstdter Tauern, Groglockner, Grovenediger, Rauris, Bratschenkopf, Mandlwand, Mitterberg
# Stichwrter: dito
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Sie mussten wohl Gewicht haben, die Entschuldigungsgrnde, die ich da
mir vorbrachte, denn auch die Mchte des Luftkreises schienen ungewohnter Weise auf Grnde der Billigkeit zu
hren; noch einmal kam die Bewegung in die trgen Dunstmassen, ruckweise schob bald hier, bald dort, eine
Schicht vom Felsen sich weg und urpltzlich stieg das ganze Wolkenmeer um etwa 500' [ca.~160~m] in die Hhe;
mit einem Schlage war das Aussichtsbild wieder freigegeben, ein Nachmittagsgewitter aufgeschoben und ein um so
heftigeres Abendgewitter besiegelt. Ich mochte mich fr's Erste vollstndig zufrieden geben. --

Wieder lag die Bergwald Berchtesgadens vor mir; die Wellen des (!B)Haagengebirges(!b)
[(!link [Hagengebirge] [BerchtesgadenerHagengebirge])], von der
(!B)(!link [Gllkette] [BerchtesgadenerGoell])(!b) im Norden begrenzt, zwischen jenem zweiten Steinernen Meere
und der Firndecke, die sanft zu ihrem Sdrande herauf sich wlbt, die Tiefe des (!B)Blhnbachthales(!b),
unsichtbar, nur durch verschwimmenden Duft und den Wechsel des Lichttones gekennzeichnet; die nrdlichen
Auslufer der Uebergossenen Alp treten als abgerundete, theilweise begrnte Felsrcken zwischen seitlichen
Engthlern hervor, die in den Lauf des Blhnbaches mnden. Hoch ber dem Abschlusse jenes Thales zeigt im
Nordwesten sich das Zwillingspaar der (!B)Teufelshrner(!b), das selten erstiegene (!B)Grosse(!b)
[Groes Teufelshorn] als flachgerundeter Rcken vom Sattel zwischen beiden Spitzen sich aufkrmmend, was
behufs Lsung einer bereits einmal misslungenen Aufgabe ad notam genommen wird. Weiter hinaus die
zhnestarrenden Gruppen eines (!B)Watzmann-(!b), (!B)Hochkalter-(!b), (!B)Hocheisspitz(!b)gebirges und
nher heran das (!B)Steinerne Meer(!b) mit seinen zahllosen Gipfeln; in etwa stundenweiter Entfernung der
(!B)Seilerkopf(!b)(!^)*(!^^)), eine Felsenkuppe hnlich dem Hochknig; vom Firnfelde aus leicht zu
gewinnen und wohlfeile Beute einer Ersteigung, die vielleicht gleichwohl als eine erste sich betrachten liesse.
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(!^)*(!^^)) 8395' 2727~m. Keil. (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Hochseiler, 2793~m] Als eigentlichen sdwestlichen Eckpunkt des Ewigen Schnee [bergossene Alm], welchen ich mglicherweise mit dem wahren Seilerkopf verwechselt haben knnte, gibt die (!link [Keil'sche Karte] [KeilscheKarte]) einen namenlosen Gipfel mit 8438' 2741~m. an [Lammkopf, 2844~m]. Dieser ist auch der Ausgangspunkt des Zweigkammes der Lauskpfe.
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Weiter noch, und des Neuen fr mich noch mehr bietend, gestaltete sich das Ausblick gegen Osten. Da lagerte
mir zunchst das (!B)Tennengebirge(!b), ein riesiges Plateau, doch ziemlich arm an ausgeprgten Gipfeln;
in doppelter Weite ungefhr die scharfgezeichneten Formen der (!B)Dachsteingruppe(!b), und darber hinaus
die Bergrcken des Salzkammergutes, mehr sdstlich die (!B)Radstdter Tauren(!b) [Radstdter Tauern],
die (!B)Steyerer Berge(!b), ein unentwirrbares Labyrinth von Kmmen und Spitzen. Die eisbelasteten Tauren
wurden in ihrer Erscheinung durch die aufgestiegenen Nebel noch am meisten beeintrchtigt; doch blieben die
Gasteiner und Rauriser Berge fast bestndig in Sicht und nicht selten zeigte auch der (!B)Glockner(!b)
seine spitze Gabel, der (!B) Venediger(!b) seine flachgeschwungenen Firnzelte. Bei vllig reiner Luft
sollten, wie mir nachmals in Mhlbach erzhlt wurde, im Sdwesten noch die (!B)Stubayer(!b) und
(!B)Oetzthaler Ferner(!b), ber ihnen der (!B)Ortler(!b) zum Vorschein kommen, und unter ganz besonders
gnstigen Verhltnissen noch ber die Ortlerkuppe hinaus ein weisser Spitzensaum sich zeigen, wahrscheinlich
die Gletscher der (!B)Bernina(!b).

Der sdstliche und stliche Rand des grossen Firnfeldes selbst zeigt hnliche, niedrige Felsengipfel,
wie der sdliche und westliche, ein ziemlich schroffer Kegel, der (!B)Pratschenkopf(!b) (8632' 2804~m. Keil)
(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Bratschenkopf, 2859~m] entspricht als Wartthurm der sdstlichen Ecke dem Seilerkopf im Westen. Von ihm
luft stlich die zerspaltene Zackenreihe der (!B)Manndelwand(!b) [Mandlwand] und noch weiter gen Osten der
niedrige Bergrcken aus, auf dessen Scheitel die Mitterbergalpen, an dessen Sdgehnge das Kupferbergwerk
(!B)Mitterberg(!b) gelegen ist; von hier aus wird mit weiter, nordstlicher Umgehung der Hochknig in der
Regel bestiegen, wobei die halbe Lngenerstreckung des Firnfeldes berwandert werden muss. Noch zwei
weitere Seitenkmme entsendet das Ewige Schneegebirge [bergossene Alm] gegen Osten: die (!B)Poleskpfe(!b),
im Anschlusse daran die (!B)Kampfwand(!b), und das niedrige, grne (!B)Imelau Gebirge(!b), welches den unteren
Lauf des (!B)Blhnbachthales(!b) begleitet.

Meine nchste Umgebung nun auch im Sden zu mustern und an den saftig grnen Alpwiesen dort unten einen
wohlthuenden Contrast dem schneegeblendeten Auge zu gewinnen, stieg ich lngs des Felsenrckens etwas
hinunter bis zu seinem, unmittelbar an den Rand des Steilabsturzes vorgeschobenen Endpunkte, dem Standorte
einer kleinen, trigonometrischen Signalstange; schaute hinab auf die Ursprungsschluchten des Mhlbaches,
den (!B)Fellerbach(!b), (!B)Trockenbach(!b), (!B)Wiedersberger(!b)- und (!B)Schrammbach(!b), wie sie tief
in die Bergesflanken hereinschneiden und die Schuttmasse, welche sie von
# S. 70
dort hinwegfhren, verwstend ausgiessen auf's Weideland; und blickte zurck auf den Weg, den ich
heraufgeklommen, der bald meine Schritte zurckleiten sollte zu Thal; zurck auf die Trmmerriesen und
Schneelehnen, das kahle Geklipp und Gewnde und auf die enge, knstlich geschlungene Bahn, die
zwischendurch mich verknpft hielt mit den Sttten der Menschen. Hier in der Hhe ist das Leben erstorben;
auch nicht die drren Hlmchen, die Flechten am Gestein, die auf andern, minder hohen Kalkgipfeln
allenfalls noch angetroffen werden, gedeihen auf dem Haupte des Schneeknigs; nur die Bergdohle fhrt
kreischend aus den Mauerklften heraus, umkreist mit schwankendem Fittich wie verwundert den ungewohnten
Gast und schiesst kopfber hinab in die Tiefe.
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!subsubnode Zurck nach den Mhlbachalpen und zum Httenwerk Mhlbach
!alias HochkoenigAbstieg
!html_name berchtesgadener_hochkoenig_abstieg.html
!html_keywords Hochknig, Hochkeil, Mitterberg, Mhlbach
# Stichworte: dito
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Mehrere Stunden meines Aufenthalts waren fast unmerklich dahin geschwunden, und wohl lange noch htte
Ueberdruss am Schauen gesumt, mich von meinem Luftsitze zu vertreiben. Doch stand die Sonne schon stark im
Sdwesten und in dem Masse, als sie in jeder Richtung ihre Tagesbahn durchlief, zog schwarzes Gewlk von
dorther ihr entgegen. Ein Lebewohl dem kniglichen Haupt, das wenige Minuten spter als hoher Felsenwall
hinter mir auftragt, und nochmals Lebewohl dem schimmenden Firnmeere, da ich von seinem Ufer weggewendet
in die finstere Kaminspalte wieder hinabtauche.

Die Schuttlehnen im Sprunge hinab, der rollende Gries vor meinen Fssen, zu meinen Seiten und mir
nachdrngend, das ganze Feld in Bewegung, hinabfliessend nach seinem nahen Steilrande, ber welchen
es in prasselndem Gusse seinen Ueberschusse entleert. Quer ber das steile Schneeband, in welchem meine
Fussspuren vom Morgen kaum mehr zu erkennen sind, vom Sonnenbrande weggeschmolzen, und nun das endlose
Schrofengehnge von Terrasse zu Terrasse hinunter auf die ersten grnen Pltze, auf die mchtigen
Schuttkegel und die Firnreste in den Grben im Schatten der Wnde des Kranalkogls.

Lustig geht's jetzt
hinab ber die Trmmerlehnen, die in den ersten Morgenstunden so mhsam mich hinaufkeuchen sahen, und auf
den verzweigten Pfaden um den grasreichen Rundfuss der Taghaube herum zu den Mhlbachalpen zurck, wo ich
den Leuten, ersichtlich mit wenig Erfolg, vordemonstrire, dass es hinter'm Berge denn doch nicht so ganz
"gleich" aussehe wie an den Wnden des Ewigen Schnees [bergossene Alm]. Dann bei umdstertem Himmel fort,
hinunter gen Osten, auf Alpwegen erst und dann auf holperig fahrbarer Strasse, hoch ber der Schlucht des
Trockenbachs dahin, und kurz vor seiner Einmndung in den Fellerbach quer durch den Graben zu den einsam auf
waldumsumten Wiesen-Vorsprngen stehenden Gehften der (!B)Ellmau(!b)(!^)*(!^^)).
Tiefer und tiefer noch schlingt sich Strasse sich von der Berghhe herab, es weitet sich das Thal, seine
grnen Seitenbuchten in's Schiefergebirge der Salzach schliessen eine um die andere sich auf, ihre
Alpengrnde und braunen Htten zeigend. Lautes Pochen bertnt das Rauschen des krftig dahinschiessenden
Mhlbaches; Halden goldglnzenden Gesteins liegen am Wege; es ist Kupferkies, der in den Schachten von
Mitterberg gewonnen und in Mhlbach verhttet wird.

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(!^)*(!^^)) Ein sehr lohnender und bequemer Weg, den ich im Jahre 1873 kennen lernte, fhrt, statt in's
Mhlbachthal hinunter, quer an der Bergflanke hin nach (!B)Mitterberg(!b). Der Seitenpfad verlsst den
Fahrweg etwa 1/2~St. von den Mhlbachalpen entfernt, kurz nach der Ueberschreitung des ersten breiten
Trmmerbettes; von hier gelangt man auf aussichtsreichen Alpenpfaden zum unteren Pochwerke von
Mitterberg (1~St.). Gute Strasse hinauf bis zu den obersten Werken (1/2~St.). -- Im kleinen
Wirthshuschen bei den Mitterbergalpen, fast auf der Passhhe gelegen (4655' 1512~m.
(!link [Keil] [KeilscheKarte])), gute Unterkunft.
Der (!B)Hohe Kail(!b) (5477' 1779~m. Keil) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Hochkeil, 1783~m] hier nahe und leicht zu ersteigen; vermuthlich aussichtsreich. Von Mitterberg ber die Passhhe, durch den (!B)Bocksrollbach(!b) nach (!B)Bischofshofen(!b) (2~St.), oder ber die (!B)Kohlstatt(!b) und durch die (!B)Hlle(!b) (Eisenbergbau) nach (!B)Werfen(!b) (3~St.). Letzter Weg stellenweise grossartig, schner Rckblick auf das Ewige Schneegebirge mit der (!B)Doossule(!b) [Torsule].
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Eine Stunde nach Verlassen der Alpen, 4~Stunden nach Aufbruch vom Hochknig, sehe ich ber einem
Hgelvorsprunge des Thalrandes die ersten Dcher von (!B)Mhlbach(!b) vor mir auftauchen; eben noch zu
rechter Zeit, denn der Wirbelwind des drohend heraufgestiegenen Gewitters fegt bereits hinter mir drein.
Ein kleiner Sonnenbrand im Gesichte, den der Ewige Schnee [bergossene Alm] auf kaum viertelstundenlangem
Marsche mir anzuhngen gewusst, wird ber dem lange entbehrten Genusse eines Abendbratens und obligatem
Gerstensaftes bald vergessen; im angenehmen Gesellschaftskreise einiger, wahrscheinlich bei dem Httenwerke
angestellter Herren werden noch ein paar vergngte Stunden verlebt. Sie wundern sich ber den Touristen,
der, wie hereingeschneit in's Mhlbachthal, das das Birgkar auf den Ewigen Schnee hinaufluft.

Und ich lege mich endlich zur Ruhe mit dem frohen Bewusstsein, meine abenteuerliche Irrfahrt von einem
Ende der Berchtesgadener Gruppe zum anderen wrdig abgeschlossen und das augenscheinlich einem Wechsel
sich zuneigende Schnwetter grndlich ausgentzt zu haben. --
Mit dem schmalen Geldreste, den die vllig improvisirte Tour in meiner Tasche zurckgelassen, mich noch bis
Berchtesgaden durchzulaviren, -- diess Kunststck verbleibt dem morgigen Tage.
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!subnode V. Auf den Gipfeln der Reitalm *)
!alias BerchtesgadenerReiterAlpe
!html_name berchtesgadener_reiteralpe.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm
# Stichworte: dito

(Hierzu (!link [Vertikal] [Vertikalprofil5])- und (!link [Horizontalprofil] [Horizontalprofil5]) No.~5)

!subsubnode Der Name Reitalm *)
!alias BerchtesgadenerReiterAlpeName
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_name.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Reitertrett, Reiter Steinberg, Rogasse, Wagendrischelkar
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# S. 72
Im ussersten Westen der Berchtesgadener Gruppe erhebt sich isolirt ein Tafelgebirge, wetteifernd mit dem
Steinernen Meere, wenn nicht an Ausdehnung, so doch an Oede und Zerrissenheit. Als Wahrzeichen des
Ramsauer Thales tritt es dem Wanderer entgegen, das breite, wellengipfelige Bergmassiv, dessen Hupter im
Hintersee sich abspiegeln. In einem felsenkahlen Randklumpen zusammengedrngt, erscheinen seine Zinnen; nur
ihrer eine, das (!B)Wagendrischelhorn(!b), in seltsam regelmssiger Glockengestalt, erhebt sich vereinsamt
auf seinem Sockel von Stein.

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(!^)*(!^^)) Ich glaube diesen Namen, dessen Schreibart noch zu den unentschiedenen Streitfragen zhlt,
am richtigsten vom "Reiten" abzuleiten. Noch heutzutage werden als die Alpen des (!B)Reitertretts(!b) auch
Pferde aufgetrieben, und frher weideten die jungen Fllen sogar auf den Hhen des (!B)Reitersteinbergs(!b);
der Aufgang von den Reiteralpen nach letzterem fhrt davon noch jetzt den Namen (!B)Rossgasse(!b).
Die Gewohnheit, auch Pferde zur Bergweide zu treiben, war frher allgemeiner als gegenwrtig; so fand ich
im Jahre 1873 ein altes Hufeisen sogar zwischen den zerspaltenen Plattenhgeln des (!B)Wagendrischelkars(!b)
-- gewiss kein sehr geeigneter Tummelplatz fr Pferde.
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!subsubnode Umrundung des grossen Hochplateaus. Die Grundbelau
!alias BerchtesgadenerReiterAlpeUmrundung
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_umrundung.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Grundbelau, Grundbelhrner, Hirschbichl, Mhlsturzhrner, Hochkranz, Loferer Steinberge
# Stichworte: dito (auer die ersteren drei)
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Wand berall, wo immer man nach diesen Hhen emporblickt. Wand gegen den
Hintersee, Wnde mit mchtig vortretenden Eckpfeilern den Schwarzbach entlang, zu Seiten der
Ramsau-Reichenhaller Strasse, die eine Flle der grossartigsten Alpenbilder auch der Touristenwelt, die nicht
auf eigenen Fssen geht und steht, vor Augen fhrt. Wand gegen Westen, in's Thal der Saalach; ihre
silbergraue Flche, ihre fast senkrecht gezogene Absturzlinie bildet einen der schnsten Zge im sdlichen
Panorama (!B)Reichenhalls(!b).
Wen aber sein Weg in entgegengesetzter Richtung, gegen Sden um das Reitalmgebirge herumfhrt, der sieht,
nicht lange nachdem er den Hintersee verlassen, die starre Felsenwand zu seinen Hupten sich theilen,
spalten und formen. Zwei Nadelspitzen, unbegreiflich schlank und schmal, wie Phantasie kaum
# S. 73
hnlich hervorzuzaubern vermchte, schauen aus lichtem Blau herab in einen Thalkessel, erfllt von Greuel
der Verwstung. Durchklftete Felsen, strzende Mauern, zerfressene Grate erfllen den Umkreis der Hhe,
und den Boden, welchen der Mensch mit seiner Strasse durchzog, bedecken die Scherben eines zerfallenden
Gebirges. Die (!B)Grundbelau(!b), so nennt der Berchtesgadener diesen Schauplatz der Zerstrung; und wenige
Namen im Alpengebiete behaupten fr sich eine grsseren Berechtigung. Die (!B)Grundbelhrner(!b), so
heissen jene schlanken Spitzen, welche die Todesde berwachen, die Verwstung schren aus ihren eigenen
Eingeweiden, bis dass sie selbst zusammenbrechen, das Klausthal sich verriegelt, und dort, wo jetzt der Schlag
der Steinlawinen drhnt, vielleicht die Stille eines Alpensees sich breitet.

Und windet endlich die Strasse sich hinauf zum Pass (!B)Hirschbichl(!b), bis dass der (!B)Hohe Kranz(!b)
[Hochkranz] ber der Bergschranke auftaucht und die (!B)Loferer [Leoganger] Steinberge(!b) ihre kalkweissen Gipfel jenseits
des Saalachthales erscheinen lassen, da lohnt es auch, das Auge zurckzuwenden auf die (!B)Reitalp(!b)
[Reiter Alpe]. Da hat sie sich entwickelt in den mannigfaltigsten Formen, die spitzenstarrende Kette, mit
welcher die Hochflche gegen Sden schliesst, hinter denen sie sich birgt, gleichwie das Steinerne Meer
hinter seinem Rande: das sind die (!B)Mhlsturzhrner(!b), das sind die Gipfel der Reitalm.
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!subsubnode Von Schwarzbachwacht auf's Reitertrett
!alias BerchtesgadenerReiterAlpeSchwarzbachwacht
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_schwarzbachwacht.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Mhlsturzhorn, Mhlsturzhrner, Huselhorn, Wagendrischelhorn, Grundbelhrner
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Es war am 15.~August 1868, als ich meine zweite Wanderung nach dem Scheitel der Reitalm antrat; diesmal
auf der Strasse von Ramsau nach Schwarzbachwacht. Meine Excursionen in der Berchtesgadener Alpengruppe
waren bereits zu einer leidlichen Vollstndigkeit gediehen, nur Lcken blieben hier und dort noch auszufllen.
Zwei Wochen vorher war ich ebenfalls auf der Reitalm, und zwar auf den Mhlsturzhrnern gewesen(!^)*(!^^));
man betrachtet diese gewhnlich als die hchsten
# S. 74
Gipfel der Reitalm. Mit nicht geringem Erstaunen hatte ich daher, auf dem Grossen Mhlsturzhorne stehend,
im Osten einen entschiedenen hheren Gipfel wahrgenommen und war darber belehrt worden, diess sei das
(!B)Grosse Huselhorn(!b). Dieses zu ersteigen war nunmehr mein Ziel und bei dieser Gelegenheit gedachte
ich auch dem (!B)Wagendrischelhorn(!b) einen Besuch abzustatten, welches, wenngleich etwas herabgedrckt
gegen seine Nachbarn, eines Besuches immerhin als werth erschien. --

# !label JosephBerger
!label Muehlsturzhoerner
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(!^)*(!^^)) Die Mhlsturzhrner sind in Berchtesgaden auerordentlich verrufen, man hrt meist die
Unersteiglichkeit, wenigstens eines derselben und zwar des hchsten, behaupten. Bei meiner damaligen Tour
bediente ich mich der Fhrung eines gewissen (!I)Joseph Berger(!i) (vulgo der Seppel oder der Sagschneider
genannt), dazumal Knecht beim Demirlingerwirth in der Ramsau, welcher smmtliche Mhlsturzhrner zu kennen
behauptete und sich in der That als vorzglicher Steiger sowohl wie als Gebirgskundiger bewhrte. Das
Grosse Mhlsturz- oder (!B)Stadelhorn(!b) verursacht wenig, das (!B)Mittlere(!b) nicht sehr bedeutende
Schwierigkeiten. Dagegen zhlen die beiden (!B)Grundbelhrner(!b) zu den schrfsten Klettertouren, die aus
den Nrdlichen Kalkalpen berhaupt mir bekannt sind. Sie drften damals wohl auch zum erstenmale betreten
worden sein, es sei denn, dass genannte Joseph Berger selbst sie frher erstiegen htte, was ich jedoch aus
verschiedenen Grnden bezweifle. Die Ersteigung geht aus dem Wagendrischelkar in der Rinne vor sich, welche
die Krper des Spitzenpaares voneinander spaltet. Ich habe bei meinem spteren Besuche der Reitalm i.J. 1873
behufs Skizzirung der Mhlsturzhrner mir diese Felsen wieder betrachtet und muss gestehen, dass eine
Wiederholung dieser Tour nicht eben zu meinen Privatvergngungen zhlen wrde.
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!label BerchtesgadenerReiterAlpeUeberwanderung
!html_keywords Edelweilahnerkopf, Schottmalhorn, Schwarzbachwacht, Zirbeneck, Eisberg, Eisbergscharte
# Stichworte: dito
Mit diese Gipfelersteigung sollte zugleich eine Ueberwanderung des Reitalm-Plateaus verbunden werden, welches
ich auf jener ersten Excursion nur von seinem Sdostrande, -- dem (!B)Edelweisslanner(!b) [Edelweilahnerkopf],
(!B)Kleinen(!b) und (!B)Grossen Schottmalhorn(!b) aus, kennen gelernt hatte(!^)**(!^^)); daher whlte ich
die (!B)Schwarzbachwacht(!b) zum Ausgangspunkt. Zwei Thalungen sind es, welche die Ostkante des Gebirges
durchbrechen; sie werden geschieden durch die vortretende Felsmasse des (!B)Zirbeneck(!b) (5249' 1705~m.
(!link [Keil] [KeilscheKarte]))
[1810~m], die sdliche derselben ist in ihrer Mitte durch einen Steilabsturz unterbrochen, ber welchen an
geeigneter Stelle der Aufstieg durch ein paar hlzerne Leitern vermittelt wird; der ganze Thaleinschnitt
hat davon den Namen (!B)Am Leiterl(!b) erhalten; seine Sdschranke bildet der (!B)Eisberg(!b) (5248' 1705~m.
Keil) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1800~m], der am weitesten stlich vorgeschobene Eckpunkt des Reitalm-Plateaus. -- Durch die nrdliche Thalung dagegen fhrt ein guter Alpweg auf die Hochflche, zur (!B)Schwegelalpe(!b) hinauf. Ich whlte den letzteren, da dieser in geraderer Richtung meinem Abendziele, den Alpen am Reitertrett mich entgegen fhrte.

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(!^)**(!^^)) Ich stieg damals mit meinem Fhrer aus der Ramsau direct durch die Einsenkung zwischen dem
(!B)Eisberg(!b) und dem (!B)Edelweisslanner(!b) an [Eisbergscharte], ein schlechter, schwer zu findender Pfad.
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!label BerchtesgadenerReiterAlpeAufstiegSchwarzbachwacht
!html_keywords Schwarzbachalmen, Brenkareck, Schwegelalm, Wachterlsteig, Leiterl
# Stichworte: dito
Nachmittgige Sommerschwle geleitete meine Wanderung von (!www [Schwarzbachwacht] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-36088|277782|0]) in die tiefe Einbuchtung, welche den
Ursprungskessel des Schwarzbaches unter der Passhhe bildet. Schmale Wiesenpltze im Walddunkel beherbergen
in ihm die oberen und unteren (!B)Schwarzbachalpen(!b). Ein steiniger Viehtriebweg fhrt aus seinem
Hintergrunde durch Wald und
# S. 75
Buschwerk aufwrts zum ersten Absatze des ersten Berggehnges; sein vorspringender Rand erschien bis dahin
als Ziel des Anstieges; nun aber erffnet sich der Ausblick auf eine neue Bergstufe, an die rechte Seite
tritt allmhlig der kurz vorspringende Kamm des (!B)Brenkareck(!b), welcher in die Ostkante des
Reitalm-Plateaus sich fortsetzt; links verschwindet, durch den Krper des Zirbeneck gedeckt, die buschige
Thalung "Am Leiterl". Ein querer Seitenpfad fhrt durch dieses Gestrppe hinber, unmittelbar an die knstlich
ersteigbar gemachte Wandstufe. -- Auf enger Lichtung des Waldes, ein Graspltzchen von grossen
Steinblcken berworfen, zeigt sich eine kleine Htte, die (!B)Untere Schwegelalpe(!b); wieder einmal das
typische Bild einer Berchtesgadener Alpe, deren Nichtrentabilitt man sehr leicht, weniger leicht aber
begreift, wie auf ihr das Vieh berhaupt sich zu nhren vermge.
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!subsubnode Gipfelstock der Reitalm
!alias BerchtesgadenerReiterAlpeGipfelstock
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_gipfelstock.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Lattengebirge, Schwegelalpe, Bodenrainalm, Reitertrett, Rabentalalmen, Mhlsturzhrner, Huselhrner, Wagendrischelhorn, Reiter Steinberg, Prnzlkopf, Plattelkopf, Hiefelwand, Weitscharte, Alpasteig, Alpa-Alm, Schrecksattel, Schrecksteig, Aschau
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Weiter geht's durch Wald und Busch, ber hufige Felsabstze auf holperigem, zuweilen aus eingehauenen
Stufen hergestellten Steige. Noch einigemale tuscht sein Verlauf die Erwartung, den Rand der Hochflche
bereits erreicht zu haben. Eine starke Stunde lang zieht er von der Unteren Schwegelalpe sich noch aufwrts,
welche selbst eine Stunde weit vom Passe Schwarzbachwacht entfernt liegt. Das Zirbeneck ist bereits weit
im Rcken geblieben, gegen Nordost schweift frei der Blick ber die niedrigere Flche auf dem Scheitel des
(!B)Lattengebirges(!b); da endlich tritt der Pfad durch eine ausgeflachte Gras-Sinke auf den Hhenrand des
Reitalmstockes aus. Einem heranwogenden Meere gleich reiht ein Hgelwall sich an den anderen, Alles in das
einfrmige Wollkleid der schwrzlichgrnen Legfhren gehllt. Wenig charakteristische Bergformen, die
Randformen des Gebirges, begleiten in betrchtlicher Entfernung die Wellenflche zu ihren beiden Seiten;
einzelne Lcken zwischen den Hgelkuppen zeigen im fernen Sden die silbergrauen Gestalten der
(!B)Mhlsturzhrner(!b).

Einmal auf dem Hochplateau angelangt, verfiel ich sehr bald in meinen gewhnlichen Fehler bei Ueberwanderung
solch' weiter, hgeliger Strecken, den nmlich, die Theorie des Berg(!B)anstieges(!b) auch auf letztere in
Anwendung zu bringen, und gebahnte Pfade zwar als Behelf im Verfolgen der Hauptrichtung, niemals aber als
eigentlichen Leitfaden zu betrachten. Ich war auf diese Weise von dem Steige, der im weiten, gegen Nordwesten
sich auskrmmenden Bogen zur Oberen (!B)Schwegel(!b)- und zur (!B)Bodenrainalpe(!b) mich gefhrt htte,
bald
# S. 76
abgekommen und hatte meine Uebereilung in einem mehr als zweistndigen Kampfe mit dem zhen, dicht
verfilzten Gitterwerk der Krummkiefern zu bssen, in glhend heisser, mit Harzstaub geschwngerter Luft,
Hgel auf, Hgel ab, Felsspaltend durchsetzend und steile Mauerstufen erklimmend, und bei gelegentlicher
Befreiung aus den struppigen Ranken keine andere Aussicht als wogendes Hgelland, wuchernde Legfhrendickung
nach allen Seiten. Mit nicht geringer Freude begrsste ich daher den Anblick der weiten Alpenmulde des
(!B)Reitertretts(!b), am Fusse eines ziemlich hoch gehobenen Wellendammes, welcher, unter gleichen
Hindernissen wie alle seine Vorgnger gewonnen, sich endlich als die letzte Schranke erwies; rasch brachte
mich ein breiter Trmmergraben in's weidereiche Becken hinunter, auf welchem ber 20~Alpkaser zerstreut
liegen. Der nchsten Gruppe derselben, den (!B)Rabenthalalpen(!b) zusteuernd, sass ich bald vor einer
mchtigen Milchschssel, deren Inhalt die Erinnerung der eben berstandenen Strapazen rasch verwischte.

Die (!www [Reitalpen] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=0|-40950|276221|0 ]) (4809' 1562~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1570~m] bezeichnen gewissermassen eine Grenzscheide auf dem Hochplateau der Reitalm; vergisst man, dass die Hgelflche selbst, die man erstiegen und durchwandert, einige Tausend Fuss hoch ber der Sohle der Thler liegt, so kann man den Alpboden als das Thal und seinen Saum erst als das Gebirge betrachten. Dort erheben sich nun die Terrassenstufen, noch krummholzbehangen, bald aber in kahles Gefels bergehend, zu den Hhenrcken, zu den Plattenkaren und den Gipfeln. Im Sden grenzen an die Hochflche unmittelbar die (!B)Huselhrner(!b) und das (!B)Wagendrischelhorn(!b). Im Sdosten schwillt das Terrain zu den Karrenfeldern des (!B)Reiter Steinbergs(!b) empor mit dem (!B)Prnzelkopf(!b) [Prnzlkopf] und (!B)Brettstein(!b) [Plattelkopf], aber jenseits einer neuen Thaltiefung, jenseits des (!B)Wagendrischelkars(!b) erst, erheben sich die (!B)Mhlsturzhrner(!b). Diese haben sich abgelst aus dem Plateau-Stocke und bilden eine Kette; und ebenso verlaufen die Huselhrner als Kette gegen das Saalachthal. (Hifel Wand, 5550' 1803~m. Keil.) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Hiefelwand, 1821~m] Eine tiefe Einsattelung durchbricht lngs ihres Nordfusses den Gebirgsrand, die (!B)Weitscharte(!b), durch welche der gerade Steig ber die (!B)Alpa(!b)-Alpen und durch den (!B)Donnersbach(!b) an die Strasse zwischen (!B)Unken(!b) und (!B)Lofer(!b) hinunter fhrt [Alpasteig].

Nrdlich der Reitalpen befindet sich im Westrande des Gebirgsstockes eine 4972' 1615~m. (Keil) hoch gelegene
Scharte (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Schrecksattel, 1620~m], durch welche aus dem Thale des (!B)Aschaubaches(!b) die Schlucht der (!B)Schreck(!b) heraufmndet. Ihrem wenig einladenden Namen und dem wirklich gegebenen Steilabfalle des ganzen Gebirges
# S. 77
nach jener Seite zum Trotz fhrt gerade hier der beste und bequemste Steig auf die Hhe der Reitalm, und
dieser ist es auch, welcher von den Salzburger und Reichenhaller Touristen dorthin eingeschlagen zu
werden pflegt; doch erstrecken sich ihre Ziele selten hher, als auf das Hochplateau selbst, seine Alpen
und lustigen Sennerinnen.
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!subsubnode Der Weitschartenkopf. Notiz ber die Drei Brder
!alias Weitschartenkopf
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_weitschartenkopf.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Weitschartenkopf, Kaisergebirge, Gll, Kahlersberg, Watzmann, Hochkalter, Lattengebirge, Untersberg, Bayerischer Hochthron, Reiter Steinberg, Huselhrner, Wagendrischelhorn, Huselhorn, Drei Brder, Weitscharte
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Die Sonne begann zwar bereits dem Horizonte sich zuzuneigen, doch blieben immerhin noch ein paar Stunden
verfgbar, und sie sollten zum Besuche des nchstgelegenen Gipfels im Westrande der Reitalm, des
(!B)Weitschartenkopfs(!b) (6123' 1989~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1979~m] verwendet werden.
Ein einstndiger Anstieg ber kahles, schwach bewachsenes Berggehnge brachte mich auf den Grat, von welchem steil die Felswnde auf grne Vorstufen des Gebirgsstockes gegen das Saalachthal niederbrechen; das Krummholz, welches der absoluten Hhe des Berges zufolge hier immerhin seine lstige Zudringlichkeit htte wiederholen knnen, war lngs der ganzen Flanke theils ausgerodet, theils weggebrannt und unbekmmert um alle forstwirtschaftlichen Theorien pries und segnete ich diesen Zustand der Dinge und wnschte dem ganzen Reitalmgebirge die gleiche Verwstung.

Eine kurze Strecke gut gangbaren Grates war noch bis zum Gipfel zurckzulegen, dessen Scheitel mir den
vollen Ausblick gegen Westen und Sdwesten erffnete. Im Dmmergrau lag bereits das Saalachthal,
Wolkenschichten erfllten den westlichen Horizont, vom niedersinkenden Sonnenball feurig gerndert; aus
scharf abgeschnittener Lage von Nebeldunst stiegen im Westen die zackigen Massive der (!B)Kaiser(!b) bei
Kufstein empor; im Osten reihen sich die bleichen Kalkstcke des (!B)(!link [Gll] [BerchtesgadenerGoell])(!b),
(!B)Kahlersberg(!b), (!B)Watzmann(!b) und (!B)Hochkalter(!b) aneinander, nordstlich scheint das wellige
Gebirgsplateau, welches ich vor wenigen Stunden durchwandert habe, mit den gleichgearteten Hochflchen des
(!B)Lattengebirges(!b) und des (!B)Untersberg(!b) zu verschmelzen, als scharf abgerissene, gelbliche
Felspyramide springt aus letzterem der (!B)Bayerische Hochthron(!b) gegen das Berchtesgadener Land vor; im
Sdosten bauen des Terrassenstufen des (!B)Reiter Steinbergs(!b) sich auf, von dsteren Legfhren an
ihrem Fusse umkleidet, nach der Hhe in die lichteren Flchen krglich begraster Schafweiden, zu oberst in
vllig kahle, hellschimmernde Karrenfelder bergehend. Im Sden ffnen sich die Kare, erheben sich die
Gipfel der (!B)Huselhrnerkette(!b). Das Wagendrischelhorn, sonst so isolirt erscheinend, stellt sich als
erstes in ihre Reihe, ihm folgt gen Westen, mchtig emporgeschwungen, das Grosse Huselhorn. Noch zweimal
gipfelt der Grat; eine flache
# S. 78
Schuttpyramide, dann einen rundlichen, schroff aufgemauerten Felshcker treibt er auf seinem Scheitel empor.
Seine nordwestliche Abbiegung stellt diese Gipfel mir nher, als den hchsten ihrer Reihe, und ich muss es
unentschieden lassen, ob ich morgen statt des einen nicht alle drei Huselhrner zu besuchen haben werden.
Vergebens sehe ich mich nach den (!B)Drei Brdern(!b) um; sie stehen im gleichen Kamme, dessen Haupt ich
einnehme, aber die starke Senkung des Grates gegen Sdwest verbirgt mir diese Zackengruppe(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) Die (!B)Drei Brder(!b) bilden eine kurze Kette dreier Pyramiden, welche aus dem Westrande des
Reitalm-Plateaus sich ablsend gegen Westen vortritt. Gegen Norden strzt ihre Wand geschlossen fast
lothrecht ab; von Sden ist der erste und hchste der drei Brder (5767' 1870~m. Keil) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1864~m] auf berastem Abhange leicht zu ersteigen, der zweite, nach der Keil'schen Karte um mehr als 100~Fuss (?) [30~m] niedrigere, zeigt an schroffen Flanken nur einzelne Krummholzflecke, soll jedoch mit Schwierigkeit zugnglich sein. Der dritte, noch niedere, sieht sich an wie ein aus Felsmasse gegossener Spitzkegel. (!link [Joseph Berger] [Muehlsturzhoerner]), mein Fhrer auf die Grundbelhrner, erklrte denselben als unersteiglich, und ich habe Grund, diesem seinem Ausspruche Glauben zu schenken.
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Zu meinen Fssen liegt, bereits dunkelnd, das Reitertrett, mit tiefem Einschnitte des westlichen
Gebirgsrandes ((!B)Weitscharte(!b)) gegen das Thal von Lofer sich ffnend; heiteres Alpleben tummelt sich
in ausgelassener Lust dort unten in den zahlreichen Htten; Jauchzer um Jauchzer dringt aus dem Thalgrunde
herauf, und sogar eine Trompete schmettert ihre Klnge hinaus in die erhabene Gebirgseinsamkeit und weckt
an den Wnden der Mhlsturzhrner das Echo eines etwas verstmmelten Motives aus Rossini's Tell.
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!subsubnode Salzburger Bergsteiger
!alias SalzburgerBergsteiger
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_bergsteiger.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Rabentalalmen, Rogasse
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Das lrmende Treiben hatrte sich bereits unter die Httendcher zurckgezogen, die Heerdfeuer sandten ihren
Glutschein durch die Thrffnungen, als meine raschen Sprnge den steinigen Bergabhang hinunter durch
nchtliches Dunkel klangen, und ich in den (!B)Rabenthalalpen(!b) mein Nachtquartier bezog; die ermdende
Tageswanderung liess es an festem Schlafe, der bald nach dem frugalen Abend-Imbiss sich einstellte, nicht
fehlen. Bei grauendem Tage schritt ich bereits wieder ber das thaunasse Gras der Alpwiese dahin, dem
Fusse der krummholzbehangenen Terrassen zu, welche als breites Fundament der sdlichen Gipfelkette vom
Reitertrett sich aufbauen, und ber welche ich zu den oberen Karen aufzusteigen gedachte.

Aus der geffneten Thre eines Nachbar-Kasers trat gleichzeitig eine Gesellschaft von Bergwanderern, zwei
Touristen in Begleitung einer drallen Sennerin und eines Hterbuben. Auf die Frage wohin? -- erfolgte die
Antwort:
# S. 79
"auf das (!B)Grosse Mhlsturzhorn(!b), wohin die alpine Schne, die bereits oft oben gewesen sei, sie fhren
wolle." Kopfschttelnd sah ich sie ihres Weges ziehen; sie schlugen, nachdem wir die erste Abstufung am
Sdostrande des Reitertretts gemeinsam erstiegen hatte, den Schafsteig ein, welcher durch die (!B)Rossgasse(!b)
zur Hhe des Reiter Steinbergs fhrt; mein Ziel lenkte mich alsbald rechts ab, geradlinig gegen Sden,
dem grossen Kar entgegegen, welches vom (!B)Husel(!b)- und vom (!B)Wagendrischelhorne(!b) umschlossen
wird.
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!subsubnode Aufstieg in's Kar zwischen dem Wagendrischel- und dem Grossen Huselhorn
# !alias Karaufstieg
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_karaufstieg.html
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Durch ein schmales Alpenthlchen, an dessen Seitengehngen noch Zirben-Bestand, in unsern Alpen
bereits so selten geworden, sich findet, leitete mich noch auf kurze Strecke gebahnter Steig. Dann verloren
sich alle weiteren Spuren in die breit bereinander gehuften, buschigen Bergterrassen. Ein mehr als
stundenlanger, beschwerlicher Aufstieg, meist in der Sohle eines zwischen Hgelanschwellungen eingeschnittenen
Grabens und vom leidigen Krummholze wieder auf Schritt und Tritt beengt und behindert, brachte mich hinauf
in freiere Zone, langsam schloss eine ausgedehnte Hochmulde vor meinen Blicken sich auf; de Schuttfelder
und Schneeflecke deckten ihre hchstgelegenen, unmittelbar an die Gratzacken sich lehnenden Kessel; zur
Rechten hatte ich den starken Zweiggrat, welcher vom Grossen Huselhorne ausstrahlt und letzteres meinen
Augen noch verbarg.
Zur Linken stand mir die glockenfrmige Kuppe des Wagendrischelhorns, weiter nordstlich zeigten sich die
kahlen, sanftgerundeten Hgelwellen des Reiter Steinbergs.

Nahezu eine weitere Stunde verging, bis dass ich
ber stark zerrissenen Felsboden, dessen Wellen nicht selten zu hohen, schroff abgesetzten Dmmen sich
zusammenhufen und tiefe Gruben und Schneekessel zwischen sich lassen, den innersten Hintergrund des Kars
erreichte. Ich befand mich nunmehr nahe dem Randgrate der Reitalm, welcher in niedrigen, aber usserst spitz
geschnittenen Zacken vom Fusse des Wagendrischel- zu dem des Huselhornes sich hinber spannt.
Letzteres wies mir steile, allerwrts jedoch mit Grn gesprenkelte Felsflanken; aus dem Karboden rechts
ablenkend begann ich den Anstieg, und bald stand ich mitten in der hochstufigen, luftigen Treppe.

Der Neigungswinkel war ein strkerer, als ich gedacht; nur die gnstige Beschaffenheit des Terrains,
die grosse Zahl und Festigkeit der Rasenpolster hielt grssere Bedenklichkeiten ausgeschlossen.
Aber die Hand sttzte sich bequem auf den Absatz, der fr den nchste Sekunde dem Fusse bestimmt war, und
hart neben dem Tritte schoss jh das Gehnge hinab zur Tiefe. Rasch gewann ich an Hhe
# S. 80
und ein Rckblick auf den nunmehr in seiner vollen Ausdehnung mir erschlossenen Reiter Steinberg zeigte mir
die an den Alpen verlassene Berggesellschaft wieder, vier winzige dunkle Pppchen, ber die weissen
Gerllfelder dahin schreitend, aber noch weit, weit zurck, noch nicht einmal ber den (!B)Sphkopf(!b)
hinaus -- die knnen lange warten, bis sie auf's Grosse Mhlsturzhorn kommen! --
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!subsubnode Das grosse Huselhorn, -- der wahre Culminationspunkt der Reitalm
!alias GrossesHaeuselhorn
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_haeuselhorn.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Huselhorn, Grovenediger, Groglockner, Loferer Steinberge, Gll, Watzmann, Hochkalter, Kammerlinghorn, Hocheis, Steinernes Meer, Hagengebirge, Kahlersberg, Teufelshrner, Teufelshorn, Funtenseetauern, Schnfeldspitze, Hundstod, Mhlsturzhrner, Wagendrischelhorn, Reiter Steinberg
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Ich dagegen nherte mich fhlbar der culminirenden Hhe, bald hatte ich den Anschluss an die Gratschneide
bewerkstelligt und verfolgte den schmalen Kammscheitel, welcher bereits den vollen Ausblick gegen Sden
wie gegen Osten erffnete, ohne sonderlichen Schwierigkeit, bis dass in nchste nhe des Gipfels eine
scharfe Durchschartung mit Halt gebot.
Ich stand auf dem sdstlichen Nebengipfel, mir gegenber das Grosse Huselhorn, Wandkluft zwischen mir und
meinem Ziele. Ich hatte diese Spaltung des Gipfels vom Grossen Mhlsturzhorn aus nicht beobachten knnen,
da fr dieses beide Kpfe in gerade Gesichtslinie zu liegen kommen. Zu allem Glcke jedoch war das nicht
im Plane vorgesehene Hinterniss nicht von unberwindlicher Art; ein kurzer Abstieg gegen Nord liess mich
einen praktikablen Uebergang ber die rothplattige Runse entdecken, noch ein paar Minuten ber sprlich
begrasten Trmmerboden hinan und der Gipfel des (!B)(!www [Grossen Huselhorn] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-41335|273835|0])(!b), der Culminationspunkt des
Reitalm-Stockes war gewonnen (ca. 7100' 2306~m.) (!^)*(!^^)). Drei Stunden hatte der Anstieg von Reitertrett
herauf gewhrt.

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(!^)*(!^^)) Die Keil'sche Karte bestimmt das (!B)Huselhorn(!b) zu 7013' 2278~m. (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2284~m], das (!B)Grosse Mhlsturzhorn(!b) zu 7059' 2293~m [Stadelhorn, 2286~m]. Die relative Unrichtigkeit dieser beiden Angaben drfte kaum in Zweifel gezogen werden knnen. Ich glaube den Fehler am wahrscheinlichsten in der Messung des Huselhornes suchen zu mssen und lege daher meiner approximativen Schtzung die Messung des Grossen Mhlsturzhornes [Stadelhorn] als die richtig angenommene zu Grunde.
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Ein schallender Jauchzer flog von meiner Gipfelhhe hinber zur welligen Hochflche des Reiter Steinbergs,
und das Fernglas richtete sich auf die dort weilende Berggesellschaft; sie standen still, und mehrstimmig
tnte der Antwortruf herber, aber so sehnsuchtsvoll matt war sein Klang, dass der Wunsch "Ach, wren
wir doch auch schon oben!" dadurch nur zu deutlichen Ausdruck fand. Die Mhlsturzhornbesucher ihrem
Schicksale vorlufig berlassend, beschftigte ich mich mit dem gewaltigen Rundbilde, welches, im Westen
und theilweise auch im Osten nach der gestrigen Besteigung des (!link [Weitschartenkopfes] [Weitschartenkopf])
mir nicht mehr neu, nun auch im Sden bis an die fernsten Grenzen der Sichtbarkeit sich entwickelt hatte.

ber den
# S. 81
grnen Bergwellen von Lofer und Weissbach, ber den dunklen, weichgeformten Glimmerschiefergebirgen des
Ober-Pinzgau steigt eisglnzend die Taurenkette [Hohe Tauern] auf mit der wohlbekannten Flachpyramide des
Venediger, dem Doppelzacken des Grossglockner, der scharfgezeichneten Dreiecksspitze des Wiesbachhorn, an
dessen Fusse der Blick bis in die innersten Thalgrnde der Fusch hineindringt; im fernen Sdwesten die
Zillerthaler und Duxer [Tuxer] Ferner, nher heran die Loferer [und Leoganger] Steinberge, und zwischen ihnen und meinem
Gipfel die alpenreichen Vorstufen des Reitalmgebirges gegen das Saalachthal, von mannigfach verzweigten
Thlern und Schluchten durchschnitten. Westlich liegt das zweite Huselhorn tief unter mir, sein Besuch
erscheint nicht mehr als geboten; doch wrde er augenscheinlich keine Schwierigkeiten bieten, und mchte
vielleicht das Grosse Huselhorn von jener Seite her mit geringerer Anstrengung zu gewinnen sein, als
mein Weg mich gekostet.

Im Osten die mchtigsten Felsriesen des Berchtesgadener Landes, (!link [Gll] [BerchtesgadenerGoell]),
Watzmann, Hochkalter und Kammerlinghorn-Hocheisspitzgruppe mit ihrem von dstern, zerspaltenen Mauern
umfangenen, gewaltigen Trmmerkessel, dem (!link [Hocheis] [BerchtesgadenerHocheis]); die tiefen Einschnitte
zwischen diesen kahlen Bergcolossen ausfllend die noch deren, welligen Flchen des Steinernen Meeres und
(!link [Haagengebirges] [BerchtesgadenerHagengebirge]), khngeformte Zinnen aus ihren einfrmigen
Tafelscheiteln emportreibend, Kahlersberg, Teufelshrner, Funtenseetauren [Funtenseetauern] in seinem
rothscheckigen Gewande, (!link [Schnfeldspitze] [SteinernesMeerSchoenfeldspitze]) mit dreizinkiger Krone,
Hundstod, der breitschulterige, rundkpfige Bau. Mir zunchst im Sdosten die aufeinandergedrngten, schroffen
Kegel der Mhlsturzhrner, aus (!link [jngstvergangenen Tagen] [Muehlsturzhoerner]) mir wohlbekannt, an sie
gereiht das sanftgeschwungene Wagendrischelhorn, an seinem nrdlichen Fusse hingebreitet die Karrenfelder
des Reiter Steinbergs.
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!subsubnode Wie die Salzburger das Grosse Mhlsturzhorn ersteigen
!alias SalzburgerIrrgang
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_salzburger.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Plattelkopf, Wagendrischelhorn
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Doch sieh! da bewegen sich schon die vier zwerghaften Gestalten die abschssige Flche des Brettstein
[Plattelkopf] herunter, jetzt sind sie am Hhenrande des Wagendrischelkars angelangt, in dessen tiefem Kessel
sie in der nchsten Minute verschwinden mssen -- bin neugierig, ob ich sie auf der Spitze des
Grossen~Mhlsturzhorns wieder werde auftauchen sehen! -- Aber was treiben sie denn, diese
Mhlsturzhorn-Besteiger? Da spaziert die ganze Gesellschaft gemchlich auf dem Hhenrande weiter, als ginge
das Plattenkar dort unten so wenig sie an, als mich -- wahrhaftig, sie sind ber die Stelle des Abstieges
schon hinaus -- ho, ho -- halt! -- hinunter, hinunter! -- quer durch's Kar, -- von der Scharte weg ansteigen!!
# S. 82
-- -- -- verstanden wurde ich freilich nicht, aber meine gellenden Rufe hatten doch ihre Aufmerksamkeit
erregt und die sie begleitenden Geberden mochten ebenfalls leicht errathen lassen, das sie sich auf falscher
Fhrte befanden. Wieder hielten sie an und traten zum Kriegsrathe zusammen; das Ergebniss musste ein
negatives gewesen sein, denn die eingeschlagenen Marschrichtung wurde wieder aufgenommen. Ich erwartete,
sie einen, jedenfalls fehlschlagenden Versuch zur Umgehung der Sdseite des Wagendrischelhorns machen zu
sehen. Aber nein, sie begannen, am nrdlichen Abhange desselben hbsch langsam emporzusteigen. Ah, (!B)das(!b)
ist also euer (!B)Grosses Mhlsturzhorn(!b)! -- auf Wiedersehen denn da drben, da soll euch Aufklrung
werden -- und rasch hatte ich meine Siebensachen zusammengerafft, wenige Minuten spter war die Plattenrunse
unterhalb des Gipfels wieder berschritten, so schnell, als die Steile es gestattete, ging's das Gehnge
hinunter in's Kar; ich querte seinen Kessel, um mglichst wenig Zeit zu verlieren, in hchster Zone, ganz
nahe dem zahnigen Gratrande, hatte dabei zwar manche von diesem ausstrahlende Felsrippe zu berklettern,
gelangte aber doch sehr bald in die letzte breite Schuttmulde, von welcher ich den neuerlichen Anstieg an
den sanft sich aufwlbenden Rundkegel des Wagendrischelhorns begann(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) (!B)Wagendrischelhorn(!b), auf der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) unter dem Namen
(!B)Spitzhrndl(!b), 6794' 2207~m (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2251~m]. Die Angabe erscheint mir im Vergleiche gegen das Grosse Mhlsturzhorn als entschieden zu niedrig. Weit richtiger scheint Sendtner's Messung mit 6959' 2261~m. zu sein. -- Das gewaltige Aufragen dieses Gipfels in das (!link [Skizze] [Vertikalprofil5]) leitet sich allerdings zunchst davon her, dass derselbe dem Aufnahmspunkte ungemein nahe steht. Seine schlanke, steile Spitzgestalt besitzt er auch nur von (!B)dieser(!b) Seite gesehen.
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!subsubnode Uebergang auf das Wagendrischelhorn; Zusammentreffen mit den Salzburger Touristen an unerwarteter Stelle
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_wagendrischelhorn.html
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Die jenseitige Gesellschaft, welche bald nach Verlassen des Huselhorngipfels sich meinen Blicken entzogen
hatte, erwartete ich mit Sicherheit bereits oben zu treffen, hatte sie ja den Anstieg schon angetreten, als
ich vom Grossen Huselhorn aufbrach. --
Als ich jedoch nach viertelstndigem Anstieg ber die Grlle und Schrofenstufen auf dem breiten Bergscheitel
anlangte, fand ich diesen noch leer; und noch eine geraume Weile hatte ich zu warten, bis das Klappern des
losen Felsgebrckels das Nahen der Anderen verriet. Voran der untersetzte, gelenkige und feurige
Bergtourist, von welchem ich schon am Morgen dieses Tages dachte, wr' er fr sich allein, er mchte wohl
an's Ziel kommen, -- und welcher, als er mich oben erblickte, mit den rgerlichen Worten an seine Gefhrten
sich zurckwandte: "Habe ich es euch
# S. 83
nicht gesagt, dass der Herr auch (!B)hier(!b) oben noch vor uns ankommt?" -- dann alsbald die weitere
Frage an mich richtete: "Nicht wahr, wir sind nicht auf dem Mhlsturzhorn?" -- Als Antwort wies ich auf
unseren nahen Nachbar im Sdosten hinber und in der That, hhnisch-gewaltiger als hier der blanke Kegel
des Grossen Mhlsturzhorns kann nicht leicht eine Bergzinne auf einen zurckgewiesenen Angreifer
herabschauen. --

Aus jenem Bergtouristen entpuppte sich nun aber zu meinem freudigsten Erstaunen Herr (!I)Ludwig Doppler(!i)
aus Salzburg, dessen Namen ich schon auf Dutzenden von Berchtesgadener Berggipfeln gelesen hatte; und nun
war es mir auch wohl begreiflich, dass ein Bergsteiger, wie er, sich nur mit der Erreichung des Zieles
seiner Wanderung zufrieden geben und keinen zuflligen Ersatz dafr annehmen, -- dass er nur mit Missmuth
auf einen Gebirgsausflug zurckblicken kann, welcher, auf das Grosse Mhlsturzhorn [Stadelhorn] gerichtet, ihn
nicht auf das Grosse Mhlsturzhorn gefhrt hatte; nun waren aber mit den Worten "Da drben steht Ihr Ziel, in
anderthalb Stunden sind wir oben!" alle Lebensgeister mit einem Schlage wieder geweckt. Nach kurzem
Aufenthalte verliessen wir in Gesellschaft das Wagendrischelhorn, nach dem nrdlichen Fusse seines Kegels
hinabsteigend; und hier angelangt, trat ich mit Herrn Doppler allein den Abstieg in's Wagendrischelkar
an, als erste unabweisbare Bedingung eines erfolgreichen Angriffes auf das Mhlsturzhorn [Stadelhorn]. --
Sein Gefhrte blieb zurck und verlegte sich auf's Zusehen; die Pseudo-Fhrer von der Reitalm wurden,
als von nun an -- eigentlich von Anfang an -- berflssig, entlassen.
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!subsubnode Scharte am Nordwestfusse des Grossen Mhlsturzhorns [Stadelhorns]
!alias Mayrbergscharte
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_muehlsturzhornscharte.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Mayrbergscharte, Klausbachtal, Grundbelau
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Ein paar Hundert Fuss geht es ber steile, doch stark gestufte Schrofen hinunter zum Plattenboden des Kars;
unter den hohen Steilwnden der Ostseite des Wagendrischelhorns hin berschritten wir in gerade Querlinie
die oft klaftergrossen Tafeln der Kesselsohle, welche durch tiefe und oft ziemlich breite Spalten von
einander getrennt, derselben das Ansehen eines in Stein umgewandelten, zerschrndeten Gletschfeldes
verleihen. Ueber mssig gehobene Flchen alten Schnees und Streifen rauhen Getrmmers hinansteigend
erreichten wir die zwischen Mhlsturz- [Stadelhorn] und Wagendrischelhorn eingeschnittene Scharte
(6291' 2044~m. Sendtner) [(!www [Mayrbergscharte] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-40631|273183|0])].
Ueberraschend ist der Anblick welcher eng umrahmt, sich hier gegen Sden erffnet; die
(!B)Grundbelau(!b) liegt pltzlich hart vor dem Fusse, das dunkle (!B)Klausbachthal(!b) zieht sich hinan
zur grnen Hhe des Hirschbichel und drber winken die Berge des Zellersees, die Firnen der Tauren.
!comment Hirschbichl, Tauern
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!subsubnode Sdliche Zweigkette der Reitalm
!alias SuedlicheZweigkette
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_suedlich.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Ameisnockenkopf, Drei Jger, Gernhorn, Leimbichlhorn, Sulzenstein
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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In der Nhe aber starrt es wild und dster.
# S. 83
Die Zackenreihe des sdlichen Auslufers der Reitalm, (!B)Ameisennockkopf(!b) [Ameisnockenkopf],
(!B)Drei Jger(!b), (!B)Gernhorn(!b) (5895' 1916~m.) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1908~m], (!B)Leimbichelhorn(!b) (5739' 1864~m.) [1868~m],
(!B)Sulzstein(!b) (5338' 1734~m. Keil) [Sulzenstein, 1693~m] sind hier in den Vordergrund getreten(!^)*(!^^));
in ihnen schliesst der Dolomit an's Dachsteinkalkgebirge sich an, und fr das Auge ist der Effect ein
gleicher, wie tief innen, im Wiesbachgries. Finster, fast schwarz erscheint der Fels, scharfzackig seine
Grte. Die ganze Ostwand ist von den abstrzenden Regenwassern fast blank gewaschen, rundrippig senkt sie
sich in's Thal, ohne Stufe, ohne Ansatz, wie aus der Form gegossen erscheint das ganze Gebirge. Kaum dass
an wenig Stellen sprliches Krummholz die grauen Wnde fleckt. Dort findet keines Menschen Fuss, vielleicht
der Gemse Huf nicht einmal mehr gengend Halt. Aber zwischen jenen Dolomitzinnen und dem Hauptmassive der
Reitalm zieht eine schmale, an den Felsen entlang sichtbare Pfadspur von der Scharte hinaus in's
Schoberweissbachthal. --

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(!^)*(!^^)) Nach der Darstellung in der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) wre es unmglich, dass
man aus der Scharte
zwischen dem Grossen Mhlsturz- und dem Wagendrischelhorn auf die Ostseite dieser Zweigkette hinabsehen
knnte, da diese erst am Stadelhorn (= Mittleren Mhlsturzhorn) [Kleines Mhlsturzhorn] vom Hauptkamme sich
ablsen soll.
Ihr Anschlusspunkt an die Hrnerkette der Reitalm muss daher weiter westlich, wahrscheinlich unter dem
Grossen Huselhorne liegen. Leider besitze ich aus dieser Zeit meiner Berchtesgadener Bergwanderungen
keine kartographischen Aufzeichnungen, und muss mich in dem angeregten Punkte lediglich auf die im Jahre
1873 aufgenommenen (!link [Vertikalprofile] [Vertikalprofil5]) sttzen. Auf die Gipfel im Sdrande der
Reitalm, welche allein volle Gewissheit bieten knnten, brachten die jngsten Excursionen mich nicht.
Ich hoffe, diese Lcke bei einer spterne Gelegenheit befriedigend ausfllen zu knnen.
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!subsubnode Das grosse Mhlsturzhorn [Stadelhorn]. Notizen ber das Mittlere [Kleine] Mhlsturzhorn und die Grundbelhrner
!alias Stadelhorn
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_stadelhorn.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Mhlsturzhrner, Stadelhorn
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Wir standen nun hart am nordwestlichen Fusse des Hornes und hatten dasselbe in gerader Linie lngs seines
steil sich aufkrmmenden Rckens in Angriff zu nehmen. Es gestaltet sich dieser Anstieg, der aus der Ferne
betrachtet ziemlich bedenklich erscheinen mag, weit leichter, als man glaubte. Die treppenfrmig ber
einander gelagerten Felsschichten erleichtern berall theils das gerade Aufklimmen, theils ein seitliches
Ausweichen, wenn eine oder die andere Stufe allzu schroff sich emporbaut; nur zwei grssere Steilabstze
sind zu berwinden, und auch an diesen findet sich in eingerissenen, etwas abgestuften Spalten, nicht zu
enge und doch gerade enge genug um die Arme wirksam gebrauchen zu knnen, willkommene Hilfe. So kamen
nicht allein (!B)wir(!b) beide ohne grosse Schwierigkeit dem Ziele nher, sondern es wurde auch Herrn
Dopplers Dachshund ber die Felstreppen glcklich hinaufbugsirt, bis er auf gnstigerem
# S. 85
Terrein sich wieder der eigenen Fsse bedienen konnte. Rauhzackiges Geschrfe, zuletzt sogar wieder
schwach begrnter Steinboden deckt den sich abflachenden Kegel in hoher Zone; noch eine kurze Strecke, und
wir standen, genau zu der von mir angegebenen Zeit, an der Signalstange des [Stadelhorn-]Gipfels
(7059' 2293~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2286~m].

Obwohl bereits Mittag vorber und der Fernblick durch aufsteigende Nebel lngst getrbt war, blieb unser
Verweilen dortselbst doch nicht vllig aussichtslos, namentlich fesselten die nhergerckten Felsmassive
des Hochkalter und der Hocheisspitz das Auge, und am zeitweilig sichtbaren Gasthause auf dem Hirschbhl
[Hirschbichl] erkannten wir mit dem Fernglase deutlich die zechende Schaar der Landstrassenwanderer, welche
den weissen Niedersterreicher sich dort wohlschmecken liess. Aus unmittelbarer Nachbarschaft grsste ich
zum (!link [jngstbesuchten] [Muehlsturzhoerner]) Zinkenpaar der Grundbelhrner hinber nicht ohne die
Vesicherung, dass ich immerhin lieber die Ersteigung des Grossen Mhlsturzhorns [Stadelhorns], als die
jener schlimmen Gesellen zur wiederholten Ausfhrung gebracht habe(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) Die Hhe der (!B)Grundbelhrner(!b) ist eine geringe, niedriger noch als der Brettstein
(6249' 2030~m. Keil) [Plattelkopf, 2098~m], sohin ca. 6100' 1950~m. Auch die Hhe des (!B)Mittleren Mhlsturzhornes(!b)
ist nicht bedeutend, die Keil'sche Angabe unter "Stadelhorn" 6995' 2270~m. sicherlich zu hoch fr dasselbe.
Der Name "(!B)Stadel(!b)" wird unter den Einheimischen schwankend zwischen dem Grossen und dem Mittleren
Mhlsturzhorne gebraucht, fr den Stock der Grundbelhrner besteht auch der ganz passende Localname
"(!B)Der Knittel(!b)".
!comment ich vermute, mit Brettstein ist hier der Obere Plattelkopf, 2098 m, gemeint (vgl. weiter unten)
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Nach halbstndigem Aufenthalte wandten wir uns zum Abstiege(!^)**(!^^)), welcher ziemlich rasch von Statten
gegangen wre, htte nicht der dritte in unserem Bunde, der Hund, vor jeder Steilstufe winselnd innegehalten
und ber dieselbe mit besonderer Nachhilfe heruntergeholt werden mssen. Im Wagendrischelkar trafen wir mit
Herrn Dopplers Reisegefhrten wieder zusammen, der uns versicherte, unsere Steigerei habe sich
zuweilen ganz grauslich angesehen -- wie denn der Zuschauer aus der Ferne, welcher die Steigungswinkel,
namentlich der in gerade Fortsetzung der Gesichtslinie liegenden Felspartieen, immer weit berschtzt,
solch ein Emporklimmen regelmssig von Gefahren umwoben sieht, von denen der an Ort und Stelle Befindliche
wenig merkt.

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(!^)**(!^^)) Bei meiner (!link [ersten Tour] [Muehlsturzhoerner]) auf die Reitalm war ich mit Joseph Berger
bis an das stlichste Eck des Grossen Mhlsturzhorn-[Stadelhorn]-Stockes vorgegangen und hatte sodann den
directen Abstieg in's Wagendrischelkar genommen, wie auf der (!link [Skizze] [Vertikalprofil5]) eingezeichnet.
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!subsubnode Der "Bse Steig" aus dem Wagendrischelkar zur Halsgrube und nach Hintersee
!alias Boeslsteig
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_boeser-steig.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Bslsteig, Bselsteig, Wagendrischelkar, Halsgrube, Hintersee
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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# S. 86
Rath wurde nun gehalten, wohin sich wenden; die Herren wren am liebsten durch das Wagendrischelkar und die
Halsgrube zum nahen Hintersee abgestiegen, was ich jedoch mit Rcksicht auf unseren dritten Begleiter
entschieden widerrathen musste; ich hatte diesen Abstieg bei meiner
(!link [jngsten Reitalmtour] [Muehlsturzhoerner]) zur Genge kennen gelernt.(!^)*(!^^))

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(!^)*(!^^)) Wie ich nachmals in Erfahrung brachte, hatte mein damaliger Fhrer (der
(!link [bereits genannte] [Muehlsturzhoerner]) Joseph Berger) den richtigen Weg, welcher unter dem Namen
(!B)Bser Steig(!b) [Bslsteig, Bselsteig] bekannt ist, nicht gewusst, und war ber den Wandabsturz des
Wagendrischelkars an einer Seite herabgestiegen, die man in ganz Hintersee und Ramsau fr unglaublich
hielt; und die mir selbst, als ich im Jahre 1873 die gleiche Oertlichkeit wieder besuchte, wundersam
genug vorkam; er hielt sich im Abstiege fortwhrend rechts und passirte die letzte, schlechteste Stelle
hart an der Wand der Grundbelhrner. -- (!nl) Der richtige Steig, welchen ich im Jahre 1873 ging, luft an der
Verbindungsstelle der unteren und der oberen gangbaren Pltze fast genau in der Mitte der ganzen
Wandbreite; man erkennt von der Hinterseer Strasse und auch von der Halsgrube aus an dieser Stelle sehr
genau den Zusammenhang der Krummholz-Strnge. Aus der Halsgrube steigt man inmitten des absperrenden
Gehnges an bis auf die freien Graspltze unter den Wandstufen; quert dieselben nach der rechten Seite
hinber, und wird, indem man sich fleissig umsieht, den Beginn des Steiges pltzlich in seinem Rcken
erblicken. Es ist eine Leiter, aus starken, in eine Felsspalte gelegten Holzriegeln bestehend. Oberhalb
derselben folgen einige Stufen, in Fels gehauen, dann windet sich die Spur enge, aber sehr deutlich,
durch Krummholz. Dieser richtige Steig ist nicht so "bse" wie sein Name.
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!subsubnode Ueber den Brettstein auf den Reiter Steinberg. Wassernoth; Oasen in der Wste
!alias ReiterSteinbergUebergang
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_reiter-steinberg.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Plattelkopf
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Ich brachte statt dessen eine Rckzugslinie ber den Ostrand des Reitalm-Plateaus und den Abstieg nach
Schwarzbachwacht in Vorschlag, und fand nach lngerer Debatte auch Zustimmung. Steil ging es nun wieder
eine halbe Stunde lang bergauf zum (!B)Brettstein(!b) (6249' 2030~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte]))
(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Plattelkopf, 2099~m], zur kahlen Scheitelflche des Reiter Steinberges.
!comment ich vermute, mit Brettstein ist hier der Obere Plattelkopf, 2098 m, gemeint (vgl. Vertikalprofil Nr. 5)

Allseits wurde ber Durst geklagt; ich hatte bereits im Wagendrischelkar die Vorsicht gebraucht, meine
Flasche mit Schnee zu fllen; da aber der letzte Rest von Flssigkeit aus ihr bereits verschwunden gewesen
war, so dauerte es entsetzlich lange, bis derselbe zu trinkbarem Stoffe sich umwandeln wollte. Dem nahezu
vllig stockenden Vormarsche neuen Impuls zu geben, kreuzte ich in der Wste der Karrenfelder umher,
kleine Felskuppen ersteigend und hatte dann auch bald gefunden, was ich suchte, eine Plattengrube, auf
der einen Seite stark abfallend, im Innern mit Schnee gefllt; das sind die Oasen auf diesen wasserarmen
Hochflchen. Der Schnee schmilzt vom Rande ab, an seiner Unterflche strker als auf der Oberflche und
bildet da, wo der Boden der Grube stark genug sich senkt, ein den letzteren berhngendes Schneedach; und
in dem Masse, als von oben
# S. 87
die Mittagssonne auf die Schneedecke brennt und dieselbe wegschmilzt, rinnen von der Innenwlbung der Hhle
ergiebige Wasserstrahlen zum Felsengrunde nieder.
Wir lagerten uns im khlen, feuchten Dunkel, tranken nach Herzenslust, sprachen nun auch gerne dem
Proviant wieder zu, fllten endlich die Flaschen und setzten gestrkt und erfrischt unsere Wanderung fort.

Aber das schnellere Tempo, welches fr einen Flachmarsch ber eine so ausgedehnte Strecke gewnscht und bei
meinem Plane auch in Rechnung gestellt worden war, wollte sich trotz alledem nicht einstellen, wir konnten
kaum erwarten, vor Anbruch der Nacht an den Nordrand des Hochplateaus zu gelangen, und wie alsdann auf
schmalem Steige ber steiles Gehnge nach Schwarzbachwacht hinunter finden? --
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!subsubnode Hinab auf's Reitertrett
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_reitertrett.html
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Als sodann im weiteren Vordringen die zahllosen Wellendmme des Reitalm-Plateaus, die endlosen Flchen der
Karrenfelder, der felsigen Schafweiden und weiterhin gar dstergrnen Krummholzes, des Schreckens aller
Bergwanderer, immer unabsehbarer vor dem Auge sich entwickelten, fand ich wenig Widerspruch mehr in dem
Vorschlage, jetzt, da es noch Zeit sei, links abzuschwenken und auf geradestem Wege nach den Reitalpen
zurckzukehren.
Die Abzweigung des richtigen Pfades, durch die Rossgasse hinunter, hatten wir nun freilich bereits im
Rcken, doch suchten wir uns, so gut es eben gehen wollte, mitten durch das stark fallende Hgel-Plateau
unseren Weg zu bahnen, was auch leidlich gelang; allerdings nicht ohne manch' harten Kampf mit dem
verwnschten Legfhren-Gestrppe -- fr die Salzburger Herren eine kleine Probe dessen, was in den 
stundenweiten Krummholzfeldern unser geharrt haben wrde. Ein tief eingerissener Graben brachte uns
endlich in gerade Linie und rascher Senkung dem Thalgrunde nher; seine hufigen, aber unbedeutenden
Steilabstze boten keine Schwierigkeit, und wre der Hund etwas geschickter gewesen und htte sein Winseln
nicht jeden Augenblick uns zurckgerufen, so wren wir bald am Ziele unserer Tageswanderung gewesen.
Der Aufschluss des Grabens brachte uns endlich an den Fuss des Zirbenhgels, an welchem des Morgens unsere
Wege sich getrennt hatten; noch wenige Minuten, und wir standen wieder auf dem Alpboden des Reitertrett's
und wanderten den Htten zu, welche in vergangener Nacht uns beherbergt hatten.
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!subsubnode Das "Leiterl" gegen Schwarzbachwacht
!alias Leiterlabstieg
!html_name berchtesgadener_reiteralpe_leiterl.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Reiter Alpe, Reiter Alm, Eisbergalm, Leiterl
# Stichworte: dito, auer die ersten drei
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Bis zu spter Stunde noch sassen wir plaudernd am Heerdfeuer, und als wir den  Heuschober aufsuchten, hatten
die Salzburger Herren nur kurze Zeit mehr brig zur Ruhe; denn in tiefer Nacht wollten sie durch die
"(!B)Schreck(!b)" hinab
# S. 88
nach (!B)Jettenberg(!b) und (!B)Reichenhall(!b), um mit dem Frhzuge nach ihrer Heimathstadt zurckzukehren.
Ich verschlief sanft ihren Aufbruch und auch noch ein paar Morgenstunden; durch die (!B)Rossgasse(!b) hinauf
stieg ich dann wieder zum Reiter Steinberg empor, berwanderte den Ostrand des Reitalmgebirges, schlug mich
ein paar Stunden lang durch Krummholz zur (!B)Eisbergalpe(!b) [Eisberg-Alm] hinunter, suchte dann auf der
Ostseite des Zirbeneck den Weg ber das sogenannte "(!B)Leiterl(!b)" hinab zur Unteren Schwegelalpe(!^)*(!^^))
und langte Nachmittags 3~Uhr, von den Donnerschlgen eines drohend herberziehenden Berggewitters
begleitet, in Schwarzbachwacht wieder an. --
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(!^)*(!^^)) Der Steig senkt sich von den Eisberg-Alpen durch eine mssig breite, von Wnden eingeschlossene
Thalung hinab, und ist, so lange der Boden derselben mit Krummholz bewachsen sich zeigt, gut erkennbar.
Weiter abwrts jedoch folgt Wiesenboden und der Pfad verliert sich am Fusse der linksseitigen Mauerschranke.
Man hat hier geradlinig abzusteigen, im Buschwerke, das tiefer unten sich wieder einstellt, sich links zu
halten und allmhlig vllig an die Wand zur Linken sich anzuschliessen. Hier trifft man auf das
(!B)Leiterl(!b), welches aus mehreren Abstufungen besteht und theils durch wirkliche Leitern, theils durch
eingesetzte und quer bergelegte Stangen gangbar gemacht ist. Es erfordert diese Stelle Schwindelfreiheit
und einige Uebung, namentlich wenn die knstlichen Behelfe in etwas ruinosem Zustande sich befinden.
Unterhalb des Leiterl fhrt sodann der Weg quer hinber zur Unteren Schwegelalpe.
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#############################################################################################################
!subnode VI. Die Hocheisspitze
!alias BerchtesgadenerHocheis
!html_name berchtesgadener_hocheis.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochkaltergebirge, Hocheis, Hocheisspitze
# Stichworte: dito, auer die ersten zwei

(Hierzu (!link [Vertikal] [Vertikalprofil6])- und (!link [Horizontalprofil] [Horizontalprofil6]) No.~6)


!subsubnode Hocheisspitze. Hochkammerlinghorn. Orographische Merkmale und Stellung der Hocheisspitze
!alias Hocheis-Umfeld
!html_name berchtesgadener_hocheis_orographie.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochkaltergebirge, Hocheis, Hocheisspitze, Hirschbichl, Hochkranz, Mooswand, Karlboden, Kammerlinghorn
# Stichworte: Hochkranz, Mooswand, Karlboden, Kammerlinghorn
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# S. 89
Am sdwestlichsten Eckpunkte der Berchtesgadener Gebirgsgruppe, wo der Pass (!B)Hirschbhel(!b) [Hirschbichl]
die Fahrstrasse in steilem Zuge hinberleitet in's Saalachthal, wo funkelnder Wein, dem Gaste am Zollhause
kredenzt, den Austritt aus dem bierbrauenden Bayernlande verkndet, da steht noch ein hoher, weitverzweigter
Felsenbau, so dunkel unbekannt und unbenannt in seinen innersten Centren, als zahllos das Vlkchen der
Touristen um seinen leicht zugnglichen Endpunkt herumwimmelt. Wer kennt nicht den Namen (!B)Kammerlinghorn(!b)?

In flachem Dreieck dacht seine Westflanke sich ab zum Hirschbhl, der Zickzackpfad leitet den bergunkundigen
Fuss leicht empor ber Alpenweiden, durch buschiges Gehnge. Drunten in der Tiefe liegen auf saftgrnem,
wellig gefalteten Weidenteppich die Kammerlingalpen, jenseits des Weissbachs ragt die isolirte Pyramide des
(!B)Hochkranz(!b) empor, umschrzt mit Alpenmatten. Im fernen Sden blinken die Gletscher der Tauren.
An den Zackenthrmen der (!B)Mooswand(!b) vorber, ber Getrmmer zur Stufe des (!B)Karlbodens(!b) und mit
langwierigem Anstiege ber zwei schrge Terrassenabstze, wird das (!B)Karlhorn(!b) [Karlkogel] und
(!B)Kammerlinghorn(!b) gewonnen -- der Gipfel. Ja, der (!B)Gipfel(!b); aber wieder ein Gipfel im Genre der
"Vorderen Watzmannspitze." Die constante Steigung des Bergrckens ist zu Ende, sein erster Scheitelpunkt
ist erreicht, aber der Scheitel selbst setzt hckerig gegen Osten sich fort.
Etwa 20' [6,4~m] unter dem Kammerlinghorn bildet er eine etwas geneigte, klftige Plattenflche; auf dieser
fusst mchtig gross ein zuckerhutartiger Felskegel, jh abgerissen von allen Seiten. Hier steht der Gipfel;
dem Besucher des Kammerlinghorns weist er die ausgenagten Schrofenzhne, ruft ihm ein stumm-allmchtiges
"bis hieher und nicht weiter" entgegen. Und wendet jener fragend sich an seinen Fhrer, was des wilden
Gesellen Name sei, der
# S. 90
so berraschend, trotzig ihm hier in den Weg tritt, so zeigt er ihm das Signalstngelchen auf dem
anscheinend unnahbaren Felsenhaupte und zeigt ihm auf dem Grate und an den Nordwnden stellenweise eine
Daube; erzhlt ihm, dass vor wenigen Jahren erst der Uebergang vom Kammerlinghorn auf die
(!B)Hocheisspitze(!b) sei ausgefunden worden(!^)*(!^^)), und stellt ihm den bergewaltigen Nachbar in bester
Form als die (!B)Hocheisspitze(!b) vor. Aber gemach! nicht als hervorragender Gipfel allein, sondern auch
orographisch hat die Hocheisspitze ihre Bedeutung: von ihr als Eckpfeiler strahlen der (!B)Wimbachkamm(!b)
gegen Osten, der (!B)Hochkalter(!b)kamm gegen Norden, der Kamm des (!B)Kammerlinghorn(!b) gegen Westen aus.

!label Alpelscharte
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(!^)*(!^^)) Seine Entdecker sind die gleichen Mnner, (!I)Breisen(!i) und (!I)Kederbacher(!i), Holzknechte
aus der Ramsau, welche auch von der Nrdlichen auf die Sdliche Watzmannspitze den ersten Uebergang wagten.
Kurze Zeit darauf besuchte ich ebenfalls das Hochkammerlinghorn, wobei die Dauben, welche meine Vorgnger
gelegt hatten, mir bei Aussuchen des Pfades gar wohl zu Statten kamen. Es ist eine in jeder Beziehung
schwierige Tour. -- Bei meinem Besuche der (!B)Eiblscharte(!b) [Alpelscharte] im Jahre 1873 sah ich zu
meinem nicht geringen Erstaunen Gestalten auf dem Hochkammerlinghorn, und mit noch grsserer Verwunderung
hrte ich Abends in Hirschbichl, dass es ein fremder Tourist gewesen sei, welcher die Besteigung
unternommen. Ob sie seit dem Jahre 1868 fter in Ausfhrung gebracht wurde, ist mir nicht bekannt, ich erfuhr
bei meinem jngsten Besuche nur, dass Breisen und Kederbacher von Ramsau immer noch die Einzigen seien, die
auf jenen Gipfel -- sie gehen nicht davon ab, ihn (!B)Hocheisspitze(!b) zu nennen -- zu fhren wssten.
Diese Beiden hatten auch den genannten Touristen geleitet.
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Von Berchtesgaden aus erblickt man zwischen den massigen Stcken des Watzmann und Hochkalter noch einen
kleinen Zackengipfel, von lichter Schartenenge durchbrochen; ein berggebtes Auge wird in ihm alsbald einen
weit zurckstehenden, daher trotz seiner anscheinenden Niedrigkeit wahrscheinlich ansehlichen Gipfel erkennen.
Hat aber ein oder der andere khne Felsenklimmer den schwindelnden Gang quer durch die Wnde, die zum
Hocheise niederstrzen, zurckgelegt, ber die kurze noch brige Strecke zahnigen Grats, die stellenweise so
schmal sich zusammenzieht, dass sie berritten werden kann, zur Gipfelkuppe sich hinaufgearbeitet, deren
Haupt aus einem einzigen, glattgescheuerten Felsklotze besteht, -- dann steht er auf einer mchtig erhabenen,
dominirenden Spitze allerdings, -- aber (!B)mitten(!b) in der schroffen Kette, die weit gegen Osten noch
sich fortzieht, zu neuen Gipfelgestalten sich emporbumt. Zur Linken in der Tiefe das (!B)Hocheis(!b) --
dstere Kessel, mit grauen, schuttberronnenen Firnplanken; zur Rechten, tief unten am Fusse
# S. 91
der Wnde, die steinigen Bergweiden des (!B)Eiblbodens(!b) [Alpelboden]. Im Nordosten biegt der
Hauptgebirgskamm sich herum, dort zieht er hinauf zu seiner hchsten Spitze, von welcher ein Meer von Schutt
und Gries in's de (!B)Hocheisthal(!b) hinunterfliesst; hinter dieser Zackenlinie liegt das Wimbachthal,
jene Felskrper decken dem Auge Berchtesgaden und seine grnende Umgebung. (!B)Dort(!b) liegt die
(!B)Hocheisspitze(!b). -- Der Gipfel aber, der das Kammerlinghorn (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2484~m; westlicher Vorgipfel des Hochkammerlinghorns, 2506~m] beherrscht, der als zweiter Culminationspunkt in dieser Gruppe der Berchtesgadener Alpen auftritt und den Besuch Seitens des Bergwanderers in hohem Grade herausfordert, ist das (!B)Hochkammerlinghorn(!b) [2506~m] -- so selten gleichwohl erreicht von den Gsten des Kammerlinghorns, als Watzmann-Besteiger den Gipfel des Grossen Watzmann betreten.

Das gegen Westen offene Halboval, in dessen Inneren die Firnen des (!B)Hocheises(!b) ruhen, zu vollenden,
strahlt von der wahren Hocheisspitze gegen Nordwesten ein niedrigerer, usserst scharfschneidiger Grat
aus, eine dnne, dem Einbruche scheinbar nahe Felsenmauer, die gegen Norden in's Thal des (!B)Sulzenbachs(!b)
[Sittersbach] niederstrzt; dann folgt als nchster Querkamm gegen Norden die (!B)Flammelschneid(!b)
[Steintalschneid], auf diese das (!B)Steinthal(!b), die (!B)Ofenthalschneid(!b) und des (!B)Ofenthal(!b), und
endlich das langgefurchte Gipfelmassiv des (!B)Hochkalter(!b). Letzterer steht mit der Hocheisspitze in
direktem Gratzusammenhange und begrenzt mit ihr gemeinschaftlich das Wimbachthal im Westen; die genannten
Seitenkmme bilden auf dem Hauptgrate zwei niedrige, aber scharfgezeichnete Gipfel; nher an der
Hocheisspitze ist dieser Hauptgrat arg zerspalten und fhrt hier den Namen (!B)Wimbachschneid(!b).
Die engen, von den Zweigrcken seiner Westseite eingeschlossenen Thler mnden in's Thal des
Hirschbichler (!B)Klausbaches(!b) [Hirschbichlklausgraben] und mit diesem gegen den Hintersee aus; sie
bergen wenig Wald und Weide, aber Schutt und wstes Trmmerwerk genug. An der Ostseite findet kein Relief
der Gebirgsflanke Raum in den jh abstrzenden Wnden, deren Fuss in die Gerllfluthen des Hinteren
Wimbach taucht.
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!subsubnode Von Hirschbichl ber die Mittereis- und Hocheisalpen in's Hocheis
!alias HirschbichlHocheis
!html_name berchtesgadener_hocheis_vom_hirschbichl.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochkaltergebirge, Hocheis, Hirschbichl, Mittereisalmen, Hocheisalmen, Kleineis
# Stichworte: dito
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Die (!B)Hocheisspitze(!b) war bestimmt, den Schlussstein meiner Berchtesgadener Bergfahrten zu bilden; sie
allein stand noch unberhrt von mir, nachdem die anderen hohen Hupter alle bereits gefallen waren. Am
5.~September 1868 erschien ich wieder auf dem (!B)Hirschbhl(!b) (3655' 1187~m.
(!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])(!www [Hirschbichl] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-40506|268700|0]), 1153~m]. Im Kreise einiger Bekannten aus Berchtesgaden, welche fr den morgigen Tag eine Tour auf das
Kammerlinghorn beabsichtigten, wurde an Wein und Schlafenszeit etwas mehr
# S. 92
consumirt, als den beiderseitigen Plnen eben zutrglich war. Die Nacht verlief unruhig, Fuhrwerke kamen
und gingen; ich war um 3~Uhr bereits wieder wach und es zeigte sich in der Folge, dass auch die andere
Gesellschaft nicht viel spter an der Zeit war. Auch in der Kche war es bereits lebendig; ich bekam noch
Kaffee, bemhte mich aber vergebens, eine Flasche zu erhalten, um Wasser darin zu fassen; die Leute hatten
es offenbar darauf abgesehen, mich zur Abnahme einer weingefllten Flasche zu nthigen; und eigensinnig, wie
ich nun einmal bin, ging ich infolge dessen ohne jegliche Flasche.

Noch dmmerte ber den Bergspitzen im Osten kein Morgenlicht; ich hatte Mhe, den mir bereits bekannten Weg
zu den (!B)Mittereisalpen(!b) durch das tiefe Walddunkel hinauf zu verfolgen; derselbe zweigt etwas nrdlich
vom Mauthhause von der Landstrasse ab, geht daher zunchst in entgegengesetzter Richtung von jener aus,
welche die Kammerlinghorn-Besteiger einschlagen. Zwischen mir und der Gesellschaft, welche dorthin zielte,
lag fr die ganze Lnge unseres Weges der Rcken der Mooswand, des Karl- und Kammerlinghorns, beziehungsweise
des von letzterem ausstrahlenden Zweigkammes, welcher mit dem (!B)Kleineishorn(!b) in's Hocheisthal
niedersetzt. Erst auf den Gipfeln sollten wir uns wieder zu Gesichte bekommen, nahe genug, um Rufe hin- und
herber zu senden, aber getrennt durch unergrndliche Tiefen.

Nach 3/4~Stunden war die erste Terrassenabstufung des Gebirges, der Eingang ins (!B)Hocheisthal(!b),
erreicht. Kaum unterscheidbar zeichneten aus dem Dster der Nacht die kleinen Htten der
(!B)Mittereisalpen(!b)(!^)*(!^^)) sich ab; durch's feuchte Gras der Alpwiese verfolgte ich meinen unsichtbaren
Pfad. Zur Rechten an der Hgelbschung rauscht das Wsserchen, welches die in fnf Etagen bereinander
gelegenen Viehtrnken fllt; dort zieht der Steig durch Wald und Gebsche hinauf in's (!B)Kleineisthal(!b);
durch's Krummholz seiner hohen Terrassenstufen, ber die Graslehnen und Gerllschtten des (!B)Kleineis(!b)
gelangt man dort hinauf zum (!B)Karlboden(!b) -- eine vernderte Anstiegsrichtung auf das Kammerlinghorn.
Ich hatte sie bei meiner Tour auf dieses und das Hohe Kammerlinghorn im Rckwege kennen gelernt; meiner
damaligen Wanderung verdankte ich auch die Kenntniss des Weges, der mich bisher geleitet; weiter hinein in's
# S. 93
Hocheisthal war mir derselbe unbekannt, und daher mehr als zweifelhaft, ob ich im Dunkeln ihn wrde zu finden
vermgen. Noch zgerte aber die Helle; wohl mochte der erste Dmmerschein bereits heranbrechen, aber eben im
Osten, woher das Licht mir kommen sollte, starrte der Felsenwall beschattend mir entgegen.
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(!^)*(!^^)) Auf der Keil'schen Karte als (!B)Mittereckalpen(!b) bezeichnet.
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Ich versuchte gleichwohl einen Aufenthalt zu vermeiden und den Pfad auch im Dunklen zu finden; nach kurzem
Suchen am jenseitigen Saume der Alpwiese schimmerte auch wirklich ein in's Krummholz sich hineinziehender,
lichter Streif mir entgegen und weniger Schritte in dieser Richtung weiter belehrten mich, dass ich auf rechter
Fhrte sei. Von Legfhren umrankt schlngelt der Steig sich eine neue, ziemlich stark gehobene Abstufung
des Thalbodens hinan; in schrg links gezogener Richtung gewinnt er die hher gelegene Terrasse. Zur
Rechten strebt das Kleineishorn als plumper Mauerkegel mitten in den Thalgrund herein; zur Linken ragt
zerklftetes Gewnde empor, es gehrt dem Zweiggrate der Hocheisspitze an. Im Hintergrunde beginnt
der Felsencircus sich aufzuthun, dessen scharfgeschnittener Hhenrand die Gipfel des Gebirges trgt.
Der oberen Thalboden selbst stellt ein steiniges, hgeliges Plateau dar, auf welchem der Krummholzwuchs
mehr und mehr verschwindet. Auf engbegrenztem Wiesenplatze stehen die (!B)Hocheisalpen(!b), vier niedrige
Httchen.

Auch jetzt verliess der Pfad mich nicht vllig, obwohl er nicht mehr so ausgeprgt erschien, wie vorher;
meist im Krummholze dahinziehend, unausgesetzt steigend, hielt er sich anfnglich noch in der Mitte des
Thales, eher etwas nach der rechten Seite hinber, den Wnden des Kammerlinghorns sich nhernd, wendete aber
bald um und verfolgte eine constant gegen Links weisende Richtung, in welcher er bis unmittelbar unter die
Mauern des Zweigkammes der Hocheisspitze hinein sich fortsetzte. Seitdem ich an den Mittereisalpen
vorbergekommen, war eine zweite Stunden verflossen, und meine Umgebung begann sich zu lichten. In kalten,
scharfen Umrissen zeichnete sich Busch und Fels aus dem Dmmergrau heraus. Der Hhenrand der letzten
Thalstufe, die ich erstieg, sank allmhig herab und ffnete dem Blicke die innerste Tiefe der den Kare,
aus deren firngefllten Kesseln eisiger Hauch dem Ankmmling entgegendrang. Das Gebsche war vollstndig
zurckgeblieben, die weichen Polster des hochalpinen Rasens deckten den plattenhgeligen Boden und gewhrten
einen leichten, angenehmen Weg; von einem ausgetretenen Pfade war kaum die Spur
# S. 94
mehr zu erblicken; er hatte seinen Zweck auch bereits erfllt: hier in der Hhe lag das ganze Terrain
dem Wanderer frei und offen. --
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!subsubnode Gemsenrudel
!html_name berchtesgadener_hocheis_gemsen.html
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Die eigentliche Thalsohle, mit Gerllfeldern und Blockwerk erfllt, war zu meiner Rechten geblieben; ich
bewegte mich lngs der sanft abdachenden Bschungen, welche an den Fuss der nrdlichen Thalwnde stossen,
in querer Linie thalein. Eine letzte Anschwellung des Hgelbodens verwehrte noch den Einblick in's
Innerste; gespannt, welche Aussichten dort sich mir erffnen wrden, schritt ich rascher voran, als
pltzlich lautes Geprassel in der Hhe meine Aufmerksamkeit erregte und dem Schritte Halt gebot.
Hoch oben in den Sandreissen, die von den Felsmauern sich heruntergiessen, war es lebendig geworden, -- die
Gemsen, durch den unerwarteten Besuch in ihrer Morgensung gestrt, eilten flchtig ber die Schuttlehnen
dahin, eine lange, lange Reihe, eins hinter dem anderen, 25~Stck zhlte ich ab; doch ehe ich mir's versah,
kam von der anderen Seite ein zweiter, noch weit strkerer Rudel dem ersten entgegen, sie kreuzen und
mengen sich, schwarz wie von Ameisen wimmelt das ganze Gerllfeld, und wasserfallhnlich rauscht der
Steinschotter, den sie zu Thal senden.

Dann geht's auseinander, in wilder Hast hinein in's Hocheis. Bald ist
die letzte verschwunden, noch klappert ein und das andere nachrollende Steinchen, und Grabesstille liegt
wieder ber der Felseneinsamkeit. Ich dachte die scheuen Thiere im inneren Thalkessel wohl nochmals zu
Gesichte zu bekommen, tuschte mich aber; sie hielten sich unbeweglich in ihren Schlupfwinkeln; im
Felsencircus, von Steilwnden fast allseits umfangen, mit kahlem Gesteine ausgekleidet, dass nicht ein
Muschen dem Blicke verborgen bleiben konnte, -- bei all' dem Spektakel, den ich nochmals in dieser
geschlossenen Rotunde vollfhrte, zeigte sich doch nicht ein einziges mehr.
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!subsubnode Im innersten Hocheis; wo ist die Hocheisspitze?
!html_name berchtesgadener_hocheisspitze_wo.html
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Die letzten sprlich begrnten Hgel hinan berschritt ich die Grenze der Vegetation gegen das
aufgewitterte, den letzten Keim des Lebens erstickende Gestein; gleichzeitig tauchte im nahen Osten der
absperrende Kamm, der Grat empor, auf welchem ich mein Ziel, die Hocheisspitze zu suchen hatte. Ich stand
stille und blickte verwundert um mich. Alle Terrainverhltnisse, wie ich sie aus frherer Ansicht,
namentlich vom Kammerlinghorn aus, theils gesehen, theils schlussfolgernd sie mir vorgestellt hatte, wurden
in Richtigkeit befunden; die Steilwand-Umrahmung des Kars -- die eisgrauen Firnplanken, welche in die
Felsenkeller des Gebirgsfusses sich einlagern -- mauerschroff seine Seiten vom Kammerlinghorn und
# S. 95
Hochkammerlinghorn herber bis an sein stliches Ende und dort die breiten, endlos langen Gerllflchen, die
zum Grate hinaufziehen -- nur die Hauptsache, die Hocheisspitze (!B)selbst(!b), fehlte.
Nahezu geradlinig streicht der Gebirgsscheitel in unansehnlichen Schrofenhckern ber die Schuttlehnen weg,
um dann wieder nordwrts gewendet in schartiger Mauer die Nordseite des Hocheisthales zu bilden. Im
sdstlichen Winkel aber, nicht gar weit vom Hochkammerlinghorn entfernt, da thront jetzt auf dem Grad eine
massive, etwas aufgewlbte Pyramide, so trotzig starr, als sollte nur das Volk der Lfte ein Recht haben,
auf ihrem Scheitel sich niederzulassen. Also abermals, wie vor Wochen auf dem Kammerlinghorn, die
Hocheisspitze (!B)gesucht(!b) und einen anderen, den Besuch des Menschen unwirsch zurckweisenden
Gipfel (!B)gefunden(!b)! (!B)Wer(!b) du auch seist, mit (!B)dir(!b) habe ich zu schaffen! (!B)Einer(!b) von
uns ist dem Andern verfallen!

Den Fuss der Mauern entlang dran ich am Nordsaume des Hocheisthales zu seinem letzten Abschlusse vor; die
hckerige, stellenweise von Klften durchschnittene Sohle blieb wie bisher zu meiner Rechten, ich hielt mich
an der Randbschung. Tief sank ich bei jedem Tritte in's lose Gerlle ein, nur die zuweilen in's Gehnge
herabreichenden Strebepfeiler der Wnde gewhrten bei ihrer Uebersteigung und Umgehung einen etwas
festeren Tritt. In seiner ganzen Breite hebt der Thalschluss sich zur Grathhe empor, zu unterst in
unterbrochenen Mauergrteln, welchem Schuttterrassen und sodann im sdstlichen Winkel, wo mein nchster
Gegner stand, die klftigen Mauern folgen; whrend im Nordosten, wo die Hocheisspitze stehen sollte und
sich nicht fand, die endlosen Sandreissen sich hinaufziehen. Ein abgestufter, stellenweise etwas enger
Felsgraben brachte mich ber die unteren Steilstufen hinweg auf's Gerlle; und nun begann ich, rechts
abschwenkend, in schrger Anstiegsrichtung auf mein Ziel loszugehen. --
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!subsubnode Ein neu erschienener Gipfel
!html_name berchtesgadener_hocheis_gipfelneuerscheinung.html
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Noch war ich im Zweifel, ob ich den wildgeformten Kegel unmittelbar an seinem nordwestlichen Wnden
packen oder ob ich eine Umgehung versuchen sollte, und ich war fr's Erste auch noch gar nicht veranlasst,
eine entscheidende Wahl darber zu treffen; im langsamen Queren der Gerllflchen, auf welchen jeder Zoll an
Hhe mit unverhltnissmssiger Anstrengung gewonnen werden musste, hatte ich noch Zeit genug, darber
nachzudenken. Freilich gestalteten sich, je nher ich den zum Hocheis niederstrzenden Wnden kam, die
Aussichten fr ein Unternehmen von dieser Seite her immer ungnstiger: unvernderlich starr blickten sie
# S. 96
von ihrer Hhe auf mich herunter, keine scheinbare Verkrzung und Erniedrigung vor den Anrckenden
verrieth eine geminderte Steigung ihrer Hhenzone. Die eisgrauen, schuttgestreiften Firnlager ihrer dunklen
Grfte vermehrten noch das Abschreckende des gewaltigen Felsgerstes.

Unter solchen Umstnden war kaum
eine andere Wahl zu treffen, als die, eine Umgehung nach der Gegenseite zu versuchen; immerhin kein
sonderlich preiswrdiges Auskunftsmittel, wenn man letztere nicht genau kennt, und davon just genug gesehen
hat, um zu wissen, dass ihr allgemeiner Charakter keineswegs ein friedfertiger zu nennen sei. Ich gab
also die den Felshang kreuzende Marschrichtung auf, und wandte mich wieder zum geraden Anstiege; eine
Gratscharte am nordstlichen Fusse der breiten Gipfelpyramide bildete nun mein nchstes Ziel, sie sollte
mir die Terrainverhltnisse der jenseitigen Gebirgsflanke enthllen. Massiv bereinander gehufte, rthlich
gefrbte Schrofenstufen verlegten mir am Saume des Gerllfeldes den Weg und nthigten zu einem steilen und
stellenweise nicht ganz unbedenklichen Aufklettern; dann folgte wieder der lose Schutt, Haufwerk von grossen
und kleinen Trmmern, Zackenriffe aus ihnen emporragend und meinen Weg zum zum Durchbruche des Gebirgsscheitels
begleitend. Der Kegel, dessen Haupt ich zu gewinnen strebte, vernderte whrend all' dem kaum merklich
seine Gestalt, nur dass seine mir zugewendete Nordostkante allmhlig sich verkrmmte, als blickte er ber
die Achsel weg auf das Geziefer, das ihm zu Fssen der herumkrabbelte. Mir aber war es ein gutes Zeichen.
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!subsubnode Ersteigung und Enttuschung
!alias Hocheiskopf
!html_name berchtesgadener_hocheiskopf_ersteigung.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochkaltergebirge, Hocheiskopf, Kammerlinghorn, Hochkammerlinghorn
# Stichworte: dito
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Hoch aufathmend trat ich in's Felsenthor hinauf, das nahe und ferne Gebirge, grnes Land in der Tiefe,
nacktes Gestein in ebenbrtiger Hhe, blinkendes Eis am fernen Horizont dem Auge erschloss; einen Schritt
noch vorwrts, und vor mir senkt sich Boden jh abwrts zu den Karen des Weissbachthals. Die Gratkante
entlang aber, die zum Gipfel sich emporschwingt, zieht sich schrofig rauhes, leicht gangbares Terrain,
etwas schmal mitunter, aber mehr als ausreichend fr den engen Pfad des Bergsteigers. Stufe um Stufe
hinan, die zerspaltenen Hcker des Grates zur Rechten, hinter denen das Hocheisthal verschwunden ist,
dafr den freien, vollen Ausblick gegen Sden. Schon wlbt sich die Kuppe in die helle Luft empor,
wenige Minuten noch, so ist die letzte Hhe gewonnen; aus unfrmlichen Felsquadern zusammengefgt,
streckt enge geschnrt die Schneide ihren culminirenden Endpunkte sich zu; im Galopp von Block zu Block,
ber die Spalten und Klfte dahin, wo der hchste Felsklotz wie
# S. 97
balancirend auf dem Grate ruht, wo der Scheitel des Gebirges sich wieder herabbeugt, um bald von
thurmtiefer Spalte verschlungen zu werden. 

Von dort herber weist das Hochkammerlinghorn (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2510~m], ein schlanker
Obelisk, mir grinsend die zerspaltenen Wnde, ber denen ich vor ein paar Wochen geschwebt, zweifelhaften
Halt auf handbreitem Gesimse suchend; und nebenan zur Rechten sieht der flache Scheitel des zahmeren
Kammerlinghorns [2484~m] herber, und mit einem Schlage wird's dort lebendig, die Berchtesgadener sind schon oben
-- meine Jauchzer fliegen hinber und "Brav, Bravo!" schallt es von drber wieder, whrend ich kurzer
Wendung meinen Umkreis beherrschend mustern will -- -- ja, bravo, bravo . . . . siehst du wohl, wo der
Gipfel steht? -- (!B)siehst(!b) du sie jetzt, die (!B)Hocheisspitze(!b), riesengross dort im Nordosten! --
Auf einem Zwischengipfel, mitten auf dem Grat steh' ich -- nur immerzu umgekehrt, -- der (!B)Gipfel(!b)
den ich verlangt, hat mich ein zweites Mal genarrt! --
Htte ich doch von meinen topographischen Reminiscenzen allein mich leiten lassen, htte ich nur das
Gerllfeld angestiegen, welches -- ich (!B)wusste(!b) es ja! -- an der Westflanke des Gipfels liegen
musste, ich wrde diesen selbst schon gefunden haben; gefunden in eben dem Grate, dessen anscheinend
gerade Linie mich irre gemacht und auf solche Abwege gefhrt hatte. In der Sohle des Kars gleichen die
allmhlige Erhebung des Grates und dessen weitere Entfernung vom Standpunkte des Beobachters sich nmlich
so vollstndig aus, dass der ganze Gebirgsscheitel dadurch wie eben erscheint. --
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!subsubnode Der Hocheiskopf. Correspondenz nach dem Kammerlinghorn
!html_name berchtesgadener_hocheiskopf.html
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Nachdem brigens der erste Aerger ber die erfahrene Tuschung sich verlaufen, die ruhigere Erwgung Platz
gegriffen hatte, dass meine Ersteigung der Pseudo-Hocheisspitze mich an einer nachfolgenden Ersteigung
der wirklichen Hocheisspitze ja nicht zu hindern brauche, fing ich an, ber meinen Irrgang mich zu trsten
und sogar eine gewisse Befriedigung ber denselben zu empfinden. War es auch kein Gipfel (!B)ersten(!b)
Ranges, ein (!B)selbstndiger(!b) Gipfel war es immerhin, auf welchen ich gelangt war; ich konnte mich aus
dem Bilde der Kammerlinghornkette, wie ich dasselbe aus Sdosten, von den Randgipfeln des Steinernen Meeres
aus zu sehen bekommen, auf den Punkt gar wohl besinnen, welchen ich in diesem Bilde gegenwrtig einnehmen
mochte. Ein rundlicher Felsenkopf, vom Hochkammerlinghorn durch eine enge und unverhltnissmssig tiefe
Durchspaltung des ganzen Gebirgskammes getrennt, noch ziemlich im geraden Verlaufe des letzteren, nahe an
seinen Wendepunkt gegen Nordosten, zur wahren Hocheisspitze hin, gestellt.

# S. 98
Es lag aller Grund vor, anzunehmen, dass dieser abgelegene Gipfel seinen ersten Besuch von mir erfahren
haben mochte, so wie mir auch niemals Namen und Hhenangabe fr denselben bekannt wurde; die
(!link [Keil'sche Karte] [KeilscheKarte])
verzeichnet an seiner Stelle nicht einmal einen Culminationspunkt im fortlaufenden Grate, was
immerhin als ein Mangel bezeichnet werden muss. Seiner Stellung unmittelbar ber den Karen des Hocheises
und seinem der Hocheisspitze gegenber untergeordneten Range entsprechend gab ich ihm den Namen
(!B)Hocheiskopf(!b) und schtze im Vergleiche mit der nahen Hocheisspitze seine Hhe zu etwa 7680' 2495~m
(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2506~m].
Der Anstieg von Hirschbhl [Hirschbichl] auf diesen ersten Gipfel hatte etwas ber 4~Stunden gewhrt;
meines Bleibens auf demselben war natrlich nicht lange, nachdem das eigentliche Ziel meiner Wanderung sich auf
einen neuen Punkt verlegt hatte. Nach wenigen Minuten schon gaben neue Rufe der Gesellschaft auf dem
Kammerlinghorn drben meinen Abmarsch bekannt. Ob sie meine Worte und Geberden verstanden, welche auf das
neue Ziel hinberwiesen, weiss ich nicht, in der Folge erfuhren sie jedenfalls, was von mir beabsichtigt
und erreicht wurde.
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!subsubnode Gratbergang nach der Hocheisspitze
!alias Hocheisuebergang
!html_name berchtesgadener_hocheis_gratuebergang.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochkaltergebirge, Hocheiskopf, Hocheisspitze, Alpelboden
# Stichworte: dito
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Ueber das Blockwerk des Grates stieg ich zurck zur Scharte, etwas gemesseneren Schrittes und nchternen
Sinnes, als ich heraufgekommen war; dort wieder angelangt, rathschlagte ich, was weiter zu beginnen.
Ein Rckweg ber die Schrofenstufen, die ich heraufgeklommen und ein neuerlicher Anstieg ber die ganze
Lnge des Gerllfeldes war mir nicht lieb, andererseits hatte mir der Grat vom Hocheiskopf zur
Hocheisspitze hinber ziemlich ununterbrochen und gangbar geschienen. Ein Versuch war jedenfalls des
Anstellens werth, und gelang er, so mochte er viel Zeit und Mhe mir ersparen. Auf der Sdostseite, welche
ziemlich steil zu den Gerllkaren des (!B)Eiblbodens(!b) [Alpelboden] sich abdacht und zu unterst in Steilwnde
bergeht, leiten mich streifige, gerllbedeckte Bnder leicht und geradlinig quer durch, an den
mitunter abenteuerlich genug gestalteten Mauerzacken des Grates vorber; ich war bereits ziemlich weit
gegen Nordosten vorgedrungen, als pltzlich einer dieser Zacken mit seinem schroff abgerissenen Felskrper
mir in den Weg trat und auf dem Grate sowohl als neben demselben die Bahn vllig versperrte. Die Bnder,
um seine Flanke sich herumschlingend, liefen alle an einer senkrechten Lngsstufe von 12' [3,8~m] Lnge aus
und ein Hinabspringen war bei der Abschssigkeit des tiefer liegenden Bodens ebensowenig rathsam, als
irgendwelche Sicherheit sich bot dafr, dass die eingeschlagene Richtung ber diese Schranke hinaus noch
# S. 99
weiter wrde verfolgt werden knnen. Nach mehrmaligem Hin- und Hersuchen entschloss ich mich auch zum Rckzug
-- nicht von der Hocheisspitze, die lediglich eine Stunde lnger dann auf mich zu warten hatte, sondern von
der eingeschlagenen Angriffslinie.

Schon waren die ersten Schritte rckwrts gethan, als mir noch eine durch's Geschrf sich hinunterziehende
Furche in's Auge fiel. Mit sehr geringem Vertrauen entschloss ich mich gleichwohl, auch diess letzte
Auskunftsmittel noch in Anwendung zu bringen, wurde dadurch zunchst weiter, als zuvor, vom Grate abgefhrt,
und als ich eine gnstige Stelle benutzte, wieder links auszubiegen, wo die sperrende Steilstufe sich
hinunterzog, fand ich mit Leichtigkeit den gewnschten Uebergang auf's jenseitige Gehnge.
Noch war es, wie gesagt, hchst ungewiss, ob ich im weiteren Verfolgen meines Weges nicht auf neue
Hindernisse treffen wrde, da die Lngsrippen der Bergflanke nur ein geringes Stck Terrain jeweils zu
berblicken gestatteten; doch war ich dieser Besorgniss bald berhoben, je weiter ich vorwrts kam, um so
schwcher ausgeprgt erschienen diese seitlichen Grate, um so mehr verflachte sich der Boden, allmhlig
nur mehr mit zertrmmerten Plattenschollen berdeckt; es war mir sodann auch wieder gestattet, die Schneide
selbst zu betreten, obwohl der bequemere Weg meist auf der Ostseite, unterhalb derselben sich bot.

Rasch gewann ich nun an Hhe; ber den Zacken des Grates stieg der verlassene Hocheiskopf wieder auf, ich
befand mich bereits nahezu wieder in seinem Niveau, und hoch vor mir baute noch immer das Gipfelmassiv der
Hocheisspitze sich zusammen. Von Osten her schliesst der zahnige Wimbachgrat an sie heran, aus welchem das
Alpelhorn, das Palfenhorn [Palfelhorn] sich aufschwingt, durch dessen Scharten die Griesfelder des
Wimbachthales heraufschimmern. Zur Linken bricht der Grat in Steilwnden von unbetrchtlicher Hhe hinab
auf die Schuttlehnen des Hocheis. Verwitterte Trmmerstufen bahnen mir den Weg zur letzten Hhe; den
mssig breiten Gipfelscheitel betretend sende ich abermals einen hellen Jauchzer hinber zum
Kammerlinghorn und wieder antwortet der Ruf von drben, und wenn sie (!B)jetzt(!b) Bravo rufen, so bin ich's
zufrieden. Whrend des ganzen Ueberganges vom Hocheiskopf auf die Hocheisspitze, welcher nahe an
1~1/2~Stunden gewhrt hatte, war ich der Gesellschaft am Kammerlinghorn unsichtbar geblieben; in den
kurzen Momenten, in welchen ich hie und da den Grat betrat, konnte ich kaum von ihnen bemerkt werden; mit
um so grsserer Ueberraschung sahen sie mich auf diesem vom
# S. 100
ersterstiegenen Gipfel so weit entfernten Punkte pltzlich wieder auftauchen.
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!subsubnode Charakteristik und Aussicht
!alias HocheisspitzeAussicht
!html_name berchtesgadener_hocheisspitze.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochkaltergebirge, Hocheisspitze, Hochfeldscharte, Hinterberghorn, Kammerlinghorn, Hochkammerlinghorn, Steintalschneid, Steintalhrnl, Watzmann, Hundstod, Steinernes Meer, Teufelshrner, Teufelshorn, Watzmann, Hochkalter, Lattengebirge, Untersberg, Reiter Alm, Reiter Alpe, Loferer Steinberge, Leoganger Steinberge
# Stichworte: dito
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Nachdem ich mein Gepck abgelegt und das Fernrohr zurecht gerichtet, suchte ich mir ein Sitzpltzchen aus,
eine wohl verdiente Stunde lang zu rasten. Der Gipfel verluft gegen Norden alsbald in eine kaum
fussbreite Schneide, welche senkrecht gegen Osten abstrzt, mit stark geneigtem Platt gegen Westen, den
Sandreissen des Hocheis zu, sich abdacht; dort fand ich so meine volle Behaglichkeit; -- auf dem engen
Grate sitzend, die gekreuzten Fsse an den schrgen Platten hinunter streckend und ber die Achsel weg
in lothrechte Tiefe blickend, hatte ich die freie Luft in gewnschtem Ueberflusse.
Eigenthmlich ausgeprgt erscheint die Stellung der (!B)(!www [Hocheisspitze] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-36966|267679|0])(!b) als Eck- und Wendepunkt
ihres Kammes. Schon die allernchste Fortsetzung des Gipfels wendet sich mit Entschiedenheit gegen Westen.
In dieser Richtung sinkt der Grat hinab zu einem engen Sattel [Hochfeldscharte] und steigt sodann neuerdings
empor zu einem schmalschneidigen, schartigen Felsenrcken(!^)*(!^^)), welcher der Hhe des Hocheiskopfs ziemlich gleichkommen und das gewhnlich erstiegene Kammerlinghorn noch berragen mag. Ein Name wurde mir
fr diese langgestreckte Zackenmauer, deren Scheitel in westlicher Richtung, den Verbindungsgrat von der
Hocheisspitze herber verfolgend, wohl zu gewinnen wre, nicht bekannt; die (!link [Keil'sche Karte] [KeilscheKarte]) verzeichnet an ungefhr dieser Stelle ein "Hochfeld" -- eine Benennung, welche auf das in Rede stehende Object sicherlich keine Anwendung finden kann.

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(!^)*(!^^)) (!link [{] [Sammelwerk1926])Es handelt sich hier um das (!B)Hinterberghorn(!b) (2487~m) und seine westliche Gratfortsetzung mit Hocheis- und Vorderberghrndl.}
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Von Osten und Sdosten herauf schliesst der Kamm, welcher den Sden des Wimbachthals begrenzt, mit seinen
Dolomitnadeln an's Massiv der Hocheisspitze sich an. Ich mochte damals der Vermuthung mich zuneigen, dass
sie auch von dieser Seite erstiegen werden knnte, wenigstens sah ich das gangbare Terrain sehr weit
hinunter gegen den Eiblboden [Alplboden] sich erstrecken; als ich jedoch fnf Jahre spter zum zweiten Male
an den Ostfuss der Hocheisspitze gelangte, und nicht, wie das erste Mal, im dunklen Nebel zu ihrer Hhe
emporblickte, berzeugte ich mich von der geringen Hoffnung auf Erfolg, welche ein derartiges Unternehmen
htte. In nrdlicher Richtung verbindet die zerrissene (!B)Wimbachschneid(!b) die Hocheisspitze mit dem
ersten Gipfel des Hochkalter-Kammes, dem Endpunkte der (!B)Flammelschneid(!b) [Steintalschneid] auf dem
Hauptgrate, einem theilweise begrnten, pyramidalen Bergkegel(!^)**(!^^)).

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(!^)**(!^^)) Die (!link [Keil'sche Karte] [KeilscheKarte]) bezeichnet ihn als (!B)Hinterbergkopf(!b), ohne
Hhenangabe. (!link [{] [Sammelwerk1926])Es ist dies das (!B)Steintalhrnl(!b) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2468~m]. Der Hinterbergkopf liegt sdlich der
Sittersbach-Scharte.}
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Hinter ihm
# nach S. 100 im Nachdruck folgt hier die S. 501 (falsch gebunden!)
# dann geht es auf S. 133 (mitten im Hagengebirge) weiter!!
# leider sind aber die fehlenden Seiten nicht im Buch enthalten!
# vorerst aus dem Sammelwerk von 1926, S. 360 dort, weiter:
# // Originalwerk S. 101
ragt der Endpunkt der (!B)Ofentalschneid(!b) als zerhackter Block auf dem Grate empor. Vor ein paar Jahren wurde die Uebersteigung der ganzen Kette von der Hocheisspitze bis auf den Hochkalter in Ausfhrung gebracht, eine in hohem Grade merkwrdige Partie.

Die weitere Aussicht von der Hocheisspitze, deren Gipfel eine Reihe hchst interessanter Detailbilder
erschliesst, ist von keiner sonderlichen Bedeutung und steht derjenigen des Kammerlinghorns, welchem der
freie Ausblick gegen Sden und Sdwesten erffnet ist, weit nach. Im Osten zieht namentlich der (!B)Watzmann(!b) mit seinen breiten, gestriemten Mauerflanken die Aufmerksamkeit auf sich, etwas sdlicher die Gruppe des (!B)Hundstod(!b) und einige Partien des sdwestlichen Steinernen Meeres. Die tiefe Senkung des Passes (!B)Trischbel(!b) lt die (!B)Teufelshrner(!b) erscheinen, ein nadelscharfes Spitzenpaar. Ostwrts fllt der Blick in die Tiefe des (!B)Wimbachthales(!b), und seinem Laufe folgend trifft er auf's grne Thal der Achen und auf Berchtesgaden, enge eingerahmt von den Felsstcken des Watzmann und Hochkalter. Den Norden erfllen die dunklen Hochplateaus des (!B)Lattengebirges(!b) und des (!B)Untersbergs(!b), den Nordwesten die (!link [Reitalm] [BerchtesgadenerReiterAlpe]) [Reiter Alpe] mit der stattlichen
Hrnergruppe ihrer sdlichen Randkante. Im Westen, wo breit das Hocheisthal sich ffnet, dominiren die
(!B)Loferer Steinberge(!b); sdlich decken die dstern, eisumlagerten Wnde des Kammerlinghorn-Kammes
fast die ganze Aussicht, nur die fernen Schiefergebirge des Salzachtales und ber diesen die Tauren
steigen ber die schroffen Hupter dieser nahen Kette empor. -- Das Hochkammerlinghorn, obgleich fhlbar
tiefer gelegen, als die Hocheisspitze, scheint dieser gleichwohl an Hhe ziemlich nahe zu kommen.

Ich habe fr die (!B)Hocheisspitze(!b) die Angabe der Keil'schen Karte mit 7748' 2517~m. adoptirt und glaube die Messung der gleichen Karte fr das (!B)Kammerlinghorn(!b) mit 7644' 2483~m., mit welcher auch andere, z.B. Sendtner, bereinstimmen, auf das (!B)gewhnlich erstiegene(!b) Kammerlinghorn beziehen zu mssen. Die Differenz zwischen diesem und der Hocheisspitze mit nur 104' [33~m] erscheint allerdings als etwas gering, doch gestalten sich die relativen Resultate auf dieser Basis doch richtiger, als wenn man die Hhe von 7644' auf das Hochkammerlinghorn bezge(!^)***(!^^)).

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(!^)***(!^^)) Bezieht sich aber die angegebene Hhe [von 7644~Fu] auf das gewhnlich erstiegene Kammerlinghorn, so fehlt auf der Keil'schen Karte auch jede Bezeichnung des (!B)Hohen(!b) als eines Culminationspunktes.
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Eine von Gmbel ("Geognost. Beschreibung des Bayer. Alpengebirges")
# S. 102
aufgefhrte Messung von Senoner [Sendtner?] fr "Kammerlinghorn, Hohes" mit 7878' 2559~m. scheint auf das Letztere sich zu beziehen, doch wre im Falle ihrer Richtigkeit die Hhe der Hocheisspitze im gleichen Verhltnisse zu vergrern. --
Es ist am Ende kein Wunder, wenn mancher dunkle Punkt sich noch findet in einer so wenig bekannten und
besuchten Gebirgsgruppe. Ist doch die Hocheisspitze selbst, ihr Culminationspunkt und Centrum, so verlassen
und vergessen, dass ich nicht einmal ein Steinhufchen, geschweige denn ein trigonometrisches Signal, auf
ihrem Gipfel vorfand(!^)****(!^^)). (!nl)

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(!^)****(!^^)) (!link [{] [Sammelwerk1926])Die richtigen Hhen sind: (!B)Hocheisspitze(!b) 2523~m, (!B)Hochkammerlinghorn(!b) 2510~m, (!B)Kammerlinghorn(!b) 2485~m. Letzteres ist der als Aussichtspunkt gerne besuchte westliche Vorgipfel des Hochkammerlinghorns. Wie unbestimmt damals der Name "Hocheisspitze" gebraucht wurde, geht beispielsweise aus folgenden Stellen in Schaubachs "Die Deutschen Alpen" III (Jena 1865) hervor. S.~252 heit es bei der Beschreibung des Klausbachtals: "Links sieht man abermals in einer Schlucht blauen Schnee, Kleineis genannt, worber der Hocheisspitz aufragt, der Gebirgsstock, von welchem
sich der hohe Felsrcken des Steinbergs von der Hauptmasse nrdlich abzweigt." Bei der Behandlung des
Wimbachthals (S.~252) sagt er: "Gegen drei Stunden zieht es hinan, zwischen dem Watzmann links und dem
Steinberg rechts und im Hintergrunde ummauert von den ebenso steilen und kahlen Wnden des Hocheisspitzes,
Palflhorns, Seehorns und groen Hundstods". Barth gebhrt jedenfalls das Verdienst, in diese Verwirrung
Klarheit gebracht zu haben.}
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!subsubnode Gerllfahrt in's Hocheis
!html_name berchtesgadener_hocheis_geroellfahrt.html
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Mittag war vorber und ich begann an den Abstieg zu denken; natrlich suchte ich mir fr denselben eine
andere, krzere Weglinie, hatte daher zunchst die enge, auch von Berchtesgaden aus im Gipfelgrat der
Hocheisspitze sichtbare Scharte zu gewinnen, um von dieser aus unmittelbar an das grosse Gerllfeld zu
gelangen. Nachdem die schmale Plattenschneide des Gipfelhauptes vllig berschritten worden war, bewegte ich
mich lngs des Grates abwrts gegen Nordwesten, ziemlich enge und steil, namentlich erforderte der jhe
Abriss desselben gegen die Scharte noch ein kurzes, behutsames Abklettern.

In dem kaum schrittbreiten Felsenthore stehend, besann ich mich noch einen Augenblick, ob ich nicht lieber
gegen Norden mich wenden solle, in welcher Richtung ich ber das starkgeneigte, jedoch gangbare Geschrf
unzweifelhaft leicht in den nahegelegenen oberen Thalboden des (!B)Sulen(!b)-(oder Sieders-)Baches [Sittersbaches] gekommen wre.
# Sammelwerk S. 361
Die Erwgung jedoch, dass ich, den Pfad dieses letzteren Thales verfolgend, halbwegs zwischen Hirschbhl [Hirschbichl] und Hintersee die Strasse erreichen, und -- da ich einige Gepckstcke in Hirschbhl  zurckgelassen -- dorthin wrde zurckkehren mssen, bewog mich, von diesem Plane abzustehen und das Hocheisthal wieder aufzusuchen. Aus der dunklen, schmalen Gasse austretend, welche die auseinandergespaltenen Zacken zwischen sich lassen, sah ich mich vor die einfrmige, endlos lang hinabgestreckte Sandreisse gestellt, so steil abschiessend (in einem Winkel von etwa 50 bis 55), dass ich nicht ohne einiges Bedenken die ersten Schritte auf dieselbe that.

Doch schnell genug schwand jede Zaghaftigkeit.
In einen wahren Sumpf von Stein war ich gerathen, und konnte es auch keineswegs angenehm genannt werden, bis tief ber die Knchel im eckigen Schotter zu waten, so war dadurch doch die Gefahr, auszugleiten und haltlos die jhe Flche hinabzufahren, in beruhigendster Weise ausgeschlossen. Selbstverstndlich ging dieser Abstieg mit grsster Geschwindigkeit von Statten, ich lief mehr, als ich
# S. 103
ging, und aus dem Laufen wurde gelegentlich ein
lustiges Dahinfahren, gleich als befnde ich mich auf einem Schneefelde; aber so mchtig drngte alsdann
die Masse des fliessenden Gerlles mir nach, dass ich mich immer bald genthigt sah, durch ein paar
Seitensprnge dem Gewaltbereiche des Stromes mich zu entziehen, um nicht schliesslich von ihm niedergerissen
zu werden. Das Rauschen und Prasseln der entfesselten Gesteinslasten erfllte den ganzen, so selten in seiner
tiefen Ruhe gestrten Felsencirkus. Wenn irgend je, so erwartete ich jetzt einige der Gemsen, die des
Morgens in diesen Wnden sich verloren hatten, aufgescheucht daraus wieder hervorspringen zu sehen. Aber umsonst, ausser meiner eigenen Wenigkeit und dem groen Lrmen, welches dieselbe anstellte, blieb
alles still und de.
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!subsubnode Rckkehr nach Hirschbichl
!html_name berchtesgadener_hocheis_zum_hirschbichl.html
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Am Graben wieder angelangt, welcher durch die unteren Steilstufen in den Boden des Hocheisthales mich
zurckbringen sollte, hatte ich geraume Zeit zu warten, bis der wasserfallartige Schutterguss in letzteres
nachgelassen und ich von etwa mitgefhrten grsseren Blcken keine Unzukmmlichkeiten mehr zu besorgen
hatte. Dann stieg ich die Mauertreppe hinunter in's Kar. Noch einmal zurckgewendet, grsste ich die
wieder verschwundene, richtiger gesagt, wieder unkenntlich gewordene Hocheisspitze, und grsste den
prallen Kegel, der mich irregeleitet  und so weit von meinem Ziele abgefhrt hatte; verdankte ich ihm
doch eine besonders ausfhrliche und genaue Kenntnis dieser Gruppe, einer der wenigst bekannten des
Berchtesgadener Alpengebietes.

Durch's Getrmmer des Hocheis, ber die Gras- und Buschhgel des Thales, das von seinen Felsenkmmen
eingeschlossen in lautloser Ruhe liegt, gelangte ich an den Hocheis- und Mittereis-Alpen
vorber in 2~1/2~Stunden wieder zur Zollstation und zum Wirthshause Hirschbhl. --
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!subsubnode Die Hocheisspitzgruppe im Flachland-Panorama und in der Kenntniss der alpinen Welt
!html_name berchtesgadener_hocheisspitzgruppe.html
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Es war dies der Schluss meiner Bergtouren im Berchtesgadener Lande im Somme des Jahres 1868; wenige Monate
hatten ausgereicht, mehr davon zu sehen und kennen zu lernen, als die gesammte Welt der Alpenfreunde sich
rhmen durfte davon zu wissen -- (!B)damals(!b) wenigstens, und ich glaube, trotz Alpenvereinen und
Jahrbchern in vieler Beziehung auch noch heute. Warum? Weil
# Sammelwerk S. 362
meine (!B)eigenen(!b) Augen gesehen, die (!B)eigenen(!b) Schritte mich dorthin geleitet haben, wo der
(!B)eigene(!b), berlegte Wille ihnen ihr Ziel bestimmte. (!B)Selbst ist der Mann(!b) -- auch, oder vielmehr:
(!B)vor Allem(!b), in den Bergen.

Wie zart und doch wie herrlich khn zeichnen die Linien der Berchtesgadener Alpen am blassblauen Osthimmel
der bayerischen Flachlandsaussicht sich ab!
# S. 104
Voran der (!B)Untersberg(!b), der (!B)Gll(!b) mit seiner breiten, einseitigen Schulter (!B)Hochbrett(!b), der (!B)Kahlersberg(!b); dann schneiden die stlichen (!B)Knigsseeer Berge(!b) ab, die drei
mchtigen Gebirgsstcke im Westen der Gruppe treten in ihren Rang ein. Der (!B)Watzmann(!b) mit seinen beiden
Spitzen, an die sdliche ganz nahe angedrngt, dem Unkundigen kaum wahrnehmbar, das Gipfelhorn des
(!B)Hochkalter(!b). Weiter zur Rechten noch baut ein isolirtes Bergmassiv sich auf, ein tiefgehhltes
Halbrund, von schwarzen Zacken umrandet, eine weisse, spiegelnde Flche in seinem Inneren bergend. Ein
aufflliges Object im Panorama; aber bezeichnet habe ich es noch auf keinem Panorama gefunden. Gruss euch,
unbenannte, vergessene Wchter ber den Wnden, ber den Karen und Firnen im (!B)Hocheis(!b)!
Mir seid ihr vertraut, auf euren starren Zacken habe ich den Gemsenpfad mir ausgespht, bald schaudernd
an die Wand gekrallt, ein Tritt fr jede Minute, und bald wieder vorstrmend im triumphirenden Erfolg!
Dort auf jener ussersten Zinne habe ich Abschied genommen vom grossen hehren Kranz des Berglandes,
des ersten, das ich kennen gelernt, und das ich nun kannte.

Und heim wandte ich mich von dort dem geselligen Treiben der Menschen wieder zu, in deren Kreisen so viel
von Bergen gesprochen, erzhlt wird, was Neues in ihnen gefunden worden. Und ich kehrte zurck aus
wohlbekannten Gebirgen, und doch so schwer beladen mit einer erschpfenden Kenntniss einer
ihrer Gruppen -- sollte sie nicht einem reissenden Strome gleich dorthin sich ergiessen, wo so viele
Lckenhaftigkeit, solch' grausige Leere noch zu erblicken war?
Mit der Wucht der Gerllawine, die ich von der Hocheisspitze scheidend mit mir hinuntergerissen, dachte ich
ins alpine Leben zu treten. Ja, in der That, es war so genau so, wie an der Hocheisspitze; bald war das
letzte Steinchen verprasselt. --

Die Erinnerung allein ist zurckgeblieben; und blicke ich jetzt an einem klaren Morgen die Ketten der
bayerisch-tirolischen Alpen entlang und sehe dort Spitze an Spitze gereiht, sehe sie gruppenweise
zusammengedrngt, deren Namen nie die Zunge des Touristen mit fremdartigen Lauten qulen -- dann grsse ich sie wohl aus vergangenen Jahren; mag die Welt ihrer vergessen -- auch ich habe auf ihren Huptern der Welt
vergessen, und ich zhle diese Stunden des Vergessens zu den schnsten in meinem Leben.
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!subnode VII. Das Haagen-Gebirge
!alias BerchtesgadenerHagengebirge
!html_name berchtesgadener_hagengebirge.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge
(Hierzu (!link [Vertikal] [Vertikalprofil7])- und (!link [Horizontalprofil] [Horizontalprofil7]) No.~7)

!subsubnode Eine Lcke in meiner Kenntniss der Berchtesgadener Alpen
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_luecke.html
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# Sammelwerk S. 363 // S. 105
Das Berchtesgadener Alpenland, umgrenzt von (!B)Salzach(!b) und (!B)Saalach(!b), zhlte ich nach Beendigung meiner Exkursionen des Jahres 1868 unter die Gruppen, welche mit jener Genauigkeit mir bekannt waren, die ich von alpiner Kenntniss verlangen, von der Thtigkeit des bereits bestehenden Oesterreichischen, des kurz nachher
in's Leben gerufenen Deutschen Alpen-Vereins erwarten zu drfen glaubte; eine Kenntnis, die sich auf (!B)Alles(!b) erstreckt, was in der betreffenden Gruppe von orographischer Bedeutung; eine Kenntniss, die
zwar der Ausbildung in einzelnen Details noch fhig ist, nicht aber der Hinzufgung wesentlich Neuen. --

Nicht mit vollem Rechte nahm ich eine solche Kunde des Berchtesgadener Berggebietes fr mich in Anspruch;
dort hatte ich in der That noch wesentliche Lcken gelassen; theils Zeitmangel, theils ungengende Erfahrung
im Abschtzen der Wichtigkeit einzelner Excursionsziele hatten mich verhindert, sie auszufllen.
Verwiesen hat auf diese Lcken mich Niemand als ich selbst. Mir aber waren sie in Erinnerung geblieben,
und als nach manchen Jahren unverhofft ein anderer Zweck als der meiner Erstlingstouren mich wieder in die
Alpen fhrte, als all' die Gruppen, deren zahlreiche Gipfel ich erstiegen, und zuletzt auch das Berchtesgadener
Land, von Neuem mit mir in Berhrung traten, da war der Zeitpunkt gekommen, jenem lange gefhlten Mangel
abzuhelfen.

Im Osten der Berchtesgadener Berge, hoch ber'm Knigssee, liegt noch ein Felsgebiet, in welches nur selten des Touristen Fuss hineindringt; von der Umrandungskette der Knigsseer Thalspalte, vom Schneibstein, Kahlersberg, von den Teufelshrnern aus hatte ich Blicke geworfen in die weite Wste da drauen -- ein zweites Steinernes Meer. Nur unbedeutende Gipfel erheben sich aus seiner Wogenflche; aber die Gesammterhebung des ganzen Gebirgsstockes ist eine
# S. 106
betrchtliche; und wer aus fernem Westen die Berchtesgadener Gruppe berblickt, und sieht ber die tiefe Thalung der Rth hinweg, zwischen Kahlersberg und Funtenseetauren [Funtenseetauern] ein neues Gebirge aufsteigen, flachwellig zu seinem Culminationspunkte sich zusammenbauend, der wisse, dass er in's (!B)Haagengebirge(!b) hineingesehen.
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!subsubnode Von Mitterberg nach Werfen; erwnschte Auskunft ber den Anstieg
!alias MitterbergWerfen
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_anstieg.html
!html_keywords Dientener Berge, Mitterberg, Werfen, Mandlwand, Torsule, Hirschkogel, Imlaugebirge, Grnmai-Alm, Hlle, Hllntal, Tennengebirge, Hochgschirr, Rifflkopf
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Das wankelmtige Wetter des September~1873 hatte lange mich herumgenarrt, bis es die Bergtour mir gestattete,
mit welcher ich meine diesjhrigen Wanderungen zu schliessen gedachte. Nach Westen zog ich aus, das
mchtige Felsmassiv zu umkreisen -- von Osten wollte ich zurckkehren, nachdem ich die Gipfel des
Haagengebirges besucht. (!B)Hirschbhl(!b) [Hirschbichl], die schauerliche Saalachenge zwischen (!B)Frohnwies(!b) und dem (!B)Pinzgau(!b), Saalfelden, (!B)Alm(!b) [Maria Alm], (!B)Hinterthal(!b) [Hintertal], die
# Sammelwerk S. 364
(!B)Mhlbach-Alpen(!b) besuchte ich wieder; in zusammenhngender Weglinie diesmal,
whrend vor fnf Jahren ich nur, von Gipfelhhen kommend, einzelne dieser Punkte berhrt, manche von
ihnen nur gesehen hatte. (!B)Watzmann(!b), (!B)Hochkalter(!b), (!B)(!link [Hocheisspitze] [BerchtesgadenerHocheis])(!b), das Steinerne Meer und der (!B)Hochknig(!b) auf der Uebergossenen Alp zogen wieder an meinen Augen vorbei. (!B)Sie(!b) kannte ich bereits, zu ihren Scheiteln zog mich's nicht hinauf, wre es gleich schn gewesen dort oben an jenen schnen Tagen. Dringenderes hatte ich an ihrem Fusse, an den Gehngen der Dientener Schieferberge zu schaffen. Die khnen Formen jener Kalkgebirge, dem Gedchtnisse wohl frisch lebendig noch, aus diesem aber nicht bertragbar, sollten greifbare Gestalt gewinnen, auch Anderen gegenwrtig zu werden; der dritte und der vierte Band der Notizbcher von 1873 fllte sich mit ihren (!link [Profilskizzen] [Kunstbeilagen]), von denen manche die Beschreibungen in diesem Buche illustriren.

# Hhen Mitterberg siehe AV-Karte Nr. 10/2, doch ist mir unklar, welcher Punkt hier gemeint sein knnte
Am 27.~September bernachtete ich im kleinen Wirthshause auf der Hhe des Kupferbergwerkes (!B)Mitterberg(!b) (4655' 1512~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) und wanderte am anderen Vormittage durch die sogenannte (!B)Hlle(!b) hinab nach Werfen; ein usserst genussreicher Weg mit prachtvollen Rckblicken auf's (!B)Ewige-Schneegebirge(!b) [bergossene Alm] und seine Vorlufer, die Manndelwand [Mannlwand] und Doossule [Torsule]. Auf der moorigen Hochflche der (!B)Grnmaisalpen(!b) erscheint das sdwestliche (!B)Tennengebirge(!b), ein vielgipfeliges Plateau; ich hielt es anfnglich fr das Haagengebirge und skizzirte seine Ansicht, wurde jedoch im Weitermarsche bald meines Irrtums gewahr. Im Absteigen gegen die Hlle gewahrte ich ber den bewaldeten Rcken des (!B)Hirschkopfs(!b) [Hirschkogels] und (!B)Imelaugebirges(!b) [Imlau] ein schnes, felsiges Gipfelpaar, eine
# S. 107
breite Kuppe und ein schlankeres, gegen Osten geneigtes Horn. Das war ein Stck (!B)Haagengebirge(!b) -- der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) zufolge dachte ich (!B)Hochg'schier(!b) [Hochgschirr] und (!B)Riffelkopf(!b) vor mir zu sehen, und der Befund an Ort und Stelle wies nach, dass ich mich nicht getuscht.
Um die Mittagsstunde war ich in Werfen.

!comment Imlaugebirge = sdliche Begrenzung des Blhnbachtales (mit der Ostpreuenhtte)

Wo und wie ich nun zum Haagengebirge ansteigen sollte, darber war ich noch sehr unschlssig, kannte ich in
seinem Inneren ja weder Berg noch Tal. Das Hochg'schier sollte der Keil'schen Karte zufolge der hchste Punkt auf dem Gebirgsstocke sein, und dieser an seinem Sdrande liegen. Das (!B)Blhnbachthal(!b) war sonach der hchste Talboden, welcher als Ausgangspunkt nach meinem Ziele dienen konnte, es blieb jedoch in Frage, wie es mit der Ersteigbarkeit des Plateaurandes von dort aus bestellt sei, dessen Absturz ich nach Analogie des Steinernen Meeres und Ewigen Schnees [bergossene Alm] als einen sehr steilen voraussetzen zu mssen glaubte. Mir selbst berlassen, wre ich vermuthlich nach Golling marschirt und htte des anderen Morgens die Ueberwanderung des gesamten Hochplateaus angetreten -- ein ungeheurer Umweg, welcher durch einen gnstigen Zufall mir erspart blieb. Auf der Post zu Werfen wurde mir mitgetheilt, dass der Herr Oberjger von
Blhnbach sich eben hier befinde, und von ihm erhielt ich bereitwilligsten und genauesten Aufschluss.

Er rieth mir an, im Jagdschlosse Blhnbach zu bernachten und von dort aus zum Hochg'schier anzusteigen.
Der Wege vom Sden her auf's Haagengebirge gebe es genug und einer davon fhre hart am Hochg'schier vorbei
und nach Golling hinunter; fr meine Kenntniss des Haagengebirges wrde diess der frderlichste sein.
Auf meine Frage, ob das
# Sammelwerk S. 365
Hochg'schier in der That der hchste Punkt des Haagengebirges sei, konnte ich jedoch keinen gengenden
Bescheid erhalten; der Herr Oberjger meinte, es seien alle diese Kuppen ziemlich gleichhoch, und
gleichgltig, welche davon man besteige.
!comment im Original "gleichgiltig" (offensichtlich Druckfehler?!)
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!subsubnode Das Blhnbachthal und sein Gebirgshintergrund
!alias Bluehnbachtal
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_bluehnbachtal.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Hochknig, Blhnbachtal, Imlaugebirge, Tanntalkpfe, Hochgschirr, Marterlkopf, Torscharte, Reihorn, Langeck, Langegg, Alpriedelhorn, Neuhtter, Mauerscharte, Wildtorkopf, Schlokopf, Blhnbachtrl, Teufelshrner, Teufelshorn
# Stichworte: dito
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Ich nahm Nachmittags 2~Uhr meinen Marsch wieder auf, der erhaltenen Anweisung zufolge in's
(!B)Blhnbachthal(!b) hinein. Auch diesen Winkel des Berchtesgadener Landes hatte ich zwar schon frher
gesehen, nicht aber betreten. 20~Minuten weit leitete mich noch die Poststrasse, ber den Hgel, auf
dessen Scheitel die Burg Werfen thront, ehedem ein Schlssel des oberen Salzachthals.
Tief unten in der Schlucht des rauschenden Bergstroms, so einsam und verlassen sonst, herrschte rege,
lebendige Thtigkeit: Berge werden dort abgetragen, Berge an anderen Stellen wieder aufgefhrt. Bald
# S. 108
wird der schrille Pfiff der Lokomotive von diesen Felsenwnden wiedergellen und eine Schienenstrasse mehr die
Alpenfreunde aus Ebene mit Zauberschlag in's Herz der Gebirge versetzen(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) (!link [{] [Sammelwerk1926])Im Jahre 1873 begann der Bau der Salzburg-Tiroler, oder Gisela-Bahn.}
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Bei dem Eisenwerke (!B)Sulzau(!b) [Tenneck] biegt ein schlechter Fahrweg links von der Landstrasse ab und zieht
alsbald ziemlich steil in die Hhe; an mehreren Gehften vorber leitet er von der Wiesenterrasse in Hochwald
ein, die Sohle des (!B)Blhnbachthales(!b), vom schumenden Bache erfllt und eingenommen, bleibt tief zur Linken; zu
wiederholten Malen kreuzt der Weg Lichtungen des Waldgehnges und begegnet auf ihnen vereinzelten Husern.
Die Gebirgsansicht trgt wenig bei, die Eintnigkeit dieser Wanderung zu mindern. Vom rechtsseitigen
Haagengebirge erblickt man nichts, als die untersten Waldbschungen und Gerllschtten, zur Linken begleitet
das Thal der geradlinige Kamm des (!B)Imelaugebirges(!b) [Imelau], den Ewigen Schnee [bergossene Alm] hinter sich verbergend.
Nach nahezu zweistndigem Marsche erst ffnet sich der Thalhintergrund -- und in ihm erhlt die Landschaft
einen Rahmen von seltener Schnheit und Grsse. Vom Ewigen Schneegebirge [Hochknig], dessen Scheitel sich
noch immer verborgen hlt, herunter ziehen dichtbuschige, breite Bergkegel in's Thal hinein, rechts ragen die
Felsabstrze der (!B)Tannthalkpfe(!b) und das (!B)Hochg'schier(!b) [Hochgschirr] herein. Zwischen beiden spannt sich das Gipfelpanorama des (!B)Wildalm(!b)- und (!B)Rthgebietes(!b). Der Doppelzacken des (!B)Marterl(!b) -- ber dessen Hhe der Uebergang nach der Urschlauer Scharte [Torscharte], nach Hinterthal im Dientener Gebiete fhrt; rechts davon das spitz erhobene Reisshorn, -- der gedehnte Rcken des (!B)Langeck(!b), von schneegefleckten Trmmerkaren umlagert; das breit dreieckige (!B)Alpriedelhorn(!b)
und der noch flacher gestreckte Rcken, von welchem der (!B)Neuhtter(!b) in die Rth hinein sich abzweigt;
zwischen beiden die (!B)Mauerscharte(!b) oder das (!B)Grosse Wildtor(!b). Noch weiter gegen Norden der schrofige Hcker des (!B)Schlosskpfels(!b), das (!B)Blhnbachthrl(!b) -- der Pass nach dem Ober- und Knigssee -- und endlich ein prachtvolles, ungleiches Spitzenpaar, drohend dem, der seinen Scheiteln sich naht, herzerhebend fr jene, der auf ihnen bereits gestanden. Und ich kenne sie wohl, die (!B)Teufelshrner(!b)!
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!subsubnode Das Jagdschloss Blhnbach. Passwege aus dem Blhnbachthal
!alias Bluehnbachschloss
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_bluehnbachschloss.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hochknig, Hagengebirge, Blhnbachtal, Blhnbachschlo, Jagdschlo Blhnbach
# Stichworte: dito
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Nur 20~Minuten spter, als dieses Aussichtsbild sich erffnet, langt der Wanderer am
Jagdschlosse (!B)(!www [Blhnbach] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-17273|260184|0])(!b) (2483' 806~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) an; ein gewaltig grosses Gebude, wie man in der Einsamkeit der Berge wohl schwerlich ein solches erwartet. Eigenthum des sterreichischen Staats(!link [rars] [Glossar_Aerar]), steht es
# S. 109
schon seit vielen
# Sammelwerk S. 366
Jahren in Pacht einer groen Jagdgesellschaft meist sterreichischer Frsten und
Cavaliere; auf den Ewigen Schnee [bergossene Alm], ber die Wildalm und das Steinerne Meer und ber das
Haagengebirge bis an die bayerische Grenze, an die Blntau [Bluntau] und die Salzach erstrecken sich deren
wildreiche Reviere, von einem zahlreichen Jagdpersonale beaufsichtigt; sechs Jger hausen allein in
Blhnbach, ihre kleinen Wohngebude umlagern das Schloss. Ueber die steinerne Treppe des nrdlichen
Schlossthores eintretend, sieht der Besucher sich in einer endlos weiten Halle, viel Hunderte von Hirsch- und
Gemsgeweihen, alten und neuen Datums, zieren die Wnde. In den Ecken lehnen himmellange Bergstcke,
gegen welcher der meine, von immerhin nicht zu verachtender Grsse, ebenso zwerghaft erschien, wie die in
Nordtirol und auch im Algu blichen armseligen Stumpen gegen ihn. --

# Cabinete (mit einfachem t): sic!
Von der Frau Oberjgerin, die hier eine vortreffliche Wirthschaft fhrt, geleitet, besichtigte ich die
verschiedenen Cabinete der Jagdherren, zuletzt auch den prchtig eingerichteten Speisesaal in der
nordwestlichen Ecke des Schlosses, Alles im reinsten Waidmannsstyle und doch luxuris und comfortable
zugleich.

Der Tourist findet im Blhnbachschlosse stets gastliche Aufnahme und vortreffliche Unterkunft. Die Lage
dieses alpinen (!I)point de repaire(!i) gibt ihm Gelegenheit zu den verschiedenartigsten und bedeutendsten
Hochtouren; nach der (!B)Urschlau(!b) [Urslau] wie nach dem (!B)Steinernen Meere(!b), nach der (!B)Rth(!b) und dem (!B)Knigssee(!b), wie nach dem (!B)Blntau(!b)- und (!B)Salzachthale(!b) knnen dieselben zielen -- der (!B)Ewige Schnee(!b) [bergossene Alm] -- die (!B)Teufelshrner(!b) -- die Gipfel des (!B)Haagengebirges(!b) sind von hier aus zugnglich. Die Plateauhhe des letzteren ist in zwei
Stunden vom Schlosse aus bereits erreicht, auf die Psse im westlichen Hintergrunde des Thales jedoch
werden 4-5, auf die Urschlauer Scharte [Torscharte] sogar 6~Stunden gerechnet. 1~1/2-2~Stunden davon entfallen jeweils auf den Thalmarsch, welcher bis zum wirklichen Abschlusse des Thales -- wo unter den Wnden des Sailerkopfs [Hochseiler] am Ewigen Schnee der de Dennboden [Tennboden] sich weitet -- noch lnger sich dehnt, als man dem ersten Anblicke nach vermuthen mchte. --

Nachdem ich die Abendhelle noch zur Skizzirung des Thalhintergrundes verwendet, erfreute ich mich an
einer Schssel blaugesottener Forellen aus dem frischen Blhnbache und begab mich bei Zeiten zur Ruhe;
vorher hatte die Frau Oberjgerin mir noch mitgetheilt, dass ich meinen morgigen Aufstieg zum Haagengebirge
in Begleitung eines Jgers
# S. 110
antreten knne, der gleichzeitig nach seinem Posten auf dem Gebirge abgehe; es war mir dies ganz erwnscht, bei meinem voraussichtlich nur kurzen Aufenthalte auf dem grossen Hochplateau konnten die Ortsangaben eines der Gegend Kundigen mir von grossem Nutzen sein. -- Was es mit dieser Begleitung eigentlich fr eine Bewandtnis hatte, das sollte ich freilich erst spter in Erfahrung bringen.

In der Nacht erhob sich ein Sturm -- nicht allein drben in der Schenkstube, wo der verflossene Sonntag
einige Wirkung usserte -- sondern, was mich nher berhrte, auch draussen in der Natur. Wolken flogen ber
die Teufelshrner herein, und als der Morgen dmmerte, da war der Himmel grau und schwer hingen die Nebel in den Bergen. In der Thalschlucht des Blhnbaches erschienen hier und dort graue Dunstbnke, wie hingezaubert an den
# Sammelwerk S. 367
Wald und ebenso pltzlich wieder verschwunden; ein fast untrgliches Anzeichen baldigen Regens.
Kupferroth schimmerten die Wolkenrnder im Osten, und ber das Tennengebirge herber warf die Morgensonne
blassgelbe, von hufigen Schatten unterbrochene Strahlen.

Der Abmarsch wurde unter solchen Verhltnissen natrlich nicht beschleunigt, ich dachte sogar daran,
unmittelbar nach Werfen zurckzukehren -- verdriesslich genug, zumal der gestrige Abend auch nicht die Spur
eines Verdachtes bezglich der Witterung hatte erwecken knnen. Bei allzu weit vorgerckter Jahreszeit
war es jedoch voraussichtlich die letzte Gelegenheit, das Haagengebirge zu besuchen und mehr auf den
Herbst und seine Wetterbestndigkeit als auf die gnstigen Prophezeiungen der Einheimischen Blhnbachs
mein Vertrauen setzend, beschloss ich, den Anstieg dennoch zu wagen -- auf die Gefahr hin, nach wenig
Stunden durchnsst und unverrichteter Dinge wieder in's Thal zurckzukehren.
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!subsubnode Der Jgerposten auf dem Haagengebirge
!alias BluehnbacherJaeger
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_jaegerposten.html
!html_keywords Wilderer
# nicht verstichwortet
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Der Jger, der mich begleiten sollte, hatte sich zeitig eingestellt. (!I)Johann Bauer(!i) war sein Name,
sein Geburtsland Berchtesgaden; hoch und krftig seine Statur, so recht geeigenschaftet, der Gemse auf
ihrem Wechsel zu folgen ebensowohl, als nthigenfalls im Handgemenge mit dem Wildschtzen zu bestehen.
Den Bergsack hatte er schwer bepackt mit Proviant -- Mehl, Schmalz, etwas gedrrtes Fleisch und Brod fr
eine ganze Woche. Droben auf den einsamen Felshgeln steht ein Jgerhttchen, ein nie verlassener
Wachtposten; abwechselnd wird er von den Blhnbacher Jgern bezogen, jeder je eine Woche. Am Montag Morgens
zieht der Jger, den die Reihe trifft, dort auf -- am nchsten Sonntag erst kehrt er zurck.

Die Zeit ber streift er auf dem Haagengebirge
# S. 111
umher, oder sitzt sphend auf einem aussichtsreichen Punkte. Er
beobachtet mit dem Fernrohre die Gemsen, die rudelweise auf ihren beliebten, ihm wohlbekannten Weidepltzen
sich sen oder im Schatten der Wnde vor den heissen Sonnenstrahlen sich bergen. Wehe, wenn unter ihnen
verdchtige Unruhen, aufgestrte Flucht sich bemerkbar macht, oder gar, wenn der Frevel frevelhaftester, wenn
ein Schuss durch die Felsenwsten hallt! -- dann geht's dahin im Sprung und Lauf, dorthin, wo die Gemsenflucht den Ort, den Gang des Wilderers und seine Richtung ihm anzeigt, dorthin, wo er den gewohnten Pa der "Lumpen"
kennt, hinter der Klippe geborgen der arglos Nahenden lauert und pltzlich vorspringend mit
gespannter Doppelbchse ein schreckliches (!B)Halt(!b) ihm entgegendonnert. Und gelingt es ihm nicht, sie
hinunterzuliefern in's Thal zur gesetzlichen Bestrafung, so sprengt er sie doch unter Verlust des geschossenen
Wildes, der Bchsen und Stcke hinab ber die Wnde -- einem anderen Jger vielleicht entgegen -- denn
der Schuss macht jedesmal das ganze Revier und seine Angrenzungen lebendig.
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!subsubnode Mit einem Blhnbacher Jger durch das Hundskar auf die Gebirgshhe
!alias Hundskaranstieg
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_hundskar.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Hundskar, Kirchstein, Hochgschirr, Klammkopf, Klobner Kopf, Hochknig, bergossene Alm, Eibleck, Tenneck, Hochseiler, Torscharte, Marterlkopf, Reihorn, Langeck, Langegg, Hundsschdl, Hundsschdel
# vgl. Buch S. 52, Funote **)
!alias Hagengebirge_Uebergangsbemerkungen
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Um 6~Uhr 30~Minuten Morgens des 29.~September verliessen wir beide das Schloss Blhnbach, gen Norden ansteigend. Am nahen Wildfutterstadel vorbei leitet uns ein gewundener Jagdweg durch den Wald aufwrts. Nach einer Viertelstunde traten wir auf eine Lichtung aus und befanden uns im untersten Boden des (!B)Hundskars(!b).
Steil hebt sich sein Hintergrund in felsdurchbrochenen Krummholzgehngen; darber breiten Schutthalden sich
hin, und noch hher schneidet ihr Rand geradlinig ab. Dort liegt das Hochplateau.
# Sammelwerk S. 368
Ein thurmartiger Zacken fusst oben auf dem Gehnge; der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) bezeichnete ihn mir als den (!B)Kirchstein(!b); nebenan steckte Alles im Nebel, doch riss hier und dort der Schleier und stckweise wurden die Gegenstnde der Hhe uns sichtbar. Links vom Kirchenstein zeigte sich eine grne Thalung, von felsigen Kpfen umrandet: das (!B)Tannthal(!b) und die (!B)Tannthalkpfe(!b). Rechts brach zuweilen eine starre, breitscheitelige Klippe durch die Wolken, -- der (!B)Klammkopf(!b), der sdlichste Vorposten des Hochg'schierstockes.

In unserem Rcken entfaltete sich das mchtige Gebirge des Ewigen Schnees [bergossene Alm], und entstand nach (!B)dieser(!b) Richtung hin eine Wolkenlcke, so fllte sie blendendes Weiss. Die Zinnen der Manndelwand [Manndlwand] kmpften sich dort zuweilen aus dem Nebeldampf, Alpeck [Eibleck] und Denneck [Tenneck], die Vorlufer des gletschertragenden Hochplateaus spreizen sich in's Blhnbachthal herein, zwischen beiden die tiefe Thalung des (!B)Wasserkars(!b). Etwas
# S. 112
zurckgeschoben erhebt sich wandsteil der westlichste Pfeiler des Ewigen Schnees, der Sailerkopf [Hochseiler], rechts von ihm die Urschlauer Scharte [Torscharte], Marterl, Reisshorn, Langeck, die Hundsschdel. ber diese schneeigen Kare kam ich (!link [vor fnf Jahren] [UrschlauerScharte]) mit dem Schafhirten vom Funtensee gezogen, der in den Wnden der Uebergossenen Alp so schn mich in die Irre fhrte(!^)*(!^^)). Mein heutiger Fhrer besttigte mir die Mglichkeit eines direkten berganges von der Urschlauer Scharte [Torscharte] auf den Ewigen Schnee, erklrte denselben auch fr gar nicht sonderlich schwierig, sofern man die gangbare Linie genau kenne. Als das Gewlk sich mehr und mehr lichtete und hob, zeigte er mir auch genau die Stelle, an welcher das Haupthinderniss, die nordstliche Eckkante des Sailerkopfes [Hochseiler], berschritten wird; sie liegt im Verhltnisse zur anfnglichen Querlinie ziemlich hoch. Mein Schafhirt war im Gegentheile, als die Schwierigkeiten sich mehrten, immer tiefer gegangen; so musste er natrlich zuletzt stecken bleiben

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(!^)*(!^^)) Vgl. das (!link [4.~Kapitel] [UrschlauerScharte]).
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Mit Beginn des Niederholzes trat unser Weg erst deutlich in breiterer Anlage hervor. Die Steile des
Thalbodens vermeidend -- (es fhrt ein schlechter Pfad auch mitten durchs Hundskar an dessen Ostseite
hinauf) -- zieht er eine weite Serpentine nach der rechten Seite hinber und schlngelt sich einen
kahl abgetriebenen Berghang hinauf. In ziemlich betrchtlicher Hhe bereits tritt er in Hochwald ein,
beschreibt hier lange, bermssig flache und daher zeitraubende Windungen und nhert sich stellenweise einer
tiefen Felsschlucht zur Rechten, in welcher des Klammkopfs unterste Strebepfeiler fussen. Die Hhe links
zeigt bereits ziemlich nahe die Gerllfelder am Fue des Hochg'schiers [Hochgschirr].

Eine starke Stunde nach Beginn unseres Anstiegs hatten wir das Ende des Reitweges erreicht. Ein guter
Fusspfad trat an dessen Stelle, die Steigung wurde strker und wir kamen rascher in hhere Regionen. Bald
fand sich nur mehr Krummholz in unserer Umgebung. Der Steig bog links ein, dem Hundskar sich wieder
nhernd, und hart an den Mauern hin, welche seine Nordostseite umsumen, stellenweise knstlich angelegt,
leitete er den Schuttfeldern der hochgelegenen Mulde entgegen. Steile, felsige Grben durchfurchen das
Gehnge und sammeln sich in der Mittelschlucht des Hundskars. Nachdem noch eine lngere, steinige
Grasbschung erstiegen worden, wandten wir uns vllig links in die Quere, kreuzten einige plattige
Trockenrunsen, 8~Uhr 30~Minuten rasteten wir unter einem
# S. 113
# Sammelwerk S. 369
grossen Steinblock, nahe am Hhenrande des Gebirges. Die Witterungsaussichten gestalteten sich immer gnstiger,
die drohenden Wolken lsten lichter und lichter sich auf, nicht selten liessen sie bereits ein Stck
blauen Himmels hindurchblicken. Die Kuppen des Hochg'schier traten allmhlig frei aus dem Nebel hervor,
und auf ihren Felskanten zeigte sich bald die zierlichen Gestalten der Gemsen. Nicht ferne von unserem
Ruhepunkte sehen wir ein zottiges Murmeltier behaglich vor dem Baue sitzen -- es freute sich der langen
Dauer der warmen Jahreszeit, und gedachte sicherlich mit philosophischer Verachtung seiner Genossen, die,
altvterischer Gewohnheit gedankenlos nachkommend, bereits in den Winterschlaf sich eingelullt hatten.
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!subsubnode Enttuschung bezglich des Gebirgscharakters
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_gebirgscharakter.html
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Nach kurzem Aufenthalte setzten wir die Wanderung fort, zunchst nach dem Jgerhttchen an der Hochwiese,
dem Zielpunkte meines Begleiters. Ich selbst entfernte mich dabei allerdings von meinem nchsten Ziele,
dem Hochg'schier [Hochgschirr], nach welchem ich den Anstieg alsbald htte beginnen knnen. Doch hatte ich von einem solchen Umwege einen mehrfachen Vortheil: erstlich erhielt ich am Jgerhttchen Wasser, das ich vom Blhnbachschloss mitzunehmen versumt hatte, im Hundskar nicht mehr erhielt und auf der trockenen Wste des Hochplateaus noch weniger erwarten durfte. Ausserdem meinte der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]), er wolle, wenn er nur erst seinen schweren Proviant abgeladen, mit mir auf's Hochg'schier gehen, da ihm doch nichts darauf ankomme, seinen Jagdgang in diese oder jene Gegend zu machen. Auch damit war ich gerne einverstanden, sowohl mit Rcksicht auf die Lokalangaben, die ich von ihm erwarten durfte, als auf den Charakter der Witterung, welche vielleicht doch nicht hinreichend sich klren mochte, um auf dem Hochplateau, das ich als vllig Unbekannter betrat, eine sichere Orientirung zu gewinnen. Endlich gedachte auch ich einen Theil meiner Brde im Jgerhttchen zurckzulassen, denn meinen ursprnglichen Plan, nach Golling zu wandern, hatte ich aufgegeben. Fand ich ein geeignetes Nachtquartier auf der Hhe des Gebirges, wie die Wohnung des Jgers mir es bot, so konnte ich meine Rckwanderung nach Berchtesgaden statt durch die Blntau [Bluntau] und ber das Torrener Joch weit vortheilhafter ber das Haagengebirge selbst nehmen, welches ich auf solcher Kreuzlinie weit genauer kennen lernte als mit blosser Streifung seines Randes.

Nach einer halben Viertelstunde war die Hhe erreicht, welche bisher den Norden unseren Blicken verborgen
gehalten
# S. 114
hatte. Wre klarer Himmel gewesen,
# Sammelwerk S. 370
so htte ich erwartet, die zackige (!link [Gll] [BerchtesgadenerGoell])-Kette dort aufsteigen zu sehen -- aber bei den massenhaft umherziehenden Nebeln war davon keine Rede. Um so mehr war ich berrascht, bei Betreten des Hhenrandes in der That abgetrenntes Gebirge vor uns zu erblicken, -- mein Begleiter belehrte mich darber, dass wir dort die (!B)Hirschwiese(!b) [Hochwies] vor uns htten. Diess, fgte er bei, sei der gnstigste Aussichtspunkt fr das ganze Haagengebirge. --
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!subsubnode Durch den Tiefenbach zum Jgerhttchen auf der Hirschwiese; Ausblick auf dem Lengthalthrl
!alias JaegerhuettchenAussicht
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_jaegerhuettchen.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Tiefenbach, Schnbichl-Almen, Hochgschirr, Bitzkogel, Bitzkogl, Hochwies, Rofeld, Paradeiskpfe, Stangenkopf, Tanntalkpfe, Schneibstein, Reinersberg, Fagstein, Lengtaltrl, Hochwiessattel, Lengtalschneid, Blhnbachkopf, Sulzenkarhh, Teufelshrner, Teufelshorn
# Stichworter: dito
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Durch ein mssig breites Thal von hgeligem, durchspaltenen Boden -- so recht der Charakter der Hochplateaus
der stlichen Kalkalpen -- schritten wir gegen Norden vor. Wir befanden uns im "(!B)(!www [Tiefenbach] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=0|-17172|262568|0])(!b)" -- eine sehr pseudonyme Bezeicnung -- nicht ein Tropfen Wasser lsst sich ersphen. Rechts stand uns das Hochg'schier [Hochgschirr], links ein mchtiger Gebirgsstock, in Nebel halb versteckt, und meine Frage nach seiner Benennung erhielt wieder die Antwort: "Die Tannthalkpfe". Seine nordstliche Ecke spreizt sich als breiter massiver Kegel vor; der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) nannte ihn mir als den (!B)Pilzkogel(!b) [Bitzkogel], und darin begegnete ich zum erstenmale einer Bezeichnung im stlichen Haagengebirge, die aus der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) mir bekannt war. --

Unser Weg fhrte die Hgelanschwellungen dies Tiefenbachthales hinan und drehte sich allmhlich nach der
linken Seite. Rechts in der Tiefe erschien neuerdings ein grner Grund, auf ihm ein paar Alphtten: die
(!B)Schnbichelalpen(!b). Mit dem allmhligem Zurckweichen des Hochg'schierstockes zeigten sich weitere,
flachwellige Gipfelmassen -- die (!B)Oberschottwiese(!b) mit ihren mehrfachen Kpfen. Vor uns im Norden war die
Hirschwiese [Hochwies] vllig frei hervorgetreten, ebenfalls ein isolirtes Massiv; auf seinem breiten
Scheitel zeigt sich eine Signalstange und ein Kreuz, die Stelle bezeichnend, an welcher von Jahren ein
Schafhirte vom Blitze erschlagen wurde. Meine Erwartungen vom Haagengebirge waren grndlich getuscht.
Eine felsige Hochflche, dem Steinernen Meere vergleichbar, hatte ich zu finden geglaubt, und erkannte in
ihm ein Agglomerat vereinzelter, ziemlich selbstndig erhobener Gebirgsstcke.

Wir stiegen in's Thal hinab, das von den Schnbichelalpen ziemlich stark gegen den Westen sich hebt.
Die Hirschwiese war auf unserer rechten Seite, das Tannthalgebirge, zunchst der "Pilzkogel" auf unsere
linke getreten; der Pfad fhrte am Saume eines ebenen, flachen Beckens dahin, offenbar ein altes Seebecken.
Man nennt es die "(!B)Pitzen(!b)"(!^)*(!^^)); weiter
# S. 115
westwrts schnrt das Thal sich wieder zusammen und
hebt sich in zerspaltenen Plattenhgeln zu einer neuen Terrasse. Wir standen unmittelbar am Nordfusse der
Tannthalkpfe, nahe dem westlichen Abfalle der Hirschwiese [Hochwies]; ein ausgesprochener Bergrcken
zieht sich von dort weiter gegen West. In sdwestlicher Richtung setzt das Thal als ziemlich breiter Boden
sich fort; dorthin verlief nun auch die Hauptpfadspur, wir bogen rechts ab nach der Hhe des Bergrckens,
wo ein grosses, aus Steinblcken aufgerichtetes Signal die Lage des (!B)(!www [Jgerhttchens] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-17995|264171|0])(!b) uns anzeigte.
Nach etwas steilem, aber kurzen Aufsteigen, zuletzt durch eine enge Felsspalte, war der Scheitel erreicht,
das kleine Holzhuschen, verborgen in einer Mulde und nur aus unmittelbarer Nhe seiner Umgebung
sichtbar, stand vor uns (9~Uhr 30~Minuten).

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(!^)*(!^^)) Es wre wohl mglich, dass der "Pilzkogel", fr welchen ich die Schreibart der
(!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) adoptiert habe, seinen Namen von diesem Kessel herleitete und
recte "(!B)Pitzenkogel(!b)" genannt werden sollte. Der Jger vermochte mir darber keinen bestimmten Aufschluss zu geben.
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Gleichzeitig hatte im Norden und Westen der Ausblick sich geffnet. -- Welche Weiten! -- jetzt erst ermass ich die ganze Ausdehnung des Berggebietes, in welches
# Sammelwerk S. 371
ich noch keinen Fuss gesetzt hatte -- eine schwere Lcke meiner Kenntniss der Alpengruppe "zwischen Salzach
und Saalach" -- einer Gebirgskenntniss wenigstens, wie (!B)ich(!b) sie verlangte. Die (!link [Gllkette] [BerchtesgadenerGoell]), kaum durch einige Zacken verrathen, lag noch im Nebel; nher aber als sie, ein flachgezogener Dreiecksgipfel -- links davon eine Doppelwelle und weiter links noch ein krummer, gedehnter Rcken. Alte Bekannte! (!B)Schneibstein(!b), (!B)Reinersberg(!b) und (!B)Fagstein(!b) -- und dort im Westen zeigt sich auch, noch halb in Wolken, eine schne Pyramide, der (!B)Kahlersberg(!b), zwischen den Seelein, dem Landthal und dem Brensunk. -- Gegen Sdwesten zieht sich das Thal, aus dem wir emporgestiegen, als grner Boden fort, das (!B)Rossfeld(!b) genannt. Hoch thrmen sich die Felsmassen an seinem Saume. Gegenber dem Jgerhttchen im Sden der mchtige (!B)Tannthalstock(!b), ein kahles Haupt in seiner
Mitte, welches man fr den Gipfel halten mchte -- doch ist dieser nicht sichtbar und liegt viel weiter zurck.
Rechts des Thales die (!B)Stangenkpfe(!b), die (!B)Paradeiskpfe(!b), und mitten in der Hochflche, bereits wieder nahe dem Kahlersberg, das flachgezogene, abgestumpfte Dreieck der (!B)Lengthalschneid(!b); im sdwestlichen Abschlusse des Tals die geradlinig abgeschnittenen Rcken des (!B)Blhnbachkopfes(!b) und der (!B)Sulzenkarhh'(!b), jenseits deren die (!B)Eisgrben(!b) und die (!B)Rth(!b) liegen. Und ber ihre Scheitel
# S. 116
steigt wieder, und wieder in viel weiterer Ferne als geahnt, ein Bekannter empor: dort erhebt seinen schlanken Bau das (!B)Grosse Teufelshorn(!b), der Wchter des Blhnbachthals.
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!subsubnode Kartographie
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_kartographie.html
# !html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Tanntal, Bitzkogel, Bitzkogl, Paradeiskpfe, Rokogel, Hochwies, Lengtaltrl
# keine Stichwrter
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Hier bereits begannen die kartographischen Bedenken. Die sonst so vortreffliche und genaue
(!link [Keil'sche Karte] [KeilscheKarte])
hatte augenscheinlich ebenfalls unter der unwirtlichen Oede des Gebietes sowie unter der Verworrenheit
seiner Struktur zu leiden. Auch will ich mich durchaus nicht vermessen, nach anderhalbtgigem flchtigen
Besuche des Haagengebirges als Correktor dieses mit so viel Mhen und Sorgfalt ausgefhrten Kartenwerkes
aufzutreten, zumal im stlichen Theile des Gebietes, wo starke Nebelverhllung die Genauigkeit meiner
Beobachtungen sehr in Frage stellen mchte. Ich werde im Folgenden lediglich auf jene Punkte hinweisen,
welche in der Keil'schen Karte mir zweifelhaft und einer Verbesserung bedrftig erscheinen. --

In erster Linie zhlt hierher das vllige Fehlen des Namens (!B)Tannthal(!b), des bedeutendsten, wie wir in der
Folge sehen werden, im ganzen Haagengebirge. Von diesem Gebirgsstocke ist lediglich der "Pilzkogel"
[Bitzkogel] verzeichnet, und dieser steht jedenfalls zu weit nrdlich; der Paradieskogel [Paradeiskpfe],
der jenseits des Rossfelds dem Tannthalgebirge (!B)gegenbersteht(!b), erschiene jenen Angaben zufolge als
(!B)sdlich(!b), im Tannthalgebirge (!B)selbst(!b) gelegen. Auch sollte der Name Paradieskogel meiner Meinung nach weiter westlich stehen. Die beiden unbekannten Gipfelpunkte in der scharfen sd-nrdlichen Umbiegung der Lengthalschneid sind augenscheinlich nichts Anderes als die Hirschwiese [Hochwies]; die angezeigte Scharte westlich davon ist jene, an welcher das Jgerhttchen steht und wurde mir von dem
(!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) als das (!B)Lengthalthrl(!b) bezeichnet (auf der Keil'schen Karte "Groer Umgang").

Der nmliche Gewhrsmann widersprach meiner auf die Keil'sche Karte gesttzten Anschauung, dass es von hier
nordwrts in's Vorderschlumthal hinabgehe, auf's Entschiedenste und bezeichnete mir dieses Thal als das
(!B)Hintere Lengthal(!b), whrend ihm zufolge beide Schlumthler erst weiter westlich
# Sammelwerk S. 372
folgen sollten. Das Rossfeld endlich, von der Keil'schen Karte weit im Westen, bei der Brenwies,
angegeben, gehrte in nhere sdwestliche Nachbarschaft des Lengthalthrls, und zwar (!B)zwischen(!b) den Namen
Paradieskogel und den Sdrand des ganzen Haagengebirges (hier der Tannthalstock).
So viel ber diesen Punkt.
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!subsubnode Auf das Hochg'schier; totaler Nebel
!alias Hochgschirr
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_hochgschirr.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Hochgschirr, Klammkopf, Klobner Kopf, Rifflkopf, Hochschottwies, Hochwies
# Stichworte: dito
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Ich gehe zur Beschreibung unserer Wanderungen im stlichen Haagengebirge
ber. Hier glaubte ich den Culminationspunkt suchen zu mssen, da die bedeutendste von der
(!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) angegebene Hhe mit 6951' 2258~m. sich auf das
"Grossg'schierhorn" bezog. Kannte auch der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger])
ein solches nicht, sondern nur ein "Hochg'schier" [Hochgschirr], so war an der Identitt beider doch kaum zu zweifeln, zumal im Sdosten, ber dem Tiefenbache, sich der Nebel hob und mir dort einen stattlichen Gipfel in Gestalt einer flach eingesattelten Doppelwelle zeigte. Um 10~Uhr 15~Minuten verliessen der Jger und ich gemeinsam das Httchen und gingen den alten Weg zurck nach dem Tiefenbachthale; die Schnbichelalpe blieb, wie vorher, zu unserer Linken. Wir berschritten diesmal die Sinke und standen (10~Uhr 45~Minuten) am Fue des
Hochg'schier.

Mehrere Steige kreuzten sich an seinem mit kurzem Krummholze bewachsenen Flanken; wir achteten nicht viel
darauf, sondern stiegen in krzester Linie zur nrdlichen Schulter des Berges empor. Mit grossen,
stufenfrmig bereinander gelegenen Rasenpckchen bewachsener Boden machte sogar an steilen Orten den
Anstieg sicher und bequem. Ich erkannte in ihm alsbald den Charakter des Gefelses wieder, wie er auf
meinen Erstlingstouren mir entgegengetreten war, diese frhesten Versuche so erfolgreich gemacht, mit so
starkem Selbstvertrauen fr schwierige Unternehmungen micht beseelt hatte. Zwischen jenen ersten
Bergwanderungen und meinem Besuche des Haagengebirges lagen die Schrofen und Lahnen des Algu -- die Platten
des Karwendel -- die brchigen Mauerfirste des Wettersteingebirges -- die wandumpanzerten Colosse der
Mieminger Kette. Und ich beschloss den grossen Kreislauf, wo vor fnf Jahren ich ihn begonnen, auf dem
gleichen Boden, den meine ersten Tritte in unbekannten Regionen unter sich gefhlt.

Nach 20~Minuten bereits hatten wir die Bergschulter erreicht, eine kleine Schuttsinke mndet auf eine
breite, flache Scheitelwelle aus, jenseits senkt sich das Gehnge. Wohin, das war nicht zu sehen. Das
Gewlk hatte sich wieder dichter zusammengezogen und legte sich schwer ber die Berghupter. "Dort die
Riffel [Rifflkopf] -- dort die Oberschottwiese [Hochschottwies] -- hier unten das Dotter Mannd'l --
noch weiter unten die Schnbichelalpe -- da drben die Hirschwiese [Hochwies]", sagte mein Fhrer -- aber
Alles war grau, nur etliche fnfzig Schritte steiniger Grasboden, in die ungewisse Trbe sich hineinziehend,
war erkennbar. Wir stiegen in sdlicher Richtung aufwrts, erreichten nach 10~Minuten den ersten Gipfelkopf,
kreuzten eine sehr flache Mulde und standen 11~Uhr 20~Minuten beim  Signal (!B)(!www [Hochg'schier] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-16513|262552|0])(!b) (6951' 2258~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Hochgschirr, 2254~m].
# 2254 m lt. Karte Landesvermessungsamt, 2255 m lt. AV-Karte Hagengebirge

# S. 118
Schwarzes Gewlk qualmte ringsum aus den Kesseln empor; kaum dass wir zuweilen den vor uns liegenden
(!B)Klammkopf(!b) erkennen konnten, dessen ebener, grasbewachsener Scheitel sich noch 200-300~Schritte weit
gegen Sden vorstreckt. Auch er trgt ein Signal; da er jedoch entschieden niedriger ist als das
Hochgschirr, so verzichtete ich auf seinen Besuch.

Dagegen brachte ich alsbaldigen Abmarsch nach einem anderen Gipfel in Vorschlag; einmal hatte die
schwarze Klippe der Riffel [Rifflkopf] durch die Nebel geblickt; sie schien gleich hoch mit unserem
Standpunkte, eine genauere Beobachtung mittels (!link [Klinometer] [Glossar_Klinometer])visur ergab nur einen
geringen Ausschlag zu Gunsten des letzteren. Die Zeit, bis es dem Nebelmeer gefallen wrde, sich zu heben,
konnten wir fglich zur Hinberwanderung benutzen.
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!subsubnode Ueber die Thalung des Dottermanndl auf den Riffelkopf; eine unvermuthete Wegschranke
!alias Rifflkopf
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_rifflkopf.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Saurucken, Hochschottwies, Rifflkopf
# Stichworte: dito
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11~Uhr 40~Minuten setzen wir uns wieder in Marsch und stiegen in nordstlicher Richtung ein mssig steiles,
begrastes Felsgehnge hinunter. Im Sattelboden erst, welchen wir nach einiger Zeit erreichten, trafen wir
mehr kahles Gestein und arg zerspaltene und ausgewaschene Platten, flachwellige Hgelgruppen zusammensetzend.
Wir befanden uns in einer neuen, den Rand durchbrechenden Thalung; gegen Norden strzt sie ziemlich steil
zum Thale der Schnbichelalpe ab, gegen Sden gabelt sie in zwei zum Blhnbachthale ausmndende Einschnitte.
Durch beide fhren gangbare Wege; der sie trennende, gegen Sden rasch abbrechende Felskamm heit
Saurucken. Im Westen schrnkt dieses Thal der Klammkopf und das Hochg'schier [Hochgschirr] ein, im Osten die weit vorspringende (!B)Riffel(!b) [Rifflkopf], welche in die Oberschottwieskpfe sich fortsetzt.

Eine Schrofenmasse zeichnete verschwommen aus dem Nebel sich heraus; ich glaubte am Fue der Riffel zu
stehen, doch befanden wir uns erst am Saurucken, und eine neue Thaltiefe ffnete sich vor unseren
Schritten. Bald waren wir einer grossen, in einen Steinsockel eingefgten Signalstange angelangt,
welche mir mein Begleiter als das "(!B)Dottermanndl(!b)" bezeichnete. Orientirte ich mich richtig, was
bei der argen Nebelverhllung allerdings nicht ber jeden Zweifel erhaben ist, so steht das Signal da,
wo die Terrainwellen -- von denen die eine den Fuss des Hochg'schier [Hochgschirr] mit jenem der Riffel verbindet, die andere den Ursprung des Sauruckens im welligen Plateauboden bezeichnet -- sich kreuzen. Gewiss ist, dass dieses Signal den hchsten Punkt jenes Steiges bezeichnet, welcher durch den sdstlichen Arm der
Thalung,
# S. 119
die sogenannte (!B)Lengthalgrub'(!b) [Langgrube], aus dem Blhnbachthale herauf und zur Schnbichelalpe hinunter fhrt. -- Es ist diess ein sehr gebruchlicher Weg der Hirten; auch jetzt sahen wir einen mit schwer beladener Kraxe von Sden heraufkommen.

Unser Weg fhrte uns in nordstlicher Richtung weiter, ber zerhackten Plattenboden, dann ging's wieder
aufwrts. Das Gewlk fing neuerdings an sich zu heben und zu hellen, wir erkannten zu unserer Linken die
regelmig geformten Kegelgipfel der Oberschottwiesenkpfe [Hochschottwies], zur Rechten die Riffel [Rifflkopf].
Den Scheitel ihres ziemlich lange gestreckten Rckens deckt eine ebene Wiese; der
(!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) theilte mir jedoch
mit, dass wir vor Betreten des Gipfels noch unerwartet einen kleinen Strauss zu bestehen haben wrden.
So war es auch in der That: als wir bis gegen das Sdende des Rckens vorgedrungen waren und die Signalstange
auf dem Gipfel bereits mit den Hnden zu fassen vermeinten, klaffte urpltzlich vor unseren Fssen die
Erde auf und ein tiefer, schroffer Spalt trennte uns vom nahen Ziele. Indessen war das Hindernis, wenngleich
berraschend genug, doch nicht unberwindlich. Hinunter in den Spalt ging es ziemlich bequem und eine
kurze Umgehung des Gipfels nach der Ostseite ber steilen, doch
# Sammelwerk S. 374
gut gestuften Fels brachte uns schnell wieder auf den Grasboden. 12~Uhr 30~Minuten betraten wir den Signalpunkt
der (!B)Riffel(!b) [(!www [Rifflkopf] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-15307|263062|0])] 6936' 2253~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte]) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2254~m].

Noch immer zogen die Nebel umher, und was eine gelegentliche Hebung ihrer Massen vom Haagengebirge sehen
lie, das war ein formloses Gewirre von Bergrcken und flachen Gipfelkuppen; der dicke Dampf, der sie
voneinander trennte, verrieth das Vorhandensein tiefer Thalungen zwischen ihnen. Zu beiden Seiten hatten
wir den nahen Steilabsturz: sdwestlich in die Lengthalgrub [Langgrube], nordstlich in ein weites, tiefes Kar, von der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) als (!B)Bergalmgraben(!b) bezeichnet. Zwischen beiden senkt die Fortsetzung unseres Gipfels als scharfzackige, in tieferer Zone gegen Osten gewendete, Rippe sich hinunter.
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!subsubnode Pltzlicher Ausblick; Salzach- und Gasteiner Thal
!alias Rifflkopfausblick
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_rifflkopf-ausblick.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Rifflkopf, Hochgschirr, Hochschottwies, Salzachtal, Pa Lueg, Werfen, Tristkopf, Wasserstein, Wassersteinkopf
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Das Nebelwetter, welches vom Jgerhttchen bis auf diesen zweiten Gipfelscheitel uns geleitet hatte, war
hoffnunggebend und rgerlich zugleich; denn so schwarz und schwer auch die Wolken zogen, handelte es sich
doch keineswegs um Regen, -- die seltenen Aufrisse zeigten uns in geringer Ferne sonnenbeleuchtete Berge
und heiteren blauen Himmel. Nur von unserem Haagengebirge wollte die Dunstmasse, die sich nchtlicherweise
nun einmal dort festgesetzt hatte, nicht wanken noch weichen. Auch auf der Riffel [Rifflkopf] sahen wir
lngere
# S. 120
Zeit hindurch nicht viel mehr als die nchste Felsumgebung -- zuweilen das Hochg'schier [Hochgschirr] und im Norden den hchsten der Schottwiesenkpfe, welcher sich als hher erwies, als unser eigener Standpunkt und als gleich hoch mit dem Hochg'schier. Der Besuch dieses dritten Gipfels war damit beschlossen und ich war schon bereit, sofort wieder aufzubrechen und die Aussichtshoffnungen auf jenen letzten Culminationspunkt zu bauen, als mit wunderbarer Pltzlichkeit die Riffel selbst das lang Ersehnte bot. Im ppigsten Grn lag zu unserer Fssen das Salzachthal, aus der Enge des Pass Lueg, wo der Bahnbau seine weissen Schuttbnder am Gebirgsfusse hinzieht, windet es sich heraus in die fruchtbare Ebene von Werfen; weit gegen Sden dringt der Blick, ber
Bischofshofen und St.~Johann hinein in's Gasteinerthal, wo die dunklen Vorgebirge der Tauren [Tauern] sich erheben, der Ankogl und Hohenaar ihre Firnen ausbreiten. Im Osten des gewaltige Tennengebirge, eine wogende Felsenwste, der unseren gleich; im Sdwesten die meilenweite Schneeflche der Uebergossenen Alp.

Das Kar, das im Nordosten zu unseren Fssen lag, zeigte sich nun umgrnzt von hohen, prallen Felsmauern,
in spitzen Ecken gegen den Pass Lueg vorspringend; andererseits spreizt ein auffllig erhobener, gen Nordwesten
fast senkrecht abstrzender Felsgipfel weit in's Hochplateau sich hinein -- es ist der (!B)Tristkopf(!b) (6480' 2105~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2110~m], ebenfalls in der Randkette des Haagengebirges gelegen. Die Namen (!B)Brunnkarwand(!b) und (!B)Pfeiferkogl(!b), welche einzelnen Erhebungen dieser Randkette der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) nach zukommen, waren meinem Begleiter bekannt, von einem
(!B)Wasserstein(!b), der in nchster Nhe der Riffel die verhltnismig betrchtliche Hhe von 6923' 2249~m. (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Wassersteinkopf, 2223~m] erreichen sollte, wusste er jedoch Nichts. Hier waren unsere einzig bedeutenden Nachbarn offenbar die Oberschottwiesenkpfe [Hochschottwies] und diesen steuerten wir nach 3/4-stndigem Aufenthalt auf der Riffel entgegen.
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!subsubnode Auf den Oberschottwiesenkopf. Panoramenzeichnung, Entdeckung des wahren Culminationspunktes im Haagengebirge
!alias Hochschottwies
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_hochschottwies.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Hochschottwies, Tanntalkpfe
# Stichworte: dito
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# Sammelwerk S. 375
Wir bersetzten wieder die Kluft und verfolgten den Bergscheitel bis zur Stelle seiner tiefsten
Einsattelung. Flach hebt er sich von dort wieder zur Oberschottwiese, auf welcher er in mehrere
einzelne Kpfe sich theilt. Die Thalung des Dottermanndl's war uns zur Linken geblieben; ein niedriger
Rcken begrenzt eine Terrassenstufe westlich unterhalb der Oberschottwiese und verdeckt dem Auge das
noch weit tiefer liegende Tal der Schnbichelalpe. Wir gingen bald auf dem Bergscheitel, bald an den
Abhngen der Felsenhgel hin; einmal querten wir die Bschung eines ziemlichen tiefen, nach allen
# S. 121
Seiten rund geschlossenen Kessels -- nichts Seltenes in diesen Kalksteinplateaus, deren siebartige Zertheilung und Durchlcherung beinahe den Vergleich mit einer Mondlandschaft aufdrngt. Eine halbe Stunde nach Verlassen
der Riffel bereits, um 1~Uhr 45~Minuten, hatten wir den hchsten der (!B)Oberschottwiesenkpfe(!b) (ca. 6950' 2258~(!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])(!www [Hochschottwies] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-15758|263948|0]), 2270~m] erreicht und befanden uns damit wieder auf dem Randgrate. Die Wolken begannen nun vorzugsweise im Westen sich zu heben, whrend es im Salzach- und Blntauthale [Bluntau] wieder dampfte.

!comment Hemiorama: steht weder im Brockhaus noch im Fremdwrterduden.
!comment Hemi... = halb (in Zusammensetzungen) - also offenbar ein Halb- (oder Teil-)Panorama.

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(!^)*(!^^)) Ueber die Abweichung dieser Angabe von der (!link [Keil] [KeilscheKarte])'schen siehe weiter unten.
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Um doch nicht ganz resultatlos von dieser Tour heimzukehren, machte ich mich an die Aufnahme eines
Hemioramas des Haagengebirges, bei der steten Nebelunterbrechung eine mhsame und langwierige, auch
keineswegs auf das Beste gelungene Arbeit, in welcher manche Gipfelgestalt nur hypothetischer Weise ihren
Platz ausfllt. Die (!link [Gllkette] [BerchtesgadenerGoell]), deren sdliches Profil eine Hauptnothwendigkeit fr mich bildete, blieb allem Hinwarten zum Trotz in ihrem Nebelmantel.

(!B)Ein(!b) Moment jedoch war es, welchen ich whrend dieses Abpassens und dieser (!I)steeple-chase(!i)-artigen
Panoramaaufnahme glcklich erhaschte und welcher fr den schliesslichen Erfolg meiner Haagengebirgstour
von wesentlichster Bedeutung sein sollte. Die Gipfelkuppen, auf denen ich heute herumgestiegen war,
gehrten weder dem Centrum noch der culminierenden Gruppe des Haagengebirges an: weit draussen im Westen
breitete erst das Hochplateau sich aus, es war wohl dort ein (!B)Steinernes Meer(!b), wie ich vom Haagengebirge es erwartet hatte, und im Sdwesten hatte jetzt der Tannthalstock sich frei gemacht und aus dem Gewirre seiner Kuppen und Hgel sah (!B)ein(!b) welliges Haupt ganz besonders hoch heraus.

(!B)Das(!b) entsprach meiner Erinnerung, die an ferne Aussichtsbilder sich knpfte, (!B)das(!b) war jener
hchste Punkt im Sdrande des Haagengebirges, auf den ich zu kommen wnschte! Allzusehr bereuen jedoch
mochte ich den Fehlgang von heute nicht; die nebelige Witterung wre dem Besuch der hheren Tannthalkpfe
noch ungnstiger gewesen, als dem der heutigen Ziele, und der Charakter der stlichen Partieen
des Haagengebirges ist von dem des centralen Plateaus ein so grndlich verschiedener, dass er wohl
eines Tagesmarsches, ihn kennen zu lernen, werth gewesen. Ich sprach aber sofort den Entschluss aus, des
anderen Morgens jenem hheren Punkte einen Besuch abzustatten und liess es noch unentschieden, ob ich dann
in nordstlicher Richtung
# S. 122
nach Golling oder in nordwestlicher, mitten durch das Haagengebirge, nach
Berchtesgaden meinen Weg nehmen wrde.
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!subsubnode Bedenken des Jgers
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_bedenken.html
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Der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) begann die mannigfachsten Bedenken gegen dieses Project zu ussern;
er meinte, wenn ich auf den hchsten Punkt des Haagengebirges gehen
# Sammelwerk S. 376
wollte, so mte ich diesen in der Lengthalschneid', mitten im Hochplateau suchen; ich bezweifelte dieses,
jedenfalls konnte es nur dazu beitragen, den Ausschlag fr die Wahl eines Rckweges nach Berchtesgaden
zu geben. Dann brachte er wieder vor, auf den Tannthalkpfen wre ich auch noch nicht auf dem hchsten
Gipfel des Sdrandes, es kme dann das Raucheck, der Blhnbachkopf und das Teufelshorn -- alle hher.
Fr das letztere, welches dem Haagengebirge nicht mehr angehrt, wusste ich dies ganz genau. Fr
zwischenliegende Gipfel bestritt ich es entschieden und brachte mit dem Hinweise darauf, dass wir solche
alsdann (!B)ber(!b) dem Tannthalstocke sehen mten, den Jger auch zur Erkenntniss seines Irrthums.

Ueber lngeres Hin- und Herreden verlief die Zeit, der Nebel fiel wieder an, ich war froh, wenigstens ein
halbleidliches Profil des Haagengebirges fertig gebracht zu haben.
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!subsubnode Abstieg in's Thal der Schnbichelalpe. Notizen ber den Weg nach Golling.
!alias HochschottwiesAbstieg
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_schoenbichelabstieg.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Hochschottwies, Wasserstein, Wassersteinkopf, Tristkopf, Filling-Alm, Anger-Alm, Kratz-Alm
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3~Uhr 20~Minunten verliessen wir den Oberschottwiesenkopf [Hochschottwies] in nrdlicher Richtung. Wir wollten auf verndertem Wege zur Schnbichelalp absteigen; in gerader Linie ging dies der abstrzenden Wnde wegen nicht an; wir mussten die Thalung zwischen der Randkette und dem Stocke der Hirschwiese [Hochwies], welch letztere uns stets im Westen begleitete, an tieferer, nrdlicher gelegener Stelle zu gewinnen trachten. Wir
berschritten mehrere niedrige Kuppen, und entfernten uns allmhlig vom Rande des Gebirges. Seichte,
gerundete Gruben und Mulden lagen uns zur Rechten und Linken; in letzterer Richtung zeigten sich hufig weit
hinunterziehende Graspltze, doch ist auf diesen der Thalboden nicht vllig zu erreichen. Hier, in diesem
Hgelwerke, heit eine Stelle "(!B)Am Wasserstein(!b)"; dies ist jedoch durchaus kein hervorragender
Gipfelpunkt.

Der kahlen Felspyramide des (!B)Tristkopfes(!b) waren wir, indem unser Weg sich immer mehr gegen Nordosten kehrte, bereits ziemlich nahe gekommen, ein einziger Krummholzrcken noch trennte uns vom (!B)Tristkar(!b) an
seinem westlichen Fusse. Der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) belehrte mich noch darber, dass ich, im Falle mein Rckweg nach Golling gehe, von diesem Kar aus zum Sdostgrat des Tristkopfes anzusteigen, (!B)nicht(!b), wie der natrliche Anschein es vermuthen liesse, sein Massiv am Nordfusse zu umgehen habe. Da, wie bereits erwhnt, der Tristkopf einen einspringenden Winkel im Rande des Gebirges bildet, so gelangt man dadurch auf
# S. 123
die Seite des Pass~Lueg, tritt jedoch (wahrscheinlich durch die Thorscharten [Hochtor], 5412' 1758~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte])) bald wieder auf die Westseite ber und erreicht ber die (!B)Fielinger-, Rennanger-, Hllriegel- und Kratzeralp(!b) [Filling-, Anger-, Hllriedl-, Kratz-Alm] das Ufer der Salzach
unfern Golling.
!comment lt. AV-Karte: Rennanger-, Grazalm

Wir wandten uns links und stiegen ber reissigen, nordwrts von niedrigen Felsmauern geschlossenen Boden
ziemlich steil hinab. Zuletzt kamen wir auf einen etwas engstufigen Plattenabsatz, jedoch von unbedeutender
Hhe. Um 4~Uhr betraten wir die buschigen Hgel am Fusse der Gipfelkuppen, die man gemeinsam als den
Oberschottwiesenstock bezeichnen knnte. Die Thalsohle lag noch etwas tiefer im Westen; ein schmaler
Pfad fhrte uns am buschigen Gehnge quer dahin und mndete, nachdem er noch eine schmale Stelle unter
einem Wandabsatze passiert hatte, in den Thalgrund ein. Dieser hebt sich in mssiger Steigung, gelegentlich
kleine Felsstufen bildend, gegen Sdwesten;
# Sammelwerk S. 377
zur Linken zeigten sich nun die Wnde am Fue der Schottwiese, die einen geraden Abstieg von dort nicht
erlaubt hatten. Ob ein solcher wirklich unmglich, msste indess doch ein Experiment lehren; das Gestein des
Haagengebirges ist steilem Steigen etwas gnstiger, als die griesigen Platten des Wetterstein- und
Karwendel-Gebirges.
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!subsubnode Die Schnbichelalp; ein Probestckchen Salzburger Alpwirthschaft
!alias SchoenbichlalmBemerkungen
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_schoenbichelalm.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Schnbichl-Alm
# Stichworte: dito
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4~Uhr 15~Minuten erreichten wir die niedrige Htte der (!B)Schnbichelalpe(!b), wo wir kurze Zeit rasteten
und uns erfrischten. Ich erstaunte nicht wenig, diese hochgelegenen Alpen zu so spter Jahreszeit [28.9.1873] noch bezogen zu finden. Das Milchertrgnis mag gering genug ausfallen, wenn das Weidevieh nur abgedorrtes
Gras erhlt, die langen, eisigkalten Nchte im Freien zubringen muss! Aber was fragt der Salzburger Aelpler
nach Milchproduction! wenn nur das Vieh den Sommer -- und einen mglichst (!B)langen(!b) Sommer -- ber umsonst
frisst und er von dem Vieh umsonst lebt, dann ist er mit dem Nutzen seines Berggutes zufrieden. Was wrde
der Alguer sagen zu einem Melkvieh, das Ende September noch auf der Hochalpe steht!

Das Thal erweitert an der Schnbichelalpe sich bedeutend und biegt in vllig westliche Richtung um. Im Sden
erhebt sich das Massiv des Hochg'schier [Hochgschirr]; rechts davon, zwischen ihm und dem Tannthalstock, liegt die Einsattelung des Tiefenbachs, links die des Dottermanndl's. Steile Gehnge heben sich gegen letzteres hinan, doch fhrt ein guter Pfad an ihnen empor zur Passhhe. Beladene Leute kamen eben von dort herunter in's
Alpenthal und ihre Jauchzer hallten am Hochg'schier und
# S. 124
an den Wnden der Hirschwiese [Hochwies] wieder.
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!subsubnode Zurck zum Jgerhttchen. Gnstige Witterungsaspekten.
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_witterung.html
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Wir verliessen um 5~Uhr die Alphtte und wanderten dem Jgerhttchen zu. Der Pfad zieht am Fusse der
Hirschwiese [Hochwies] hin durch einige trocken liegende Thalbecken und erreicht endlich wieder die "Pitzen",
die Terrasse am Eingange des Rossfeldes und, 3/4~Stunden von Schnbichel entfernt, das Lengthalthrl,
wo das Huschen steht.

Je tiefer die Sonne am Horizonte hinabsank, um so lichter wurden die Nebel, bald schimmerten die Berggipfel
und der blaue Himmel durch die Schleier. Es war im hchsten Grade wahrscheinlich, dass die Klte der Nacht
die ganze Hlle zerstreuen und ein schner Morgen meine Beharrlichkeit lohnen wrde.
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!subsubnode Plne auf's Tannthalgebirge. Neue Bedenken und schliesslicher Protest des Jgers: das Tannthal ist gebanntes Revier
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_tanntalplaene.html
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Ich deliberierte viel ber meine Plne auf's Tannthal, welche Linie ich nach dem Gipfel hin wohl am besten
einschlagen wrde, und wo dieser wohl sich befinden mge; denn das ganze Gebirge hatte wieder zu einem
unentwirrbaren Klumpen sich zusammengeschoben. Je mehr ich davon sprach, um so einsilbiger wurde der
(!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]); er wiederholte nur stets, gewiss zu wissen, dass die Lengthalschneid
der hchste Punkt sei, und meinte weiter, dass ich den Gll, von dem ja eine Zeichnung mir nothwendig sei,
vom Tannthal aus, der vorlagernden Hirschwiese [Hochwies] wegen, nicht wrde sehen knnen.

Ich begann bereits zu vermuthen, dass ihm an der Tannthalersteigung berhaupt Etwas nicht recht sei, und wirklich, als wir oben am Httchen angelangt
waren und ich mit berzeugendster Beredsamkeit ihm begreiflich zu machen versuchte, dass Ersteigung des
Culminationspunktes das erste Erforderniss alpiner Wanderungen sei, da platzte es heraus: "Auf's Tannthal
knne ich nun einmal nicht gehen, das sei (!B)gehegtes Gamsrevier(!b)!" -- --
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!subsubnode Tannthal -- Hinterauthal
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_tanntal.html
!html_keywords Hinterautal, Roloch
# nicht verstichwortet
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# Sammelwerk S. 378
Das war also des Pudels Kern! Wieder einmal ein Jagdbann auf freiem Gebirge -- im Berchtesgadener Alpenland
ein zweites Hinterauthal. Einen Unterschied freilich zwischen beiden anzuerkennen, konnte ich nicht umhin;
es handelte sich hier um eine Absperrung weit geringerem Umfanges, als dort an den Quellen der Isar;
nach Analogie des (!I)Frsten Hohenlohe(!i) msste die Jagdgesellschaft Blhnbach das ganze hintere Blhnbachthal absperren und am Jagdschlosse jeden Wanderer zurckweisen(!^)*(!^^)).

Aber unglcklicherweise liegt eben der (!B)Gipfel(!b) des Gebirges in jenem kleinerem Umkreis. --

Auch berief sich der (!link [Blhnbacher Jger] [BluehnbacherJaeger]) in seiner entschiedenen Weigerung auf seine Instruktion und die Verpflichtung seines Dienstes -- nicht auf die Gewalt seiner Bchse -- ebenfalls ein bemerkenswerther Abstand gegen die Gepflogenheit im (!I)frstlich Hohenloheschen Revier(!i). Eine mir ertheilte Erlaubniss seines
# S. 125
vorgesetzten Oberjgers zum Besuche der Tannthalgebirge wre vermutlich nicht auf die Hinterauthaler Erwiderung gestossen: "Sie gehen mir (!B)doch(!b) nicht hinein". --

Unser gegenseitiges Verhltniss war infolge dessen ein wesentlich anderes,
als jenes, wie es im Hinterauthale sich gestaltet hatte. Ich musste dem Jger unumwunden einrumen, dass er den
gegebenen Verhltnissen zufolge wohl nicht anders handeln knne; machte ihn jedoch auf die Unbilligkeit
derartiger Vorschriften sowie darauf aufmerksam, dass die Schrift und ihre Oeffentlichkeit Wege biete, den
Erlassern solcher Willkrgesetze grssere Verdriesslichkeiten zu bereiten, als ein versprengtes Rudel Gemsen;
-- und dass ich schlielich, wenn nicht in (!B)diesem(!b) Jahre, so doch in einem (!B)nchsten(!b) meinen Weg auf's Tannthal eben so gut finden wrde, wie ich in's (!B)Rossloch(!b) meine Wege gehen kann, ohne nach Frst noch Jger zu fragen. Nur etwas befremden werde es die Welt, wenn man zu Zwecken, wie (!B)ich(!b) sie verfolge, den Deckmantel der Nacht aufsuchen, -- die Pfade des Wilddiebes wandeln msse. --

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(!^)*(!^^)) (!link [{] [Sammelwerk1926])Dies ist tatschlich eingetreten, als der (1914 ermordete) sterreichische Thronfolger
Erzherzog Ferdinand Jagdherr in Blhnbach war. Das ganze Tal und die bergnge ber das Blhnbachtrl, die
Mauerscharte und die Torscharte wurden fr die ffentlichkeit im allgemeinen und den einzelnen Touristen
im besonderen das ganze Jahr hindurch vllig abgesperrt. Man errichtete sogar beim Blhnbachschlo eine
Gendarmerie-Station, um die von den Gebirgen Herniedersteigenden oder vom Salzachtal Hereinkommenden
abzufangen und aus dem Tale hinauszuweisen. Wiewohl auf Max Zellers lebhafte Anregungen hin der
D.u..A.V., insbesondere die Sektion Salzburg, und verschiedenste Fremdenverkehrsvereine sich fr eine
nderung der Verhltnisse einsetzten, wurde vor dem Kriege so gut wie nichts erreicht.
Unter dem heutigen Jagdherrn, Krupp v. Bohlen-Halbach, erwachsen dem Bergsteiger und Wanderer keine
Schwierigkeiten mehr. -- Der Barth'sche Vergleich im Hagengebirge mit jenen im Hinterauthale wird den
Lesern verstndlicher nach Lektre der betreffenden Karwendel-Aufstze, insbesondere des Kapitels
"Im Roloch".}
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!subsubnode Neue Debatte; specieller Vermittelungsvorschlag vom Jger proponirt, von mir acceptiert
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_vermittlung1.html
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Wir discutirten lngere Zeit auf diesem Felde; der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) zeigte sich meinen
Ausfhrungen zugnglicher, als ich zu hoffen gewagt; und endlich sagte er treuherzig "Sie kommen jetzt so weit her und sollen unverrichteter Sache fortgehen mssen; ich will Ihnen wohl ein Zugestndniss machen, wenn Sie mir auch eines machen. Wir gehen morgen geradenwegs und so ruhig als mglich auf den hchsten Tannthalkopf, und auf dem nmlichen Weg wieder herunter; aber auf allen Kpfen herumlaufen, wie heute, drfen Sie mir nicht!" -- Eingeschlagen! --

Das nenne ich eine vernnftige Proposition. Gegenseitige Rcksicht, wo die Interessen sich begegnen, ist auf der ganzen Welt, ist berall im Leben erforderlich, warum nicht auf den Hhen der Alpengipfel? Wo ein berwiegendes Interesse des einen Theiles besteht, sollte ein untergeordnetes Interesse des anderen Theiles weichen; lge das gehegte Revier des Blhnbacher Jagdgebietes in der Brwies, im Wildalpl und ber die Grauen Kpfe [Kragenkpfe] hin, so wre es nur billig, dass der Tourist diese fr ihn wenig bedeutsame Gegend miede, andere als die sie durchkreuzenden Pfade ber das Haagengebirge einschlge(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) Ein ganz analoger Fall findet an der Nordseite des Ewigen-Schnee-Gebirges [bergossene Alm] statt:
Der geradeste Aufstieg nach dem Firnfelde und dem Hochknig ginge durch die Thalung des (!B)Wasserkars(!b),
zwischen Alpeck [Eibleck] und Denneck [Tenneck] hinauf; diess ist ebenfalls gehegtes Revier. Man kann jedoch
ebensowohl mit stlicher Umgehung zur Alpecks zum Ziele gelangen. Es wre sicher unbillig von den
Alpenwanderern, eine Erffnung des Weges durch's Wasserkar zu fordern oder diesen Weg -- soferne es
unbeachtet gelingen wrde -- zu gehen.
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!subsubnode Allgemeiner Vermittlungsvorschlag von mir proponirt, -- ob nun acceptiert von der Jagdgesellschaft...
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_vermittlung2.html
!subsubheading Allgemeiner Vermittlungsvorschlag von mir proponirt, -- ob nun acceptiert von der Jagdgesellschaft Blhnbach, muss die Zukunft lehren
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Nun aber der
# S. 126
Gipfel des ganzen Gebirges just im gehegten Reviere liegt, ist es auch billig, dass die Jagdherren
von Blhnbach wenigstens (!B)einen(!b) Weg dorthin dem Alpenwanderer erffnen. ber die Wahl dieses Weges,
zunchst mit Bercksichtigung der Jagdinteressen -- denn der Tannthalstock ist von Norden
# Sammelwerk S. 379
und Osten her fast berall zugnglich, -- (!B)werde(!b) ich in der Folge Gelegenheit haben, mich auszusprechen.

Ich darf vielleicht hoffen, dass die Jagdgesellschaft Blhnbach dem vorgeschlagenen Pacte beitritt und ihr
Jagdpersonal dementsprechend instruirt. (!B)Gegenseitige(!b) Rcksicht, ich wiederhole es, ist nothwendig in allen Fllen (!B)entgegenstehender(!b) Interessen. Nicht des Jgers, nicht des Bergsteigers (!B)Eigenthum(!b) ist das Gebirge. In seiner freien Natur sucht ein Jeder seine reinsten Freuden, seine hchsten, edelsten Ziele. Und wo der (!B)Mensch(!b) genug des Kampfes mit den Elementen hat, da sollten (!B)Menschen(!b) sich vertragen. --
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!subsubnode Nachtlager im Jgerhttchen. Morgenarbeit
!alias Hochwies-Jaegerhuettchen
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_nachtlager_morgenarbeit.html
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Bald nachdem der Abendschmarrn verzehrt war, streckten wir uns auf's Strohlager. Der Tages ber bewlkte
Himmel hatte sich geklrt, die Sterne funkelten ber den Bergen, bald auch stieg der Mond herauf und
bleicher Schein ergoss sich ber die Felsenhgel. Ich lag neben dem kleinen, kaum einen Quadratfuss messenden
Fensterchen und blickte nicht selten hinaus, nach den Aspekten des Wetters zu sphen.

Bis nach Mitternacht blieb es hell und rein, gegen Morgen aber wurde es trbe, der Mond barg sich hinter den Wolken und nur ein ungewisser Schimmer verrieth noch seine Anwesenheit. Als wir um 5~Uhr uns erhoben und vor die Htte traten, da war der ganze Himmel grau, die Berggipfel jedoch noch frei. Auch die Gllkette im Norden, die wir gestern nie zu sehen bekommen, zeichnete scharf ihre bleifarbenen Zacken vom Firmamente ab. Ich befrchtete das Schlimmste; um wenigstens (!B)einen(!b) Zweck meiner Haagengebirgstour in Erfllung zu bringen, stieg ich rasch ein Stck weit gegen die Hirschwiese [Hochwies] an, bis der ganze Gllgrat vom Hochbrett bis zum Freieck frei vor mir stand, und nahm sein (!link [Profil] [Vertikalprofil3]) auf.

Es war bitter kalt und kaum vermochten die starren Finger den Stift gehrig zu fhren. Whrend ich an der Arbeit war, ging die Sonne auf, die vergoldeten Wolkenrnder verriethen ihre Ankunft. Das Erscheinen des Tageslichtes brachte rasch einen Wechsel in die Himmelsscenerie und einen Wechsel der gnstigsten Art. Nicht jene momentanen Hellen, jene blauen
# S. 127
Schimmer waren es, welche der Sonnenaufgang an geballtes Gewlke malt, um es wenige Minuten darauf noch schwrzer und schwerer erscheinen zu lassen als vordem; -- nein, es war wirklich loses, gebrochenes Wolkengekrusel, das so trb und regendrohend im Dmmerschein sich ausgenommen hatte. Im fernen West, ber dem Teufelshorn und den Felsrcken der Wildalm, ber dem Kahlersberg und Watzmann lag bereits klares Himmelsblau und immer breiter und zahlreicher wurden die Lcken am Horizont wie im Zenith.

Nachdem ich meine Skizze beendet, kehrte ich zum Jgerhttchen zurck und traf meinen Schlafgenossen
bereits mit Zurichtung des Frhstcks beschftigt; auch ihn hatte der pltzliche Umschlag des Wetters nicht
wenig berrascht, und er freute sich gleich mir dem Besuch des Grossen Tannthalkopfes, den er selbst noch
gar nicht betreten. Denn mit Ausnahme der Treibjagden, welche nur alle zwei Jahre stattfinden, gehen auch
die Jger nicht in's gehegte Revier -- es sei denn, dass sie eine unbefugte Strung darin wahrnhmen.
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!subsubnode Auf das Tannthal -- ein Plateau im Plateau
!alias Tanntalanstieg
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_tannthalplateau.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Tanntalkpfe, Bitzkogel, Bitzkogl
# Stichworte: dito
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Breit steht im Sden der Tannthalstock dem Jgerhttchen gegenber. Dasjenige Becken seiner Hochflche,
in welches zunchst der Blick fllt, ist vom
# Sammelwerk S. 380
Pilzkogel [Bitzkogel] und von einem breitkpfigen Auslufer der Tannthalkpfe westlich des ersteren umfangen. Einen flachgezogenen, felsigen Hcker, ziemlich genau in der Mitte des ganzen sichtbaren Stockes, betrachteten wir beide als den wahrscheinlich hchsten Punkt.

Um 8~Uhr 40~Minuten verliessen wir das Httchen, zunchst ber das Felsengehnge zum Rossfeld absteigend; wir
kreuzten den mit kurzem Krummholze bewachsenen Hgelboden und begannen den Anstieg an's Tannthalgebirge.

Die erste Viertelstunde ging steil ber grasigen Fels; der Frost der Nacht machte sich an den schattigen
Pltzen fhlbar, der Rasenboden war steinhart, das Gestein von dnnen Eiskrusten berglast. Mit
Erreichung der ersten Hhengrenze breitete eine sanftgehobene, wellige Flche sich vor uns hin, links
stand der Pilzkogel mit seinen Nebenkpfen, deren Scheitel eine grne Wiesenflche bekleidet,
rechts ein flachgerundeter Bergrcken. Den Kopf, welchem wir zusteuerten, bekamen wir bald wieder in Sicht;
er zeigte noch immer keine Rivalen.
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!subsubnode Ein Gemsenpark
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_gemsenpark.html
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Wir gingen leise, fast stumm, die Bergstcke mglichst sparsam gebrauchend; man htte uns selber fr
Wildschtzen halten mgen. Auf allen Hgeln, auf allen Graten wurde es lebendig; die flchtigen Gazellen der
Alpenwelt kamen aus ihren Schlupfwinkeln hervor, bald standen sie,
# S. 128
sphend nach dem unerwarteten Besuche, bald jagten sie windschnell ber die Felsen dahin. Mehr als (!B)einen(!b) feisten, schwarzen Einsiedler beguckte der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) mit dem Fernglase und bemerkte mit leiser Stimme: "Das wr' ein guter Bock!"

In der Hhe des Kars wurde der Boden im Allgemeinen immer flacher, seine Zerspaltung und Durchlcherung
in kleinen Detail immer schrfer, verworrener. Riesige Plattentafeln dehnen sich dort in die Breite, mit
ihren gezahnten, unterwaschenen Rndern ber einander greifend, hier zu tiefem Rundkessel einsinkend,
dort eine schwarze Spalte
# Sammelwerk S. 381
zwischen sich lassend. Mit aufmerksamer Sphe bestimmten wir unseren Weg voraus, wo die Kessel zu umgehen,
die Schrnde am besten zu bersetzen sein mchten; und doch sahen wir uns mitunter vor einem unerwarteten
Hindernisse; auf hartem Felsen gehend fanden wir auf dem Tannthal alle Einzelheiten einer Gletscherwanderung.

Und welch ein Revier fr die Gemsen! Mitten im meilenweiten Plateau des Haagengebirges steht dieser Stock,
selbst ein stundenlanges Hochplateau auf seinem Scheitel tragend, abgeschlossen, isolirt nach allen Seiten.
Dort oben findet das Alpenwild Alles, wonach sein Herz begehrt; flache, sonnige Weiden und Tummelpltze,
grasreiche Bschungen, der Mittagssonne zugewendet, welche hier die Schneedecke rasch zu schmelzen, den
nhrenden Boden blosszulegen vermag, whrend ringsum Alles unter Eis erstarrt; luftige Grate und Bergkuppen,
verborgene, windgeschtzte Grfte, in den Plattenspalten und Hhlen im heissesten Sommer noch ein Restchen
erfrischenden Schnees; Deckung vor dem Sonnenbrand im khlen Schatten berhngender Mauern, Wrmung bei
kaltem Wetter an den Gehngen strahlenspiegelnder Felstafeln. Was ihre Genossen in anderen Alpenrevieren
auf stundenweiten Wegen, hohe Gebirgskmme tagtglich bersteigend, sich aufsuchen mssen, das finden die
glcklichen Gemsen des Tannthalstockes auf einem Raume von wenigen hundert Schritten beisammen.
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!subsubnode Tuschung bezglich der Lage des Gipfels
!alias Tanntalgipfelerreichung
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_gipfeltaeuschung.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Tanntalkpfe
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Dem Fusse des Kopfes, den wir zu ersteigen gedachten, waren wir bereits vllig nahe gekommen, in fnf Minuten
konnten wir am Ziele sein; ein  Seitenblick auf den Pilzkogel [Bitzkogel], der noch immer eine ansehnliche
Ueberhhung behauptete, liess mich vermuthen, dass dieses Ziel das rechte nicht sein werde. Wir hielten uns
daher, statt gerade anzusteigen, lngs seiner Ostflanke und sahen alsbald in einiger Entfernung eine
hhere Kuppe auftauchen mit einer bereits sehr windschief stehenden Signalstange; ein niedrigerer Rcken
verbindet sie mit jener, die wir bisher fr den Gipfel gehalten hatten.
# S. 129
Kaum aber hatten wir diesen Scheitel betreten, so sahen wir rechts, im Westen, eine entschieden hhere Kuppe, und in ihr erkannte ich sofort jene, die gestern durch Nebel mir entgegen geschimmert hatte.

Eine neue, weite und tiefe, vllig kreisrund geschlossene Mulde that sich vor uns auf; auch hier erschienen alsbald flchtige Gemsen. Hier aussen, nahe dem Sdrande des Tannthalstockes und des ganzen Haagengebirges, war der Boden wieder reicher begrnt, minder plattenkahl als in den Karen; von den grasbewachsenen Kuppen, aus den Gruben und Thlchen zwischen ihnen stubten die Gemsen auf, hinunter gegen das Blhnbachthal. Die gute Laune meines Gefhrten begann sich merklich zu verdstern. "Seh'n Sie, Alles geht dahin! ... Ja, wenn ein Mensch nur auf dem Tannthal sich sehen lt, ist alles Andere draussen. Wenn jetzt in ein paar Wochen Jagd stattfnde, dann wr' der Trieb leer!" -- --

Wir wandten uns, dem neuerschienenen Gipfel entgegen, rechts, querten das Felsgehnge der Mulde und stiegen
zum Grate wieder auf; ber Rasenboden erreichten wir den Bergscheitel -- es war abermals eine blosse
Schulter des Gipfels, doch nahe stand dieser nun vor uns, wenige Minuten gengten zu seiner Ersteigung.
"Sind Sie jetzt zufrieden?" fragte der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]), halb in Sorge, dass abermals
# Sammelwerk S. 382
ein ferneres Ziel angestrebt werden wrde. Ich hatte keine Veranlassung dazu. Wir standen auf dem
zweifellos hchsten Punkte des Tannthalstocks und des ganzen Haagengebirges.
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!subsubnode Grossartige Rundsicht
!alias Tanntalgipfelaussicht
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_tanntalkopf-rundsicht.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Bitzkogel, Bitzkogl, Tanntalkpfe, Lengtalschneid, Raucheck, Rauhegg, Jgerbrunntrog, Sulzenkarhh, Teufelshrner, Teufelshorn, Kragenkpfe, Kahlersberg, Steinernes Meer, Hundstod, Fagstein, Reinersberg, Schneibstein, Watzmann, Gll, Tennengebirge, Hochknig, bergossene Alm
# Stichworte: dito
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Nur eine Stunde hatte vom Jgerhttchen aus unser Anstieg gewhrt. Der (!www [Gipfel] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-18472|262505|0]),auf welchem aufflliger
Weise nicht, wie auf mehreren anderen der Tannthalkpfe, ein Signal steht, bietet einen ebenen, 15-30~Schritte breiten Platz, meist grasbewachsen, an mehreren Stellen bricht die kahle Platte durch die
Bedeckung. Der Steilabsturz des ganzen Bergmassivs gegen Sden ist ziemlich nahe; der Boden des
Blhnbachthales wird nicht sichtbar. Gegen Norden und Westen dehnt die vielfach getheilte Hochflche
des Tannthalstockes breit und flach sich hinab. Im Osten berblickt man Theile des Plateaus bis an den
Pilzkogel [Bitzkogel] hinaus. Auch letzterer scheint eine nicht unbetrchtliche Hhe einzunehmen.
Die Messung der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) fr denselben mit 6825' 2271~m. drfte zu
niedrig gegriffen sein (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2256~m].
Den hchsten der Tannthalkpfe selbst, auf welchem wir uns befanden, visirte ich mit dem (!link [Klinometer] [Glossar_Klinometer]) hher als den Schneibstein, was vollstndig damit bereinstimmt, dass der Keil'schen Karte zufolge schon dem Hochg'schier [Hochgschirr] nahe die gleiche Hhe wie dem Schneibstein zukommt; der Culminationspunkt des Tannthalstockes drfte
# S. 130
sonach ca. 7000' 2274~m. (!^)*(!^^)) Hhe besitzen (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2288~m].
Die Lengthalschneid, fr welche der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) gestern eine Lanze eingelegt und welche in der That ziemlich auffllig aus dem Haagengebirge sich erhebt, erwies sich als entschieden niedriger [2228~m].

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(!^)*(!^^)) Woher die jngst erschienene dritte Auflage des Handbuches der Erdkunde von G. A. v. Klden ihre Hhenangabe "Haagengebirge 7590' 2465~m." schpft, ist mir unverstndlich. Eine solche Hhe kommt weder dem eigentlichen Haagengebirge noch auch seinen Nachbargipfeln, dem Kahlersberg und dem Grossen Teufelshorn zu.
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# AV-Fhrer "Berchtesgadener Alpen" von M. Zeller/H. Schner, Rother Verlag, 16. Auflage 1990
# S. 467, Rd.Nr. 1362: Tanntalkpfe: stl. 2271, Mittlerer 2249 m, Westl. 2224 m.
# diese Hhen sind auch auf der AV-Karte enthalten, aber ohne Bezeichnungen. Danach ist aber der
# hchste Punkt im Tanntalstock 2288 m hoch.

Fast berall an den grnen Pltzen und Kpfen in nherer und fernerer Umgebung entdeckten wir Gemsen.
Sobald unser Marsch aufgehrt hatte, war auch ihre Unruhe zu Ende, sie nahmen ihre Aesung wieder auf,
zogen friedlich hin und her, nherte sich uns sogar, obwohl manche ihrer Bewegungen darauf schliessen liessen,
dass sie uns gar wohl beachteten. Auf der sonnigen Wiesenabdachung des westlichsten der Tannthalkpfe
(vielleicht das (!B)Kleine Raucheck(!b) der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte])) weideten ihrer an 50~Stck, meist junges Volk, die harmlos scherzten und sich jagten. Auch stlich von uns erschienen die zierlichen Thiere wieder, auf eben den Kpfen, von welchen wir vor einer halben Stunden sie vertrieben hatten. Der Jger begann sich zu beruhigen und meiner Ansicht, dass es mit der Gemsenversprengung durch eine einfache, geradlinige Bergersteigung nicht gar so gefhrlich sei, halb und halb zuzustimmen. Vermuthlich war nach einigen Tagen, vielleicht am gleichen Abende schon, die ganze Gesellschaft wieder oben auf dem Tannthal.

!html_keywords Jgerbrunntrog, Blhnbachkopf, Wildalmriedl, Taufelshorn, Kragenkopf, Kragenkpfe, Kahlersberg, Wildalmriedl, Hanauerlaub, Laubseeleingasse, Brensunk, Steinernes Meer, Hundstod, Lengtalschneid, Fagstein, Reinersberg, Schneibstein, Watzmann, Hochwies, Gll, Tennengebirge, bergossene Alm, Hochknig

Die Aussicht, welche wir bei gnstigster Witterung auf dieser Hhe genossen, war nicht weniger genussvoll
als lehrreich fr mich. Das ganze Haagengebirge lag zu meinen Fssen hingebreitet, ein wogender Teppich
von Stein. Ueber das tief heruntergedrckte (!B)Raucheck(!b) hinweg traf das Auge auf die flachen Rcken des
(!B)Blhnbachkopfes(!b) oder (!B)Jgerbrunntrogs(!b) und der (!B)Sulzenkarhh'(!b). Darber erhebt das (!B)Grosse Teufelshorn(!b) seine schlanke Kegelgestalt. Dann folgt im Sdwesten formloses felsenkahles Gewoge, aus welchem nur die (!B)Hohe Sail(!b) [Hochsul] als steil abgehackter Rundhcker hervortritt. Hinter diesem den, gipfelarmen Gebirge, das mit den (!B)Grauen Kpfen(!b) [Kragenkpfen] an den (!B)Kahlersberg(!b) anschliesst, liegt das
# Sammelwerk S. 383
(!B)Wildalpl(!b), das (!B)Hanauer Laabl(!b), die (!B)Laubgasse(!b) und der (!B)Brensunk(!b). Das weitere sdwestliche Panorama erfllt das (!B)Steinerne Meer(!b) mit seinem Gipfeln, unter welchen besonders der (!B)Hundstod(!b), von hier gesehen eine prachtvoll regelmssig aufgespitzte Pyramide, in
# S. 131
die Augen fllt. Dann folgt im Westen der (!B)Kahlersberg(!b), ein hoher, sanft geschwungener Dreieckgipfel; vor ihn hingelagert die (!B)Lengthalschneid(!b); im Nordwesten die Knigsseer Berge, (!B)Fagstein(!b), (!B)Reinersberg(!b) und (!B)Schneibstein(!b), nah am Kahlersberge der (!B)Grosse Watzmann(!b). Gen Norden dehnt das ganze Hochplateau in flachen, mit Krummholz und Walddunkel gefleckten Felsenwellen sich hinunter der (!B)Rothen Wand(!b) im stlichen Auslufer des Schneibsteins. Ueber die nahe, doch tief zu unsern Fssen liegende Hirschwiese [Hochwies] sieht jenseits der Blntau [Bluntau] die zackige (!B)Gllkette(!b) herber. Im Nordost die grnen Berge des Salzburger Landes und Salzkammerguts; im Osten die Felswste des (!B)Tennengebirges(!b). Im Sden der Juwel der Aussicht, die Uebergossene Alp, und ein Juwel von Riesengre; den halben Himmel fllt er an mit Demantglanz, nicht lange vermag das Auge ungeblendet auf seiner Flche zu verweilen, aber immer wieder kehrt es zurck zu diesem Bilde reinster, makelloser Pracht.
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!subsubnode Vorschlge fr die Ersteigung des Grossen Tannthalkopfes
!alias Tanntalbesteigungsvorschlaege
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_tanntalkopf-ersteigung.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Tanntalkpfe, Hiefl-Alm, Anger-Alm, Filling-Alm, Eisgraben, Blhnbachkopf, Sulzenkarhh, Rauhegg, Raucheck, Paradeiskpfe, Tiefenbach
# Stichworte: dito
!subsubheading Vorschlge fr die Ersteigung des Grossen Tannthalkopfes, fr den Fall der Rcksichtnahme auf touristische Interessen, sowie fr ein eventuelles Gegentheil.
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Und nun ich die Rundschau von diesem unbekanntesten Gipfel eines unbekannten Gebirges geschildert und in dem
einen oder anderen meiner Leser vielleicht den Wunsch wachgerufen habe, ihn ebenfalls zu besuchen, mchte ein
kurzer Vorschlag ber den zu whlenden Weg am Platze sein. Mit Rcksicht darauf, dass die Gemsen mglichst
wenig aus dem gehegten Reviere hinaus in unruhigere Gegenden versprengt werden sollten, wre der Weg von
Osten her, vom Tiefenbach aus, als der geeignetste zu bezeichnen. Doch ist von dort nach dem Gipfel mehr als
das halbe Tannthalgebirge zu berwandern, und da das Wild, einmal aufgestrt, keineswegs in gerader Linie
von dem Punkte der Strung sich entfernt, es also berhaupt mehr auf Beschrnkung der (!B)Ausdehnung(!b) und
(!B)Dauer(!b) der Strung, als auf deren (!B)Richtung(!b) ankommt, so wre einem geraden Anstieg vom Jgerhttchen aus der Vorzug zu geben.

Dieser Anstieg sollte jedoch bedeutend westlicher, aus dem Innern des Rossfeldes
angetreten werden, als wir, in Unkenntnis der Lage des eigentlichen Gipfels, ihn bewerkstelligten.
Die ganze Mulde westlich des Pilzkogels [Bitzkogel] bliebe dabei vermieden und eine einzige Thalung des ganzen Gebirges berhaupt wre es, aus welcher die Gemsen aufgestrt wrden; zudem wrden sie dadurch nach solchen Stellen des Randgrates gesprengt, von welchen sie der Steilwnde wegen in's Blhnbachthal nicht hinunter knnten; sie wren daher genthigt, stlich oder westlich in Nachbarmulden des Tannthalgebirges auszubrechen, und wrden dort, wo sie
# S. 132
keine Strung mehr wahrnehmen, aller Wahrscheinlichkeit nach sich wieder halten. Dieser westlichere Anstieg wre vermutlich Anfangs etwas steil, doch keineswegs unausfhrbar oder auch nur schwierig(!^)*(!^^)).

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(!^)*(!^^)) Nur fr den Fall, dass meine Vereinbarungs-Vorschlge seitens der Jagdherren kein Gehr fnden,
will ich dem Alpenwanderer mit einem Rath an die Hand gehen, den Groen Tannthalkopf ntigenfalls auch auf
eigene Faust zu besuchen. Es bietet sich ihm dazu eine doppelte Mglichkeit, obwohl er
selbstverstndlich im Blhnbachthale sich vorher nicht blicken lassen drfte. -- (!nl)
(!B)Erster Weg(!b): Er htte von Golling aus, unter dem Vorgeben ber das Torrener Joch zu gehen, anfangs
im Blntauthale [Bluntau], aus diesem aber ablenkend zur Rifl-Alpe [Hiefl-Alm], Rennanger- und Fielinger-Alpe
[Anger-, Filling-Alm] aufzusteigen und hier zu bernachten ((!B)nicht(!b) auf der Schnbichelalp, wo er dem
Jgerposten zu nahe wre.) Anderen Morgens nun, unter der Angabe, ber den Tiefenbachsattel nach
Blhnbachschloss zu gehen, ber den Tristkopf und die Schnbichelalp in den Tiefenbach zu wandern, und,
ist er unbeachtet bis dorthin gekommen, westwrts hinauf auf's Tannthal. Bei Verfolgen des Weges nach dem
Gipfel htte er sich immer mglichst nahe dem Sdrande zu halten, sodass weder er, noch auch die Gemsenflucht,
die er verursacht, unten bei der Jgerhtte mglichst auffielen. -- (!nl)
(!B)Zweiter Weg(!b): Von den Rth-Alpen durch die Eisgrben auf den Wildpalfen und ber den Blhnbachkopf
herber in's Sulzenkar; zwischen Raucheck und den Paradieskgeln [Paradieskpfe], immer der tiefsten Thalung nach, bis an den Nordwestfuss des Tannthalstockes. Hier Bivouak, anderen Morgens mit dem frhesten in Ost-Richtung auf den Gipfel. (!nl)
In beiden Fllen wre der Abstieg mglichst rasch nach dem Tiefenbache und in's Blhnbachthal zu nehmen;
auf allenfallsiges Befragen die Angabe, man kme von Golling ber die Fielinger- und Schnbichel-Alp. -- (!nl)
Der zweitgenannte Weg wre der Jagd am schdlichsten, da er seiner ganzen Lnge nach, vom Blhnbachkopf
her bereits, gehegtes Revier durchzieht und das Tannthalgebirge in seiner ganzen Ausdehnung und just
in der Richtung auf unruhige Reviere hin durchstrt. -- (!nl)
Ich betone auch wiederholt, dass diese Ratschlge (!B)nur(!b) fr den Fall gelten sollten, dass von jgerischer Seite auf touristische Interessen gar keine Rcksicht genommen werden sollte, dass namentlich das Anerbieten, eine etwa bevorstehende Treibjagd abzuwarten, oder in Begleitung eines Jgers den angewiesenen Weg zu gehen, auf einfache Zurckweisung stiesse; ich hoffe von der wohlwollenden Einsicht der Blhnbacher Jagdherren, dass sie nicht in praktische Anwendung zu treten brauchen.
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!subsubnode Zum Jgerhttchen zurck, Aufbruch nach Berchtesgaden
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_rueckweg.html
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Wir verliessen den Groen Tannthalkopf, nachdem ich ein flchtiges Profil des Haagengebirges aufgenommen
hatte, um 10~Uhr 45~Minuten. Nach 3/4~Stunden waren wir an's Jgerhttchen zurckgelangt. Der
theilweise erleichterte Bergsack wurde wieder vollgepackt -- die Zeit der Alpenwanderungen war zu
# Sammelwerk S. 384
Ende, die Aufgabe des heurigen Sommers war gelst. Von den Gebirgen des Blhnbachthals, vom einsamen
Jgerhaus an der Hirschwiese [Hochwies] ging's geradenwegs hinaus zur Ebene, der Heimat zu. Heute noch
nach Berchtesgaden! Oefter als
# Original-Buch S. 133 oben
nothwendig schlafe ich nicht gern auf Heu und Stroh, lieber ein paar Stunden lnger Marsch.

Um 11~Uhr 45~Minuten wurde aufgebrochen; auch auf dieser letzten Wanderung hatte ich die ebenso angenehme wie
ntzliche Gesellschaft des (!link [Jgers] [BluehnbacherJaeger]); er gedachte des Abends nicht nach seiner
Htte zurckzukehren, sondern auf einer Alpe jenseits der Grenze zu bernachten. Frh des andern Morgens
konnte er dann wieder an den ussersten westlichen Marken des Blhnbacher Reviers stehen und auf verndertem 
Wege, ber den Brensunk und die Brwiese, seinem Posten wieder zusteuern.
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!subsubnode Ueber das Hochplateau des Haagengebirges; Zerklftung, Miniaturgebirge, Petrefakten; Gemsenreichthum
!alias UebergangHagengebirge
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_hochplateau.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Lengtaltrl, Hochwiessattel, Stangenkopf, Stangenkpfe, Brwies, Paradeiskpfe
# Stichworte: dito
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# Jagdhtte (1992 m) an Hochwies bzw. Hochwiessattel = Lengthaltrl bei Barth
Wir gingen nun vom Jgerhttchen in westlicher Richtung aus; der Kahlersberg war der grosse Wegzeiger, der
unsere Schritte lenkte. An seinem nrdlichen Fusse sollten wir auf Berchtesgadener Gebiet bertreten, an den
Alpgrnden des Knigsseer Gebirges hin altbekannte Wege zu Thal verfolgen. Damit auch die Schlusstour des
ganzen Sommers ihren Nutzen fr meine Gebirgskenntniss abwerfe, wurde nicht der krzere und bequemere Weg
durch die oberen Kessel des Lengthals und der Schlummthler nach der Seeleinscharte eingeschlagen,
sondern auf der aussichtsreichen Hhe des Haagengebirgsplateaus eine Richtung genommen, welche ber die
Scheitel der Lengthalschneid dem Ziele uns entgegenfhren sollte.

Von der Htte weg ging's erst ein Stck abwrts, dann ziemlich constant steigend dem ersten, mit einer
Signalstange bezeichneten Kopfe [Stangenkopf] zu, welcher, nher dem Anscheine als der Wirklichkeit nach,
vor uns im Westen stand. Es war so recht eine Wanderung, wie sie die Hochflchen der stlichen Kalkalpen
charakterisirt; ein ewiger Wechsel von aufwrts und abwrts, bald nur die allernchste Umgebung vor Augen
und eine Minute spter wieder die weitgreifendste, umfassendste Aussicht. Wie im Beginne einer Fahrt auf
weiter Wasserflche scheinen die Objecte des Zieles unverrckt ihre Distanzen inne zu halten, whrend
im Rckblick die Oertlichkeiten, von denen man ausgegangen, bereits in weiter Entfernung liegen.
Sind endlich die letzteren ebenfalls weit genug gerckt, um eine Vergrsserung des Abstandes dem Auge
nicht mehr fhlbar zu machen, so vermag man nur durch den Anblick des Bodens, der unmittelbar vor den Fssen
liegt, sich zu berzeugen, dass man berhaupt noch sich vom Platze bewege.

Eine Stunde nach dem Abmarsch war der erste Signalkopf erreicht; wir befanden uns in ziemlich gleicher Hhe
mit der Hirschwiese [Hochwies], etwa 6600' 2144~m. hoch (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])Stangenkopf, 2144~m].
Der Ewige Schnee [bergossene Alm] war hinter dem  Tannthalstocke hervorgetreten, die Teufelshrner,
die Kmme und Gipfel im stlichen Steinernen Meere waren
# S. 134
sichtbar geworden. In nherer sdlicher Nachbarschaft zeigte sich zwischen den kahlen Felsenhgeln, von
den Paradieskgeln [Paradeiskpfe] und den Vorlufern des Wildalpriegels umschlossen, ein grner Fleck,
die (!B)Brwiese(!b).
# Brwild lt. Karte???
Hier entdeckte das scharfe Auge des (!link [Jgers] [BluehnbacherJaeger]) wieder einen Mankei (Murmelthier),
der vor dem Bau behaglich sich sonnte; seinem Gesinnungsgenossen im Tiefenbach gleich wollte auch er seinen
Winterschlaf nicht nach dem Kalender, sondern nach der Witterung beginnen. Auf allen Hgeln, in allen
Thlern wimmelte es von Gemsen; bald erschienen sie fern, als schwarze Punkte an den Platten, bald so nahe,
als htten wir in einem Thiergarten sie vor uns.

Ein directer Gratzusammenhang zwischen dem Signalkopfe [Stangenkopf], den wir eben erreicht und der
Lengthalschneid besteht nicht; eine ziemlich weitere und tiefe Thalung that sich im Westen vor uns auf;
sie musste durchkreuzt werden, um nach dem jenseitigen Bergscheitel zu gelangen. Im Absteigen passirten
wir ein schrges Grasband ber einer 30-40' [10-13~m] hohen Steilwandstufe. Kaum hatten wir es betreten,
da rasselten auch wieder neun Stck Gemsen uns, so zu sagen, unter den Fssen hervor; sie hatten dort im
Schatten sich geborgen gehalten und waren durch die Steine, die ber ihre Kpfe wegflogen, pltzlich
unangenehm berrascht worden. So ging es fort auf dem ganzen Wege; kaum eine neue Hgelwelle wurde betreten,
kaum eine neue Thalung schloss vor unsern Tritten sich auf, in welcher nicht flchtiges Wild sich zeigte.
Ich darf die Anzahl der Gemsen, die ich an diesem Tage in Sicht bekommen, getrost auf 300~Stck schtzen.
Und doch gehrt die Strecke unserer Nachmittagswanderung keineswegs mehr zum gehegten Revier.

Der Thalboden, welchen wir nun durchkreuzten, zeigte noch rgere Zerspaltung und Zerrissenheit, als wir
bis dahin wahrgenommen. Schwarze Klfte mit ausgezahnten Rndern, tiefe Schachte und Trichter, Hhlen
mit berhngender Felsendachung begegneten uns fast auf jedem Schritte. Hchst ergtzlich war der Anblick
der kleinen Miniaturgebirge auf den Platten. Wo ein Knoten, eine Ader etwas hrteren Material sich im
Gesteine fand, da hat das Wasser sie umsplt und sie umgebildet und geformt in gleicher Art und nach den
gleichen Gesetzen, wie die Felskolosse selbst, ber deren Scheitel wir dahin wandern. Da erheben sich auf
den glattgeschliffenen Tafeln gefurchte und gezackte Gestalten, bald inselartige Kegel und Pyramiden, bald
Ketten und complicirte Gruppen, ein ganzes Gebirge mit Lngen- und Querthlern, mit Gipfel, Graten und
Pssen -- Alles nur wenige Zoll
# S. 135
hoch. Knnte man sie hinwegheben von ihrer Unterlage, es wren die zierlichsten Reliefkarten. Dann trifft man
wieder auf Platten, die im Zimmergrsse von den verstelten Zweigen einer fossilen Coralle berzogen sind;
auch die (!link [Dachsteinbivalve] [Glossar_Dachsteinbivalve]) (Megalodus triqueter) weist fast aus jedem
Felsen dem Wanderer ihre herzfrmigen Durchschnitte. Aber all' dies muss er liegen lassen; aus dem
eisenharten Plattenstein ist Nichts herauszubekommen, oder doch nur in formlosen Trmmern.
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!subsubnode Die Lengthalschneid
!alias Lengtalschneid
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_lengtalschneid.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Lengtalschneid, Raucheck, Rauhegg, Kragenkpfe, Kragenkopf
# Stichworte: dito
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Steil ging's zur (!www [Lengthalschneid] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-20461|264573|0]) empor, die ausgezackten Felsenkanten boten jedoch berall so vortreffliche und sichere Stufen, dass auch bei strksten Neigungswinkeln von Schwierigkeit kaum die Rede sein konnte.
Auf dem Firste der Lengthalschneid endlich erhielten wir etwas minder coupiertes Terrain und auch die
Hebung nahm zusehends ab. Wir befanden uns wieder auf einem ziemlich ausgedehnten Hochplateau, eine
eigentliche Gipfelhhe machte sich auf demselben kaum bemerklich. Unbedeutende Kpfe springen hier und dort
auf und fast ein jeder von ihnen trgt ein Signal. Auf einem fanden wir sogar ein schriftliches Dokument;
Bleistiftschrift auf einem Brettchen benachrichtigte uns, dass hier ein Blhnbacher und ein Gollinger Jger
zusammengetroffen, eine Stunde verweilt und sich sehr gut unterhalten htten.

1~3/4 Stunden waren seit unserem Aufbruche vom Jgerhttchen verflossen; da machte ich auf einem der
vordersten Kpfe der Lengthalschneid Halt. Das Tannthalgebirge, dessen Haupt ich diesen Vormittag erstiegen,
das breitgedehnt nun im Sdosten sich vor uns erhob, musste noch abkonterfeit werden, bevor ich das
Haagengebirge verliess(!^)*(!^^)). Neben ihm war nunmehr auch das (!B)Raucheck(!b) hervorgetreten, eine
seltsame Gestalt, kastenfrmig, mauersteil nach allen Seiten, nur gegen Nordwest senkt Grasboden sich von
seinem Scheitel herab; auch er trgt eine Signalstange.

Nach 3/4~Stunden war das Geschft beendet, um 2~Uhr setzten wir uns wieder in Marsch; 10~Minuten darauf
befanden wir uns auf dem hchsten Punkte der (!B)Lengthalschneid(!b) -- ca. 6900' 2241~m (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])2228~m] hoch.
Es drfte dies der gleiche Gipfel sein, der auf der (!link [Keil'schen Karte] [KeilscheKarte]) als
(!B)Brenkopf(!b) bezeichnet ist.
Der von letztem nrdlich auslaufende Grat, auf der Karte (!B)Lengthalgebirge(!b) benannt, tritt wenig
augenfllig aus der sinkenden Hochflche hervor. Der Name Brenwies scheint mir zu weit westlich zu
stehen. Die in dieser Gegend
# S. 136
verzeichneten (!B)Kragenkpfe(!b) sollten (!B)Graue Kpfe(!b) heissen, der Irrthum leitet sich vermuthlich
von der harten Localaussprache, "die Graaben Kpf'" her(!^)**(!^^)).

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(!^)*(!^^)) Siehe die (!link [Skizze] [Vertikalprofil7]).

(!^)**(!^^)) Auf manchen Karten findet man auch "Graue Kpfe" und "Kragenkpfe" neben einander verzeichnet,
was ebenso unrichtig ist. Es gibt hier (!B)nur(!b) die "Grauen Kpfe".
[Laut (!link [Karte] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen]) des Bayerischen Landesvermessungsamtes: Vorderer, Mittlerer und Hinterer Kragenkopf = die Kragenkpfe. Laut AV-Karte auch "Graue Kpfe".]
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!subsubnode An den Grauen Kpfen
!alias Kragenkoepfe
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_kragenkoepfe.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Kragenkpfe, Kragenkopf
# Stichworte: dito
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Der Ausblick gegen Westen hatte sich nun weiter, als bisher geffnet, mchtig gross stand vor uns der
Kahlersberg; er wre von dieser Seite leicht zu ersteigen und begnne man die Ueberwanderung des Haagengebirges
frh Morgens am Jgerhttchen, so knnte man ohne grosse Anstrengung ber diesen aussichtsreichen Gipfel
seinen Weg nach dem Knigssee nehmen. Ein weites, felsenkahles Thal, in seiner Rippung und Durchfurchung wie
ein riesengrosses Reibeisen anzusehen, lagert um den Nordwestfuss der Lengthalschneid und streckt sich zur
Seeleinscharte am Nordfusse des Kahlersberges hinauf. Ich schtzte, dass wir in einer starken Stunde
etwa den Pass betreten wrden. Wir benthigten ihrer mehr als zwei.

Die sdwestliche Richtung, welche wir fr kurze Zeit ber die Kpfe der Lengthalschneid hin eingehalten
hatten, nderte sich nun wieder in eine rein westliche; wir verliessen den Hhe, welche in mehrfachen,
zertheilten Scheiteln in's Haagengebirge sich hineinbreitet. Nach kurzem Abstiege begann der Quergang ber
all' die zahllosen Wellendmme und zahnigen Rippen, welche von den Grauen Kpfen [Kragenkpfen], vom
Fundamente des Kahlersberges gegen die weiten Abschlussbecken der Schlummthler sich herabsenken.
Die Zerklftung des Plattenbodens erreichte hier ihren hchsten Grad, Strecken zusammenhngenden Bodens von
10 bis 20~Schritten Lnge waren geradezu Seltenheiten. In den abschssigen Runsen bewegten wir uns hufig
ber vllig blanke Steintafeln hin; der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) bewies einen merkwrdig sicheren
Tritt auf diesem Terrain;
ich litt etwas an der Gewohnheit ungebundenen, gleitenden Gehens, die ich aus den schuttbedeckten
Nordtiroler Bergen mit herber genommen, und machte mit dem Gestein nicht selten nhere Bekanntschaft, als
nothwendig und angenehm war. Nach einer Stunde erst befanden wir uns unter den (!B)Grauen Kpfen(!b)
[Kragenkpfen], nahe dem Fusse des Kahlersberges. Dieser hatte uns bisher als Ziel vor Augen gestanden,
aber des Zieles letztes Ziel lag noch unvermuthet ferne, die Nordostflanke des mchtigen Felsmassives
dehnte sich ungebhrlich in die Breite. Immer hher wurden die
# S. 137
Felsrcken, immer tiefer und steiler die trennenden Furchen. Starke Plattwandstufen bauten zu unserer Linken
sich empor, dort, wo die Scheitelhhe des Kahlersberges entschwand. Es war die vollkommenste, abgeschlossenste
Oede, nur die Gemsen, die allerwrts an den Felsen umhersprangen, verliehen diesem Bilde ein
fremdartiges Leben. Auch die Lengthalschneid war wieder in die Ferne zurckgetreten, und weit draussen im
Osten grsste noch die wohlbekannte Gestalt der Hirschwiese [Hochwies]. Unserer Steinwste aber war noch
kein Ende abzusehen.
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!subsubnode Erstes Auffinden und Verlust des Pfades. Ueber dem Brensunk. Am Ostfusse des Kahlersberges. Der "gedaubte" Pfad
!alias Daubenpfad
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_daubenpfad.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Brensunk, Eisenpfad, Landtal, Labsee, Laubsee, Laubseelein, Hanauerlaub
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Da pltzlich blieb der (!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]) stehen und betrachtete prfend einen Gegenstand
auf dem Boden -- ein kleines Steinhufchen. "Jetzt kenn' ich mich aus", bemerkte er, -- "jetzt werden wir bald
besseren Weg haben." -- Unsere Richtung ging, am Sdostfusse des Kahlersberges hinlavirend, fast gerade gegen
Nord. Auf einzelnen Kpfen im Hgelgewoge zeigten sich Pyramiden, aus grossen Blcken zusammengesetzt; sie
bezeichnen die Grenzlinie des Blhnbacher und Gollinger Revieres. Auch zu unserer Linken zeigte sich nun, fr
kurze Strecke, absinkende Thalung; dort geht's zum (!B)Brensunk(!b) hinunter, ber den Eisenpfad in's
(!B)Landthal(!b) oder am Laubsee [Laubseelein, Labsee] und Hanauer Laabl [Hanauerlaub] vorbei in die
(!B)Rth(!b).

Unsere gespannteste Aufmerksamkeit war von nun ab auf das Ersphen der Wegmarken, der Dauben, gerichtet;
eine Strecke weit gelang und diess auch, einmal sogar gingen wir volle zwlf Schritte weit ber ein
Wiespltzchen auf deutlichen Spuren eines Pfades, -- sie erschienen uns wie verschwemmte Gegenstnde des
Festlandes dem Seefahrer auf hohem Meere. Aber noch einmal verloren wir alle und jede Fhrte und verwickelten
uns in's verzackteste Felsengewirr. Die Scheitel der Rippen, welche wir erstiegen, erffneten keine besseren
Aussichten fr die nchste Zukunft. Da nahmen wir die nchste Plattenrunse an, durch hohe Mauern verlief
ihre gewundene Gasse nach der Tiefe. "Jetzt ist's gewonnen!" rief der Jger aus, als wir unten angelangt
waren, auf eine grosse Daube zeigend; "diesen Weg habe ich selbst voriges Jahr ausgedaubt, den kann man bei
Nacht und Nebel finden." -- Und diesmal bewahrheitete sich sein Ausspruch.

Eine ununterbrochene Reihe der naturwchsigen Wegmarken leitete uns von nun an durch das Hgelland;
einzelne Lcken, die uns gelegentliche Zweifel erregten, wurden sorgsam durch Errichtung weiterer Zeichen
ausgefllt; so
# S. 138
entstehen die Pfade auf diesen Meeren von Stein. Und fhlbar wurde es nunmehr auch, dass wir dem Ufer des
Meeres uns nahten; Krummholz begann die Hgelscheitel zu berdecken, hufiger und breiter wurden die
Grasthlchen zwischen ihnen.
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!subsubnode Passhhe gegen das Seelein; eine andere Welt
!alias Seelein
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_seelein.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Seelein, Seeleinsee, Hochseeleinscharte, Soienscharte, Reinersberg, Fagstein, Kahlersberg
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Um 4~Uhr standen wir in einem steinigen Alpboden, am Fusse des letzten
Bergriegels. Der Viehsteig, welche die Hochseeleinalp [Hinterschlum-Alm?] im Schlummthale mit der
Seeleinalp auf bayerischem Boden verbindet, fhrt uns auf die Passhhe [Hochseeleinscharte oder Soienscharte]
-- eine Viertelstunde darauf sahen wir die gewaltige Masse des Watzmann, die Pyramide des Hundstod vor uns
emporsteigen. Tief unten im dmmernden Schatten eines gerundeten Bergkessels ruht das (!B)Seelein(!b)
[(!www [Seeleinsee] [http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=0|-23143|266513|0])] mit den zwei winzigen Alphttchen an seinem Ufer (5615' 1824~m. (!link [Keil] [KeilscheKarte]) [1809~m]; die Hhe des Passes ca. 6100' 1950~m (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1995~m]).

Und nun ging's ratsch zu Thal, auf gebahntem Pfad, auf freiem Boden. Steile Sandreissen hinunter und das
nrdliche Gehnge des Kessels entlang fhrt der Steig; rechts ffnet sich ein enges Schuttthal, eine
Wegspur in demselben weist nach der (!B)Reinersbergalpe(!b) hinauf; wenige Minuten darauf schliesst es sich
wieder, der (!B)Fagstein(!b) ist an unsere Seite getreten. An den Nordwnden des Kahlersbergs vollfhren
die Gemsen, die wir zuletzt rudelweise dort hinaufgesprengt, ein entsetzliches Gelrm und Gepolter;
ganze Centnerlasten mssen jetzt unter ihrem flchtigen Hufe weichen und strzen. Wer jetzt gerade unter
der Hochg'stellwand sich befnde, der mchte seine geraden Glieder wahren! --

Wo sie jetzt ihr Unwesen
treiben, dort steht auch eine Erinnerung fr mich am Felsen eingegraben; dort habe ich zum ersten Male
mit eigenem Fusse das versucht, was ich mit eigenem Auge fr ausfhrbar gehalten. Ein Fhrer hatte auf den
Kahlersberg ein erstes Mal mich begleitet, mit tiefem Umweg in's Landthal hinab hatten wir ihn erstiegen;
ich hatte sofort vom Gerllsattel ber dem Seelein ansteigen wollen, er aber erklrte das fr unmglich.
Acht Tage darauf kam ich ber die Gotzenthalwand daher spaziert und stieg geraden Weges in den Sattel
hinunter und jenseits ebenso geraden Weges auf den Kahlersberg hinauf. -- Jetzt sah ich wieder hin nach der
Stelle jenes ersten Erfolges. Hbsch steil ist es hben wie drben. Was ein guter Haken werden will,
krmmt sich bei Zeiten! -- Fnf Jahre sind seitdem verflossen. Sie haben manches Unmgliche mglich
werden sehen.
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!subsubnode Zur Priesberg- und Knigsbachalpe
!alias Hagengebirgsabstieg
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_priesbergalpe.html
!html_keywords Berchtesgadener Alpen, Hagengebirge, Rofeld-Almen, Im Kammerl, Abwrtsgraben, Priesberg-Alm, Sillenkpfe, Knigsbach-Alm
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Noch eine kurze Strecke weit ging's holperig durch buschiges Hgelland; dann schlenderten wir gemchlich
den Alppfad am Westgehnge des Fagsteins dahin; links in der
# S. 139
Tiefe erschienen die (!B)Rossfeldalpen(!b), die grnen Waldwiesen (!B)Im Kammerl(!b). Wieder senkt der Weg
sich um eine mchtige Bergstufe, whrend im Nordwesten die Aussicht sich aufthut auf's Lattengebirge
und auf den Untersberg. Der (!B)Abwrtsgraben(!b) wird gekreuzt, ber die Weidegrnde der
(!B)(!www [Priesbergalpe] [ http://www.austrianmap.at/tp.asp?s=4|-24105|268384|0])(!b) (4501' 1462~m.
(!link [Keil] [KeilscheKarte]) (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1460~m]) geht der Weg durch die sumpfige Thalung am
(!B)Sillerkopf(!b) [Sillenkpfe] zur Branntweinhtte [Branntweinbrennhtte] und nach den
(!B)Knigsbachalpen(!b) (3608' 1172~m. Keil. (!link [[] [verwendeteKartenBerchtesgadenerAlpen])1200~m]).

5~Uhr 45~Min. Abends kamen wir dort an; heiteres Leben herrschte in den zahlreichen Htten und Huschen,
die eine auf Alpen ungewohnte Wohnlichkeit und Sauberkeit aufweisen. Hier gedachte der
(!link [Jger] [BluehnbacherJaeger]), der bis hierher mich geleitet hatte, die Nacht zu verbringen; dagegen
war meines Bleibens keine Minute, die Zeit drngte, sollten noch vor Einbruch der Nacht der Bergpfade mit der
ebenen Strasse vertauscht werden. 
Herzlichen Abschied nahm ich von dem wackern Manne. Unterhaltung wie Bereicherung meiner alpinen
Kenntnisse dankte ich in reichem Masse seiner zweitgigen Begleitung. Und erhlt er spter, wie ich ihm
zusagt, im Drucke diese Zeilen, so erinnert er sich vielleicht auch gerne des Bergwanderers, der
(!B)durchaus den Tannthalkopf ersteigen musste(!b).
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!subsubnode Heimkehr ber die Hohe Bahn nach Knigssee und Berchtesgaden
!alias Hochbahn
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_heimkehr.html
!html_keywords Knigsbach, Knigssee, Hohe Bahn, Berchtesgaden
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Der letzte Abendschein vergoldete die Wnde des Hochbretts, whrend ich den Lauf des Knigsbaches abwrts
und bei Beginn seiner Schluchtenge und seines gewaltigen Sturzes von ihm abgewendet, die (!B)Hohe Bahn(!b)
[Hochbahn] verfolgte. Das Dmmerlicht des Thales reichte eben noch hin, mir durch die Waldlcken den
tiefblauen Spiegel des Knigssee's zu zeigen -- das erste und das einzige Mal, dass ich auf meinen Wanderungen
des Jahres 1873 ihn erblickte. Dann wurde es dunkler und dunkler, die zerspaltenen Plattenstellen des Weges
hemmten und verlangsamten den Schritt; herzlich froh war ich, endlich auf den Holzfahrweg zu gelangen,
der geradenwegs nach Knigssee hinabfhrt.

6~Uhr 30~Min. sah ich das Walddunkel sich lichten und Feuerschein durch die Ahornbume glnzen; die
Thalsohle war erreicht. 10~Minuten spter befand ich mich auf der Knigsseer Strasse und zog dem Hafen der
Ruhe, Berchtesgaden, entgegen. Mir nach blickt aus silbergewobenen Schleiern, mondhell, die Alpenwelt.
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!subsubnode Schluss meiner letzten Alpenwanderung
!html_name berchtesgadener_hagengebirge_schluss.html
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Das war meine letzte Bergfahrt des verflossenen Jahres, die letzte, bevor ich diese Bltter geschlossen:
vom Hochrande des (!B)Blhnbachthals(!b) nach (!B)Berchtesgaden(!b) in fast linealgerader Linie. Die
gleiche Strasse zog ich wieder ein, die vor fnf Jahren so oft mich hatte heimkehren sehen, abgerissen und
beschmutzt von Alpenlagern und Alpensteigerei, -- aber wieder ein gutes Stck Erfahrung, Entdeckung in
der Tasche ducht' ich mich mehr und besser als all' die eleganten Equipagen und ihr Inhalt, die auf
diesem Corso des Sommers dahergerollt kamen.

Ich hoffte damals, mit den Ergebnisse meiner Kreuz- und Querzge die Alpenkunde bereichert, ich hoffte
(!B)mehr(!b) als bloss interessantes Verngen als Resultat des Sommers verzeichnen zu knnen. Ich hoffe in
spteren Jahre das nicht mehr. Ich hoffte es wieder, als auf dem Haagengebirge das Skizzen- und Notizbuch
zum letzten Male zuklappte, und als ich heimwrts mich wandte, den Bergstock mit der Feder zu vertauschen;
-- ob abermals Tuschung der Erfolgt? -- die Zukunft dieses Buches muss es lehren.
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