# karwendelnamen1934.txt
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!docinfo [title] Was Karwendelnamen erzhlen. Ein Geleitwort zur Alpenvereinskarte.
!docinfo [htmltitle] Was Karwendelnamen erzhlen
!docinfo [author] Von Dr. Karl Finsterwalder, Innsbruck
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!html_keywords Karwendel, Namen, Etymologie
!html_description Was Karwendelnamen erzhlen. Ein Geleitwort zur Alpenvereinskarte.
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# (!bergrufcounter [0848402] [08.08.2002] [www.bergruf.de/bergpano/])
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Zu folgendem Aufsatz wurde besonders die tiefgrndige "Politisch-Historische Landesbeschreibung Tirols" von O.~(!B)Stolz(!b), Archiv fr sterr. Geschichte, Bd.~107, bentzt. Ferner (!B)Baader(!b), "Chronik von Mittenwald". Weitere urkundliche und fast alle literarischen Belege sind in der Arbeit von Dr. G.~(!B)Buchner(!b), "Die Namen des Karwendelgebietes" (Oberbayr. Archiv, Mnchen, Bd.~61 (Nachtrge Bd.~62 und 66)) enthalten, von deren Namendeutungen indes auf Grund der Mundart- und Ortskenntnis hier vielfach abgegangen wird.
(!nl) (!nl)
Abkrzung: mhd. = mittelhochdeutsch; ma = mundartlich.
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!node [Quellen-Hinweis und Vorbemerkung zur Online-Ausgabe]
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!node [Quellen-Hinweis und Vorbemerkung]
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Der nachstehende Text ist entnommen den "Mitteilungen des Deutschen und sterreichischen Alpenvereins", Nr.~2/1934, S.~31-33 und Nr.3/1934, S.~54-56.

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Die Zwischenberschriften wurden hier fr die HTML-Aufbereitung hinzugefgt. Heutige geographische
Bezeichnungen wurden fallweise in [eckigen Klammern] ergnzt.
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Die Zwischenberschriften wurden zur besseren Lesbarkeit hinzugefgt. Heutige geographische
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!subsubheading Einige Links zum Thema
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!item Heinz Pohl: (!www [sterreichische Bergnamen] [http://www.uni-klu.ac.at/groups/spw/oenf/name4.htm])
# identisch: http://members.chello.at/heinz.pohl/Bergnamen.htm
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!node Flur- und Bergnamen -- ein Beitrag zur Kulturgeschichte und Volkskunde
!html_name flurnamen_bergnamen.html

Die eben erschienene Karwendelkarte des Alpenvereins gibt zum Unterschied gegen die alte Karte auch die Patalung, die von Mittenwald bis Zirl das Gebirge umrahmt, meist in voller Breite wieder, whrend auf der bisherigen Karwendelkarte die Westgrenze mitten durch die Seefelder Gruppe lief. Nicht nur der Turist wird diese neue, vollstndigere Darstellung der Gebirgslandschaft begren, sondern auch der wissenschaftliche Betrachter und Bentzer der Karte, denn mit dem Gebirge hngt dieses Quertal geographisch und geschichtlich untrennbar zusammen, es hat selbst die Schicksale entfernterer Landschaften noch entscheidend beeinflut.
Seit Rmerzeiten bis weit in die Neuzeit herauf war es der begangenste, krzeste Weg nach Tirol, ja selbst noch zu Goethes Zeit, der, schon ungeduldig den Sden suchend, hier doch seine Augen nicht ohne Wohlgefallen auf dieser hyperboreischen Bergwelt ruhen lie.

Seit alters haben die Menschen von dieser Talstrae aus sich den Weg ins Gebirge gebahnt, haben die Leute der einzelnen Talgemeinden dort ihre Nutzungsrume -- nach den Gesetzen der Alpensiedlung oft in seltsamem Gegensatz zu heute herkmmlichen Vorstellungen -- abgegrenzt und das Antlitz der Landschaft umgestaltet, soweit dies Menschen tun knnen. Auer den sprlichen Urkunden geben ber diese lteste Siedlerttigkeit im Karwendel nur jene geschichtlichen Zeugen Aufschlu, die so eng dem Boden, der Landschaft verhaftet sind, da eine Gebirgskarte an ihnen nicht vorbeigehen darf, zumal sie groenteils dem Bergsteiger vertraut sind, wenn er auch ihre Sprache nicht immer versteht: die Flur- und Bergnamen, die dichtverstreut uns von jedem Tal und Bergstock etwas zu sagen wissen, vom Alter menschlicher Anwesenheit im Gebirge, von der Herkunft der frhesten Siedler und ihrer Sprache. Bei der Wichtigkeit, die ihnen innewohnt, wurden sie mit der grten Sorgfalt gesammelt und tunlichst vollzhlig auf die Karte bernommen. Um sie dabei in der bodenstndigen Aussprache mglichst getreu zu berliefern, wurde jene Lautwiedergabe angewandt, die [in der] "Zeitschrift" 1928, S.~28, dargestellt ist und am Schlusse dieses Aufsatzes durch einige Nachtrge ergnzt wird.
Da die ortsgebundenen Namen zur Kulturgeschichte und Volkskunde eines Gebietes manches beizusteuern vermgen, kann schon ein kurzer berblick ber jene Namen zeigen, die sich in das Geschichtsbild des von Westen her erschlossenen Karwendels einfgen und daran manchen Zug ergnzt.

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!node Aus illyrischer, romanischer und germanischer Zeit
!html_name illyrisch_romanisch_germanisch.html

Die Strae, die schon zur Rmerzeit den Westfu des Gebirges umsumte, lief damals und noch lange durch die dlandschaft eines riesigen Urwaldgrtels, der sich zwischen dem heutigen Leithen im Sden und Walgau [Wallgau] im Norden dehnte und von den frhesten Anwohnern des Gebirges, den Illyrern, den Namen Scharnitzwald, (!I)Scarantia(!i), erhalten hatte, nach einem Wort (!I)skarantom(!i), das heute noch in venetischen Mundarten "Stein" bedeutet. So abschreckend war diese Wildnis, da man nur an ihrem Nord- und Sdrand Spuren dauernder menschlicher Anwesenheit in rmischer und vorrmischer Zeit entdecken kann.
Vom Partenkirchner Becken, wo sich geschlossene Romanenansiedlung bis lange ins 7.~Jahrhundert erhielt, wie der von der deutschen Lautverschiebung unberhrte Namen (!I)Partanum(!i) (Partenkirchen) zeigt, strahlte romanische Wirtschaftsweise zum Norden des Karwendels herber, wo ja auch der Ortsnamen (!B)Walgau(!b) [Wallgau] unbestreitbar fr langes Fortleben der "Walchen" zeugt.

Sdlich davon biegt die Isar vor einem Seitenbach in scharfem Fluknie nach links aus, eine tiefe Bucht in den Uferhang schneidend; "Am Isarhorn" wird es heute genannt und daneben seit alter Zeit "Im Seins" ((!B)Anichs(!b) Karte hat ein gleich zu sprechendes "Zeunsbruck") zweifellos vom romanischen (!I)sinu(!i) (mit Ortsnamenendung -s) Busen, Bucht (vgl. Beseno, (!I)bi-sinu(!i), Doppelbucht bei Trient).
Die lichten Auenwlder mochten hier zur Weide einladen, wie der schttere, von Lawinen gelichtete Wald auf dem Sattel von (!B)Ferein(!b) (1536 Verrein, verballhorn zu Verreins, zuim ladinischen (!I)ferina(!i) "Muhr" oder (!I)mont verrina(!i) "Ebersberg"). Als romanisches berlebsel mu wohl auch ein bisher unerklrtes (!I)fihrout(!i) als Bezeichnung fr "Viehtrieb" in einer Urkunde aus Walgau von 1260 angesehen werden, das sich noch als Flurname "(!B)Viehruete(!b)" in der nahverwandten unteren Leutasch lebend vorfindet und auf romanisch (!I)rota(!i) "Weg" (Du Cange) zurckgeht, das erst im 9.~Jahrhundert eingedeutscht wurde (vgl. Familiennamen Frrutter!).

Die nchsten romanischen Namen begegnen uns erst wieder auf der Inntalseite des Gebirges, dort, wo zugleich die ltesten deutschen Namen Tirols vorkommen, um Zirl. Kein Zufall, da sich vor der Ausmndung der im Altertum und Mittelalter meistbentzten Pastrae nach Tirol ein Rest jener alten -ing-Orte (von Htting bis Haiming) breitet, die in die baiwarische Landnahmezeit zurckreichen, hat doch der alte Rmerweg die ersten germanischen Siedlerscharen ins Herz von Tirol gefhrt!

An Alter reiht sich unter diese Orte (!B)Zirl(!b), dessen Name aus dem rmischen (!I)Teriolis(!i) (Martinsbichl) in germanischem Mund durch die Lautverschiebung zu Cyreolu, Zirala umgeformt war. Wo nun die Zirler Almsiedlung seit alters ins Gebirgs hineingreift, da zeigen Flurnamen den Weg, die zwar auf vordeutsche Bevlkerung, aber auch auf eine ihnen folgende uralte deutsche Siedlung weisen.
Der Bach, der in dieses Almgebiet fhrt, der (!B)Jenbach(!b), auch Eahnbach gesprochen, trgt, wenn er nicht auf einen Germanen Unono weist, einen vordeutschen Namen, der sich von dem bekannteren Jenbach im Unterinntal (urk. enbach) und dem Eahnbach, der dem Imbachhorn bei Zell am See den Namen gab (1416 Menbach), nicht trennen lt, vielmehr mit ihnen auf dieselbe illyrische Wurzel zurckzugehen scheint wie der Pustertaler Namen Onach, mundartlich Uina (Anay, Onai 1300). Die anschlieenden Flurnamen "(!B)Mahrn(!b)" und "die (!B)Pleiner(!b)" erinnern an romanisch (!I)mara(!i) "Muhre" oder (!I)maceria(!i) "Steintrmmer" und an romanisch (!I)plagina(!i) "Halde", whrend sich im Jaufeneggtal (am Heechenberg) das romanische (!I)juvum(!i) "Bergjoch" in altdeutscher Einkleidung erhielt, nach dem 8.~Jahrhundert eingedeutscht, wrde es heute Tschaufen gesprochen.

Frhzeitig auch mu der nur schtter bewaldete Sattel von (!B)Eerl(!b) zur Almweide bentzt worden sein, denn der Name, mundartlich (!I)earl(!i), der mit "Erle" keinesfalls zusammengebracht werden kann, wurde ihm von vordeutscher Bevlkerung (aus der gleichen Wurzel wie "Aurina" in den Dolomiten und Ahrntal) gegeben, und ber ihn hinweg durch das 1509 genannte "Oerltal" dran der Fu des Entdeckers mhelos ins Nachbartal, wo sich in der Folge auf ahornbestandenem Talgrund des Almdorf von (!B)Kristen(!b) (Zirler Kristen) breitete.
Auch die frhesten (!B)germanischen(!b) Siedler von Zirl mssen im Gefolge romanischer Wirtschaftsweise frh ins Herz des Gebirges gedrungen sein (vgl. "Mitteilungen" 1930, S.~232, "Von Zemm und Tux"), sonst wre nicht der romanische Ortsname (!I)Crista(!i) hnlich wie der Ortsname (!I)Teriolis(!i) durch die deutsche Lautverschiebung noch umgewandelt worden.

Ebenso hie der Zirl gegenberliegende langgestreckte Hgelkamm, in dem die Mittelgebirgsterrasse ausluft, einst (!I)crista(!i) und wurde im germanischen Mund Kristen genannt, eine sptere bernahme htte Gresten ergeben. Als noch in dem einsamen Almtal germanische und romanischen Laute nebeneinander erklangen, haben sich die Siedler deutschen Stammes das fremde Wort verdolmetscht, denn kaum zuflligerweise heit der von Felsrippen durchzogene Rcken zwischen Gro- und Klein-Kristen "Auf den (!B)Kmpen(!b)"!
In der Nachbarschaft solch alter Siedlungszeugen ist es auch nicht zu gewagt, den Namen des Weiderckens ber der Kristenalm (!B)Hipp(!b) oder (!B)Hippen(!b) auf die uns nicht mehr gelufige, weit kraftvollere Sprachumgestaltung jener deutschen Frhzeit zurckzufhren und ihn als eine j-Ableitung "Hppen" zu dem in oberdeutschem Hubel, Hbel (auch Hppel) steckenden Stamm (!I)hub(!i) = hoch, "erhaben" zu betrachten.
Talauswrts, am Gleirschbach, stie brigens schon damals das Zirler Gemrk an das Almgebiet der Leute von "Arcelle" (Arzeler Kristen) und damit an den viel spter eingedeutschten Siedlungsraum stlich von Innsbruck, dessen Namen (Gleirsch) in einen anderen Zusammenhang gehren.

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!node Aus dem Mittelalter; der Name "Karwendel"
!html_name mittelalter.html

Wenn zur Vlkerwanderungszeit das Patal von Seefeld der Heerweg fr germanische Volksscharen war, die den Grund legten zu gleichartiger Siedlung und gleichen Ortsnamen in und auerhalb der Alpen, so bildete es im Hochmittelalter die feste Klammer, die das Land im Gebirge mit dem Alpenvorland verband, so fest, da auf Jahrhunderte hinaus die ganz auseinanderstrebenden Flugebiete der Loisach und der oberen Isar mit dem oberen Inntal eine politische Einheit darstellten, das Herrschaftsgebiet der Grafen von Andechs, spter der von Eschenlohe. Diese lange Verbundenheit war nicht ohne Einflu auf Formung des Volkscharakters, der Volkssprache. Fr die Mundart ist auch heute noch der Alpenrand keine Grenze, vielmehr stimmt diese vom Oberinntal bis zur Loisach lngs des alten Paweges in den wesentlichen Zgen berein und grenzt sich an einer gemeinsamen Nord-Sd-Linie gegen die stlichen Nachbarmundarten des Isarwinkels und des Inntales um Innsbruck ab. Diese innere Einheit kommt nicht zuletzt in den Ortsnamen unseres Gebietes noch gut zum Ausdruck, wenngleich die bodenstndige Mundart von Osten her dort immer mehr zurckgedrngt wird.
Wie man in unverflschter Redeweise von Telfs bis Weilheim sagt "gloobe, koofe" fr glauben, kaufen, so entstand nrdlich Garmisch der Ortsname Ohlstatt aus lterem Aulstatt, Auwolfestetin (vom Personennamen Auwolf), und innerhalb der Alpen bei Scharnitz ein Flurnahme Loblehner aus lterem Laublehner (laubwaldreicher Hang). Heute wird allerdings schon wie im brigen bayrisch-sterreichischen Gebiet Lab(lehner) gesprochen, auch Labalehner (aus altem Loubin Lehner).
Bei Inzing fllt auf der Karte ein sicher romanischer Name Ragges auf. Er wird noch 1730 Roge geschrieben und fhrt auf ein lteres Raugges, am ehesten rom. (!I)ravicos sc. agros(!i) "Graues Feld" zurck. Besser hat sich in dem Gebiet erhalten die vorschnell als schwbisch bezeichnete Aussprache von -en als -a, also "Linda, Hitta" fr "Linden, Htten", die bisherige irrige Schreibung Linderspitz bei Mittenwald geht auf diese Aussprache zurck, sie mte in Lindenspitz richtiggestellt werden, da man sonst selbst den Namen Mittenwald, der von den Einheimischen auch Mittawald gesprochen wird, so wiedergeben mte und die vielen hnlich auslautenden Namen im Tiroler Teil, wie Beiahusla, Schemawand doch in der verstndlicheren schriftdeutschen Form "Beienhuslen" (= Bienenhuslen), "Schemenwand" (nach einem Faschingslufer, im Oberinntal = "Schemen") gegeben werden mten. Selbst die Solenalm, die dem Solstein den Namen gab (mhd. (!I)sol(!i) = "Suhle, Wlzlache"), wird kurz als die Sola bezeichnet.

Wer den Ortsnamen Garmisch ausspricht, denkt wohl nicht daran, da er sich damit einer rein mundartlichen Aussprache anbequemt, ber die man lchelt, wenn ihr zufolge ein Oberinntaler Bauer etwa "Barg", "Harz" fr Berg, Herz spricht, die aber nach Norden hinaus bis gegen den Ammersee reicht und sich im Ortsnamen Garmisch, entstanden aus "Germareskowe" 803 =~"Gau eines Germar", zh behauptet hat. (Die Endsilbe -ga (aus -gau) fiel hier ab, weil man sie nicht mehr verstand und fr eine der besprochenen a-Endungen hielt.)
In Tirol entstand auf gleiche Weise des Ortsname Bartlsgaden (bei Oberperfu) aus Berchtesgaden, Scharmegg (s.~Karte) aus Scherm = "Viehunterstand"; u.a. vor allem ist es der ehrwrdige Name des Gebirges selbst, der auf die gleiche Weise aus der ursprnglichen Form Gerwendel (Gerbintla) des 13. und 14.~Jahrhunderts die entscheidende Umwandlung zu dem vom 15.~Jahrhundert ab vorherrschenden Garwendel erfuhr.(!^)1(!^^))

!begin_quote
(!^)1(!^^)) In Zusammensetzungen wie Germar wird ger (wegen der Konsonanz) auch sonst als kurze Silbe behandelt.
!end_quote

Es ist wohl das wichtigste Ergebnis der Flurnamenserhebung fr die Karwendelkarte, da heute noch die Aussprache "Garwentl" in der Gegend von Scharnitz noch als durchaus lebendig festgestellt werden konnte, die unbeeinflut von gelehrten Entstellungen unmittelbar auf die lteren Urkundenformen zurckgehen mu und auf diese erst das rechte Licht wirft. Die heutige Schreibung und Aussprache Karwendel, die das Wort unrichtigerweise mit Kar zusammenbringt, scheint erst von der Karte Peter (!B)Anichs(!b) ausgegangen zu sein, die hufigen Erwhnungen in der Zeit vorher lauten meist Carbendl und wollen damit vielleicht noch eher der Volkssprache mit "g" Rechnung tragen. Erst in diesem spteren Abschnitt verstand man dann auch unter Karwendel das ganze riesige Gebirge zwischen Seefeld und dem Achensee (erst seit Hermann v. (!B)Barth(!b), 1870), whrend das Volk in seinem zhen Beharrungsvermgen und seinem Mangel an berblick "Garwendl" nur als Bezeichnung fr das Karwendeltal bei Scharnitz -- genau wie die Urkunden -- verwendet.

Die richtige Kenntnis der Mundartform und ihrer Entwicklung aus dem lteren Sprachzustand ermglicht es heute, aus dem vielfachen Hin und Her der Meinungen ber die Herkunft des Gebirgsnamens heraus zu einem abschlieenden Urteil zu kommen. Es ist nicht mehr statthaft, an einem von Alois (!B)Walde(!b) (1895) ohnehin blo (!I)ad hoc(!i) gemutmaten(!^)2(!^^)) illyrischen Wort (!I)caravant-lo-m(!i) festzuhalten, weil Walde seinerzeit die Mundartaussprache nicht kannte und die sprachgesetzliche Wandlung von -ger zu -gar nicht in Betracht gezogen hatte. Die alten Belege fr Gerwendel haben sich dank unermdlicher Forscherarbeit seit Walde auf sechs -- zwischen 1260 und 1436 -- vermehrt und lassen nicht mehr das illyrische (!I)Caravant(!i), sondern nur den altdeutschen Personennamen Gerwendil (rein orthographisch daneben auch Kerwentil) zur Namengebung zu. Dieser Name, der dem kriegerischen Sinn der alten Bayern alle Ehre macht -- er bedeutet Speerschttler --, ist auch zu dem Ortsnamen Gerblingshausen bei Wolfratshausen (im 10.~Jahrhundert Kerwenteleshus) Pate gestanden und tritt, abgesehen von einer allerersten Nennung Gerwendelaur -- als Beinamen fr einen Zeugen in der oben erwhnten Urkunde aus Walgau, 1260 --, zunchst als Bezeichnung fr den Karwendelbach auf.

!begin_quote
(!^)2(!^^)) oder genauer gesagt, aus einer anderen "Unbekannten", (der Wurzel des Namens Karawanken) abgeleiteten. . . . Die Form Garwendel, auch Grawendl, kommt noch bis 1766 hufig vor.
!end_quote

Die Grenze der Grafschaft Werdenfels von 1305 "hebt sich an ze Gerbintla" und geht am Schlusse wieder "uncz (bis) in die Gerbintla"! Noch klarer wird der Bach 1433 die Gerwendelsach genannt. Das -a von Gerbintla ist dann ebenso wie bei Garmisch (siehe oben) abgefallen, da man flschlich darin blo eine Mundartendlung erblickte (Schreibung "Garmischen" 1599!). Wenn heute der Ton auf der zweiten Silbe von "Karwendel" ruht -- entgegen altgermanischer Art und Weise --, so beweisen die alten Schreibungen "Gerbintla" durch die abgeschwchten Nebensilben die Betonung der Anfangssilbe. In langen Zusammensetzungen mochte auch damals schon der Ton des besseren Gleichgewichtes halber auf die zweite Silbe gewandert sein, worauf die lteste Form Gerwendelaur = Gerwendel-auer (Bewohner der Gerwendelau am Unterlauf) hinweist, und sich schlielich dort festgesetzt haben. Frh wird dann der Name fr die Alm und Berggegend, nicht blo fr den Bach verwendet. Auch sonst sind ja heute einstige deutsche Personennamen fr Berge in Gebrauch. Am Wazmann [Watzmann], Guffert, Hilpold sind die Namen ursprnglicher Almbesitzer Wazamann, Gotfried, Hilpold haften geblieben und auch der (!B)Wrner(!b) bei Mittenwald, zugleich Name der Weidegegend am Fu des Berges, ist von den deutschen Personennamen Werinher nicht zu trennen. (Ein Mittenwalder Familienname Wrndle geht ebenfalls auf ihn zurck.)

Es ist vielleicht nicht ohne siedlungsgeschichtlichen Zusammenhang, da sich die mit "ger" zusammengesetzten Namen an der Strae um das Karwendel wiederholen, zwischen Garmisch und Mittenwald ein Ort Gerold, am Sdfu der Pastrae Kerschbuch (1305 Gersbuch, d.i. Buchenwald eines Gerhoh), gegenber ein Geroldsbach (von einem Ortsnamen Gerhartspuint) anreiht; es sieht so aus wie ein immer neues Nachstrmen von Siedlern aus jener Landschaft, in der dieser Namentypus seit alters zu Hause ist. Auf jeden Fall aber zog man von dort, aus dem Werdenfelsischen, allsommerlich auf die Almweiden an der Gerwendelache, Jahrhunderte bevor sich beim heutigen Scharnitz die ersten Huser erhoben. Sind jene doch bis vor 100~Jahren ausschlielich im Mittenwalder Besitz verblieben und die Grenzziehung trug einst dem Rechnung.
Trotz mannigfachen Grenzstreitigkeiten blieb das Karwendeltal bis zum Jahre 1806 ein Teil der Freisinger Grafschaft Werdenfels, wenn auch in den letzten Jahrhunderten blo als Einsprengsel im tirolischen Gebiet. Kare und Fluren wie Vogelkar, Schlaucherkar (nicht Schlauchkar!), Neunerkar, Marxenkar, Karners Loch, Klotzenrib, tragen noch heute die Namen der einstigen Besitzer, der Mittenwalder Brger Vogel, Schlaucher, Neuner, Marx, Karner, Klotz, und der in Grenzbeschreibungen oft genannte Laingraben und Marchgraben erinnert noch an die "March", dieses seltsam abgesprengten Stcks Freisinger Gebietes im Hochtal "zu Gerbintla".

# Ende Teil 1 in Nr. 2/1934, Beginn Teil 2 in Nr. 3/1934

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!node Name und Ort Scharnitz
!html_name scharnitz.html

Wenn heute der Name Karwendel von einem einzigen Tal, dem Karwendeltal bei Scharnitz, auf die gesamte Gebirgsgruppe bertragen ist, so hat er hier im westlichen Teil das Erbe eines anderen Namens angetreten, mit dem es gerade umgekehrt ging. Der alte Name Scharnitz fr die Gegend der Patalung und der dort ausmndenden Gebirgstler ist auf den Namen des Grenzrtchens eingeschrnkt, das genau in der Mitte der einstigen (!I)silva Scarince(!i) liegt, jenes breiten Waldgrtels, der in ltester Zeit den Grenzsaum bildete zwischen dem Siedlungsraum auer und inner der Alpen, dem bayrischen Huosigau und dem Inntalgau, einer dlandschaft, die erst herrenlos und dann Knigsgut war, "(!I)saltus regalis(!i)" = "Reichswald", mit Schwarzwald, Thringer- und Bhmerwald zugleich genannt wird. Die uralte Klostergrndung Scharnitz (763) lag nicht in seiner Mitte, sondern an seinem Nordrande, wo auer verschiedenen Flurnamen und Bodenfunden der Name Klais, ma. kchloas, 1324 "in der chlos", an eine Klause, vielleicht die letzten Rest des schon 780 wegverlegten Gebirgsklsterleins erinnert. So menschenleer war die Wildnis des Schwarnitzwaldes, da noch nach 1300 in dem weitem Raum zwischen Partenkirchen-Mittenwald und Axams (auf dem Innsbrucker Mittelgebirge) von keinem kirchlichen Mittelpunkt der Siedlung die Rede ist.

In dem Mae, wie sich dann von den Rndern die Siedlung vortastet, 1080 "(!I)in media silva(!i)" = Mittenwald aufscheint, am Sdrand der Pahochflche Leithen und Reith (= Reut, Rodung) durch Waldschenkungen an die Rodeklster Benediktbeuren und Wessobrunn entstehen (12.~Jahrhundert), wird der Name Scharnitz zurckgedrngt, schlielich bis auf den einzigen geschlossenen Waldrest beim Austritt der Isar aus dem Hochgebirge, und endgltig blieb er dort haften, als hier "bei der oberen Bruggen", wo die Pastrae zum letzten Mal (von Norden her) die Isar berschreitet, die jngste Ortschaft des Gebietes -- nicht lange vor 1475 -- entstand. Bis zu dieser Zeit ungefhr war das weite Waldland bis zu den "Grenzsteinen auf dem Seefeld" -- der Partenkirchen-Mittenwalder Pfarrgrenze, der freisingischen Grafschafts- und Bistumsgrenze -- unbestrittener Nutzungsraum der Mittenwalder Gebirgsnachbar gewesen, wenn auch die Unwirtlichkeit des Gebietes zu keinem dauernden Verweilen gelockt hatte. Es ist bezeichnend fr die Naturfeindlichkeit dieser Kalkalpenlandschaft, da sdlich von Scharnitz nicht ein einziger Name romanischen oder auch nur altertmlichen deutschen Geprges an eine Besitzergreifung in ltester Zeit erinnert.(!^)3(!^^))

!begin_quote
(!^)3(!^^)) Die beiden Ortsteile von Scharnitz, Inrain und Eissack (nicht Eisack) tragen keine Namen von alter, vordeutscher Herkunft. Die erstgenannte Husergruppe wird noch um 1700, 1800 abwechselnd am Rain, im Rain genannt; Eissack entpuppt sich als Vergleich einer abgeschlossenen Talform mit einem Sack, der fters vorkommt und hier passend fr eine Uferkonkave [Einbuchtung] der Isar gebraucht wird, in der sich wintersber das Treibeis sammelt und zum Schaden der Fluren ringsum lange liegen bleibt. Der Name Isertal fr ein Seitental des Gleirschbaches scheint mit einer frheren Annahme des Isarursprunges fr Gleirschtal zusammenzuhngen.
!end_quote

Das einst ungeschmlerte Nutzungsrecht der nrdlichen Gebirgsanwohner im Scharnitzwald, der zu Zeiten schwacher Reichsgewalt immer mehr wie herrenlos behandelt wurde, ward dagegen nachdrcklich angefochten, als sich eine tirolische Landeshoheit herausbildete und ihre Rechte auf den ganzen ehemaligen Reichswald geltend machte, wie aus den Berichten ber die zahlreichen Zusammenste der freisingischen Untertanen von Mittenwald mit den tirolischen "Forstknechten" in der "Hindern Au", "Am Zwisel" (Zwisel heute Gleirschtal), im Haupttal um Scharnitz, "In der Fluderaw" (vgl. Hochfluder der Karte, Fluder = Sumpf!) und selbst nahe bei Mittenwald, "In der werd" (Wrd = Land am Wasser) hervorgeht.
In mehrhundertjhrigen Streitigkeiten bildete sich zwischen Freising-Werdenfels und Tirol aus den gegenseitig bergreifenden Gebietsansprchen ein Gleichgewichtszustand um Scharnitz -- mit den Einsprengsel Karwendeltal -- heraus. Im Innern des Karwendels erinnern aber noch gar manche Namen an die merkwrdige Tatsache, da der Siedlungsspielraum der nrdlichen Nachbarn einst bis ins Herz des Gebirges reichte und sich mit dem Gebiet der Almleute aus dem Inntal berhrte. Die Namen Heienkopf und Karnberg im Hinterautal, Schnabelegg, Prantnerbichl, Lippenmahd, westlich von Scharnitz, leiten sich von altbezeugten Mittenwalder Brgernamen Hei, Karner, Schnabel, Prantner und Lipp her.(!^)4(!^^))
Am ueren Gleirschtal grenzte Mittenwalder Besitz anscheinend unmittelbar an Wald und Weide der Arzeler, denn die Namen Hupferklamml und Krapfenschlag weisen dort auf die Mittenwalder Familien Hupfer und Krapf, nahe daneben der Name Hafeleloch auf den Arzeler Hofnamen Hafele (Personenname Heveln), der auch zu dem viel bekannteren Hafelekar ber Innsbruck, 1756 noch "Haveleschor", Pate gestanden ist. Auch die Zirler Almsiedlung hatte offenbar ber das Grokristental hinausgegriffen, ber den Sattel der Zirmalm hinweg in den benachbarten Talgrund. Denn wie sollte man sich dessen seltsamen Namen Weingertal = Weingarttal (1500 Weinrebtal) erklren, fr ein verkarstetes, magere Weide bietendes Hochtal, wenn es nicht ein Zubehr zu dem im Zirl am sonnigen Bergfu liegenden Hof Weingarten war, wo tatschlich einst das edle Traubengewchs gezogen wurde?

!begin_quote
(!^)4(!^^)) Die Sippennamen Hei, Lipp, Neuner, Nairz u.a. kommen auch frh in Htting vor, wie berhaupt in der Richtung Mittenwald-Zirl-Htting ein ziemlich reger Austausch der Sippennamen und damit der Bevlkerung festzustellen ist. (Bemerkung von Prof. O.~(!B)Stolz(!b).)
!end_quote

Zwischen diese ursprnglichen Almanrainer schiebt sich dann -- in den Namen erkennbar -- spter auch die Bevlkerung von Scharnitz selbst ein, das aus Behausungen  von landesfrstlichen Waldhtern, Jgern und Grenzsoldaten zum Drflein erwuchs. Namentlich die Befestigungswerke, deren Ausbau im 17.~Jahrhundert nach damaliger franzsischer Befestigungskunst noch in manchen Namen -- Porta Claudia, Reweln (frz. (!I)ravelin(!i) = Graben) -- fortlebt, erforderten einen festen Bestand von "Kordonisten", ansigen Leuten als Besatzung, die zugleich als Besitzer von Waldanteilen in den damaligen Forstbeschreibungen auftreten.
Solche Scharnitzer Familien Gaugg (ahd. Raggo), Zischg (Abkrzung fr Franziskus) sind in "Gauggenkopf", "Raggenkopf", "Raggenklamm" und "Zischgenkopf" erhalten (vgl. auch Zischgelesspitz, Zischgenferner im Sellrain, nach einem dortigen Hof "Zischg").

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!node Flurnamen und Wirtschaftsweise (Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Bergbau)
!html_name scharnitz.html

Noch mehr Bild und Farbe gewinnt unsere Anschauung von Land und Menschen, wenn wir den Flurnamen abzulauschen suchen, was sie uns von der (!B)Wirtschaftsweise(!b) erzhlen, in der der Karwendelbewohner den natrlichen Ertrag des lange gemiedenen, sich selbst berlassenen Gebirgsbodens am zweckmigsten zu nutzen versteht. Fr die drftige Ausbeute an Futter, die die trockenen Galtmhder ("galt" = unfruchtbar) auf Kalkgrund liefern, mu ihm der Laubwald aushelfen, wo er das Laub von den Bumen streift (Stroaftal, -wald, Streafe), oder er treibt das Jungvieh in den Buschwald (= Loach, Lohe, Loachboden) und htet es in den "Halten", im Auengehlz, der Anhalte (halten = hten, weiden, dazu Elmauer Halt u.a.). Die Schafe lt er "in den Flecken", den hchsten, steilen Grasbndern in den Felsen, ihr Futter suchen (Larchetflecke); die gefrchteten Steilwnde, in denen die Tiere allzu oft abstrzen, kennzeichnet er als die "Fleischbnke" (Fleischbankspitz), in jenem Hang zu drastisch bertreibender Bildersprache, in dem er ppigere Weideflecke mit gutem Milchfutterertrag nun gleich als "Schmalzgruben" (d.i. Schmalzkeller) benennt.

Wo der Wind die mchtigen Urwaldstmme in wirrem Durcheinander gefllt hat, heit er es "im Wurf" (Wrfl), wo einzelne, entwurzelte Bume, "Ronen", liegen, am "Runboden" (Rontal [Rohntal], Krn aus "Gerne" = Windwurf); wenn sie mit der Axt niedergelegt sind (G'hack, Verhack) oder samt Wurzeln ausgehoben, geschwendet  (Gschwendt) sind, werden sie erst vom Gest, den Reisern befreit (Reiserig) und in den Risen (= Rinnen, z.B. Grasris, Gerris zu gr, auch = Keilform) zu Tal gezogen. War der Weg frher zu weit, so hat man den Holzanfall an den zahlreichen Kohlstattln, Kohlplatzln zu Kohle gebrannt oder wohl an Ort und Stelle geschnitten (Alte Sag, Sagkopf, Amtssge des Salzbergamtes).
Allzuoft sind es auf dem wasserlosen Karstboden die verheerenden Waldbrnde, die, unter dem Gluthauch des Fhns anschwellend, klaffende Lcken ins Waldkleid reien und nur mehr drre Strnke (= Durren, Durrach) auf den nackten, braunroten Flchen der "Brnste" (Durrenbrnstl, Brandjoch) zurcklassen.

Der Holzertrag wurde im Karwendel viel mehr noch als heute auf dem Rcken der Gebirgsbche zur "Lnd" nach Scharnitz und Mittenwald hinausgeflt, davon berichten die vielen alten Klausen (Klusl), in denen der Bach gestaut wurde zum "Klausenplumpf", dem Stauweiher, um dann, losgelassen, in mchtigem Schwall seine Trift hinauszutragen. Wo sich die Stmme an den felsigen "rauhen" Stellen im Bachbett ("Ruhe") und den vorstehenden Felszacken ("Rippen") verklemmen, oder wo sie an den engen Krmmungen einer Klamm, wie der Gleirschklamm, hngen bleiben, da hat oft jeder Winkel von den Holzflern in urwchsig anschaulicher Bildersprache seine Benennung bekommen: das "Zwisele" = eine kleine Bachteilung, der "hlzerne Schu", eine knstliche Verschalung fr das felsige Bachbett, in der die Stempel (Rundhlzer) pfeilschnell dahinschieen, die "Porten", eine natrlich berwlbte Felspforte, das "Sandg'sperr", eine Sperre gegen das Versanden des Bachbettes, die "Torggl", ein Wasserwirbel, in dem sich die Stmme im Kreis drehen wie der Drehbaum einer Weinpresse (= Torggl), bis sie, in schwerer Arbeit mit Stange und Zapin flottgemacht, ihren Weg mit der Strmung weiter nehmen.
# Zapin: steht weder im Fremdwrterduden noch im Brockhaus

Noch viel frher wird es aber Sprache und Anschauungsweise des (!B)Jgers(!b) gewesen sein, die den stillen Tlern und Bergen des Karwendels Namen verlieh, wie denn heute noch auer dem Pfeifen der Murmeltiere, der Uramenten (= Murmenten, "Uramentenloch"), jahrber kaum ein anderer Laut die groe Stille der einsamen Kare durchbricht als das Geklfft des Jagdhundes, der das Wild im "Rigel" seinem Herrn zutreibt, es vom Lager aufscheucht, "aufrigelt" (zu rogel = beweglich, Rigelkar, flschlich Riedelkar).
Kommen doch viele unserer Karwendelnamen schon in jenem denkwrdigen Jagdbuch vor, in dem sich Kaiser Max seine tirolischen Jagden mit liebevoller Treue abschildern lie, und dessen Angaben der Pltze fr das "Hierssengejaide", fr Windhatzen (= Jagden mit Windspielen) und Gamssulzen (= Salzlecken, davon Sulztal, Sulziklamm [Sulzlekamm]) wir auf unserer Karte wiederfinden, ebenso wie manch uralte Grenzpunkte und Vermarkungen im Karwendel.(!^)5(!^^))
An das Revier des "gromechtigen Waidmanns", wie er sich verhllend nennen lie, erinnert auch der Kaiserstand ob Zirl, wie der Herzogstand am Walchensee an die bayrischen Herzge, liegt er doch knapp ber der vom letzten Ritter als Jagdsitz bentzten Andechserburg Fragenstein, von der aus der Kaiser das "Gejaide am rlspitz" "in Christem und Hippem" bejagte. Sicherlich war die hier unmittelbar anschlieende "Freiung" im hintersten wilden Schlobachtal (Freiungstrme) nichts anderes als ein Schongebiet fr die Gemsen, wo sie vor Verfolgt gefreit, d.h. gesichert waren, wie deutlich aus einer Stelle des steirischen Jagdbuches ber die Flz hervorgeht: "die Velcz hat der Kayer als die mueter der gamss, davon alle umligunsten gebirg mit gamssen beseczt werden, (!B)gefreit(!b)." "Gamsfreiheit" auch in Vorarlberg.)

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(!^)5(!^^)) Nicht von "Gejaide" kommt der Name des sogenannten Gjaidsteiges, richtiger Glaidsteiges, bei der Fereinalm, ma. s'Gload, sondern von Gloat = schmaler Steig (zu "leiten").
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Wie ein berbleibsel unmittelbar aus der Zeit Maxens und den Erzhlungen, die sich um ihn ranken, berhrt es, da am Fu der sagenberhmten Martinswand noch heute der Name Stellwandl haftet. Bekanntlich pflegte man nach den uns etwas barbarisch berhrenden Jagdsitten jener Zeit das Wild gegen eine unbersteigliche Wand, eine "Stellwand", zu treiben (vgl. "Zeitschrift" 1933, S.~184). Der Ort, wo das erlegte Wildpret "zerwirkt", ausgeweidet, wurde, ist uns offenbar im "Zwirchkopf" berliefert. Die Ausdrcke Richtstand und Richtstatt fr den mit Laubdeckung versehenen Jgerstand in lteren Jagdbeschreibungen erklren uns die mehrfach im Karwendel vorkommenden "Richtstnde", "Richtstattlen", wie auch den seltsamen Ausdruck "G'richt" in "Krein's G'richt" (vom Personennamen Kreis = Quirinus), Ameiseng'richt = Vorrichtung der Sammler von Ameiseneiern (G'richt schwbisch fr Fangvorrichtung gebraucht).
Zweifellos der Auslug des Jgers ist mit "Hohe Warte", "Gamswart(-sattel)", "Sphkpfl", gemeint (warten = schauen, sphen), das Hahng'richt an der Pleisenspitze dagegen ist die Deckung des Jgers, der hier an der Waldgrenze dem Auer- oder Spielhahn nachstellt, wenn er in den schtteren Bumen falzt, wie man ihm anderwrts auch am Hhneregg, beim Hhnerbichl und unter der Losfeichte (= -fichte) "auflost" (losen = lauschen), wenn er in die "Hahnzge", d.i. in seinen gewohnten Strich einfllt.

Zahllose Namen, wie Brlahner, Brfall, Brengscho (mhd. schoz = Steilrinne), erinnern daran, da Meister Petz bis ins 17.~Jahrhundert im Karwendel seinen Schlupfwinkel hatte. Die "Brenbad", "Wildbad" (Arnspitzen) kommen deshalb so hufig vor, weil sie dem Jger wichtige Wildwechsel bezeichnen, wo er das Schwarz- und Rotwild "an seinen Lieblingaufenthalten, den Trnken," (Brehm) beschleichen kann, wo es "solt" = suhlt, die Suhle (oder "das sol") aufsucht, daher auch die Solen(alm), Solstein, Persal im Zillertal (1318 daz persol) ihren Namen bezogen. Dem Eber, der hnlich lautend mhd. auch (!I)br(!i) heit, wird das laubwaldarme Kalkgebirge selten seine Lebensbedingungen, Eichel- und Bucheckernmast, geboten haben. Dafr beherbergte es seltene Pelztiere, wie Lux [Luchs] und Hermelin, auf die man im "Luchstal", am "Luchsfallenschrofen" und im "Harmeleskar", am "Harmeler" Jagd machte.

Von dem unruhigen Getriebe, das der (!B)Bergbau(!b) vor langer Zeit in die stillen Tler brachte, wissen wir zum groen Teil auch nur mehr durch die da und dort verstreuten Namen "Knappenlcher", "Knappengruben" und hnliche; liegen sie doch oft an Orten, wo wir heute kaum je die Mglichkeit eines Schurfes vermuteten, htte nicht das Volk sie getreulich in seiner Erinnerung bewahrt. Ungleich ergiebiger wurden einst im Herzen der Seefelder Gruppe die lhaltigen Bitumenschiefer gefrdert und an Ort und Stelle verhttet ("lbrenne"), aber noch frher mutete man, von viel Geologie nicht beschwert, bei Mittenwald Gold (Goldanders Htte) und Silber am Ropfenvogel (Bergmannsname "Rupf den Vogel") und in Lafatsch. Der seltsame Name Reps beim Bergwerk "zum silbernen Hansl" ebendort und nochmals am Zischgenkopf in der Umgebung von verlassenen Bergwerksstollen auftretend, ist diesem verschollenen Knappenwesen zuzurechnen. Er drfte zu dem altbayrischen Bergmannsausdruck "reben" = durch Rtteln ber einem Sieb taubes Gestein vom Erz sondern, gehren (mit s-Suffix gebildet) und scheint demnach die Abraumhalden zu bezeichnen, die an beiden Orten vorkommen.

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!node Namenswiederholungen
!html_name wiederholungen.html

Noch viel mehr machen sich andere Flurnamen dem Bergwanderer im Karwendel durch ihr wiederholtes Auftauchen an verschiedenen, entfernten Orten bemerkbar. In allen diesen Namenswiederholungen spiegelt sich die Gleichartigkeit des Volkstums ums Westkarwendel herum, sowohl wenn es die gleichen Laut(!B)formen(!b) hervorbrachte, wie wenn es aus seinem Wortschatz immer wieder die gleichen Bezeichnungen fr hnliche Begriffe schpft.
Aus altem Rtererbe ist in die Mundart offenbar das Wort Pleis fr einen steilen Grashang -- bis zum Engadin bekannt -- aufgenommen worden (Pleisenspitz, Stickle, d.i. steile Pleis); gleicher Verbreitung und Herkunft ist "Taje", auch "Toja" fr Htte (rom. (!I)attgia(!i)), vgl. Satteltaje, Khtai, Langesthei auswrts.
Eine enger begrenzte Mundarteigenheit um Loisach, Isar und Oberinn scheinen dagegen die Flurnamen darzustellen, die einen Sammelbegriff geben, wie Stickelt, Ort wo es steil ist, Zimpfl = Platz mit kleinen Smpfen. Smpfln, die man hnlich wie hochdeutsch Rhricht, Dickicht oder mundartlich "Larchet", "Aichat", d.i. Lrchen-, Eichenwald, gebildet hat. Sogar Namen wie Gaistal, Trauchtal bei Trauchgau, Seestadel bei Scharnitz (1400 Seestal), werden als Goaslt (1747 Gaislet), Trauchlet, Seastlt ihnen angeglichen.
Besonders beliebt scheint die Flurbezeichnung Brzl in der bodenstndigen Sprache gewesen zu sein, da sie --
# im Original: Seilstck; offensichtlich ein Druckfehler!
neben "Stich" = Steilstck (zu "stickel", steil) -- regelmig dort auftritt, wo ein Weg eine kurze Versteilung zu berwinden hat. Niemals benennt sie irgendeine selbstndige Erhebung, einen Hgel, daher darf man nicht an einen Vergleich mit hd. "Brzel", mhd. borz, "rundlich Hervorstehendes", denken, so wenig sonst derbe Bilder den volkstmlichen Namensgebern fremd sind. Hier soll aber blo in etwas bertreibender Weise ein Wegstck hervorgehoben werden, auf dem man sich wegen seiner Steile fast berschlgt (= altbayrisch burzen, neben unserem "purzeln"). Man denkt bei dieser drastischen Benennung an die Namen Falle, die Gfaller (Gfallschneid, Gfallenspitze), die zumal in den Zillertalern geradezu einfrmig immer dann auftreten, wo eine Versteilung (Trogrand) den gleichmig gebschten Hang durchbricht, oder an die Rofalle (bei Zirl und Innsbruck), wo der Volksmund weidende Pferde abgestrzt sein lt.

Ein hnlich wie Falle gebildetes Wort ist "die Reise", Gerllhalde, mit hd. "Reise", ma. "Roase" ebensowenig verwandt wie mit "reien", sondern zum Mundartwort "reisen" = gleiten, rieseln, kollern, gebildet, das noch in Reisende Lahn, Ris, fortlebt und mit Rise = "Rinne, in der Steine oder Holzstmme zu Tal rutschen" auf eine und dieselbe Wurzel zurckgeht. Ein mit Reise verwandter Begriff rom. (!I)labina(!i), eigentlich "das Gleiten", hat, in unserem Gebiet uralteingedeutscht, eine seltsam zwiespltige Ausbildung erfahren. Von Osten reicht die meist bekannte Mundartform "Lahn" herein, die bodenstndige ist aber im Oberinntal allein "Lehn", dem alemannischen Wort Luwin (Schiller, "die schlafende Lwin") nher verwandt.
Im Alpenvorland und um Mittenwald kennt man daneben noch ein Wort "die Laine" und meint damit dem Wildbach (Gassellahn, Laingrben), ganz ursprnglich wohl die Mur, die im Wildbachbett als Schlamm- und Stein(!B)lawine(!b) verheerend zu Tal braust; solchen Reichtum an Formen und Begriffen vermochte die lebensvolle, ltere Sprache aus (!B)einem(!b) Wort hervorzuzaubern, um unserem formenreichen Bergen die bunte Pracht ihres edelsten Prunkgewandes, der Berg- und Flurnamen auf den Leib zu passen!
Von der knorrigen und ehrwrdigen Erscheinung unserer Berge ist der ehrwrdige, aus Jahrhunderten herauftnende Klang ihrer Namen nicht wegzudenken; am wenigsten dem Wissenden, dem sie lngstverschollene Kunde ber unsere Alpen zu bringen vermgen.

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Die Namen wurden fr die Karwendelkarte gesammelt vom Verfasser mit Bentzung einer von Herrn Professor O.~(!B)Stolz(!b) hergestellten Sammlung der Flurnamen um Innsbruck und unter bereitwilliger Untersttzung durch die hierfr in Betracht kommende bodenstndige Bevlkerung, besonders durch Jagd- und Forstorgane, denen allen hiemit der wohlverdiente Dank abgestattet sei.
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Zur Ergnzung der Lautbersicht in "Zeitschrift" 1928 dienen als magebend fr die lautgerechte Aussprache der reinen Mundartnamen auf der Alpenvereinskarte noch folgende Richtstze:
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!item [1.] Fr den ma. Laut ea, z.B. in tirolisch sea, heache, neader =~See, Hhe, Nrder-(Schatt-)Seite vorkommend, wird ee geschrieben, z.B. Needer, Heechenberg, Eerlspitze.
!item [2.] Die Wiedergabe des geschlossenen e der Mundart durch  kann wegen seines hufigen Vorkommens nicht durchgefhrt werden, da eine Reihe eingebrgerter Namen mit e abgendert werden mten; es wird daher gewhnlich mit e wiedergegeben, blo vor r und l, wo es besonders -haltig ist, durch . (!nl)
Das offene e -- selten vorkommend -- wird durch  bezeichnet (Rps, Grl).
!item [3.] Zur Worttrennung: Wenn ein zusammengesetzter Alm- oder Bergname mit einem selbstndig vorkommenden Flurnamen gebildet ist, (Eerl~A., zu Eerl), dann werden die beiden Bestandteile getrennt geschrieben: Eerl~A., Kristen~A. zu Kristen, Kirchl~Sp. zu Flurnamen Kirchl. Wenn der Namen dagegen ein untrennbarer Begriff ist, Galtalm (Alm fr Galtvieh), Katzenkopf, Zischgenkopf, so werden die Bestandteile zusammengeschrieben.
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